jene Gendarmen-Anzeigen aber sofort an die zuständige Staatsanwaltschaftsbehörde abzusenden. Welche dieser Behörden (ob die Reichsanwaltschast am Reichsgericht, oder die Staatsanwaltschaft am Landgericht oder die Amtsanwaltschaft am Amtsgericht) für jede einzelne Strafthat zuständig sei, ist ausführlich erörtert in dem bei Wigand hierselbst für 1 Mark 20 Pf. käuflichen Jnstruktionsbuch des Staatsanwalt Chuchul über „die gerichtliche Polizei", das nebst Formularen den Herrn Bürgermeistern und sonstigen Hülfsbeamten der Staatsanwaltschaft zu Anschaffung und Gebrauch dringend empfohlen wird. Kurz sei hier nur hervor, gehoben, daß die Bearbeitung von Berbrechen und im preußischen Theil des hiesigen Bezirks auch die aller Bergehen, selbst wenn sie dereinst vor den Amts- und Schöffengerichten zur Aburtheilung kommen, vec Staatsanwaltschaft des Landgerichts übertragen ist, sodaß nur die eine liebertretung betreffenden Gendacmen-Anzeigen den Herrn Amtsanwälten bei den Amtsgerichten, alle übrigen Sachen aber hierher an die Staatsanwaltschaft des Landgerichts zu senden sind bei Vermeidung von Kosten und Zeitversäumniß.
Cassel, am 16. November 1880.~
Der Erste «Ltaatsanwalt. Wilhelmi.
894. Auf Grund der §§. 1 i und 12 des Reichs-Gefetzes vom 21. Oktober 1878 gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie haben wir das mit der Unterschrift: Redaktion und Expedition des „Sozialdemokrat" versehene Flugblatt: „Wie man den Sozialdemokrat abonnirt" verboten, was hiermit bekannt gemacht wird. Düsseldorf den 12. November 1880.
Königliche Regierung, Abth. des Innern, v. Noon.
895. Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat auf Grund von §. 11 und §. 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die Nummer 1 der periodischen Druckschrift: „Abendblatt für Crim- mitschau und Umgegend" vom 10. November d. I. verboten und dieses Verbot auch auf das fernere Erscheinen der genannten Zeitschrift erstreckt.
Zwickau, den 15. November 1880.
Königlich Sächsische Kreishauptmannschaft. Dr. H ü b e l.
Tagesbegcbenhcite».
Aus Hessen-Nassau.
*** Hersseld, 27. November. Am 26. d. M. des Morgens gegen 8 Uhr wurde der Ackermann Jacob Möller von Conrode in der Nähe der hiesigen Haunbrücke im Wasser der Haun todt aufgefunden. Derselbe war Tags vorher in Begleitung seines Sohnes in Geschäftsangelegenheiten hier anwesend gewesen und war, während der Sohn schon srüher den Heimweg angetreten hatte, bis zum Eintritt der Dunkelheit hier geblieben. Ob er in der Nacht den rechten Weg verfehlt hat und so in die Blüthen der Haun gerathen ist, oder ob ein Verbrechen vorliegt, bedarf noch der Aufklärung. Dem Vernehmen nach hat die Besichtigung der Leiche Spuren von Gewaltthätigkeit nicht ergeben; doch sind schon mehrere verdächtige Personen, mit denen rc. Möller vor seiner Entfernung aus der hiesigen Stadt verkehrt haben soll und die ihn begleitet resp, verfolgt haben sollen, verhaftet worden. Der Tagelöhner Peter Mannel von Rotensee, welcher in hiesiger Stadt gearbeitet hatte und Abends gegen 6 Uhr nach Haus zurückkehrte, will, als er die Haunbrücke passirte, im Wasser der Haun ein Plätschern und dumpfes Wimmern gehört, gleichzeitig aber auch in der Nähe der Haunbrücke einige dunkle Gestalten in drohender Haltung wahrgenommen haben, was ihn veranlaßte, seinen Weg in beschleunigtem Tempo fortzusetzen, wobei er von einer der erwähnten Gestalten ein Stück Weg's verfolgt worden sein will. Die gerichtliche Obduktion der Leiche wird heute statt- sinden.
— In Wolfsang er hat am Sonntage bei der Nachkirmeß eine blutige Schlägerei stattgefunden, in welcher ein Unterofficier vom Trainbataillon so erheblich verletzt wurde, daß er gestern im Krankenhause, wohin er geführt werden mußte, an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben ist. Einige der Excedenten aus Wolfsanger sind bereits verhaftet. (H. M.)
Livorno, 24. Rovbr. Der Dampfer „Örtigia" hatte einen Zusammenstoß mit dem französischen Dampfer „Joseph." Letzterer wurde in den Grund gebohrt. An Bord desselben befanden sich gegen 300 Personen, von denen 50
gerettet wurden. Der Dampfer „Ortigia" ist stark beschädigt hier einge- lausen.
Deutsches Familienblatt.
Vierteljährlich M. 1.60 — In Heften zu 30 oder 50 Pf.
Verlag von I. H. Schorer in Berlin, W.
Von dieser bereits mehrfach rühmend von uns erwähnten Zeitschrift sind zuletzt die Nummern 44 und 45 eingegangen. Die erstere brächte neben dem Schluß der Artikel über Trier und die Berliner akademische Kunstausstellung zunächst der Beginn einer populär-wissenschaftlichen Darstellung des heutigen Standes der anthropologischen Wissenschaft aus der Feder des Pros. Johannes Ranke. Wen es interessirt zu erfahren, wie unsere Urvorfahren gelebt, welcher Geräthe, Waffen ic. sie sich bedienten, der wird aus dieser in höchst instruktiver Weise durch Professor Bürgers Meisterhand bildlich erläuterten Abhandlung eine reiche Fülle der Belehrung ziehen.
Als weitere fesselnde Gaben müssen wir ferner die vier Portraits der ^inoii de 1 Enclos, Frankreichs berühmtester Schönheit des vorigen Jahrhunderts, in vier Lebensaltern, sowie das Bild „Frau Käthe- mit Julius Lohmeyers humoristischer Interpretation bezeichnen.
Nr 45 enthält u. A. neben der Fortsetzung der in hohem Grade spannenden Novelle „Gerichtet," den Anfang des Wichert'schen Romans „Aus verstreuter Saat," s owie eine Beschreibung des Kölner Dombausestes aus der Feder von Ludwig Pretsch. Von den Bildern dieser Nummer sei aufs rühmlichste die meisterhafte, hochpoetifche Strützel'sche Zeichnung „Der Spätherbst" erwähnt. Ein treffliches eigenartiges Stimmungsbild von gediegenster Durchbildung, das sich weit über das Niveau dessen erhebt, was illustrirte Journale gewöhnlich auf ähnlichen Gebieten zu geben pflegen.
Heller’sche Spielwerke werden alljährlich um diese Zeit angekündigt, um bald darauf als Glanzpunkt auf Tausende von Weihnachtstischen die kostbarsten Sachen zu überstrahlen und um den abermals tausenden von Wünschen gerecht zu werden, und möglichen Enttäuschungen, umsonst ein Hellersches Spielwerk erwartet zu haben, vorzubeugen, sowie auch die Geschenkgeber der Sorge eines passenden Weihnachtsgeschenkes zu überheben, rufen wir aus Ueberzeugung einem Jeden zu: Was kann der Gatte der Gattin, der Bräutigam der Braut, der Freund dem Freunde Schöneres und Willkommeneres schenken ? Es vergegenwärtigt glücklich verlebte Stunden, lacht und scherzt durch seine bald heitern — erhebt Herz und Gemüth durch seine ernsten Weisen, verscheucht Traurigkeit und Melancholie, ist der beste Gesellschafter, des Einsamen treuester Freund ; und nun gar für den Leidenden, den Kranken, den an das Haus Gefesselten! — mit einem Worte, ein Heller sches Spiel werk darf und sollte in keinem Salon, an keinem Krankenbette, überhaupt in keinem guten Hause fehlen.
Für die Herren Wirthe, Conditoren, sowie Geschäfte jeder Art, gibt es keine einfachere und sicherere Anziehungskraft als solch’ ein Werk um die Gäste und Kunden dauernd zu fesseln. Wie uns von vielen Seiten bestätigt wird, haben sich die Einnahmen solcher Etablisse- mente geradezu verdoppelt, darum jenen Herren Wirthen und Geschäftsinhabern, die noch nicht im Besitze eines Spielwerkes sind, nicht dringend genug anempfohlen werden kann, sich dieser so sicher erweisende Zugkraft ohne Zögern zu bedienen, um so mehr, da auf Wunsch Zahlungserleichterungen gewährt werden. Wir bemerken noch, dass die Wahl der einzelnen Stücke eine fein durchdachte ist; die neuesten sowie die beliebtesten ältern Opern, Operetten, Tänze und Lieder finden sich in den H e 11 e r’s chen Werken auf das Schönste vereinigt. Derselbe hat die Ehre, Lieferant vieler Höfe und Hoheiten zu sein, ist überdiess auf den Ausstellungen preisgekrönt. Eine für diesen Winter verunstaltete Prämienvertheilung von 100 Spielwerken im Betrage von Francs 20,000 dürfte zudem besondern Anklang finden, da jeder Käufer, selbst schon einer kleinen Spieldose, dadurch in den Besitz eines grossen Werkes gelangen kann; auf je 25 Francs erhält man einen Prämienschein. Reichhaltige illustrirte Preislisten nebst Plan werden auf Verlangen franco zugesandt.
Wir empfehlen J e der m ann, auch bei einer kleinen Spieldose, sich stets direkt an die Fabrik zu wenden, da vielerorts Werke für Heller’sche angepriesen werden, die es nicht sind. Alle ächten Werke und Spieldosen tragen seinen gedruckten Namen, worauf zu achten ist. Die Firma hält nirgends Niederlagen. Wer je nach Bern kömmt, versäume nicht, die Fabrik zu besichtigen, was bereitwillig gestattet wird.
Fruchtpresse.
Weizen 100 Kilogr- 21 M. 35 Pf. bis 22 M. 15 Pf. Roggen 100 Kilogr. 21 M. 25 Pf. bis 22 M. 10 Pf. Gerste 100 Kilogr. 16 M. 20 Pf. bis 17 M. — Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. 35 Pf bis 14 M. 60 Pf.
Sonnabend den 4» Dezember 1880 Vormittags flO Uhr soll in dem GeschäflSlokale des Unterzeichneten die fiskalische Fischerei in dem Krebswasser bei Hilperhausen und Roßbach, die Schuppach genannt, behufs Verpachtung auf die Dauer von 6 Jahren vom 1. Januar 1881 ab nochmals öffentlich auSge- boten werden.
Hersfeld, am 25. November 1880.
Der Oberförster Cornelius.
Iagd-Nerpachtung.
Die der hiesigen Gemeinde zustehende
Anzeigen.
Jagdgerechtsame soll anderweit verpachtet werden und ist Termin hierzu auf
Sonnabend den 4. Dezember c.
Morgens 10 Uhr in die Wohnung der Unterzeichneten anbe- raumt worden, wozu Pachtliebhaber mit dem Bemerken eingeladen sind, daß die Bedingungen im Termin bekannt gemacht werden.
Biedebach, am 24. November 1880.
Der Vieebürgermeister
Wiegand.
Dkkaniltmachuiig.
Die zur Erbauung eines neuen Schul- saales für die hiesige Gemeinde erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Einzelnen oder im Ganzen an den Wenigst- nehmenden verakkordirt werden und ist Termin hierzu auf
Sonnabend den 4.Aezmbr.
Nachmittags 2 Ahr in die Wohnung des Unterzeichneten anbe- räumt worden.