in der Nacht zum 3. Januar v. I. mittelst Eiu-. Braun, den die hübsche Tochter einer medizini- bruch und Einsteigens einem Handelsmann in schen Celebrität gefangen hielt, in deren Nähe er Unterbaun den halben Laden ausräumte und an sich über alle Maßen wohl zu befinden schien, Manufaktur- und Kolonialwaaren mitnahm, so I
schwer er wegbringen konnte, wurde einschließlich einer noch nicht verbüßten, ebenfalls wegen Diebstahls erkannten 9monatlichen Gefängnißstrafe zu einer L^jährigen Zuchthausstrafe, 'dreijährigen Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht ver- urtheilt.
Cassel, 6. Jan. Heute Morgen verunglückte der Eisenbahnarbeiter Müller, dem Vernehmen nach aus Kirchditmold, auf dem hiesigen Bahnhöfe dadurch, daß er unter die Räder eines in Bewegung befindlichen Zuges gerieth, wodurch ihm der Kops vom Rumpfe abgetrennt wurde. (H. M.)
geuUIeton.
Dämon Laune.
Original-Novellevon B. Aouua. (Fortsetzung.)
Elisc war purpurroth geworden. Vielleicht hatte sie ihr Unrecht eingesehen. Aergerlich und beschämt zugleich wandte sie sich mit leichtem Achselzucken an den Offizier, der jetzt ganz in ihrer Nähe stand, und frug diesen Halbleise:
„Glauben Sie, mein Herr, daß der Doktor recht gethan — ?"
„Ich bin vollständig davon überzeugt, mein Fräulein!" erwiderte dieser fest. „Jedenfalls hat er das arme Kind vor einer Gefahr bewahrt."
Ohne weiter ein Wort über die Sache zu verlieren, wünschte Elise jetzt den Park und das noch immer nach ihr gaffende Publikum verlassen zu können, und nach einem kurzen kühlen Gruß für die beiden jungen Leute bestieg sie ihren vor dem Gitterthor harrenden Wagen.
Herr von Kronwald, sehr verlegen, wie es schien, hatte kaum noch Zeit, Braun wie entschuldigend zuzuflüstern:
„Nehmen Sie's dem Kinde nicht übel, — Sie kennen sie ja, — sie meint es nie böse!"
Etwas verstimmt blickte Büla den Davon- fahrenden nach, dann sprach er bedauernd:
„Du hast Dir heute das Mädchen zur Feindin gemacht, Carl! Nun geht sie Dir wohl für immer aus dem Wege!"
„Meinst Du?" lachte Braun, „da kenne ich sie doch besser. Jetzt erst gelte ich was bei ihr, — Du sollst es sehen!"
Und er hatte sich nicht geirrt. Am anderen Morgen schon brächte ihm sein Diener eine Einladungskarte für einen der nächsten Abende zum Souper im Hause Kronwald's, welcher die Bitte beigefügt war, seinen Freund mitzubringen.
In liebenswürdigster, gewinnendster Weise empfing Elise die Gäste ihres Vaters an jenem für Bvla so denkwürdigen Abend; nicht der leiseste Schatten von Mißmut!) lag auf ihrem reizenden Gestchtchen, als sie Braun wie einem alten Freund ihre Hand reichte, und auch mit keiner Silbe mehr wurde die kleine Scene im Stadtpark be-
rührt gehörte.
Es war eine nicht allzu große, aber sehr ge- * -^um werüg Wochen ^re» eme lä^ wählte Gesellschaft, die Herr von Kronwald heute fvnnte Thatsache geworden, daß der Offizier Stmi- zu sich geboten, und die theils aus Männern der f^d M ^n'wiiilten Vereh rein Fr auleui Kro n- Wissenschaft, Künstlern und einigen Diplomaten wald s zahlte und her dies er j owohl, wie auch bei bestand. Einige derselben hatten ihre Frauen und । ihrem Vater lehr viel galt to- M
Töchter mitgebracht, und diese Letzteren waren fast !
ausschließlich bildhübsche Mädchen; trotzdem schienen sie der wahrhaft berückenden Schönheit Elisens hier nur als Folie zu dienen.
Elise trug ein Kleid aus mattrosa Seide; kein
Schmuck zierte ihre prachtvollen Arme und nur um den blendend weißen Hals hatte sie ein schmales
Sammtband gelegt, an welchem ein Kreuzcheu, aus Perlen gebildet, hing. Das volle dunkle Seidenhaar fiel in natürlichen Locken, die durch ein Band von gleicher Farbe wie ihr .Kleid zusammengehalten, — tief über den vollen Stacken. So einfach aber auch ihre Toilette war, dennoch sah sie königlich aus, die hohe, schlanke Gestalt mit der prächtigen Haltung und dem wahrhaft majestätischen Wuchs. Die liebenswürdige Ungezwungenheit ihres Be- - nehmens aber, der fast kindliche, herzliche Ton, in welchem sie heute mit Allen verkehrte, ließen in ihr nur ein bezauberndes Weib erkennen.
Seid, der schon früher einigermaßen den Kopf bei ihrem Anblick verloren hatte, kam heute vollends auch um sein Herz. Und dennoch hatte sie bisher ^mr wenige Worte mit ihm gewechselt. Vor dem Souper und während die älteren Herren und Damen am Whist sich vergnügten, hatte sich ein junger Virtuose an den Flügel im Salon nebenan gesetzt und seinem meisterhaften Spiel lauschte jetzt die junge Welt, in einzelnen Gruppen vertheilt.
hatte vergessen, wie sehr sich sein Freund in der ihm fast' vollständig fremden Gesellschaft isolirt fühlen mußte, und bemerkte es daher auch nicht, wie Seid, gleichsam verwaist, in einer Fensternische stand und in stummer Bewunderung zu dem Götterbilde in rosa Seide hinüber sah, das leicht sich aus den Flügel stützend und die schönen Augen halb geschlossen, der klassischen Musik lauschte.
Da näherte sich ihr plötzlich ein junger Maler von bedeutendem Ruf und schien ihr etwas zuzuflüstern. Rasch blickte sie zu ihm auf, während eine leichte Blutwelle ihre Wangen Höher färbte. Böla gab es einen Stich in's Herz, als er dies sah, und sofort fühlte er auch, was sie ihm schon galt. Fast gleichzeitig aber schaute Elise zu ihm herüber und leicht lächelnd verließ sie mit unhör- baren Schritten ihren Platz und trat auf den jungen Offizier zu.
„Verzeihen Sie, mein Herr, daß wir Sie so ganz sich selbst überließen," sprach sie zu ihm mit ihrer silberhellen, jetzt etwas gedämpften Stimme, „es ist nicht hübsch von Ihrem Freund Braun, sich gar nicht um Sie zu bekümmern! Ich glaube aber die blauen Augen Emma's haben ihm den Kopf verdreht. Wollen Sie mich an seiner Stelle zur Gesellschaft haben," fetzte sie lächelnd hinzu, „dann werde ich mich bemühen, Ihnen den Abtrünnigen ein wenig ersetzen zu können." Dabei ließ sie sich auf einen Stuhl dicht neben Seid nieder und lnd ihn mit einer freundlichen Handbewegung ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen.
„Ö, mein Fräulein," kam es da mit, leise vibrirender Stimme über des also Beglückten Lippen, „wüßten Sie doch, welchen Werth nun auch für mich die blauen Augen jener Dame bekommen, wahrlich, Sie würden es begreiflich finden, daß ich Ihrer Frage keine Anwort hinzuzufügen vermag!"
„Soll ich Sie der schönen Emma etwa vorstellen — ?" flüsterte nun Elise rasch und mit einem schlauen Lächeln.
„Um Gotteswillen nicht!" stieß bd Seid hervor, — „meine himmlischen Illusionen wären sofort zerstört?" —
Der Virtuose am Klavier hatte einer Sängerin Platz gemacht; dieser war ein Tenor mit prächtiger Stimme gefolgt, noch immer aber saßen die Tochter des Haches und der schöne, schlanke Husarenoffizier in der Fensternische, über ihrem leise geführten Gespräch beinahe überhörend, daß der Diener die Gesellschaft zum Souper rief.
Bei diesem sollte nun B6la Eliseu ferne sitzen, zwischen seinem Freund und der hübschen Gattin eines Professors postirt, die er indessen so wenig zu amüsiren verstand, daß sie sehr bald keine Notiz mehr von ihm nahm, und da auch Doktor Braun sich viel mit seinem Gegenüber, der schönen Emma, beschäftigte, so blieb Seid Muße genug. darüber Nachdenken zu können, welch' seltsame Wandlung heute sein innerer Mensch genommen und wie auch nicht ein Pulsschlag seines Herzens mehr ihm selbst
des Herrn Professor Dr. Dietrich zu Marburg in der General-Versammlung des laudwirthschaft- lichen Kreisvereins 5zersfeld am 21. December 1860 zu Hersfeld über den Gegenstand der Tagesordnung jener Versammlung: „Welchen Einfluß hat der Stickstoff und die Phosphor- säure auf das PflanzenwaMthum.
(Fortsetzung.)
Die Pflanzen sind also bezüglich ihrer Versorgung mit Stickstoff auf den Stickstoff angewiesen, der bereits im gebundenen Zustande vorhanden ist. In geringer Menge finden sich Stickstoffverbinduu- gen in der Luft. Es vollziehen sich nämlich einige Prozesse in der Natur, welche die Indifferenz des atmosphärischen Stickstoffs bezwingen und ihn in Verbindungen überführen, die als Pflanzennährstoff dienen können. Es ist nämlich erwiesen, daß der elektrische Funke im Stande ist, eine Verbindung des in der atmosphärischen Luft vorhandenen Stickstoffs und Sauerstoffs herbeizuführen und solcherweise Salpetersäure zu erzeugen. Nun ist aber jeder Blitz nichts Anderes als ein mächtiger elektrischer Funke, und so werden wir auch den Gewittern die Fähigkeit zuschreiben müssen, den freien Stickstoff der Atmosphäre mit dem Sauerstoff, — mit dem er in der atmosphärischen Luft
als unverbundenes Gasgemenge vorhanden ■ chemisch zu verbinden und so einen Theil des W indifferenten Stickstoffs in gebundenen Stia^W und zwar in Form von Salpetersäure zu verwanmM
Ferner ist der Nachweis geliefert, daß bei einD in der Natur unterbrochenen und über die Erdoberfläche sich ausdehnenden Vorgänge näM bei dem Verdampfen von Wasser der freie St^W der Atmosphäre in gebundenen Zustand, W in salpetrigsaures Ammoniak übergeht.
ren beider Prozesse, ihre Produkte, lassen ftq^B der Luft leicht nachweisen und jeder Regen, ber zur Erde fällt, beweist das Vorhandensein dieser stickstoffhaltigen Körper in der Luft, denn er enthält fast immer kleine Mengen Salpetersäure, Sal- Petrige-Säure und Ammoniak. Leider sind diese solcherweise der Erde zugeführten stickstoffhaltigen Nährstoffe nicht sehr reichlich; man hat auf Grund der zahlreichen hierüber angestellten Ermittelungen berechnet, daß anf die Fläche eines Preuß. Morgens im Laufe eines Jahres etwa 5—6. Stickstoff gelangen, von welcher Menge aber ein gut Theil in die Tiefe sickert und mit den Tagewässern in die Bäche und Flüsse verrinnt; jedenfalls ist der hiermit gelieferte Stickstoff ein kleiner Bruchtheil der Stickstoffmenge, welche eine Weizen- oder Haferernte beansprucht und enthält. Wieviel von diesen Verbindungen durch Thau, Reif, Nebel dem Boden zugeführt wird, entzieht sich gänzlich der Berechnung. Eine nicht unbeträchtliche Menge Stickstoff gelangt in Form von Ammoniak in die atmosphärische Luft bei der Verwesung und Fäulniß vonPflanzen- und Thierleibern. Aus dem Stickstoff der organischen Welt geht bei der Verwesung zunächst immer Ammoniak hervor, welches als flüchtiger luftförmi- ger Körper sich der Luft mittheilt. Man findet deshalb immer, nicht blos iin Regenwasser, welches das Ammoniak auflöste, Ammoniak, sondern auch in der Luft selbst, gas- oder lustförmiges Ammoniak. In einer Million Theilen Luft sind ungefähr ein Theil Ammoniak enthalten. Aber nicht alle Pflanzen und am wenigsten die meisten unserer Kulturpflanzen sind vermögend, sich dieses Ammoniak der Luft anzueignen, und gerade diese Kulturpflanzen sind mit ihrem Stickstoffbedürfniß auf den Boden angewiesen und gedeihen in befriedigender Weise nur dann, wenn sie im Boden auf- nehmbare Stickstoffnahrung in reichlicher Menge finden. Wenn man in einem stickstoffsteien oder -armen Boden Klee und Getreide nebeneinander cultivirt, so wird man wohl den Klee, nicht aber das Getreide gedeihen sehen, denn der Klee ist befähigt das Ammoniak der Luft in sich aufzuneh- men und zu verarbeiten, er bedarf den Bodenstickstoff fast gar nicht, die Getreidepflanzen dagegen können sich das Ammoniak der Luft nicht oder nur in ungenügender Menge aneignen, sie werden es in stickstofffreiem Boden nur zu einer sehr spärlichen Produktion bringen. (F. f.)
Vermischtes.
— Ein originelles Weihnachtsgeschenk. Von einem sehr reichen Wiener Großindustriellen erzählt man der „Presse," daß er in origineller Weise seinen, Kindern ein Weihnachtsgeschenk gegeben habe. „WißtJhrwas," sagte er zu seinen.Andern, „ich bin alt und Ihr habt nach meinem Tode eine bedeutende Erbschaft zu erwarten. Warum sollt Ihr aber auf meinen Tod spekuliren, um die Freude eines großen Besitzes zu erringen? Ich habe mein Vermögen in so viel Theile getheilt, als ich Kinder habe, mir habe ich nur gelassen, was ich noch zum Leben und zu wohlthätigen Stiftungen brauche. Euch aber übergebe ich jetzt schon Euer Erbtheil mit je 100,000 fl. Da habt Ihr gewiß auch eine Freude zu meinen Lebzeiten und wir leben in Friede und Frohsinn weiter mit einander. Sprach's und händigte seiner Familie re den entfallenden Betrag ein und in dulei jubilo feierten Erblasser und Erben das Weihnachtsfest. . I Die Fähre auf dem Bingestrom bei Basten rn der Nahe von Memel, auf welcher sich 18 Personen und ein mit zwei Pferden bespannter Schlitten befand, sank am 31. December Abends 7 Uhr. Sieben Personen ertranken, die übrigen 11 konnten sich mit Hülfe des Fährtaues retten. Wahrscheinlich war die Fähre zu ungleichmäßig belastet gewesen.
^ — Vergifteter Gummi. Im Berner Jura-WD klebtesich ein angesehener Anwalt eine leichte SchmM wunde am Finger mit einem Stück von einer PoW marke und liegt nun seit 12 Wochen an schmerW hafter Blutvergiftung, die den ganzen Arm er-1 griffen hat, darnieder, so daß eine Operation & 1 einzig mögliche Rettung ist. Wahrscheinlich rüh' ■ das zum Verkleben benutzte Stück von einer schwe^W rischen Postmarke her. Immerhin mahnt der M zur Vorsicht. j^H