sich in ihrem Dienste ordentlich betragen, in steter Verbindung mit dem Marthahause bleiben, ihre freien Sonntag-Nachmittage daselbst zubringen und stets aus den Rath und den Beistand desselben rechnen. Der Pensionspreis beträgt 160 Mark jährlich und ist in Monatsraten praenumerando zu entrichten. Die Meldung zum Eintritt kann jederzeit unter Einsendung des HeimathS-, Geburts- und Confirma- tronsscheines, eines Sittenzeugnisses, der schriftlichen Einwilligung der Eltern und eines Garantiescheines für die Zahlung der Pension bei der vorstehenden Schwester des Marthahauses zu Cassel oder bet dem Vorstände des Diakonissenhauses zu Treysa erfolgen.
Treysa, den 16. November 1880.
Der Vorstand des Diakonissenhauses. _
MarthahauS.
Cassel. S a ck I.
Mit guten Zeugnissen versehene, anständige Mädchen, die in Cassel einen Dienst suchen, finden daselbst im Marthahause Sack I. freundliche Aufnahme. Diejenigen Mädchen, welche sich im Martha- Hause den häuslichen Arbeiten unterziehen, zahlen täglich für Kost und Logis eine Entschädigung von nurLOPfg. Wenn die Zeugnisse gut sind und das Verhalten eine Empfehlung erlaubt, können die im Marthahause weilenden Mädchen mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihnen die vorstehende Schwester in kurzer Zeit und zwar unentgeltlich eine geeignete Stelle ermitteln wird, weil von den Herrschaften die Hilfe des Marthahauses zur Erlangung ordentlicher Mädchen sehr stalk in Anspruch genommen wird.
Gaffel, den 16. November 1880.
Der Vorstand des Marthahauses.
Hersfeld, den 16. Dezember 1880.
Die Berliner Börsen -Zeitung brächte vor Kurzem den nachstehenden, auch dadurch in andere öffentliche Blätter übergegangenen Artikel:
„(Lenn e-Lahn-Ba hn.) Wie man uns aus Hersfeld mittheilt, hat in den letzten Wochen ein reger Briefwechsel zwischen bem Preußischen Arbeitsministerium und dem Ausschusse der Interessenten des Bahnprojektes Hersselb-Altenhunden stattgefunden, aus welchem hervorgehen soll, daß man sich für dasselbe in Berlin weit mehr intereffirt, als bisher allgemein angenommen wurde. Darüber freilich, wann die Realisirung des Planes eintreteii werde, läßt sich heute noch außerordentlich wenig sagen, zunial hierbei manche Faktoren mitsprechen, die man in den betreffenden Kreisen bisher noch kaum beachtet hat."
Da mir nun von einem solchen, unsere voraussichtlich bald durch den Druck vervielfältigte Denkschrift zur Voraussetzung habenden Briefwechsel durchaus nichts bekannt ist, so glaube ich mit Rücksicht auf den Schlußsatz jenes Artikels darauf aufmerksam machen zu müssen, daß ich denselben nur auf die gleiche, in dem nachstehenden, dem hiesigen Intelligenz- und Anzeige-Blatte vom 15. Mai c. entnommenen Artikel zur Genüge characlerffirte, mir nicht unbekannte Quelle zurückführen kann.
Hersfeld, 13. Mai. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, ist unsere, dem „C. Tagedl." entnommene, durch unsere letzte Nummer veröffentlichte Nachricht von einer „vertraulichen Besprechung" von Interessenten des Bahnprojektes Vacha-Hersfeld- Alsseld, welche dahier wieder stattgefunden haben soll, auch diesmal wieder auf eine reine Erfindung zurückzuführen, da hier Niemandem etwas von dieser, noch von der anderen, bereits früher erwähnten „vertraulichen Besprechung" zur Sache bekannt ist. Es wird uns zugleich bemerkt, baß, wenn es dem Erfinder jener Nachricht darum I
zu thun wäre, der Sache zu nützen, so bedürfe es solcher sich selbst richtenden Geheimthuerei nicht, vielmehr könne man dann die offene Betreibung dieser Angelegenheit dem zuständigen Comitee auch ferner überlassen, auf dessen, voraussichtlich in einiger Zeit zur allgemeinen Kenntniß gelangende weitere Schritte solche Erfindungen jedenfalls nicht beirrend einwirken würden.
Der Vorsitzende des Central-Comites für eine Eisenbahn von Altenhunden nach Hersfeld und event. Gerstungen
Freiherr von Broich, Königlicher Landrath.
Tagesbegebenheiten.
Aus Hessen-Nassau.
Kassel, 19. December. Ein entsetzliches Eisenbahnunglück hat sich heute Abend auf der Main-Weser-Bahn, unweit der Haltestelle Griste (zwischen den Stationen Gensungen-Gumershausen;, ereignet. Der von Frankfurt a. M. ab« gehende Rachmittagspersonenzug, der um 8 Uhr 30 Min. fahrplanmäßig hier eintreffen muß, ist an einer der gefährlichsten Stellen des Bahnkörpers, wo hart an demselben die jetzt angeschwollene Eder dahinströmt, entgleist und zwar in Folge eines herabgestürzten Steinblockes, welcher durch die anhaltenden Regengüsse dieser Tage losgeweicht, plötzlich von der haushohen Böschung herab- rutschte und das Geleise sperrte. Der Zug war im vollen Fahren und gelang es nicht mehr, denselben vor dem Hindernisse zum Stehen zu bringen. Die Lokomotive rannte mit solcher Vehemenz gegen den mächtigen Felsblock, daß sie sowohl als die meisten Wagen aus den Schienen geschleudert, umgestürzt und stark beschädigt wurden. Ein gräßliches Chaos entstand und ein Wunder ist es zu nennen, daß keiner der zahlreichen Passagiere erheblich verletzt wurde. Der Lokomotivführer Dellitt ist schwer, der Heizer wie der Postschaffner dagegen leicht verletzt. Von Kassel aus wurde sofort ein Hülfszug abgesandt, welcher gegen 11 Uhr mit den Verwundeten und den Passagieren hier wieder eintraf. Der Verkehr war nur mühsam aufrecht zu erhalten und müssen die Reisenden an der Unfallstelle umsteigen.
Eschwege, 16. Dezbr. Am 15. d. Mts., zwischen 6 und 7 Uhr Morgens, suchte ein Einwohner aus ErShausen seinem Leben dadurch ein Ende zu machen, daß er sich zwischen Schwebda und Geismar mit dem Kops auf den Schieuenstrang legte und sich mittelst eines Strickes, welchen er um den Hais gelegt hatte, an eine Stange im Geleise festband, um so von bem ankommenden Zuge überfahren zu werden. Diese versuchte Selbstentleibung ist ihm aber nicht gelungen, sondern derselbe wurde von den Räumern der Maschine ersaßt und bei Seite geschleudert, wodurch er nur eine leidste Verletzung davongetragen hat. Derselbe hat in der Nacht vorher seine Frau ermordet. Er hat auf Befragen erklärt, daß er seine Frau nicht erwürgen wollte, sondern dieselbe nur ein bischen am Hals gedrückt habe.
Petersburg, 21. Dezember. Der „Petersburger Herold" berichtet: Einige Werst von der Station Slawgorod an der Losowo- Sewastopol-Bahn auf dem Besitzthum eines gewissen Shabunow wurde kurz vor der Heimreise des Kaisers Alexander ein frisch gegrabener, bereits bis dicht an den Eisenbahndamm Herangeführler Tunnel entdeckt. Der Tunnel ging von einer Scheune aus. Die Polizei scheint nicht vorsichtig genug gewesen zn sein, denn die Verbrecher wurden nicht gefaßt. Ein Sohn des Besitzers Shabunow war bereits früher in einen Hochverrathsprozeß verwickelt gewesen. Der zweite Sohn ist seit der letzten Affaire verschwunden und wird gesucht; der alte Shabunow erschoß sich, als er von der Entdeckung vernahm. ______________________________
Die nächste Nummer d. Bl. erscheint Freitag den 2^d. M.
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