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der Stadt liegen gegen 2000 unbeerdigte Leichen. Der Kurden- häuptling Scheikh Obridubah hat mit seinen Truppen etwa 12 Meilen von Urumiah entfernt, ein verschanztes Lager bezogen. Ge- rüchlweise verlautet, dah sein Sohn Sadeck schwer verwundet sei. In Urumiah herrscht großer Mangel an Lebensmitteln. Die Nach­richt, daß ver bisherige Oberbefehlshaber Der persischen Truppen, Hislunet Dowlah, gestorben ist, bestätigt sich. General Sypah Sälar ist heute nach Tabreez abgereist, um Den Oberbefehl über Die persischen Truppen zu übernehmen.

AuS Hessen-Nassau.

* Hersfeld, 16. November. Der Brand in Heringen, dessen wir in unserer vorigen Nummer kurz Erwähnung thaten, brach am Donnerstag Den 11. D. Mts. Morgens gegen 5 Uhr in einer der Witwe Hops gehörigen Scheuer aus, verbreitete sich, unterstützt durch einen lebhaften Wind, mit großer Schnelligkeit über die angrenzenden Gebäude und legte ein Wohnhaus, sieben mit Fourage und Stroh gefüllte Scheuern, acht Stallungen und zwei Holzremisen in Asche, ehe es den Bemühungen der herbeigeeilten Feuerlösch­mannschaften gelang, des entfesselten Elementes Herr zu werden. Zwei Stück Rindvieh und eine Anzahl Geflügel fanden ihren Tod in den Flammen. Alle Anerkennung gebührt den wackeren geringer Feuerwehrmannschaften, welche sich unter der Leitung ihres Brand; Meisters Herrn von Trümbach zu einer tüchtigen Truppe herausge- bildet haben, und wie bei früheren Bränden, so auch jetzt wieder in aufopfernder Weise ihre Schuldigkeit thaten. Ihren Anstrengungen und der Leistung der vortrefflicheil neuen Spritze ist es zu danken, daß das Feuer nicht größere Dimensionen annahm. Den ganzen Tag und die darauf folgende Nacht war die Mannschaft auf der Brandstätte unausgesetzt thätig, und doch schlugen noch am nächsten Tage die Flammen, neues Verderben drohend, hier und da aus Den rauchenden Trümmern empor. — Ueber die Entstehung des Feuers herrschen nur Vermuthungen. Man glaubt an Brandstiftung, und deshalb war auch wohl am 14, D. M. der Königliche Herr Staats- anwalt von Cassel an die Brandstätte geeilt. — Sämmtliche Brand­beschädigten sollen ihr Inventar bei der Gladbacher Feuerversicherungs- Gesellschaft versichert haben.

* ** Hersseld, 17. November. Während im Jahre 1879 von den Gemeinden des Kreises Hersfeld 2377 Mark 17 Pfg. für ver­kauftes Gemelnde-Obst erlöst^worden ist, finD im Jahre 1880 nur 356 Mark 54 Pfg. hierfür in Die Gemeindekassen geflossen. ,Em weiterer Beleg dafür, welchen großen Schaden der starke Frost des vergangenen Winters angerichlet hat.

* ** Hersfeld, 17. November. Vergangenen Montag gerieth die Ehefrau des Ackermanns Schwarz zu Kleba in Die Räder Der Dreschmaschine tuno erlitt sehr erhebliche Verletzungen an den Beinen.

Hers seid, 10. November. Die Reihe der Verträge, die im hiesigen „B i ldu n g s v e re in" für diese Wintersession in Aussicht genommen sind, eröffnete Director Duden mit einem Vertrag über die Kaiser- Wi l he l m s > Sp e n d e. An der sich daran anschließenden Besprechung be­teiligte sich der für die Förderung dieses Instituts bereits thätige Landrath Freiherr von Broich, der Dr. Duden für seine ausführliche und klare Ausein- anderfetzung im Namen der Versammlung dankte, und insbesondere Apotheker Dr. Müller, der als Vertreter einer rühmlichst bekannten Lebensversicherung, da die Einrichtung derartiger Anstalten im Vortrage berührt war, Veranlassung harte, das Wort zu ergreifen und der die Vorteile der Wilhelmsspende eben­falls hervorhob.

Wir lassen jetzt den fast wörtlichen Inhalt des Hauptteils des Vortrages folgen:

„Wenn ich es heute unternehme, über einen Gegenstand zu Ihnen zu reden, der nicht zu den leichtesten und einfachsten gehört und der meinen Neigungen und Beschäftigungen ziemlich fern liegt, fo habe ich um Ihre Nachsicht zu bitten. Ich würde mich aus ein solches Gebiet nicht begeben, wenn ich es nicht für meine Pflicht hielte, soviel an mir liegt, dazu beizutragen, daß ein Institut, das eine so segensreiche Wirkung verheißt, wie die Kaiser-Wilhelms-Spende nach meiner Ansicht es thut, daß ein solches Institut allgemeiner bekannt werde, daß namentlich in den Kreisen unseres Vereins und demnächst auch in den anderen Kreisen unserer Stadt die Anregung gegeben werde, sich mit dieser Angelegen­heit eingehender zu besassen, als man in Folge gelegentlicher Seetüre eines Zeitungsblattes zu thun pflegt. Ich kann natürlich nicht daran denken, alles, was sich über dieses Institut sagen läßt, die verschiedenen Arten und Formen seiner Wirksamkeit, die Einschränkungen und die Erweiterungen die es bereits erfahren hat unb die es noch erfahren kann, in erschöpfender Weise zu behandeln. Es wird mit genügen, wenn ich eine allgemeine Bekanntschaft mit den Haupt­zügen und mit der Hauptaufgabe dieses Instituts vermittele und die Anregung dazu gebe, daß in unserer Stadt und in unserer Mitte wo möglich eine Zahl­stelle begründet wird, damit auch den Bewohnern dieser Stadt der Vorteil dieser Stiftung zu gute lamme.

Zunächst ein paar sWorte über die Gründung dieser Stiftung. Es ist allen bekannt, daß, als vor zwei Jahren im Jahre 1878 im März und Juni ruchlose Hände das Leben unseres allverehrten und geliebten Kaisers bedroht hatten, ein Schrei der Entrüstung und des Entsetzens durch ganz Deutschland ging und daß von allen, durch deren Herzen noch ein Gefühl für das Höhere und Bessere, für Sittlichkeit zu finden war, förmlich gesucht wurde nach Zeichen, durch welche man dem verehrten und bedrohten Haupte des Kaisers die Liebe und die Sympathie aussprechen könnte. Damals gab ein hochstehender und von ganz Deutschland verehrter Mann die Anregung zu einer äußerlichen Art der Sympathiebezeichung für den Kaiser, von der er mit Recht voraussetzte, daß sie dem deutschen Volksbewußtsein am meisten entsprechen würde. Es wurde der Vorschlag gemacht, durch eine sehr große. Zahl, von ganz kleinen tzleldzeichnungcn ein Summe zusammenzubringen, die dem Kaiser zur Verfügung

zu stellen sei für irgend einen wohlthätigen Zweck, der zwar nicht das Andenken an die ruchlose That, aber doch das Andenken an^bie allgemeine Sympathie des Volkes für alle fernren Zeiten fest halten sollte. Es wurden damals von fast 12 Millionen Deutscher solche kleine Zahlungen geleistet, kleine, ganz unbe­deutende Zahlungen; große waren ^geradezu ausgeschlossen. Diese Zahlungen ergaben eine Summe von etwas über 1,700,000 Mk. Diese wurden dem Kaiser zur Verfügung gestellt. Es handelte sich nun darum,-ausfindig zu machen, aus welche Weise diese Summe verwendet werden sollte zum allgemeinen Wohl.

Von allen möglichen Vorschlägen, die die Welt erblickten, wurde eins als das angemessenste, ber Veranlassung und dem Zweck dieser Spende entsprechendste erkannt. Es lag nämlich nahe, weil man die Quelle jener verbrecherischen Thaten in den Kreisen irregeleiteter und mißgestimmter Arbeiter, in den Kreisen der Socialdemokratie, suchte, irgend etwas zu schaffen, was zur Beseitigung der Mißstimmung, die in diesen Kreisen vorhanden sei, beitragen, und was der traurigen Lage, in weicker sich ja thatsächlich sehr viele Arbeiterkreise befinden, vorbeugen sollte. So entschloß man sich eine Stiftung zu gründen, die den Zweck hätte, für minberbegüterte Kreise des Volkes, insbesonderejfür Arbeiter- kreise, eine leicht zugängliche und leicht zu bewerkstelligende Versicherung für die Zeit der Not, für bte Zeit des Alters zu schaffen. Seine Hoheit der Kronprinz übernahm das Protektorat über diese Stiftung und seine Majestät selbst voll­zogen an seinem Geburtstage im vorigen Jahre die Urkunde, welche diese Stif­tung ins Leben rief, das ist die Kaiser-Wilhelms-Spende.

Fragen wir nun, was diese Stiftung will. Ihr ausgesprochener Zweck ist folgender. Sie will Versicherung einer Altersrente oder eines Kapitals, das in einem gewissen Alter zahlbar wird, vermitteln. ^Sie sehen sofort, daß sich durch diese Formulierung des Zwecks die Stiftung der Kaiser-Wilhelms-Spende ganz scharf unterscheidet von den sogenannten Lebensversicherungsgesellschaften. Solcher Anstalten bestehen ja bekanntlich eine große .Anzahl mehr oder minder segens­reich wirkend. Diese haben alle den Zweck, für den Todesfall den Ueberlebenden ein Kapital zu sichern. Die Kaiser-Wilhelms-Spende will umgekehrt für den Erlebensfall den Lebenbleibenden ein Kapital oder eine Rente sichern. Das ist also der wesentlichste Unterschied. Nun soll aber doch diese Anstalt nicht, wie die übrigen Versicherungsanstalten, einzelnen Leuten Veranlassung ober Ge­legenheit bieten, Geschäfte zu machen, wie es bei den Actionären der Fall ist, noch auch soll sie blos eine auf Gegenseitigkeit beruhende Gesellschaft sein. Denn auch mit diesen ist sie nicht ganz auf gleiche Stufe zustellen. Sie soll nämlich eine Art von wohlthätiger Anstalt sein, in so fern als etwas gegeben wird, was in den andere» Gesellschaften nicht gegeben wird. In LenZ anderen Ge­sellschaften gewinnen, wenn gute Geschäfte gemacht werden, die Actionäre viel Geld, oder sind es aus Gegenseitigkeit beruhende Geschäfte, dann wird das, was gewonnen wird, bekanntlich nieder Formsvon Dividenden^ den einzelnen Teilnehmern zugeschrieben. In diesem letzteren Falle, der unserer Gesellschaft am nächsten verwandt ist, müssen die nicht unbeträchtlichen Kosten, welche ein so großer Apparat veranlaßt, vorweg von den Beteiligten bestritten werden. Dadurch unterscheidet sich wesentlich die Kaiser-Wilhelms-Spende als eine Wohl- thätißkeitsanstalt von den eben genannten nämlich dadurch daß sie die Kosten bestreitet. Man nimmt nämlich an, daß die Zinsen dieses Kapitals, das ja ziemlich bedeutend ist, auf sehr lange Zeit vollständig ausreichen, um alle Kosten zu decken. Dazu kommt noch, daß diese Gesellschaft, welche als eine Wohlthätig- keitsanstalt unter dem unmittelbaren Protektorat des Kronprinzen steht, (ber Vorsitzende ist vom Kronprinzen persönlich ernannt, und die 10 Aufsichtsräthe sind von der deutschen Regierung ernannt) daß diese Gesellschaft auch die ge- sammte Thätigkeit, welche sie von ihren Beamten verlangt, unentgeltlich erhält. Da ist niemand, der als Angestellter dieser Wilhelmsspende Geld verdienen wollte oder auch nur konnte, sondern alles wirb unentgeltlich geleistet. Man rechnet dabei natürlich, wie es sich von selbst versteht, auf die Opferwilligkelt weiter Kreise des Volkes, von Männern, denen das Wohl des Voltes am Herzen liegt. Es läßt sich allerdings manches dagegen geltend machen. Aus dieser Einrichtung nun, daß Kosten für den ganzen Geschäftsbetrieb von den Bei- tragsmitglicdern gar nicht zu bestreiten sind, geht hervor, daß alles was einge» legt und aufs gewissenhafteste verwaltet wird, unverkürzt den Mitgliedern zu gute kommen muß.

Ich will nun zunächst ganz im allgemeinen die Art und Weise bezeichnen, in welcher diese Gesellschaft eine Rente oder ein Kapital versichert, und dann die gesetzlichen Bestimmungen wie sie mir vorliegen, im einzelnen durchgehen, so weit es nötig ist. Ich bemerke nämlich, daß ich den äußeren Anlaß mich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen, durch eine Verfügung meiner vor­gesetzten Behörde erhalten habe, die mich ausfordert, zunächst im Kreise meiner Kollegen über die Kaiser-Wilhelms-Spende Mitteilung zu machen, und die Frage anzuregen, ob nicht in diesem Kreise Beteiligung sich finden würde. Das ver­anlaßte mich die Sache genauer anzusehen. Ich habe darauf hin an den Direktor bet Stiftung, Herrn Justizrat Stemm-er zu Berlin, geschrieben, und dieser hatte die Freundlichkeit, mich mit dem nötigen Material, einer commentirten Ausgabe der gesetzlichen Bestimmungen, zu versehen, aus der ich das Wesent­lichste mitzuteilen beschlossen habe.

Man zahlt eine ganz kleine Einlage, so nennt man den Beitrag, den das einzelne Mitglied zu zahlen hat, nicht Prämie. Die kleinste Einlage beträgt -nur 5 M., und wer zu irgend einer Zeit seines Lebens diese 5 M. zahlt, der erwirbt für dieselben den Anspruch auf eine Rente oder ein Kapital, das aus- zuzahlen ist innerhalb einer von ihm selbst zu bestimmenden Zeit. Es versteht sich nun von selbst, daß diese Einlage von 5 M. nicht im Stande ist, jemandem für das Alter einen irgend wie erheblichen Zuschuß zu gewähren, und es braucht kaum erwähnt zu werden, daß es geradezu lächerlich ist, wenn es Leute gibt, die da sagen, ja dafür müßte man auch 1.00 M. bekommen. Es ist nur ein so kleiner Beitrag als die geringste Einlage bezeichnet, damit jeder, der sich daran beteiligen will, sehr häufig seine Aussicht auf eine Rente oder ein Kapital vermehren kann. Es ist klar, daß die Rente oder das Kapital um so größer sein wird, je länger der Zwischenraum von der Einlage bis zur Erhebung ist. Nun hat die Gesellschaft die Einrichtung getroffen, daß jeder, der sich versichert, ; vollständige freie Wahl habe über folgende Punkte: 1) Natürlich kann er in jedem beliebigen Lebensalter einzahlcn. 2) kann er bestimmen, in welchem Alter er die Rente, oder wenn er es vorzäht, das Kapital empfangen will. Aber hier ist eine Grenze gezogen. (Schluß folgt.)

Lachsenhaufen, 13. November. Auf der Domäne Letbach wurde beim Erntefest ein 12 jähriger Knabe fort und fort zum Branntweintrinken aufgefordert; plötzlich stürzte er nieder und war verschieden.

Vermischtes.

— Wien, 11. Nov. Die nach und nach aus Agram eintreffenden