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eines Diebstahls in Höhe von 50000 Rubel aus Kischenew geflüchtet.

Derselbe war bei seiner Flucht mit einem Seitens der Gouver­neurs von Besiarabien am 13|25. August d. I. unter Nr. 691 für den „enregistrateur de colege“ Jean <5 er ebenso ausgestellten Passe, sowie mit einem von dem Gerichte zu Kischenew herrührenden, auf den Namen Evsey Orlovsky lautenden Atteste versehen.

Die Berwaltungs- und Polizeibehörden werden angewiesen auf den rc. Map er vigiliren und denselben im Betretungsfalle vorläufig festnehmen zu lasten, auch, wenn dies geschehen, davon sofort uns Anzeige zu machen.

Castel, am 3. Oktober 1880.

Königl. Regierung, Abth. des Innern. Kühne.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 1. Oktober. Heute Bormittag unternahm der Minister Dr. Lucius mit dem Ministerialdirektor Marckart und einem technischen Rath des landwirthschaftlichen Ministeriums eine Probefahrt mit der Boll6schen Dampfdroschke. Das Fahrzeug lenkte der Ingenieur Leon de Cordier von Paris. Außerdem fuhr mit dem Minister der technische Direktor der Wöhlert'schen Maschinenfabrik, Bormann, der vor Antritt der Fahrt die Erklärung der Konstruktion übernommen hatte. Man fuhr vom Potsdamer Platz die Bellevue-, die Lenne- und die Königgrätzerstraye entlang zur Charlottenburger Chaussee, wo die Maschine mit voller Kraft arbeitete, Herr Bormann theilte dem Minister mit, daß das Fahrzeug im Stande ist, vier deutsche Meilen in einer Stunde zurückzulegen und jede Steigung zu über» winden. Dr. Lucius erkundigte sich nach der Leistungsfähigkeit der Lastlokomotive, die in nächster Woche in Betrieb kommen soll, und Herr Leon de Cordier gab an, es seien 1600 Centner zu trans- portiren. Der Minister Lucius verspricht sich von der neuen Er­findung wesentliche Vortheile für die Landwirthschaft, namentlich beim Transport von großen Fruchtmengen. Der Kriegsminister v. Kameke hat auf Geheiß des Kaisers den Herren Bormann und Cordier Kanonen zur Verfügung gestellt, die in nächster Woche mit der Lastlokomotive transportirt werden sollen; fünf bis sechs Ge­schütze werden gleichzeitig fortgezogen werden. Heute Nachmittag fahren mit der Dampfdroschke die Direktoren der Omnibus-Aktienge­sellschaft, welche beabsichtigt, durch Lastlokomotiven Waaren von hier nach Provinzialstädten zu schaffen, die nicht an der Bahn liegen. Das Interesse für die neue Erfindung ist ein allgemeines. Der Direktor unserer Feuerwehr, Herr Witte, glaubt die Zeit nahe, wo für ihn die Pferde vor den Spritzen entbehrlich sein werden, und ebenso wird der Staatssekretär des Reichspostamts Dr. Stephan von den Dampfdroschken den ausgedehntesten Gebrauch machen; sie sind recht eigentlich berufen, die Extraposten überflüssig zu machen.

— Nach einerNachweisung, welche die Bergverwaltung über Verunglückungen mit tödtlichem Ausgange beim Bergwerks­betrieb im Jahre 1879 aufgestellt hat, wurden 235,617 Arbeiter in den Bergwerken beschäftigt; von diesen verunglückten tödtlich575 Mann, also je einer von 410 Mann gegen je einen von 428 im Vorjahr. Der Steinkohlenbergbau weist die höchste Ziffer der Ver­unglückungen auf, indem sich dieselben 8 Stufen höher stellte als 1878. 2282 Personen wurden vorübergehend, 143 dauernd arbeitS- und erwerbsunfähig.

Berlin 7. Oktober. Als Termin für den Zusammentritt des Landtages wird jetzt der 28. Oktober genannt. Eine feste Bestimmung ist noch nicht getroffen. Nur das dürfte feststehen, daß die Regierung die Absicht hat, den Landtag noch in diesem Monat zu berufen.

Baden-Baden, 7. Oktober. Se. Majestät der Kaiser begab sich gestern Nachmittag mit dem Großherzog, der Großherzogin und der Prinzessin Victoria von Baden zu dem Armeerennen nach Jffezheim. Die Kaiserin folgte später dorthin nach. Um 5 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Baden-Baden.

Dortmund, 7. Oktober. Nach einer Mittheilung der „Westfälischen Zeitung" hat sich die heute stattgehabte Versammlung von Mitgliedern der Handelskammern, Landeskulturgesellschaften und sonstigen wirthschaftlichen Vereine des Rheinlandes, Westfalens, Hannovers, Hesiens und Bremens für die Einführung einer zweiten Stückgutklasie resp, für ein neues Reformtarifschema ausgesprochen.

Oppeln. Wegen der Rinderpest, welche in Warschau ausge­brochen ist, hat die hiesige Regierung auch die Ein- und Durchfuhr von Schafen aus Russisch-Polen verboten.

London, 7. Oktober. Die Regierung ertheilte Instruktionen, welche besagen, daß alle Kasernen im Westen Irlands für die mög­lichst größte Truppenzahl, welche sie aufnehmen können in Bereit­schaft gesetzt werden.

Konstantinopel, 6. Oktober. Ueber die vorgestern den Bot­schaftern von der Pforte zugestellte Note liegt hier folgende Version vor. Die Note behandelt alle schwebenden Fragen und zwar zuerst die montenegrinische Frage- Die Note wiederholt dieselben Schluß­folgerungen und Erwägungen, wie in den früheren Noten. An zweiter Stelle wird die griechische Frage behandelt. Die Pforte schlägt unter Beifügung einer Karte eine neue Grenzlinie vor, nach

welcher Metzowo, Tanina, Larista und Tschamurli bei der Türkei verbleiben sollen. Die Pforte verpflichtet sich diese Grenzlinie in einer Frist von hundert Tagen auszuführen, wenn obige Bestimmungen angenommen werden. Folgt drittens die armenische Frage. Die Pforte verpflichtet sich innerhalb vier Monaten die gestimmten Reformen auszuführen, welche geeignet sind, die christliche Bevölke- rung dem Artikel 61 des Berliner Vertrages gemäß zufrieden zu stellen. Alles Vorstehende wird an die Bedingung der Aufgabe der Flottendemonstration geknüpft. An vierter Stelle behandelt die Note in gleicher Weise die Frage wegen des organischen Reglements für die Provinzen der europäischen Türkei. Die Pforte verpflichtet sich, dasselbe auszuführen, sobald es unter Bedingungen sanktionirt sei, welche geeignet seien, alle diese Provinzen dem türkischen Reiche zu erhalten. Fünftens verpflichtet sich die Pforte, sich mit den Dele- girten der Inhaber türkischer Schuldtitel ins Einvernehmen zu setzen behufs Wiederaufnahme der Zinszahlung unter Bedingungen, die eine sichere Garantie bieten. Das in dieser Beziehung zu treffende Arrangement soll sich auf die Kriegskostenentschädigung für Rußland und die schwebende Schuld beziehen.

Florenz, 7. October. Die „Nazione" veröffentlicht ein Schreiben des französischen Ministers des Auswärtigen, BarthÄemy St. Hilaire, an den Profesior De Gubernatis, worin der Minister erklärt, daß er ein Freund des Friedens und ein Freund Italiens sei und daß er, was in seinen Kräften stehe, zu Erhaltung guter Beziehungen zwischen Frankreich und Italien beitragen werde. Er hege den Wunsch, daß die italienische Presse sich beruhige und werde seiner­seits bemüht sein, auch auf die französische Presse in beruhigendem Sinne einzuwirken.

Aus Heffen-Nastau.

§ Tann, 6. October. Vergangenen Montag Abend gegen 8 Uhr wollte die Ehefrau des Mühlenbesitzers Heinrich Müller dahier in Abwesenheit ihres Mannes einen Mahlgang abstellen und gerieth dabei mit beiden Händen zwischen die Räder. Zum Glück war es möglich, das Getriebe sofort zum Stillstand zu bringen, doch sind die Hände der unglücklichen Frau jämmerlich zerfetzt und zerrissen; der Mittelfinger der rechten Hand wurde ganz abgerissen. Auch in die rechte Wange erhielt die Frau eine tiefe Wunde. Noch an demselben Abend erfolgte deren Ueberführung in das Landkrankenhaus zu Hersfeld.

* Aus Eschwege schreibt der „Eschw. Anz." unterm 6. October: Heute fand die in einigen Nummern d. Bl. angekündigte erste Vor­stellung der „Kunstreiter-Gesellschaft Lorch" statt. Trotzdem, daß es den ganzen Abend unaufhörlich regnete, war der Besuch im­merhin ein guter zu nennen. Viele mögen wohl geglaubt haben, daß es in den „Cirkus" regnen würde, aber auch nicht das Geringste wurde während der Vorstellung bemerkt. Die Mitglieder der Ge­sellschaft fanden den ungetheilten Beifall der Zuschauer für ihre mit seltener Ruhe und Accurateste vorgetragenen Leistungen. Die Zwi­schenpausen wurden von den „ClownS" gut ausgefüllt und kamen die Lachmuskeln des Publikums kaum zur Ruhe. Zum Schluß der Vorstellung producirte der afrikanische Elephant seine Künste.

Fulda, 6. October. Aus der hiesigen Bahnhofs-Werkstätte gingen 6 Schlosser Imit ungeheurem Material an Werkzeugen nach Malsfeld ab, um die dortige große Brücke der Berlin -Coblenzer Bahn, welche in Folge eingetretener Senkung zweier Pfeiler unfahr- bar geworden ist, mittels Winden zu heben, damit jene Pfeiler neu aufgeführt, resp, tragfest gemacht werden können. — Dem Verneh­men nach soll die kleine Bahnhofs-Werkstätte zu Hanau vom 1. No­vember d. J. ab aufgelöst und mit der hiesigen Hauptreparatur­werkstätte vereinigt werden. (F. Z.)

Me »mischt e^S.

Pillau. (Sieben Männer ertrunken.) Vor einigen Tagen hat sich auf dem frischen Haff ein sehr betrübender Unglücksfall ereignet. Eine An­zahl beim Hafenbau beschäftigter Arbeiter aus Rosenberg fanden, nachdem sie ihre Löhnung erhalten hatten, der vorgerückten Tageszeit wegen keine Gelegen­heit zur Ueberfahrt nach ihrem Heimatsdorf mehr vor und erbot sich daher der hier wohnhafte Matrose Sande, die Leute gegen Entgelt in seinem Boote nach Rosenberg zu bringen, welcher Vorschlag freudig angenommen wurde. Das inzwischen herbeigeholte Boot wurde nun von sieben Arbeitern, deren Gepäck sowie von Sande und seinem Gehülfen besetzt und im Verhältniß zu seiner Größe jedenfalls überladen, worauf es seine in der Dunkelheit keineswegs ganz ungefährliche Reise antrat. Durch einen noch nicht festgestellten Umstand kenterte das Boot in der Nähe von Rosenberg und fanden dabei sieben Männer, unter ihnen auch Sande, ihren Tod. Zwei der Verunglückten, welche sich an das gekenterte Boot festgeklammert hatten, wurden später durch Fischer gerettet. Die Ertrunkenen sind meistens Familienväter, Sande hinterläßt eine Wittwe und sechs unerzogene kleine Kinder.

Posen, 5. Oktober. Sonnabend Abends 9j Uhr brach im Kohlenschuppen des Märkisch-Posener Bahnhofs auf noch unermittelte Weife Feuer aus. Zwei darin befindliche Lokomotiven sind vollständig verglüht, 86,000 Centner Kohlen und mehrere tausend Schwellen verbrannt. Bis heute konnte man nicht Herr des Feuers werden.

Dresden. Eine interessante Reise um die Welt unternehmen, wie die „Dresd. Nachr." melden, in nächster Zeit zwei Offiziere des sächsischen Arm««-