teile der Stiftung, welche zwischen Sparkasse und Lebensversicherung eine Lücke aus'ülle, und den Volkswohlstand zu fördern bestimmt sei, die Art und Weise der Einzahlungen „Einlagen" wodurch die Mitgliedschaft erworben wird, dann die verhältnismäßige hohe Summen, welche als Rente oder Kapital zuge- sichert werden, und endlich auch daS wichtigste über die Verwaltung der Anstalt. Wir h ben kurz folgendes hervor.
Verwaltungskosten haben die Einleger n i ch t zu tragen, diese werden von den Zinsen des Stiftungskapitals von etwa 1| Million Alk. be- stritten.
Die Einheit einer Einlage ist 5 Mk. und kann einfach oder in einem vielsachen davon zu be icbiger Zeit einmal, mehrmals, vielmals eingezahlt werden, und begründet jede Einlage Anspruch auf Reute oder Kapital. Eine Verpflichtung zu regelmäßig w i e d e r k e h r e n d c n Einzahlungen besteht nicht.
Die Einzahlung kann man ohne Vorbehalt der Rückzahlung derselben machen, dann ist der Ertrag am höchsten, oder man macht sie mit kurzem Vorbehalt der Rückgewähr, dann wird die Einlage ohne Abzug zurück- bezahlt, wenn das Mitglied vor Fälligkeit der Rente rc. stirbt, oder mit dauerndem Vorbehalt, dann wird die Einlage nach dem Tode des Versicherten, gleichgiltig ob und wie lange er Rente rc. empfangen hat, ebenfalls unverkürzt zurückbezahlt.
Eine Jahres-Reiue wird noch über den Tod hinaus bezahlt, die Anstalt dient also zugleich als Sterbekasse.
Mann kann für andere Personen und zwar unter verschiedenen Beschränkungen Einlagen machen, z. B. dass der Versicherte nur Rente, nicht K a p ita k erhält, dass derselbe die Einlagen nicht kündigen oder beleihen darf, auch dass die e ingel c g t e Summe an de n Ein z a h l e r zurücksällt.
Die Einlagen können jedoch nicht vor 5 Jahren, gekündigt oder b e- liehen werden, im ersten Falle wird die volle Einlage nebst 2 ^ Zinsen zurückbezahlt, im anderen Falle werden auf i, höchstens 2 Jahre /„ des eingelegten Betrags als Vorschuss gewährt.
Ein Gesundheitszeugnis ist zum Eintritt nicht nötig.
Die Berechtigung zum Empfang der Rente oder des Kapitals tritt mit dem 56. Lebensjahre des Versickerten ein, die Verpflichtung zur Erhebung mit dem 71. Jahre, Dieser Zeitpunkt muß vom Versicherten ein Jahr vorher angemeldet und dabei zugleich bestimnit werden, ob derselbe Kapital oder Rente haben will. Die Rente wird bis zum Lebensende und dann noch einmal jährlich in gleicher Höhe in jährlichen Raten ausbezahlt.
Wer im 20ten Jahre nur einmal 5,00 einlegt, der hat Anspruch: im 56. Lebensjahre aus 27,91 Kapital oder 2,10 jährliche Rente „ 61. „ „ „ 37,20 „ „ o,19 „ „
„ 66. „ „ „ 52,23 „ „ 5,21 „ „
„ „ „ 79,46 „ „ 9,40 „ „
Wer aber vom 20ten Jahre an bis zur Fälligkeit jährlich 5,00 einlegt, der hat Anspruch:
im 56. Lebensjahre auf 486,80 Kapital oder 36,54 jährliche Rente
„ 61. „ „ „ 678,71 „ „ 58,19 ,, „
„ 66. ,, „ „ 983,9 < „ ,, 98,16 „ „
„ 71. „ „ „1529,45 „ „ 180,86 „ „
An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, welche sehr zum Verständniß der beim ersten Blick komplizirt scheinend Einrichtungen gedient haben dürfte.
Aus dem Kreise Eschwege, 8. December. Am 24. v. M. hat sich in dem Dorfe Herlesbausen ein recht trauriger Fall ereignet. Ein ebenso roher als sittenverdorbener Handwerksbursche hatte in dem Dorfe Watha verschiedene Diebstähle verübt, war aber verhaftet und in dem Gemeindehause zu Herleshausen für die Nacht untergebracht worden, um am nächsten Morgen in das Gefängniß zu Netra transportirt zu werden. Es wurde der Gemeindediener Niel- mann requirirt, um den Verhafteten zu bewachen. Hier mag es wahrscheinlich der Zufall gewollt haben, daß R. um Mitternacht zu schlummern ansing. Diesen Moment benutzte der Gefangene, um sich seines Beaufsichtigers zu entledigen; er versetzte diesem mit einem in der Stube stehenden Beile mehrere wuchtige Hiebe auf den Kopf, so daß R. ohnmächtig zusammenbrach. Der Verbrecher wollte das Weite suchen, aber der Ausgang war von außen gesperrt und er konnte nicht heraus gelangen. So mußte er in seiner Situation verharren bis zum nächsten Morgen, wo man ihn unter Eskorte nach Netra brächte. Durch die aufopfernde Thätigkeit des Arztes Herrn Hennen- hofer befindet sich der schwerverwundete R. bereits auf dem Wege der Besserung. (C Tgbl.)
Schlächtern, 9. Dec. Ueber einen Raubmordversuch in der Nähe von Steinau berichtet das „Schlucht. Kreisblatt" Folgendes: „Am Abend des 24. November, zwischen 6 und 7 Uhr, verbreitete sich in Steinau die Kunde, es sei ein ältlicher Blaun auf der Straße zwischen Ahl unb Steinau, im sogenannten LangenbergSwalde, von einem mitreisenden Handwerksburschen angefallen worden. Es war so. Ein bis zur Unkenntlichkeit entstellter alter Mann schleppte sich j mühsam durch die Straßen von Steinau. Sein Kops war jämmer- | lich zugerichtet. Wuchtige Hiebe hatten fünf klaffende Wunden hinterlassen, am Gesicht und Schädel waren nur Blutungen und Geschwulst sichtbar. Der herbeigeeilte Arzt nahm den Unglücklichen sogleich in Behandlung, sein Aufkommen wird noch jetzt bezweifelt. Den eifrigen Nachforschungen der Gendarmerie ist es zu danken, das der Thäter noch in derselben Nacht erwischt wurde. Herr Heinlein ane title den Verbrecher und überlieferte ihn dem Gerichte, nachdem er ihn vorher dem Geschlagenen vorgeführt und dieser durch eine bejahende Kopfbewegung in ihm seinen Angreifer erkannt hatte. Ein von Ahl kommendes Fuhrwerk hatte den Bösewicht in seinem Raube gestört, jedenfalls wollte er den Todtgeglaubten des Nachts dann gusplündern. — Der Unglückliche heißt Burkard Mötzling, ist 58
Jahre alt und aus Dörmbach, Amt Hilders. Er hatte bei Hanau । in Arbeit gestanden und war auf der Heimreise begriffen. Der Raubmörder heißt Wilhelm Voll, ist 25 Jahre alt und auS Langen- leiten, Königl. Bayr. Bezirksamt Kissinaen.
Hanau, 12 Dezember. Herr Postdirektor Lins ist so weit wieder herge. stellt, daß er kürzere Spaziergänge in's Freie unternehmen kann. Jedoch ist seine Gesundheit noch keineswegs so weit wieder gekräftigt, daß er längeren Gerichtsverhandlungen anwohnen könnte. Mit Rücksicht darauf wird auch die jetzige Schwurgerichtsperiode sich nicht mehr mit der ihn betreffenden bekannten Angelegenheit besassen.
Vermischtes.
Dort in und, 13. Dezember. Heute früh fand auf der Zeche „Bruchstraße" bei Langenvreer eine Explosion schlagender Wetter in Flötz 1 der zweiten Bauabtheilung statt, welche durch das Oeffnen einer Lampe herbeigeführt wurde. Vier Personen wurden getöotet, zwei leicht verletzt. Der Betrieb ist in seiner Weise gestört.
Glückstadt, 13. Dezember. Gestern und während der Nacht herrschte ununterbrochen orkanartiger Sturm aus Nordwest, begleitet von Hagel, Schnee, Regen, und stellenweise Gewitter. Bis 2 Uhr Nachts war durch Emtritt der Fluth sehr hohes Wasser; die Stör und Pinnau sind ausgetreten und die Ländereien meilenweit überschwemmt. Der Wafferstand in Hamburg und Altona ist sehr hoch. Viele Keller und Lagerräume stehen unter Wasser. Der Schaden ist sehr groß, auch auf den Feldern und an Häusern. Jetzt ist ruhiges Wetter eingetreten.
— B erli 11. Vor einigen Tagen fielen in Schöneberg einem Gendarm zwei junge Männer auf, die von Laden zu Laden gingen. Während Einer von ihnen eintral, blieb der Andere auf Der Straße. Der Gendarm erkundigte sich in einigen Geschäften, in denen sie gewesen und ersuhr, daß der betreffende junge Mensch überall sür 10 Pf. gekauft und 1 Mk. gezahlt, den überschießenden Betrag aber stets zurückerhalten habe. Dies machte den Beamten stutzig, er eilte den beiden Verdächtigen nach, ergriff sie und brächte sie nach dem Amts« bureau. Bei der Durchsuchung fand der Gendarm drei sehr sauber angefertigte Gipsformen zu Einmarkstücken, eine Feile, einen Schmelzlöffel, ein Ende Stearinlicht, mehrere Stücke Britannia-Metall und 54 falsche Einmarkstücke. Es gelang dem Beamten sehr bald, beide Verdächtige zu einem Geständniß zu bewegen. Der Verfertiger der Formen sowohl als des Geldes ist ein bereits wegen Münzverbrechens bestrafter Maler, der erst im September aus dem Zuchthause entlassen wurde; sein Genosse ist ein ehemaliger Artillerie-Unterossicier im österreichischen Dienste. Zum Flüssigmachen des Metalls haben sie sich der Holzkohlen bedient, die sie stets für wenige Pfennig von Klempnern gekauft haben. Auf ihrer Reise haben sie außer Görlitz und Meißen die Städte Hirschberg, Dresden, Bautzen, Torgau, Freiberg, Chemnitz, Eisenberg, Sorau und Berlin berührt und überall von dem falschen Gelde verausgabt Bei ihrer Verhaftung wurden, da sie stets behufs Umwechslung der falschen Münzen sich Kleinigkeiten kauften, unter anderen Sachen allein 15 Enden Wurst vorgesunden. Die falschen Markstücke haben ein mattes Gepräge und einen unregelmäßig gefeilten Rand Beide Verhaftete wurden gefesselt dem Landgerichte eingeliefert. (Trib.)
Frankfurt a. M. Demnächst wird die Verhandlung gegen den Kunstfeuerwerker Dünges, den Leiter des unglücklichen Turnfest-Feuerwerkes, statt- finden. Die meisten der hierbei Verletzten werden gegen den der fahrlässigen Körperverletzung mit tödtlichem Ersolg Angeklagten auftreten. Einige Andere schicken sich an, ihre Forderungen gegen das Festkomite als den Veranstalter des Feuerwerks geltend zu machen, worunter einer für seine verlorenen Glied- maßen 150,000 Mark verlangt, ein Anderer auf die Dauer seines Lebens wöchentlich 30 Mark.
— Nauen. Ein hier im Jahre 1832 erbautes Haus ist am Donnerstag plötzlich eingestürzt und sind ein Mann und zwei Kinder unter den Trümmern verschüttet, todt wieder hervorgezogen. Das Haus gehörte einem Schneidermeister. Die Ursache des erfolgten Einsturzes ist noch nicht ermittelt. Die Untersuckungs-Kommission ist mit den Ermittelungen beschäftigt.
— Ein Dauerläufer ist Herr de Reuter in Antwerpen. Er marschirte am 6. Dezember die circa 46 Kilometer von Brüssel nach Antwerpen in 5 Stunden 58 Min, oder je 7| Kilometer in einer Stunde. Seine Freunde, mit denen er gewettet hatte, die Strecke in 64 Stunden zu durchlaufen, folgten ihm in einem zweispännigen Wagen. Die Pferde hatten Mühe, dem Dauer- läufer zu folgen und kamen in Schweiß gebadet in Antwerpen an. Herr de Reuter dagegen zeigte keine Spur von Erschöpfung oder Ermüdung. Der Preis der Wette betrug 1000 Franks.
New - D 0 rk. Am 30, Oktober Nachts wurde auf Präsident Hapes in der Bahnstation Howed an der Santa-Fe-Eisenbahn ein Attentat gemacht. Ein Mann, Namens Hooker, der unweit der «tation wohnt, machte den Versuch, in den Wagen zu steigen, worin sich der Präsident befand, Hooker wurde jedoch von einem Dritten bet Seite gestoßen und blieb stehen, bis der Präsident auf die Plattform trat, zog seinen Revolver und feuerte 2 Schüsse auf Hayes ab, welcher in den Waggon zurücksprang. Hooker entfloh und wurde am zweiten Tage verhaftet.
— Grausam. Die stilistische Nachlässigkeit treibt manchmal ergötzliche Blüthen: So schrieb neulich eine Großmutter an ihre Schwester über diestatt- qchabtc Taufe ihres Enkels: „Um 11 Uhr wurde der Knabe getauft und dann kalt gespeist." Die Cannibalin!
— Der v er h än gn i ß v 0 ll e Kleiderschrank. »Aber lieber Freund, warum verschließest Du denn Deinen Kleiderschrank so sorgfältig, eS ist ja nichts darin?" — „Gerade deßhalb, denn wenn meine Wirthin dies wüßte, würde sie mir längst gekündigt haben."
F r u ch 1 p r e i s e.
Weizen 100 Äilogr 21 M. 15 Pf. bis 21 M. 85 Pf. Roggen 100 Kllogr. 20 M. 85 Pf. bis 21 M. 70 Pf. Gerste 100 Kilogr. 16 M. 45 Pf. bis 17 M. 50 Pf. Hafer 100 .Kilogr. 13 M 35 Pf. bis 14 M. - Pf.