ebenwohl bis zum M. d. Rtts. au mich ein zu reichen.
2573. Der Königliche Ländrath
_______________________Freiherr v m: Br o i ch.
Unter dem Rindvieh des George Rüdiger und Jacob Zickendraht basier ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Tann, den 7. März 1881.
Der Bürgermeister Rüdiger.
Gefunden: eine Mütze. — Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.
Politische Nachrichten.
Denlschland»
Das preußische St aats minist er ium hat in den letzten Tagen wiederholt Sitzungen abge- halten, in welchen über die Besetzung des Ministeri- ums des Innern — Regierungspräsident v. Wolfs aus Trier, der auch nach Berlin gekommen ist, soll nun die meiste Aussicht haben, Nachfolger des Grafen Eulenburg zu werden — über die kirchen- politischen Vorgänge und über die Extra-Session des Landtages verhandelt wurde.
Der Bundesrath hat das Arbeiterunsallver- sicherungs-, das Jnnungsgesetz und die Wehrsteuervorlage nach den Ausschußanträgen angenommen. Diese haben bei dem erstgenannten Gesetze wesentliche Abänderungen der aus den Berathungen des Volkswirthschaftsraths hervorgegangenen Vorlage cherbeigeführt. So zählt das Gesetz jetzt 68 gegen früher 47 Paragraphen. Sehr wichtig ist z. B. der neue Paragraph 56, wonach Unterneh- .mern von Betrieben derselben Gefahrenklassen in räumlich abgegrenzten Bezirken gestattet werden kann, zum Zweck der Unfallversicherung auf Gegenseitigkeit zusammen zu treten.
Das Domcapitel zu Paderbornhat den Domcapitular Drobe der Regierung als Bisthums- Verweser präsentirt. Man glaubt, daß auch die Bisthümer Osnabrück, Fulda und Trier diesem Beispiele bald folgen werden und daß man sich auf dem besten Wege zur Beilegung des Kirchen- conflicts befindet. — Al^ ein weiterer Beweis hierfür wird angesehen, daß die Bischöfe von Straßburg und Metz in ihren Fastenhirtenbriefen auf Anweisung aus Rom her die in Deutschland üblichen Kirchengebete für den Kaiser in ihren Diözesen angeordnet haben.
Die nationale Partei hat beschlossen nach wie vor jede grundsätzliche Opposition gegen die Regierung abzuweisen, aber dabei doch einen entschieden liberalen Standpunkt zu wahren.
Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher eine Abänderung der Gewerbeordnung vorschlägt, dahingehend, daß gewissen Leuten die Ertheilung des Schwimm-, Turn- und Tanzunterrichts, das Handeln mit alten Sachen, das Gesindevermiethen, bie Ausübung des Winkelconsulentengeschästs u. s. w. soll untersagt werden können.
■ Den preußischen Provinzialregierungen liegt gegenwärtig ein Gesetzentwurf über Einkommensteuer vor, welcher die Einführung einer Capitalrentensteuer, ein neues Einschätzungsverfahren und die Vereinigung der Klassen- und Einkommensteuer zu einer allgemeinen Einkommensteuer vorschlägt. Die Einkommen bis 12000 Pik. jährlich zahlen nach diesem Entwürfe weniger als bisher.
Graf Moltke hat sich wiederum über den Krieg geäußert. Der Krieg, sagt er, sei ein gerechtes, ja oft das einzige Mittel, das Wohl, die Unabhängigkeit und die Ehre eines Landes zu sichern, das vielleicht im Laufe der Zeiten seltener zur Anwendung gebracht, aber wohl nie ganz werde entbehrt • werden können. Man beschuldige die deutsche Nation fälschlich der Kriegslust; in unserem Jahrhundert habe Deutschland niemals den Krieg erklärt. Nachdem es seine Einheit erkämpft, habe es seinen Zweck erreicht; es habe kein Bedürfniß nach neuen Kriegsabenteuern, müsse aber immer zur Vertheidigung bereit stehen.
Oesterreich.
Das österreichische Herrenhaus hat durch lieber Weisung des im Unterhause mit geringer Majorität angenommenen, famosen Lienbacherscheu Antrags auf die Abkürzung der Schulpflicht au die ständige Unterrichtecommisston dargethan, daß es die Ablehnung desselben beabsichtige.
Italien.
Die Insel Jschia ist durch ein Erdbeben ganz bedeutend beschädigt worden. Etwa 100 Häuser sind eingestürzt, andere sind dem Einstürze nahe. Ueber 50 Personen find getödtet und mehr als 60 beschädigt worden.
Frankreich.
In Erwiderung auf die Interpellation Clemen- ccaus betreffend den Verkauf von Pulver an Griechenland, erklärte der Ministerpräsident, die französische Regierung lasse allein Pulver fabriciren und triebe auch allein mit Pulver Handel. Dies geschehe bereits seit vielen Jahren, seit 1860, und zwar zum Nutzen der Staatsfinanzen. Die Regierung habe nur ganz gesetzmäßig an das Haus Roth in Wien Pulver verkauft und der Staat habe sich bsbei genau auf die Rolle des Fabri- canten und Exporteurs beschränkt. Die, Kammer lehnte dann auch die von den Interpellanten beantragte Tagesordnung mit 311 gegen 156 Stimmen ab.
Türkei.
Die Verhandlungen zwischen den Botschaftern der Großmächte und der Pforte wegen Beilegung des griechisch-türkischen Conflicts sind jetzt lebhaft im Gange.
Midland»
Das Oberhaus hat mit 165 gegen 76 Stimmen den von der Regierung bekämpften Antrag Lord Lyttons betreffend die Beibehaltung Candahars angenommen.
Eine große Anzahl irischer Grafschaften unb Distrikte ist bereits näher bezeichnet worden als solche, die unter die Ausnahmegesetze kommen.
Trotz ihrer Siege über die englischen Truppen bekunden die Boers eine durchaus versönliche Gesinnung. Der siegreiche Oberbefehlshaber hat die Engländer wissen lassen, daß die Bewohner des Transvaallandes den Wunsch hätten, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Es käme aber darauf an, in Uebereinstimmung mit der englischen Regierung die Feindseligkeiten einzustellen. Die Boers vertheidigten sich nur gegen die Angriffe der , Engländer und seien geneigt, alle Bemühungen anzunehmen, die den Frieden herbeiführen, vorausgesetzt, daß diese Bemühungen sich nicht gegen ben ; Beschluß der Boers ihre Freiheit zu gewinnen, richten.
Amerika.
Der neue Präsident der Vereinigteil Staaten hat anläßlich der Uebernahme der Präsidentschaft | am 1. März ein von ben. Zuhörern wie später l von der ganzen Presse sehr beifällig aufgenommene ' Antrittsrede gehalten.- Er erklärte in derselben, bezüglich des Panamakanalprojekts vollkommen mit seinem Amtsvorgänger Hayes darin übereinzustim- ! men, daß die Vereinigten Staaten die Aufsicht I über jeden interoceanischen Kanal haben müßten. ! Der neue Präsident sprach sich mißbilligend über die Vielweiberei der Mormonen aus und empfahl dem Congresse, beschränkende Maßregeln in dieser Hinsicht zu ergreifen.
Hierauf leistete Garfield den Amtseid und wurde in feierlichem Zuge nach dem Präsidialgebäude dem berühmten „Weißen, Hause" geleitet. Der Weg dorthin war festlich geschlnückt. — DerCvn- greß hat sich auf unbestimmte Zeit vertagt.
Aus He sie »-Nassau.
Hersfeld, 6. März. Dem Fabrikarbeiter Göbel, der am heutigen Tage in ein unb derselben Fabrik, zuerst beim Commerzieurath Bann (Vater , und Sohn,) dann beim jetzigen Besitzer Fr. Braun 50 Jahre lang treu und gewissenhaft seine Pflicht erfüllt hat, wurde das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Im vorigen Jahre beging in der Rechberg- schen Tuchfabrik ein Arbeiter denselben Festtag ; und fand dieselbe Anerkennung. ,(H. M.)
— Dem Goldarbeiter Jean Pierre Bailly zu Hanau ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — Der Landgerichts-Rath Weiß in Halberstadt ist als Amtsgerichts-Rath an das Amtsgericht in Fulda versetzt worden. — Nach der „Chemiker Ztg." ist dem Corps-Stabsapotheker Dr. Lenz zu Münster die Untersuchung der Nahrungsmittel für das 11. Armeecorps (Hessen-Nassau) übertragen worden.
— Am Freitag Abend verschied im prinzlich hessischen Hause zu Frankfurt a. M. der Prinz Georg von Hessen im vollendeten 88. Lebensjahre.
Cassel 5. März. Ein höchst bedauerlicher Unglücksfall hat sich heute Nacht auf derPotente'- schen Lehmsteiusabrik an der Holländischen Straße zugetragen. Zwei dortselbst beschäftigte Arbeiter, die Brüder Ohlwein, hatten Zich gestern in ihrer für die Nachtruhe bestimmten Stube ein sehr starkes Feuer angemacht auch vorsorglich noch alle Ecken dicht verhangen, damit nur ja fein Luftzug ein- dringen konnte. Die arglosen Männer haben dann jedenfalls zu früh die Ofenklappe geschlossen — die Unglücklichen ahnten wohl nicht, daß sie sich selbst ein frühes Grab bereiteten —, denn heute
Morgen wurden beide erstickt aufgefuuden; das ausgeströmte Kohlenoxyd hatte den ganzen Raum angefüllt und den beiden Männern während des Schlafes das Lebenslicht ausgeblasen. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Verunglückten waren tüchtige, brave Leute und standen im besten Mannesalter; sie hinterlassen beide Frauen und Kinder. (H. M.)
Cassel, 8. März. Gestern Nachmittag fand unter großer Bethestigung das Leichenbegängnis des durch einen beklagenswertsten Unfall so jäh um» Leben gekommenen Oberforstmeisters von Schmerfeld statt. Im Sserbehause fand eine Feierlichkeit statt, bei welcher Herr Pfarrer Wagner die Trauerrede hielt. Dann wurde der reich geschmückte Sarg unter einem Gefolge von zahlreichen Equipagen nach dem Friedhofe überführt, wo am Grabe ein Gebet gesprochen wurde. Herr Oberforstmeister v. Schmerfeld hatte bei einer dienstlichen Besichtigung der Försterwohnnng in St. Ottilien das Unglück, durch einen Fehltritt in Folge seiner Kurzsichtigkeit durch eine Lücke vom Boden der Scheune hinabzustürzen, welcher Sturz bedauerlicherweise einen Rippenbruch und eine Verletzung der Lunge zur Folge hatte, die den Tod herbeiführtL. W Tgbl.)
Witzenhausen, 5. März. Heute früh gegen 4 Uhr brach in den Hintergebäuden des hiesigen Handelsmannes W. Breiding Feuer aus. Die wohlorganisirte Feuerwehr war alsbald zur Stelle, konnte aber, da die Gebäulichkeiten sehr viel Stroh und Fourage enthielten, nicht Herr des FeuerS werden, so daß die Gebäude total niederbrannten. Ein Ochse konnte nicht gerettet werden und wurde derselbe beim Schuttaufräumen als verkohlt aufgefunden. W. Breiding lebt in guten Verhältnissen unb ist versichert. Die Entstehung des Brandes ist, wie fast immer, unbekannt.
Feuilleton. ,
Dämon Laune.
Original-Novelle von B. Iv«n g.
(Fortsetzung.)
„Ich bin es!" erwiderte Elise und gleichzeitig faßte sie den Entschluß, BÄa in's Einvernehmen ziehen zu wollen, ihm die Geschichte des Mädchens zu erzählen und ihn zu bitten, für kurze Zeit noch auf jeden Verkehr mit ihr selbst zu verzichten, bis sie in das' Haus ihres Vaters zurückgekehrt, die Vorbereitungen zu ihrer baldigen und unauflöslichen Verbindung mit ihm treffen würde.
In diesem Augenblick betrat Irma den Salon. Sie sah frischer und wohler aus, als zu erwarten stand und mit einem heiteren Lächeln auf ihrem feinen Kindergesichtchen kam sie jetzt auf Elise zu. „Böse Freundin, was muß ich hören?" rief sie, scheinbar schmollend, „Du willst mir und meiner armen Mama die halbe Welt zu Feinden machen, indem Du um unsertwillen all' Deinen alten Bekannten Dein Haus verschließest? Sind wir denn Menschenfeinde?"
„Wer hat Dir gesagt — ?" forschte Fräulein Kronwald verlegen erröthend; Irma aber fiel ihr lächelnd in's Wort:
„Die Beschädigten selbst klagen Dich der Grausamkeit gegen sie an. Sieh' hier, diese Tablette habe ich soeben Deinem Diener im Vorzimmer ab- genommen; sie enthält eine ganz respektable Zahl Visitenkarten und nun will ich, mit Deiner Erlaubniß, all' die Namen auf den hübschen Blättchen lesen und wenigstens auf solche Art Bekanntschaft mit Deinen Verbannten machen."
Ein beängstigender Gedanke fuhr Eliseu durch den Kopf und rasch griff sie nach der Tablette in Jrma's Händen, indem sie gezwungen lachend sprach: „Ach, lasse doch diese langweiligen Patrone, aus deren Gesellschaft ich mir so viel mache!" Und sie schleuderte mit Blitzesschnelle die Karten in das lodernde Kaminfeuer, wo sie augenblicklich von den Flammen ergriffen wurden.
Eines der Blättchen ließ während es sich wie im Schmerz zusammenbog und die kleinen ersterbenden Funken auf demselben hin und her zuckten, den Namen Fodor erkennen, doch war derselbe nur der jetzt erleichtert aufathmenden Elise sichbar geworden, die mit dem kleinen zur Hand liegenden Schüreisen, mit wildem Stoß auch die letzte Spur der soeben überstandenen Gefahr vernichtete.
Irma, etwas frappirt, war von ihr zurückge- treten und die Hände zusammenschlagend, rief sie jetzt: „Großer Gott, wie Du heftig fein kannst! Wozu denn dieses grausame Autodafe?"
Fräulein von Kronwald blieb die Antwort auf diese Frage glücklich erspart, denn ihr Vater trat in diesem Moment in den Salon, um die Damen zum Diner abzuholen.
Der Aufgeräumtestevon Allen heute beim Mittags-