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daß von Ostern ab in den Schulen des Herzog- thums der Orthographie-Unterricht nach den dafür in Preußen eingeführten Vorschriften ertheilt werde. * Während der von etwa 2000 Personen besuchten Maskenkneiperei der Maler-Akademiker im Mün- chener Colosseum ist eine Feuersbrunst ausge­brochen, durch welche vier Maler umgekommen, mehrere schwer und noch mehrere leicht beschädigt worden sind.

In Neustettin ist die Synagoge niederge­brannt. Da die Synagoge seit einigen Tagen nicht besucht gewesen war, wurde allgemein bös­willige Brandstiftung angenommen. In wiefern der Brand bezw. die Brandstiftung als eine Frucht der kurz vorher dort gehaltenen Hetzrede des Dr. Henrici zu betrachten ist, wird die eingeleitete Un­tersuchung ergeben. Die Stettiner Blätter bringen den Brand mit großer, aber zum mindesten vor­schneller Bestimmtheit mit der Agitation des anti- jüdischen Apostels — wenn das Wort Apostel hierdurch nicht entweiht wird — in Verbindung. Jüdischer- wie Christlicherseits sind bedeutendere-, lohnnngen auf die Entdeckung des Brandstifters ausgesetzt worden. In Neustettin ist die Aufreg­ung'ungeheuer, und die Freunde mehr aber noch die Gegner der Judenhetze werden mit der Schroff­heit, mit welcher in dem pommerschen Städtchen Jud und Christ einander gegenüberstehen, zufrie­den sein.

Frankreich.

Die Stadt Marseille hatte im vergangenen Jahr ein Grundstück zur Errichtung eines Denkmals für Thiers bewilligt, diesen Beschluß aber jetzt mit 33 gegen 1 Stimme zurückgenommen, weil Thiers zeitlebens ein Feind der vorgeschrittenen Liberalen gewesen.

England.

Zwischen der englischen Regierung und den Transvaalboers wird jetzt direkt wegen des Frie­dens verhandelt. Dieser Schritt der Regierung wird offen von der eonservativen Presse mißbilligt, weil die britische Waffenehre verlange, daß die Boers sich erst unterwerfen müssen, ehe mit ihnen' unterhandelt werden könne.

Parnells Verkehr mit Rochefort wird nicht nur von den Engländern sondern auch selbst von den gemäßigten Homoruleurs mißbilligt.

Amerika.

Der Senat der Vereinigten Staaten von Ame­rika hat den Gesetzentwurf über die Couvertirung der Staatsschuld genehmigt.

Aus Hefseu-Nassan.

Hersfeld, 23. Februar, Die Kataster-Con­troleure Loewe zu Hersfeld und Goehring zu Kirchhain sind zu Steuer-Juspectoren ernannt worden.

Hersfeld. Dem Vernehmen nach soll dahrer der Bau eines definitiven Bahnhofsgebäudes noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden. Der Kostenanschlag beträgt 180,000 Mark und seien schon 50,000 Mark zur Inangriffnahme des Ge­bäudes bestimmt. Auch spricht man mit Bestimmt­heit davon, daß die Bauinspektion der Frankfurt- Bebraer Bahn von Göttingen nach hier verlegt werde. t

— Die Allerhöchste Kabinetsordre über die Em- führung des Helmes an Stelle des Tschakos für bte Landwehrinfanterie lautet: Auf den mir gehal­tenen Vortrag bestimme ich, daß für die Landweyr- Jnfanterie an Stelle des Tschakos der Helm als Kopfbedeckung eingeführt und mit der Beschaffung dieses neuen Ausrüstungsstücks nach Maßgabe der verfügbar zu machenden Mittel vorgegangen werde. Als Abzeichen hat die Landwehr auf der Helm­dekoration (Adler u. f. w.) das Landwehrkreuz zu führen. Die Inschrift: „Mit Gott für König und Vaterland 1813" bezw.: „Mit Gott für Fürst und Vaterland" und „Mit Gott für's Vaterland" ist auf der Helmdekoration nur einmal, und zwar auf dem Landwehrkreuz anzubringen. Das Kriegs­ministerium hat hiernach unter Ausgabe von Pro­ben der Helmdekoration das Weitere zu veran­lassen. Berlin, den 20. Jan. 1881. Wilhelm, v. Kameke.

— Das Einbringen der Sachen des -Miethers in die gemiethete Wohnung stellt sich, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 23. November v. I., als eine der wirklichen Uebergabe analoge Handlung des Miethers dar, wodurch dem Vermieter wenigstens ein mittel­barer Besitz verschafft wird. Der Miether bleibt zwar im Naturalgewahrsam und im vollständigen Besitz der inferirten Sachen; er wird unvollstän­diger Besitzer der Wohnung und bringt die mit der Absicht, daß sie daselbst, wenn auch nicht dau­ernd bleiben sollen, inferirten Sachen dadurch in

ein Pertistenzverhältnis zn der Wohnung. Der Vermiether behält aber den vollständigen Besitz der Miethswohnung wie des Hauses und erlangt dadurch über die,eingebrachten Sachen des Miethers ein solches Herrschaftsverhältniß, daß er jede ihm nachtheilige Disposition des Miethers über dieselben, jedes Herausschaffen aus der Wohnung und aus dem Hause hindern und eintretenden Falles behufs Realisirung seines Pfandrechtes die Sachen reti- niren kann. Hieraus erhellt, daß dieses Recht des Vermiethers kein bloßer Pfandtitel, sondern ein wahres Pfandrecht ist und mit der Einbringung, nicht erst mit der Retention entsteht. Das Pfand­recht kann schon vor Beendigung des Miethskou- traktes geltend gemacht werden, und diesem Pfand­recht unterliegen auch diejenigen Sachen, welche gesetzlich, kein Gegenstand der Execution sein sollen, da dasjenige, was ausdrücklich verpfändet werden darf, auch stillschweigend verpfändet werden kann. An diesem Rechtszustand hat weder die preußische Konkursordnung vom Jahre 1855, noch sie Reichs­konkursordnung etwas geändert. Das.Pfandrechl erlischt bezüglich derjenigen Sachen, welche der Miether mit ausdrücklicher oder stillschweigender Einwilligung des Vermiethers aus dem Besitzthum des Letzteren entfernte. Dagegen stellt sich die heimliche, Wider Wissen und Willen des Vermie­thers geschehene Fortschaffung der Jllaten als eine rechtswidrige, das Pfandrecht des Vermiethers verletzende Handlung des Miethers dar.

Feuilleton.

Dämon Laune.

Original-Novelle von B. Noung.

, (Fortsetzung.)

Elise, die in der That nicht an ein unheilbares Leiden der Freundin glauben wollte, schüttelte den Kopf, indem sie sprach: „Rede Dir nicht selbst derlei Dinge ein, Irma! Wenn Du erst vergessen haben wirst "

„Vergessen?" fiel chr diese schmerzlich lächelnd in's Wort, „Du bist auf Irrwegen mit Deinen Gedanken. Nicht getäuschte Liebe kürzt meinen Lebensfaden. Sie hat mir wohl wehe gethan, die Lüge des schönen Mannes, dessen Betyeuerungen meinem eitlen Mädchenherzen so süß geklungen und an dessen Seite ich dereinst glücklich zu werden ge­hofft habe.

„Damals wußte ich ja noch nichts von dem zer­störenden Wurm, der heimlich schon an meinem Lebensmark zu nagen begann. Diese ebenso rasch gelöste wie geknüpfte Verbindung hat allerdings eine Art Pression auf mein schnelleres Scheiden von dieser schönen Erde geübt, aber an Bleiben meiner­seits wäre selbst unter den glücklichsten Verhält­nissen nicht zu denken gewesen; davon halte Dich überzeugt, Elise.

„Und was soll ich nun -am Corner-See, mit meiner lieben, süßen Mama zwar, aber dennoch auf fremden Boden, unter uns fremden Menschen?

„Daheim, auf unserem Gute, kenne ich jeden Baum, jeden Strauch; daheim leuchten mir be­kannte Sterne und auf jedem Menschenantlitz, das mir dort begegnet, finde ich einen Zug von Freund­schaft oder Liebe.

„Elise! Könnte, dürfte ich so lange an Deiner Seite leben, als mir überhaupt noch zu leben ge­stattet ist, dann freilich würde ich dort bleiben, wo Du bist; da dies aber nun nicht sein kann, so möchte ich heimkehren."

Erschüttert und das Haupt gesenkt, hatte Elise den Worten des armen kranken Mädchens gelauscht. Jetzt trocknete sie rasch die Thränen, die sich an ihren Wimpern sichtbar gemacht und festen Tones erklärte sie: „Nun denn, wenn Du nach Hause zurückkehren solltest, dann werde ich Dich wenigstens bis dorthin begleiten!"

„Dank! O, tausend Dank!" lispelte Irma.

Unerwarteter Weise stieß der Wunsch der Kranken weder von Seite des Arztes, noch von der Frau von Földvary's auf besonderen Widerspruch. Viel­leicht hatte Ersterer als gewissenhafter Mann der unglücklichen Mutter über den Zustand ihrer Tochter bereits reinen Wein eingeschenkt und fürchtete diese nun selbst, mit ihrem kranken Kinde in ein fremdes Land, unter fremde Menschen ziehen zu sollen, — genug: Der Doktor erklärte sich mit einer Rückreise in die Heimat!) einverstanden, vorausgesetzt, daß dieselbe nicht in einer Tour gemacht werde, sondern daß zur Erholung der Patientin ein jeweiliger Aufenthalt in den Zwischen-Stationen genommen werde.

„Wenn Sie aber schon dem Süden den Rücken wenden wollen, dann müssen Sie es bald thun, der jetzt immer rauher werdenden Witterung wegen müssen Sie trachten, die Reise hinter sich zu be­

kommen," hatte der Arzt schließlich gerathen und nachdem noch ausgemacht worden war, daß Frau von Földvary mit ihrer Tochter mehrere Tage in Wien und zwar im Hause Kronwald's selbst bleiben sollte, wurde die Abreise von Venedig für den zweitnächsten Tag festgefetzt.

Der Advokat Braun befand sich diesmal in argem Irrthum, als er wähnte, seiner Kriegslist sei es gelungen, Fräulein von Kronwald nach her Residenz zurück zu locken. Er hatte heute au Bela telegra- phirt und diesen zu sich gebeten.

„Weißt Du, daß Deine schöne Braut binnen wenigen Stunden hier eintreffen wird?" Mit diesen Worten begrüßte er den Freund.

„Wär's möglich ?!" rief dieser überrascht. „Und was mag sie zur Rückkehr nach Wien bewogen haben?"

Braun zuckte geheimnißvoll die Achseln. „Mög­licherweise wieder — eine Laune. Thatsache ist, daß Krouwald's heute erwartet werden und zwar in Gesellschaft zweier fremden Damen. Frau Huber, die alte Zimmerwärterin, die ich beauftragt hatte, mich rechtzeitig von Allem in Kenntniß zu setzen, war heute Morgens hier und wies mir ein Tele­gramm vor, welches sie auffordert, Alles zum Em­pfang ihrer Herrschaft bereit zu halten."

„Deshalb wohl hast Du auch mich avistrt? Bist Du der Ausicht, daß ich Elise auf dem Bahn­hof erwarten und begrüßen soll?" frug etwas er­staunt, aber mit heiterer Stirn der Offizier.

„Fällt mir nicht im Schlafe ein! Thor der ich wäre, Dir solchen Rath ertheilen zu wollen. Nein, mein Freund, ich habe einen anderen Plan und zwar- — vor Allem aber die Frage. Kannst Du einen oder zwei Tage hier bleiben?!"

BÄa nickte. „Ohne Zweifel! Vorausgesetzt natürlich, daß ich sofort telegraphisch, mir dazu die Bewilligung von Seite meines Obersten sichere."

„Gut, dann wirst Du wie gewöhnlich bei mir wohnen und mich nicht eher verlassen, bis Du mit Deinem künftigen Schwiergervater, der mich höchst wahrscheinlich schon im Laufe des morgigen Vor« Mittages besuchen dürfte, eine Unterredung ge­pflogen."

„Was aber soll diese bezwecken?"

„Höre mich!" Und nun besprachen die beiden Freunde, was dem alten Herrn mitgetheilt werden sollte!----1

Die Reise von Venedig nach Wien, die in vier Tagen zurückgelegt worden war, hatte Irma nicht nur nicht geschadet im Gegentheil schien sie einen sehr wohlthätigen Einfluß auf dieselbe geübt und sie merkwürdig erfrischt und gekräftigt zu haben.

In Triest und Graz hatte die kleine Reisegesell­schaft Aufenthalt genommen und Elise, die ihrer Freundin fast keinen Augenblick von der Seite ge­wichen war, hatte sich bemüht, dieser die Stunden mit ihren wechselnden Bilder zu den möglichst an­genehmen zu machen.

Endlich waren sie heute Abends in der Residenz augekommen und in ihrem eigenen Hause hoffte Elise die von ihr so zärtlich behütete Kranke einer vollständigen Genesung entgegenschreiten zu sehen.

Frau von Földvary war überglücklich, als sie mit ihrer Tochter die freundlichen, geschmackvollen Räume betrat, welche die Herrin des Hauses den beiden Damen zur Verfügung gestellt hatte. Es waren jene Gemächer, welche einst Kronwald's Gattin bewohnt hatte. Sie lagen nach einem hübschen Gartenhinaus und blieben gänzlich unbe­rührt von dem lebhaften Geräusch der Straße, in welchem das Haus selbst sich befand.

„Hier, verehrte Frau, werden Sie mitten im Treiben einer Großstadt, wie auf dem Lande leben können, wenn es Sie und meine liebe Irma nach Ruhe und Stille verlangen sollte," hatte Elise ge­sagt und Frau von Földvary dankte ihr solche Wohlthat, im Interesse ihres Kindes.

Der Dienerschaft wurde von Seite Fräulein Kronwald's die Weisung gegeben, daß vorläufig keine Besuche empfangen würden; unter keinerlei Umständen aber jemals wieder Graf Fodor, dessen Name übrigens in Gegenwart der fremden Damen, unter keiner Bedingung ausgesprochen werden dürfe. Ein Außerachtlaffen dieses Verbotes solle unnach- sichtlich mit sofortiger Dienstes-Entlassung bestraft werden. (F. f.)

Vermischtes.

— Der diesjährige allgemeine deutsche Turnt eh rertaL au welchem die Turnlehrer Deutschlands, Oesterreich und der Schweiz theil- nehmen, wird wahrscheinlich in der Pfingstzeit — eine definitive Bestimmung darüber wird binnen ' Kurzem getroffen — in Berlin stattfinden. Die erste dieser Versammlungen wurde vor nunmehr zwanzig Jahren auf Anregung des Berliner Turn­lehrervereins bei Gelegenheit des zweiten deutschen