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Garde- und 3. Armeekorps abhalten wird, soll ihn eine glänzendere Suite als je umgeben. Die Angabe, daß ein Mitglied der russischen Kaiserfamilie zu den Manövern nach Berlin kommen würde, bestätigt sich nicht; dagegen werden der König und die Königin von Griechen­land vor Beendigung der Manöver am 8. September zum Besuch des Hofes hier eintreffen und einem Theile derselben anwohnen.

Nürnberg, 29. August. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz traf heute Nachmittag kurz vor 6 Uhr hier einund wurde am Bahn­höfe von dem Bürgermeister von Stromer, der Generalität, dem Direclor des germanischen Museums und anderen Notabilitäten em- pfqflgen und in den mit Blumen geschmückten Königssalon geleitet. Se. K. K. Hoheit begab sich hierauf in königlicher Equipage nach der Hohenzollernburg, auf dem ganzen Wege von den Spalier bildenden Menschenmassen mit enthusiastischen Hochrufen begrüßt. Der Kronprinz hat sein Absteigequartier im Bayerischen Hof ge­nommen und wird sich morgen früh nach Langenzenn begeben.

Ragusa, 27. August. Aus Albanien werden hier folgende Nachrichten verbreitet: Der Generalgouverneur von Oberalbanien, Riza Pascha, hatte am 24. d. in Skutari mit den Chefs der albane- sischen Liga eine Zusammenkunft. Letztere blieben unbeugsam und Riza Pascha wollte sie deshalb verhaften lassen. Die Einwohner kamen ihm jedoch zuvor und befreiten sie, indem sie Riza Pascha mit dem Tode drohten. Die Liga hat 600 Mann und Waffen nach Dulcigno geschickt; die Einwohner Dulcignos sind entschlossen, die Stadt in Brand zu stecken, falls sie gezwungen werden sollten, Dulcigno abzutreten. In Skutari herrscht große Erregung.

Paris, 28. August. „Rspublique franyaise" konstatirt die Uebereinstimmung der Mächte bezüglich der griechischen Frage und spricht die Hoffnung aus, daß der Sultan sich nicht den Zufällen eines Kampfes mit Griechenland aussetzen werde, welches geduldig und mit Vertrauen die Ausführungen des Schiedsspruches Europas erwarte. Die einzige Rettung der Türkei liege in der Aufrechter­haltung des Friedens, denn in dem ungleichen Kampfe würde sie nachgeben müssen. Der Wille Europas würde sich jeder Macht auf­zwängen laffen, möge sie auch noch so stark sein, um so mehr der Türkei, welche durch ihre Unglücksfälle und ihre Fehler herunterge­kommen und kraftlos geworden sei.

Aus Hessen-Nassau.

Cassel, 29. August. Wie man mir mittheilt, hat sich heute Abend in der Sophienstraße ein recht bedauerlicher Unglücksfall zuge­tragen. Ein junger Mann wollte seinen geladenen Revolver aus der Tasche herausnehmen, als sich derselbe plötzlich entlud und ihm die Kugel in den Unterleib eindrang. Aerztliche Hülfe war bald zur Stelle und gelang es bereits, das verderbliche Geschoß aus dem Körper zu entfernen. Glücklicherweise soll die Wunde nicht lebensge­fährlich sein. (H. M.)

Orb, 25. August. Bei dem Bauern Heinrich zu Lettgenbrunn, Amt Orb, war der 14jährige Peter Freund aus Kempfeubrunn, Amt Bieder, als Hüt- junge in Dienst getreten; zugleich mit ihm diente bei demselben Bauern der 82jährige Michael Buchold aus Kempfeubrunn. Vom 2. August l. I. — wo man in Lettgenbrunn die Kirchweihfeier beging — war der junge Freund ver­schwunden. Acht Tage später machte sich auch der ältere Dienstknecht aus dem Dienste, zwar nicht heimlich, aber doch nach Vorgängen, die dem Dienstherrn die Lösung des Dienstverhältnisses wünschenswerth erscheinen ließen. Seit 10 — 12 Tagen — ja schon zur Zeit, wo Buchold noch im Dienste stand —, machte sich von der Scheune des Dienstherrn, und zwar von dem dort lagernden Heu aus ein verwesender Geruch bemerkbar, der sich mit jedem Tage steigerte bis zur Unerträglichkeit. Mau wußte sich tiefen Geruch nicht anders zu erklären, als durch die Vermuthung, daß etwa dort ein Thier verendet oder irgend Je­mand absichtlich ein verendetes Thier dorthin verbracht habe, fand aber beim Nachsuchen Nichts. Am vergangenen Sonntag durchsuchte man nun mit spitzen Instrumenten — Heu- und Mistgabeln — die tieferen Lagen des fraglichen Heuhaufen und stieß zum Entsetzen Aller auf den Leichnam des vermißten Hirtenjungen, vollständig angekleidet, bereits bis zur Unkenntlichkeit verwest, mit einer hohen Schicht Heu bedeckt. Die gerichtliche Section, die am 25. August vorgenommen wurde, ein Geschäft, um das die betreffenden Herren bei der stark vorgeschrittenen Verwesung der Leiche nicht zu beneiden waren, brächte insofern Licht in die Sache, als constatirt wurde, daß der Unglückliche eines gewaltsamen Todes gestorben ist, indem demselben der Hirnschädel so zerschmettert war, und zwar durch einen schweren Hieb, etwa mit einem starken Prügel, daß in Folge dessen der Tod erfolgen mußte. Die darauf basirende Unterfüchung der thatsächlichen Verhältnisse, Drohungen des Buchold gegen Freund, Aussagen eines Zeugen über einige andere hieraus bezügliche Vor­kommnisse, sowie der Dienstaustritt des Buchold, dessen jetziger Aufenthaltsort

Niemanden bekannt ist, lassen letzteren als den muthmaßlichen Thäter des grausigen Mordes erscheinen. (F, Z.s

Orb, 29. August. Den umsichtigen Bemühungen der Sicherheitsbehörden ist es gelungen, den Aufenthaltsort des Unmenschen, der in Lettgenbrunn den Hütjungen Peter Freund erschlagen und im Heu verborgen hat, in Dörnigheim ausfindig zu machen und wurde derselbe bereits gestern durch einen Gens- darinen von Hanau in die hiesige Frohnveste abgeliefert. Der Verhaftete ist theilweise seiner Unthat geständig und hat nun Gelegenheit, in einsamer Haft über die Schändlichkeit seiner That nachzudenken. Der Leichnahm des armen Hütjungen, der so schmählich um sein junges Leben gekommen, wurde am Tage nach der gerichtlichen Sektion auf dem Kirchhof in Lettgenbrunn unter großer Theilnahme der dortigen Bewohner durch den protestantischen Pfarrer von Aufenau, wohin die Protestanten im Bezirke Orb eingepfarrt sind, be­erdigt. (F. Ztg.)

Rosenthal, 27. August. Gestern Abend passirte hier ein recht bedauer­licher Unglücksfall. Der Sattler Schäfer erhielt von einem Reisenden aus Caffel den Auftrag, einen Riemen an einem Revolver zu repariren. Bevor sich der­selbe an seine Arbeit machte, ist er noch mit seiner Frau und fünf Kinder be­stehenden Familie zu Nacht und nimmt dann den Revolver zur Hand, um den Riemen anzupassen — ein furchtbarer Knall ertönt in der kleinen Stube, die­selbe füllte sich mit dickem Dampf — der geladene Revolver war losge­gangen und eine Kugel dem armen Manne durch den Kopf, die seinem Leben sofort ein Ende machte. Die unglücklichen Angehörigen umstanden ver­zweifelt die Leiche ihres Ernährers, mit dem sie noch wenige Minuten vorher ein karges Nachtmahl eingenommen hatten. Die Theilnahme in unserer Stadt ist eine große____________________

Vermischt iHT

— Gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in Ulm wird folgende hübsche Episode erzählt: „Zum Dejeneur, das der Kronprinz im Fürstensalon des Bahnhofes einnahm, war anfangs für 12 Personen gedeckt. Unerwartet kam noch Freiherr von Stauf- fenberg aus Rißtiffen, um den Kronprinzen zu begrüßen und wurde gleichfalls zur Tafel geladen. Damit war aber die ominöse Zahl „13" voll und man befand sich in einiger Verlegenheit, wie dem abzuhelfen wäre. In diesem Augenblick kommt die Frau eines Unteroffiziers des 5. Regiments mit ihrem in die würtembergische Uniform gekleideten 6jährigen Knaben und bittet um die Erlaubniß, dem Kronprinzen durch die Hand des Kleinen einen Blumenstrauß überreichen zu dürfen. Der Kronprinz nahm das Bouquet freund­lich an und setzte lächelnd den jungen Krieger als Vierzehnten an den Tisch, wo es sich dieser denn auch trefflich schmecken ließ."

Ems, 27. August. Heute Abend gegen 7 Uhr brach hier ein furchtbares Unwetter mit schrecklichem Sturm los, welches auch eine für den Abend projectirte Festlichkeit mit Feuerwerk vereitelt hat. Das Wetter dauerte über | Stunden und der Orcan wüthete mit furchtbarer Gewalt in dem engen Lahnthal.

— Das Zeitalter des Dampfes ist vorbei und das Zeit­alter der Elektricität hat begonnen, behaupten die Gelehrten. Auch eine beträchtliche Anzahl Laien werden derselben Meinung sein, allein viele Wissens nicht, und unter diesen letzteren befindet sich auch eine Bauersfrau aus Langerfeld. Diese Frau hatte die Düsseldorfer Ausstellung besucht und erzählte einem Herrn, was sie dort Alles gesehen. Nach Beendigung ihrer Erzählung frug sie der Herr: „Sind Sie auch mit der elektrischen Bahn gefahren?" „Nee", war ihre Antwort, „wi fit mit de Bergisch-Märkische gefahren."

— Aus Berlin wird geschrieben: Die häufigen Explosionen der Petroleumlampen haben die .guten alten Schieblampen, die mit Rüböl gespeist werden, wieder aus dem Grabe der Vergangenheit geweckt und besonders die größeren Lampenfabriken wundern sich über die starke Nachfrage danach. Dieser Rückschritt wäre, meinen wir, ein Fortschritt; abgesehen von dem üblen Geruch und der Ge­fährlichkeit des Petroleums, ist das Licht einer guten Schiebelampe milder, angenehmer und dem Auge wohlthuender.

— Beim Exerziren erschossen. Aus dem Kaukasus ist folgende Nachricht eingetroffen: „Am Morgen des 21. d. um halb 8 Uhr waren die 1. und 2. Kompagnie des kaiserlich russischen Eriwanskischen Grenadier-Regi­ments Nr. 13 zur Gefechtsübung bei Manglis ausmarschirt. Als diese Kompagnien, welche gegen einander manövrirten, zu feuern begonnen hatten, stürzte plötzlich Oberlieutenant Freiherr Adam v. Neust von der 1. Kompagnie tödtlich verwundet nieder und verschied nach kurzem Leiden. Die sofort einge­leitete Untersuchung ergab, daß der Gefreite Duschin der zweiten Kompagnie durch einen noch nicht aufgeklärten Umstand mit scharfgeladener Patrone ge­schossen und den Freiherrn v. Neust mit diesem Schuß getroffen hatte. Frei­herr Adam v. Neust war der einzige noch am Leben gewesene Bruder der Ge­mahlin des Prinzen Karl von Baden; er diente während des Feldzuges 1870,71 im zweiten badischen Dragoner-Regiment Nr. 21 und trat aus demselben im Jahre 1877 in das obgenannte kaiserlich russische Regiment über, in welchem er mit Auszeichnung den russisch-türkischen Krieg im Kaukasus mitgemacht hat.

Jagd-Verpachtung.

Die der hiesigen Gemeinde zustehende Jagdgerechtsame soll anderweil ver­pachtet werden und ist Termin hierzu auf Montag den 6. September d. J.

Abends 6 Uhr in die Wohnung des Unterzeichneten anbe- raumt worden, wozu man Pachtliebhaber

Anzeigen.

mit dem Bemerken einladet, daß die Be­dingungen im Termin bekannt gemacht werden.

Roßbach, am 28. August 1880.

Der Bürgermeister

__ Bohlend e r.

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offerirt E. Hirschbergen

Mein Ausschnittgeschäft befindet sich in meinem früheren Hause eine Treppe hoch.

Hersfeld. H. Rechberg.