Einzelbild herunterladen
 

Förderung des Wohles unsers Volks berufen sind und ein Herz für die Unbemittelten haben, überall im ganzen Deutschen Reiche mit Rath und That helfen, damit die wohlthätige Absicht des Hohen Stifters möglichst Vielen zu Gute komme. Es kommt darauf an, die Einrichtungen der Anstalt Allen verständlich und bekannt zu machen und die zweckmäßige Benutzung derselben zu erleichtern. Wir richten besonders an Gemeindebehörden, an Gesellschaftsvor- stünde, an Fabrikbesitzer, Gutsbesitzer und andere Arbeitsgeber die Bitte, dnrch Anregung zu Einlagen, durch Sammlung und Einsen­dung derselben zu helfen. Stadtkassen und Sparkassen sind vorzüg­lich geeignet, Annahme und Zahlstellen zu bilden. Auf dem Lande können Gutsbesitzer, Pächter, Geistliche, Ortsvorsteher und Lehrer durch Auskunft, Rath und Vermittlung der guten Sache wesentliche Dienste leisten.

Die Anstalt nimmt Einlagen von je 5 Mark an, einzelne oder mehrere. Durch jede Einlage wird eine bestimmte Rente versichert, welche in der Regel nicht vor Beginn des 56. Lebensjahres fällig wird, die aber auch nach der Wahl des Versicherten bis zum Beginn seines 71. Lebensjahres hinausgeschoben werden kann und umsomehr steigt, je später sie beginnt. An Stelle der Rente kann der Ver­sicherte die Zahlung eines entsprechenden Kapitals fordern.

Die Einlagen können für junge Kinder wie für ältere Leute bis zum 70. Jahre gemacht werden. Die Tarife zeigen, wie hoch sich ür jede Einlage von 5 Mark je nach dem Lebensalter des Ver- icherungsnehmers bei ihrer Einzahlung die Rente oder das Kapital tellen, je nachdem sie mit Beginn des 56. oder eines späteren Lebens­jahres fällig werden sollen.

Die Einlagen können ohne einen Vorbehalt der Rückzahlung geschehen und ergeben dann die höchste Rente oder das höchste Kapi­tal. Sie können aber auch mit der Bestimmung gemacht werden, daß sie zurückgezahlt werden sollen, wenn die versicherte Person stirbt, bevor die erste Rente oder das Kapital fällig ist.

Jener Vorbehalt kann dahin ausgedehnt werden, daß die Rück­zahlung auch in dem Falle erfolgen soll, wenn der Versicherte die Fälligkeit von Renten und Kapital erlebt hat.

Auf diese Weife können ältere Einlagen von Neuem für andere Personen verwendet werden, und finden namentlich Gemeinden, Ge­sellschaften, Jnstitnte und alle Arbeitsgeber Gelegenheit, nach und nach einen dauernden Pensionssonds für ihre Angehörigen, Beamten, Arbeiter und Dienstleute zu begründen.

Einlagen, welche 5 Jahre bestehen, können gekündigt werden und sind nach halbjährlicher Frist mit 2 pCt Zinsen zurückzuzahlen, salls das Mitglied dann noch lebt. Auch die Beleihung von Ein­lagen ist unter Umständen zulässig.

Wer zu Gunsten Anderer Einlagen macht, kann deren Rück­zahlung für sich vorbehalten. Er kann auch bestimmen, daß die ver­sicherte Person diese Einlagen nicht kündigen und nicht beleihen darf, sowie daß dadurch nur ein Recht auf Rente begründet werden soll. Dies hat den Zweck, den Versicherten die Altersversorgung definitiv zu sichern.

Die Versicherungsbedingungen nebst Tarifen und Geschäftsplan, sowie die erforderlichen Formulare werden von der Direktion der Kaiser Wilhelms-Speude verabfolgt. Das Geschäftslokal der An­stalt in Berlin W., Mauerstr. 85, ist an allen Wochentagen von 9—3 Uhr für Jedermann offen.

Dahin bitten wir alle Anträge und Briefe zu richten.

Berlin, 19. November 1879.

Drr AussichtSrath der Kaiser WilhelmS-Spende, Allgemeinen Deutfchen Stiftung für Alters-Renten und Kapital- Versicherung.

Schuhmann.

Tagesbegebeuheiten.

— Das Berl. Tagbl. meldet: „Wie jetzt bestimmt ist, wird am 10. August die Zusammenkunft des deutschen und öster­reichischen Kaisers in Jschl stattfinden. Ersterer, von Gastein kommend, soll um 10 Uhr Vormittags eintreffen und in Kochs Hotel wohnen und am 11. August Nachmittags via Paffan nach Berlin abreisen. Die Vorbereitungen für den Kaiserempfang und Aufent­halt find bereits getroffen. Der Botschafter Prinz Reuß wird gleichzeitig inJschl anwesend sein, wahrscheinlich auch der Serben- fürst Milan."

Swinemünde, 27. Juli. Unter dem Donner der Kanonen der Festungswerke lichtete Hente früh 4 Uhr die Jacht „Hohenzollern" mit unserem Kronprinzen, Prinzen Wilhelm und Admiral Stosch an Bord die Anker und dampfte mit Kurs nach Saßnitz in See. Die kronprinzliche Standarte wurde von der Kadetten-Fregatte „Niobe", die bei dem Leuchtthurm vor Anker lag, mit 21 Kanonen­schüssen selutirt, 48 Seekadetten und 200 Matrosen erkletterten die Rallen der Fregatte und riefen ein dreimaliges „Hip, hip, Hip;" Unser Kronprinz stand trotz des ziemlich starken Regens, der schon die ganze Nacht hindurch angehalten, mit seinem Sohn und General Stosch auf der Kommandobrücke der „Hohenzollern."

Kiel, 28. Juli. Bei der Taufe derParnerkorvette C, welche, wie bereits gemeldet, den Bauten „Baden" erhielt, hielt Se. k. L Hoheit der Kronprinz noch folgende Ansprache: „Möge das Schiff, welches hier getauft werden soll, seines Namens würdig fein, denn es soll uns an den Namen des edeln, schönen, an des ReichesMark gelegenen Landes erinnern, dessen erlauchter Fürst durch die zartesten Bande mit dem Kaiser und feinem Hause verbunden ist, und der als ein leuchtendes Vorbild unter den deutschen Fürsten von uns verehrt wird. — Abends 6 Uhr 55 Minuten trat Se k. k. Hoheit die Rückreise nach Berlin an."

Wien, 29. Juli. Einer Meldung der „Presse" aus Belgrad zufolge beschloß der serbische Ministerrath unter Präsidium' des Fürsten die Mobilisirung der Nationalarmee. Dadurch erhält Montenegros gleichzeitige Mobilisirung sowie das Gerücht von einer montenegrinisch-serbischen Allianz erhöhte Wichtigkeit.

London, 28. Juli. Ueber die Niederlage der englischenTruppen wird aus Simla, den 28. d., gemeldet: General Burrow erlitt durch Ajub Khan eine ernstliche Niederlage; die Verluste sind be­deutend, die englischen Streitkräfte wurden zerstreut und mußten die Flucht ergreifen, wobei sie auf eine Entfernung von 3 Meilen vom Feinde verfolgt werden. Jetzt kommen sie in kleinen Abthei­lungen in Kandahar an. Zwei Kanonen wurden vom Feinde ge­nommen.

London, 29. Juli. Nach den im Laufe des heutigen Tages aus Indien eingegangenen weiteren Meldungen gewinnt es den An- fchein, daß die Niederlage des General Bnrrows nicht fo schwer war, als der officielle Bericht annehmen ließ. Von General Burrow's Truppen sind drei Oberste und sieben andere Officiere in Kandahar angekommen. Bestimmt bekannt ist bis jetzt derTod von6 Officieren und die Verwundung von 5 Officieren. Die telegraphische Ver« bindung zwischen Quetta und Kandahar ist seit heute Morgen unter­brochen.

Paris, 27. Juli. Dem „Temps" zufolge soll die Entsendung der französischen Officiere nach Griechenland aufgeschoben seim

Aus Hefseu-Nasiau.

□ Hers seid, 31. Juli. Das heute beendigte Ober-Ersatz- Geschäft für den hiesigen Kreis pro 1880 hatte folgendes Resultat: Tauglich: 93 Militairpflichtige. (Davon 8 für die Garde, 51 für das 32. Jnf.-Regt., 10 für das Füsilier-Regt. Nr. 80, 3 zum Train, 1 für das 83. Jnf.-Regt., 1 für das Pionier-Batl. Nr. 11, 1 für das Feldartillerie-Regt.Nr. 11, 4 für das Feldartillerie-Regt. Nr. 27, 1 für das Fußartillerie-Reg. Nr. 15, 2 für das Jäger­bataillon Nr. 11, 1 für das Eifenbahn-Regt., 3 für das Ulanen- Regt. Nr. 15, 3 für das Hufaren-Regt. Nr. 14 und 4 taugliche Forstlehrlinge.) Außerdem wurde ein schon früher in Folge Re­klamation vom Militärdienst befreiter Mann nachträglich ausgehoben, weil er die Eltern nicht unterstützte. Moralisch Unwürdig: 2. Dauernd Untaugliche: 60. Ersatz-Reserve II. Classe: 24. Ersatz-Reserve I. Classe: 68, darunter 9 wegen häus­licher Verhältnisse. Zu rück gestellt wurden 26 Militairpflichtige.

8 Hersfeld, 30. Juli. Vergangenen Donnerstag Nachmittags gegen 7 Uhr entlud sich ein schweres Gewitter über der Flur von Reckerode. Der Blitz schlug in das Wohnhaus des Ackermanns Nuhn daselbst ein und sofort stand der Dachstuhl in Hellen Flammen. Es war jedoch sofort die nöthige Löschmannschaft zur Hand und mit Hülfe der neuen vorzüglichen Spritze gelang es, das Feuer zu löschen, so daß nur das Dachgeschoß niederbrannte. Zum Glück hat das Wetter keinen weiteren Schaden angerichtet.

Wolfhagen, 27. Juli. Neuer Kurgebrauch gegen Rheu­matismus. Eine noch junge Frau zu Niederelfungen, welche schon seit einem Jahre so stark an Rheumatismus leidet, daß sie das Bett nicht verlassen kann, war auf Anrathen einer Nachbarin bereit, sich einer Radikalkur zu unterwerfen, welche in „Schwitzen im Back­ofen" bestehen und der Rathaeberin auch geholfen haben sollte. Eines Tags Anfangs b. Mts. wurde dann die Kranke von 4 Frauen, nach­dem eben das gebackene Brod herausgenommen, in den noch heißen Backofen mit den Beinen zuerst gefchoben, so daß der Kopf außer­halb auf einem angebrachten Kissen ruhte. Nach einer Viertelstunde wurde die Arme besinnungslos, welche Situation die Umstehenden für einen fünften Schlaf hielten. In diesem Zustande wurde die­selbe, nachdem sie eine halbe Stunde in beut Schwitzbade zugebracht hatte, in ihr Bett zurückgebracht, wo dann einige Zeit nachher die Besinnung wieder eintrat. Nnn ist leider Heilung nicht Allge­treten, wohl aber hat die Aermste bis heute lioch unsägliche Schmerzen von den nicht unerheblichen Brandwunden an Beinen und Füßen. (Wolfh. Anz.)

Eschwege, 26. Juli. Der Maurermeister Louis Vcel von hier hat soeben seinem Leben mittelst eines Messerstiches in die Brust ein Ende zu machen gesucht. Die Wunde scheint lebensgefahruch zu sein und ist der Unglückliche sofort in das Laudkrankenhaus auf- genommen. Der Thorwärter Eisenhuth hat Viel unmittelbar nach der That aufgefunden und il)m das Messer, welches bis an den Schaft in der Brust steckte, aus derselben herausgezogen. Viel, der