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AreisMvmtt

für den

Jürcis Hersfeld.

Nr. 82. Mittwoch den 13. October 1880.

DaS „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg, berechnet.

Amtliches.

Nach Beendigung der Herbstmanöver der 22sten Division hat das Königliche Commando derselben mittelst Danksagungs-Schreibens vom 25sten d. M. die überall sehr gute, meist sogar vorzügliche Aufnahme der Truppen in den Cantonnements, sowie bei den Durch» Märschen im Regierungsbezirk seitens der Einwohner rühmend anerkannt.

Wir bringen dies hierdurch mit dem Hinzufügen zur öffentlichen Kenntniß, daß auch sämmtlichen Königlichen Beamten, soweit dieselben durch die Manöver rc. in Thätigkeit getreten sind, für die nach Kräften eingetretene Förderung des militairischen Interesses und das überall bereitwillige Entgegenkommen gegen die Offiziere und Beamten der Division in jenem Danksagungs-Schreiben eine besondere Anerkennung zu Theil geworden ist.

Cassel, den 27. September 1880.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Kreis Hersfeld.

Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 14. August d. I. Nr. 9711 (Kreisblatt Nr. 67) — die Wahrnehmung der Functionen eines Schiedsmannes bei ausgebrochenen Viehseuchen betreffend — weise ich die Ortspolizeibehörden des Kreises in Gemäsheit höherer Verfügung hierdurch an, für die Folge in allen Fällen, wo der zu- gebogene Schiedsmann nicht am Orte der Abschätzung oder in einer Entfernung von nicht mehr als 2 Kilometer von demselben wohnt, unter den Liquidationen der SchiedSmannskosten entweder Bescheinigung unter'm Siegel dahin zu ertheilen, daß am Orte der Abschätzung oder in größerer Nähe von demselben eine nach der Bezeichnung des Kreistages zu dem Amte eines Schiedsmanns ver­wendbare Person nicht wohnt, oder aber unter den Liquidationen anzugeben, weshalb dieselbe zu der Abschätzung nicht zugezogen werden konnte.

Hersfeld, am 13. October 1880.

11894. Der Königliche Landrath.

J. V: Heeg, Kreissecretair.

773. Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen / Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das ohne Angabe des Berlegers erschienene, in der sozialdemokratischen Genossenschafts-Buchdruckerei der „Freiheit" zu London gedruckte Flugblatt mit der Ueberschrift: „An die „unteren" Postbeamten! Leidensgenossen!" nach §. 11 des gedachten Gesetzes Seitens der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten worden ist.

Berlin den 30. September 1880,

Königliches Polizei,Präsidium, von Madai.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 10. Oktober. Die „Nordd. Allgem.Ztg." erfährt be­treffs des Kölner Dombaufestes, Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die königlichen Prinzen und Prinzessinnen, der König von Sachsen und die großherzoglich badischen Herrschaften würden im Schloß Brühl absteigen. Die Mehrzahl der übrigen deutschen Fürsten habe bereits ihr Erscheinen fest zugesagt.

München, 9. Oktober. Der seitherige Gesandte in Berlin, v. Rudhardt, ist auf sein Ansuchen und unter Vorbehalt anderwei­tiger dienstlicher Verwendung abberufen und an seiner Statt der seitherige Legationsrath bei der Gesandtschaft in Wien, Graf Hugo Lerchenfeld, zum baierischen Gesandten am preußischen Hofe ernannt worden.

Stuttgart, 11. Oktober. Der „Staatsanzeigerfür Württem­berg" meldet: Seine Majestät der König ist durch Gesundheits­rücksichten verhindert, Der von Sr. Majestät dem Kaiser ergangenen Einladung nach Köln stattzugeben und an der Feier der Schlußstein- legung persönlich lheilzunehmen. Seine Majestät der König wird sich, durch Den Prinzen Wilhelm vertreten lassen. — Der preußische Generalauditeur Oehlschläger ist gestern von hier nach München ab» gereist.

Petersburg, 9. Oktober. Der „Petersburger Herold" meldet von gut unterrichteter Seite, die Verhältnisse mit China hätten sich so zugespitzt, daß ein Krieg unvermeidlich erscheint. Die russische Regierung soll bereits entsprechende Maßregeln ergriffen haben, um eventuell China an dem empfindlichsten Punkte zu fassen. — Zur sofortigen Inangriffnahme des Baues der sibirischen Bahn bewilligte das Ministerkomitee eine Million Rubel. Fürst Demidow Donato und der bekannte Unternehmer Gubonin bewarben sich beim Ge­heimrath Bunge um die Ausführung des gesammten Baues. — Für die Achal-Teke-Eisenbahn sind 7,800,000 Rubel Baugelder ausge- worsen; der „Rowoje Wremja" zufolge sind 25 Werst bereits fertig. Der Bau wird unter Oberaufsicht des Generals Annenkoff, Komman­deur des Eisenbahn-Bataillons, geleitet von dem Oberst Barmin, sowie dem Oderingenieur Uffow.

Petersburg, 11. Oktober. Die russische „Petersburger Zeitung" giebt noch nicht verbürgte, nachträglich ermittelte Details über eine bereits vor einiger Zeit entdeckte, schon im vorigen Jahre unweit Station Alexandrowsk angelegte Mine, durch welche beab­sichtigt gewesen, den kaiserlichen Zug in die Luft zu sprengen. Die Mine bestand aus zwei mit Dynamit angefüllten Abtheilungen, von welchen eine Drahtleitung seitwärts nach dem Fahrwege führte. Als sich der kaiserliche Zug dem betreffenden Orte näherte, eilte auf dem Fahrwege ein mit drei Pferden bespannter Wagen herbei, welcher, nachdem der kaiserliche Zug passtet war, wieder davonjagte. Man vermuthet, daß der Wagen eine elektrische Batterie enthalten habe; die verbrecherische Absicht mißlang, weil der Draht beim Eingraben durchschnitten worden war. — Offizielle Nachrichten fehlen zur Zeit noch.

London, 9. October. Die „Pall Mall Gazette" glaubt zu wissen, daß die englische Regierung augenblicklich über die Anschau­ungen aller Mächte in Betreff der Coercitiv-Maßregeln unterrichtet sei, welche ergriffen werden sollen, um die Ausführung der der Türkei nach dem Berliner Vertrage Obliegenheit Verpflichtungen zu erlangen. Die Operationen im ägäischen Meere, durch welche man einen wirksamen Druck auf den Sultan auszuüben hoffe, seien, wie bie „PaU Mall Gazette" hinzufügt, von allen Mächten gebilligt und würden mit deren Zustimmung zur Ausführung gelangen. Die Ausführung des Beschlusses der europäischen Mächte werde den Flotten von mindestens 3 Mächten anvertraut werden, welche als Mandatare Europas handeln sollen.

Dublin, 9. Oktober. Ein Erlaß der Regierung theilt mit, daß in Rücksicht auf Die in den Grafschaften Galway und Mayo herrschenden außergewöhnlich erregten Zustände eine Verstärkung der Polizeimacht verlangt worden sei.

Ko nstantin opel, 11. Oktober. Die von dem deutschen und französischen Botschafter bei dem Sultan gemachten Vorstellungen sind erfolgreich gewesen. Der Ministerrath beschloß Die bedingungs­lose Uebergabe Dulcignos und wird diesen Beschluß mittelst einer Note zur Kenntniß Der Botschafter bringen.

Nordamerika. Die Wahlbewegung der neuen Präsidentschaft ist in vollstem Flusse. Wie aus Rew-Iork gemeldet wird, ist die Wahlagitation im Staate Jndiana insbesondere eine sehr heftige In Shelbyville ist es zwischen den Demokraten und Republikanern zu einem Zusammenstoß gekommen, wobei der Sherif gelobtet und