Ich bemerke, oatz infdaS geforderte DerzeichuiWlle Zuchtbullen ausgenommen werden müssen, welche nach Erlaß der Polizeiverord- nung vom 17. Januar 1879 angeschafft und bis jetzt von der Körungs-Commission nicht geprüft worden sind, daß also auch die- jenigen Bullen in dasselbe einzutragen sind, welche nach der diesjährigen Frühjohrs-Körung angeschafft und nur vorläufig durch den Kreisthierarzt besichtigt sind.
Hersfeld, am 7. September 1880.
10512. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir unter Beobachtung meiner desfallsigen Vorschriften vom 19. August 1876 (cfr. Kreisblatt Nr. 68 pro 1876) bis zum 20» b. Mis. eine Nach- weisung nebst Signalements-Verzeichniß derjenigen Personen einzu- reichen, welche für das Jahr 1881 Legitimations- und Gewerbescheine zum Gewerbebetrieb im Umherziehen wünschen.
Hersfeld, am 6. September 1880.
10473._________Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Da in neuerer Zeit es vorgekommen ist, daß Schafheerden von Personen gehütet wurden, welche nicht in Gemäsheit der Hirten- Ordnung vom 18. October 1828 verpflichtet waren, so nehme ich hieraus Veranlassung, den Herren Ortsvorständen des Kreises die Bestimmung des §. 19 Absatz 2 der angeführten Verordnung, nach welcher sie dafür verantwortlich sind, daß kein unver- pflichteter Hirt gehalten werde, mit dem Bemerken ins Gedächtniß zurückzurufen, daß ich bei künftig etwa wahrgenommener Nichtbeachtung der besagten Vorschrift strafend gegen die betreffenden Ortsvorstände einschreiten müßte.
Hersfeld, am 4. September 1880.
10160. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Der Tagelöhner Friedrich Schön von Niederaula, 39 Jahre alt, hat für sich und seine 16jährige Tochter Anna Elisabeth Schön um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht.
Hersfeld, am 4. September 1880.
10432. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Tagesbegebenheiten.
Darmstadt, 6. September. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz begab sich heute früh mit dem Großherzog nach dem Grießheimer Schießplatz und besichtigte die 49. Infanterie- und 25. Cavalleriebrigade unter dem Commando des Prinzen Heinrich von Hessen. Der Kronprinz kehrte um 10 Uhr von der Truppenrevue nach dem großherzoglichen Schlöffe zurück, woselbst um 12 Uhr ein Familiendejeuner stattfand. Um 1 Uhr 53 Min. reiste der Kronprinz nach Mainz. Der Großherzog, sowie der Prinz Heinrich von Heffen gaben Sr. K. K. Hoheit bis zum Bahnhof das Geleit.
München, 5. September. Die von Sr. Maj. dem Kaiser an das Heer erlassene Proklamation ist den baierischen Truppen durch ein besonderes Reskript bekannt gegeben worden.
London, 3. September. Oberhaus. Lord Ensield verlas ein Telegramm, wonach General Roberts die Streitmacht Ajub Khans angegriffen, zerstreut und 27 Geschütze des Feindes erobert hat. Der Feind hat den Argandabfluß auswärts den Rückzug angetreten.
London, 5. September. General Roberts' Sieg wurde nur durch vorzügliches Manövriren erzielt. Desto schmählicher erscheint jetzt Burgon's Niederlage. Hartington gestand, dieselbe wäre ein Schimpf und eine Schande für den englischen militärischen Ruf, die nicht durch den glänzendsten Sieg gutgemacht werden könne.
London, 6. September. Eine Depesche des Generals Roberts aus Kandahar vom 3. d. meldet: Die Kavalleriebrigade ist nach Kokaran vorgerückt. Das Befinden der meisten bei dem Angriff auf die Streitkräfte Ajub Khan's Verwundeten, ist ein gutes. Der Ge- sammtverlust der englischen Truppen am 31. August und 1. ds. be» trägt 248 Todte und Verwundete, 32 Kanonen wurden erobert; es wird versichert, Ajub Khan habe keine einzige Kanone gerettet.
— Das Bert. Tagebl. meldet unterm 7. September: Von unserem Petersburger Korrespondenten geht uns soeben die folgende wichtige Meldung zu: Die Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Ministerium und Marquis Tseng sind bereits seit drei Tagen völlig beendet. Der zwischen Rußland und China abgeschlossene Vertrag ist in Petersburg schon ausgearbeitet, wird aber in Peking unterzeichnet werden. Zu diesem Ende begiebt sich Herr v. Bützow mit dem Vertrage nach geling via Marseille. Seine Abreise war bereits auf Sonutag, den 5. d. Mts., festgesetzt. Marquis Tseng verläßt ebenfalls schon in den nächsten Tagen die russische Hauptstadt unb kehrt auf seinen Londoner Posten zurück. Der russisch-chinesische Konflikt ist mithin endgiltig beigelegt. Zugleich mit der Beendigung der Unterhandlungen mit dem Marquis Tseng tritt der Verweser des Auswärtigen Ministeriums und Adlatus des Fürsten Gortschakow, Geheimrath Giers, seine Urlaubsreise an und übergab die Leitung der Geschäfte dem Baron Jomini.
Aus Heffen-Naffan.
O! Hersfeld, 7. September. Schon wieder ist über ein in Meckbach ausgebrochenes Feuer zu berichten. Am 6. d. Mts. Nachts 11 Uhr wurden die Bewohner Meckbach's allarmirt und fanden beim Erwachen, daß das mitten im Dorf gelegene Wohnhaus des Tagelöhners Daniel Wolf in hellen Flammen stand. Der schnell herbeigeeilten Feuerwehr gelang es, mit Hülfe der Mecklarer Feuerlöschmannschaften, die sich schleunigst mit ihrer Spritze an die Brandstätte begeben hatten, das Feuer bald zu löschen, so daß nur das Wohnhaus abbrannte. Zum Glück herrschte völlige Windstille, sonst hätte das Feuer leicht gefährlich werden können, da unmittelbar an das brennende Wohnhaus mehrere mit Fourage und Stroh bis oben gefüllte Neunen angrenzten. Ueber die EntstehungSursache des Feuers ist bis jetzt nichts bekannt. Der Brandbeschädigte hat sowohl das Haus als auch das Inventar versichert.
C a s f e l, 4. September. Einen verwegenen Fluchtversuch machte während einer der letzten Nächte ein Soldat, vom Füsilierbataillon des 83. Infanterie-Regiments, welches in Arolsen in Garnison liegt. Beim Ausmarsche des Bataillons nach Cassel oder in letzterer Stadt selbst hatte sich derselbe eine schwere Zuwiderhandlung gegen die Instruktion zu Schulden kommen lassen, so daß derselbe vorläufig im hiesigen Kastell an der Fulda in sicheres Gewahrsam gebracht wurde, um demnächst vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Wie man mir mittheilt, konnte er sich wegen der ihm zur Last gelegten straffälligen Handlung auf eine längere Festungsstrafe gefaßt machen und deshalb reifte in ihm der Plan, sein Heil in der Flucht zu suchen. Es gelang ihm unter dem schützenden Dunkel der Nacht die Seiten- wand seines Gewahrsams durch Anwendung einer Eisenstange zu durchbrechen. Die Bettdecke wie Bettuch wurden in Streifen zerschnitten und als Seil an dem Fensterhacken befestigt. Beinahe wäre der soweit günstig vorbereitete Fluchtplan auch gelungen, denn das Fenster lag an der Giebelseite des Gebäudes nach der Fuldabrücke hin, wo zwischen dieser und dem Gebäude ein tiefer Graben, der die f größte Zeit wasserleer ist, sich befindet, so daß der wachthabende Posten an dieser Stelle wohl am Wenigsten einen Fluchtversuch erwarten konnte. Unser kühner Flüchtling schwang sich auch zum Fenster hinaus, war bereits aus seinem hohen Versteck ebenso bis zur Hälfte der Wand heruntergekommen, als plötzlich das Seil riß und er in die Tiefe stürzte, bei welchem beträchtlichen Sturz er bedenkliche Verletzungen am Rückgrad erlitt, so daß er in's Lazareth gebracht werden mußte. (H. M.)
— Die am Werr 241 dienende Marie Elise Maryolin von hier goß am 4. d. Mts. Abends, um das Feuer eines Bügelofens besser anzuschüren, aus einer Kanne etwas Petroleum in den Bügelofen, wodurch die Kanne explodirte und die Kleider des unglücklichen Mädchens in Brand gesteckt wurden, so daß dasselbe derart verbrannte, daß es bereits heute Morgen im Landkrankenhause an den Brandwunden verstorben ist. Wiederum eine eindringliche Warnung!
Eschmege, 3. September. Die Vorbereitungen zum festlichen Empfang des Kronprinzen sind bereits in bestem Gange und zeugen von der großen Freude, welche alle Gemüther bewegt. Den neuesten hier eingetroffenen, wohlverbürgten Nachrichten zufolge wird Se. K. K. Hoheit am 7. d. früh sich von St. Goarshausen zu einer Besichtigung der 41. Infanterie-Brigade nach Nastätten und nach der- selben nach Nassau begeben, von wo Nachmittags die Abreise nach Eschwege erfolgt; in unserer Stadt wird der Kronprinz an demselben Tage, den 7. d., voraussichtlich gegen Mitternacht eintreffen und die Abreise am 8. d. um 1 Uhr 15 Minuten oder nach 4 Uhr Nachmittags erfolgen. Im Gefolge desselben befinden sich, soviel man hört, der Chef des Stabes der IV. Armeeinspektion, Generalmajor von Mischte, Oberstlieutenant Lenke von demselben Stäbe, Major v. Pimnewitz, persönl. Adjutant, Major v. Hartmann, baierischer Militär- bevollmächtigter, Hauptmann v. Pfuhlstein, persönlicher Adjutant, Rittmeister Frhr. von Nyvenheim, persönlicher Adjutant. (Krsbl.)
tzanau, 6. Sept. Nach den bis jetzt festgestellten Neisedis- positionen unseres Kaisers wird derselbe sich gegen Ende dieses Monats (22.) nach Baden begeben und bei dieser Gelegenheit demLandgrafenvon Hessen auf Schloß Philippsruhe einen eintägigen Besuch abstatten. (H. Z.)
Karlshafen, 5. September. Auf derStraße zwischenDeißel und Helmarshausen hat sich gestern folgender Unglücksfall ereignet. Ein schweres, mit Steinen beladenes Fuhrwerk kam an einer sehr abschüssigen Stelle in's Rollen, sodaß es dem Fuhrmann nicht gelang, das Dreigespann zum Stehen zu bringen. Das vorderste Pferd stürzte und in Folge dessen auch die beiden Deichselpferde, das schwere Gefährt rennt gegen zwei Pappeln. Zwei Pferde sind verloren gegangen, der Fuhrmann ist mit einigen Hautabschürfungen davongekommen.
Fritzlar, 4. September. Eine hiesige geachtete Bürgerfamilie ist durch ein bedauernsiverthes Ereigniß in tiefe Trauer versetzt worden. Die in den Vierzigern stehende Frau des Hauses, eine etwas wohlbeleibte Dame, machte vorgestern einen Ausflug auf eine benachbarte Anhöhe mit. Bei der herrschenden großen Hitze, hatte sich dieselbe beim Besteigen des Berghügels allzusehr echausfirt, so daß dieselbe, bald oben angelangt, plötzlich vom Schlage getroffen todt zur Erde sank.