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Baurathks Pleßner zu Gotha eine ausführliche, die Sache in technischer, volkswirthschaftlicher und finanzieller Hinsicht allseitig beleuchtende Denkschrift anfertigen zu lassen, wobei in erster Linie die Strecken Altenhunden-Kölbe-Alsfeld-Hersfeld, in zweiter Linie die Strecke Hersseld-Gerstungen ins Auge zu fasten sei. Wir haben diesseits an der Strecke Altenhunden-Kölbe das größere Interesse und wäre gewiß wünschenswerth, wenn der Versaster dieser Denk- schrist auf dieses Interesse der Montanindustrie das höchste Gewicht legte. Das Königliche Oberbergamt zu Dortmund und die Handels­kammern des Jndustriebezirkes werden gewiß gern mit Materialien an die Hand gehen, welche zur Beurtheilung der Bedeutung dieser Bahnstrecke erforderlich sind. Technisch werden wahrscheinlich nur leicht zu überwindende Schwierigkeiten durch das Nothhaargebirge vorliegen. Zur Wahrnehmung der Interessen der Montanindustrie dürste vielleicht die Bildung eines Komites im Oberbergamtsbezirke Dortmund zu empfehlen sein. (E. Z.)

— Aus Kissingen wird geschrieben: Das Befinden des Fürsten Bismarck ist seit seinem Hiersein ein ungestört gutes. Der Reichs­kanzler arbeitet viel, oft bis in die späte Nacht; er verläßt seine Appartements außer dem gewöhnlichen Gange nach dem Bade nicht oft und ein Empfang in denselben ist eine Seltenheit. — Auch die Fürstin erfreut sich eines guten Aussehens.

Bremerhaven. Auf telegraphische Requisition des deutschen Generalkonsuls in London wurde vom hiesigen Amte nach eingeholter Anweisung der oldenburgischen Regierung auf dem heute Morgen hier angekommenen Lloyddampfer „Falke" der Steuermann Heinrich Reincken aus Bremen verhaftet. Derselbe wird des Mordversuchs aus See, begangen an seinem Schiffer, dem Kapitän Schierloh, von dem in Elssteth heimathberechtigten Schiffe „Border Chief" auf der Reise ab Melbourne, beschuldigt. (Wes. Ztg.)

Wien, 5. August. Nach hier eingegangenen Nachrichten haben im nördlichen Theile von Mähren große Wolkenbrüche stattgefunden. MährischOstrau sammt Umgebung ist überschwemmt; bei Hurschau wurde die Brücke der Nordbahn beschädigt und dürste der Bahnver- kehr daselbst für einige Tage unterbrochen bleiben. Mehrere Menschen haben bei der Ueberschwemmung das Leben verloren.

Wien, 3. August. An der galizisch-russischen Grenze wurden Verkehrungen gegen Cholera-Einschleppung getroffen.

London, 4. August. Eine Depesche des Generals Burrom aus Kandahar vom 29. Juli meldet: Nachdem General Burrow erfahren hatte, daß die Vorhut Ajub Khan's Maunand besetzt hatte, marschirte am 27. Juli Morgens die Artillerie und Cavallerie von Kischki- Rakhud ab und griff den Feind um 9 Uhr an. Bald darauf erschien ■ die Gesammtmacht des Feindes und formirte folgende Schlachtlinie: 7 reguläre Regimenter im Centrum, 3 andere in Reserve; 2000 Mann Kavallerie auf dem rechten Flügel, 400 Berittene, 2000 Ghazis und irreguläre Infanterie auf dem linken Flügel, die andere Caval- lerie und die irregulären Truppen blieben in der Reserve. Außerdem hatte der Feind 5 oder 6 Batterien, darunter Hinterladerbatterien, in den Zwischenräumen aufgestellt. Bis 1 Uhr blieb das Treffen auf Artilleriefeuer beschränkt, welches der Feind so gut unterhielt und dicigirte, daß die bessere Qualität der englischen Geschütze keinen Ersatz bot für die geringe Quantität. Das Feuer der englischen Hinterlader blieb nicht ohne Wirkung, allein in Folge eines energischen Angriffs der Kavallerie der Ghazis fielen dieSepoys in Verwirrung auf das 66. Regiment zurück, wobei 2 Kanonen im Stirb gelassen wurden und die Formation verloren ging. Die Infanterie retirirte langsam und wurde von der Kavallerie und Artillerie abgeschnitten. Nach heißem Kampfe gelang es Burrow, die Infanterie herauszu- ziehen und in die Rückzugslinie zu bringen. Der Feind setzte die Verfolgung bis anf zehn Meilen von Kandahar fort, aber nicht energisch. Die Kavallerie, Artillerie und ein Theil der Infanterie erreichten am nächsten Morgen 7 Uhr das Argandab-User, 40 Meilen von dem Gefechtsfeld entfernt. Dre Mehrzahl der Verluste entstand durch Durst und Erschöpfung. Fast die ganze Munition, 400 Mar- tinp- und 700 Snider-Gewehre, sowie 2 Neunpsünder gingen verloren. — Ein Telegramm aus Simla vom 3. c. bestätigt, daß General Roberts sich sofort mit einer Armee von 10,000 Mann von Kabul auf Kandahar in Bewegung setzen werde.

London, 5. August. Eine osftcielle Meldung aus Quetta von gestern besagt: Ausgesendete Boten melden, daß sich Ahjub Khan am Sonntag in Sangbar befand. Ob derselbe weiter vorrücken würde, sei ungewiß, es scheine, als habe Ajub Khan die Hoffnung, Kandahar mit Erfolg angreifen zu können, aufgegeben, die Verluste, die sein Heer erlitten habe, seien sehr beträchtlich.

Konstantinopel, 3. August. Die heute überreichte Kollek­tivnote der Mächte bezüglich Montenegros gewährt der türkischen Regierung eine Frist von drei Wochen, um die Konvention mit Montenegro vom 12. April zur Ausführung zu bringen. Falls die Türkei diese Konvention in der bewilligten Frist nicht ausführen sollte, so würde sie aufgefordert werden, sich mit den Mächten be­hufs Uebergabe Duleignos an Montenegro zu vereinigen.

Athen, 5. August. Das Decret des Königs, durch welches die Mobrlisirung der Armee angeordnet wird, ist heute Mittag publi- eirt worden.

Athen, 5. August. Die Deputirtenkammer ist mittelst könig- lichen Decrets zum 8. k. M. einberufen worden.

Aus Heffen-Nasiau.

— Die Strasbestimmung des §. l39 des Strafgesetzbuches, wonach die Unterlassung der Anzeige von dem Vorhaben eines gemeingefährlichen Verbrechens zu einer Zeit, in welcher die Verhütung des Verbrechens möglich ist, mit Gefängniß zu be« strafen ist, wenn das Verbrechen begangen worden, findet nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts, III. Straff., vom 15. Mai 1880, auch auf die Ehefrau und die sonstigen nahen Angehörigen des Verbrechers, trotzdem sie der Pflicht der Zeugenschaft enthoben sind, Anwendung.

— Wie in jedem Jahre, so wird auch gegenwärtig in der Zeit vom 9. bis zum 14. August der sogenannte Laurentiusschwarm der Sternschnuppen austrelen. Die meisten Meteore zeigen sich in den Nächten des 10. und 11. August, doch handelt es sich hierbei keineswegs um einen sogen. Sternschnuppenregen, sondern nur um ein zahlreicheres Auftreten der Meteore, als in anderen Nächten.

Von der Fulda, 5. August. Eine grausige That wurde heute auf dem Felde bei Morschen begangen. Dort gerieth ein mit Roggenschneiden beschäftigtes, noch junges Ehepaar in Streit, daß der zornige Mann seiner Frau den Kopf mit der Sense abhaute. — Nach vollbrachtem Gattenmord ergriff der Missethäter die Flucht. (Tpst.)

Baumbach, 5. August. Gestern versuchte ein Bauer aus dem eine halbe Stunde von hier entfernten Stärkelshausen durch die von den letzten Regengüssen stark angeschwollene Fulda zu fahren. Trotz­dem derselbe mehrfach gewarnt wurde, wollte er es dennoch „einmal probiren". Mitten im Strom schlug das leichte Fahrwerk plötzlich um, Pferd und Mann gewaltsam mit sich fortreißend. Letzterer hätte in dem tobenden Element sicher seinen Tod gefunden, wenn nicht der Schiffer W. noch rechtzeitig die Gefahr erblickt und den Ertrinkenden gerettet hätte. Der Mann, welcher nebenbei Vater von 6 Kindern > sein, und in sehr bedrängten Vermögensverhältniffen leben soll, kam diesmal mit dem Schrecken davon, während sein einziges Pferd 200 Schritte von der Unglücksstelle todt gelandet wurde. „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!"

Hanau, 28. Juli. Vom Westerwald wird der H. Z. berichtet: Am 21. Juli fuhr ein junges Ehepaar von Wörsdorf (bei Guck- heim), um Klee zu holen und saß auf dem Wagen. Plötz lich wurden Die Kühe scheu und die junge, nebenbei in gesegneten Umständen sich be­findliche Ehefrau fiel herab und ein Wagenrad ging ihr über den Hals. Sofort stellte sich der Tod ein. Die Sache ist um so mehr zu bedauern, da der Mann, obwohl erst 31 Jahre alt, schon die erste Frau auf eine schreckliche Weise verloren hatte.

Birst ein, 3. August. Heute Morgen nach 11 Uhr zog ein heftiges Gewitter über unseren Wohnort. Die Frau des Taglöhners Möser dahier war nebst ihrem 15jährigen Sohn in der Nähe des neuen Friedhofes mit Kornschneiden beschäftigt, während zwei Knaben derselben von 6 und 4 Jahren in einem Kornhaufen Schutz gegen das Unwetter suchten und ein Säugling von 11 Monaten in einiger Entfernung auf ausgebreiteten Kleidungsstücken schlummerte. Plötz­lich schlug der Blitz in den Kornhaufen, jedoch ohne zu zünden und die Kinder zu tödten. Betäubt wurden dieselben zu einem der hiesigen Aerzte gebracht, welcher constatirte, es sei nicht zu befürchten, daß - die Wirkung des Blitzes bleibende Folgen für die Kinder haben würde, obgleich sich an der einen Seite Beider sowohl am Kopfe als an den Gliedmaßen schwarze Flecken zeigten.

Wrexen, 31. Juli. Ein erschütterndes Ereigniß wird von dem oberhalb Wrexen gelegenen ehemaligen Eisenwerke „Rhoder- Hammer" gemeldet. Dort lagen nämlich noch von früher her große Haufen von „Schlackengrand," welcher als vorzügliches Bindemittel mit Kalk vermischt zu Häuserbauten, Dacheindeckungen rc. sehr be­gehrt ist, so daß oft Leute aus dem südlichen Theile des Fürsten- thums, dem angrenzenden Hessen, Westfalen rc. weit her kommen, um diesen Grand zu holen. Auch heute Morgen traf ein Fuhrwerk aus Hesperinghausen daselbst ein, welches die beiden einzigen Söhne des angesehenen und begüterten Eigenthümers führten. Als der Wagen bereits gefüllt war, wollte man des weiten Weges halber noch einen Haufen oben d'rauf laben, zu welchem Zwecke beide Brüder an einer bedenklich unterminirten Stelle trotz aller Warnungen einiger anderen Leute Grand loshackten. Da — plötzlich stürzt die 1 ganze überhängende Parthie ein, sie beide unter sich begrabend. Hülfe war sofort zur Stelle und noch einige andere Leute aus dem Felde sprangen Herzu, sich an dem eifrig betriebenen Rettungswerk betheiligend. Doch vergebens. Den einen Bruder, ein junger hoff­nungsvoller Mann von 18 Jahren, ziehen sie als Leiche unter den Steinmassen hervor und auch der andere, welcher minder hart ge­troffen, ist bedenklich verletzt. Der Fall hat hier allgemeine Theil­nahme erregt, namentlich in Anbetracht der unglücklichen Eltern, welche ihre Söhne gesund und munter fortschickten und nun so zurück erhalten. Uebrigens ist der Fall wieder eine ernstliche Warnung für viele Bauersleute, die in ähnlicher Lage oft so gleichgiltig zu Werke gehen. ^- M.)