KmsWblalt
für Den
Jireis Hersfeld.
Nr. 60. Mittwoch den 28. Juli 1880.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Königliche Steuerempfänger Schenk zu Friedewald, hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülfen Wilhelm Morell zur Erthei- lung von Quittungen über Zahlungen an die Steuer- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt.
Lasset, den 23. Juli 1880.
Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domainen und Forsten, v. Eschwege.
Kreis Hersfeld.
Raffel, am 21. Juli 1880.
Die während der Berathung des Feld- und Forst-PolizeigesetzeS im Abgeordnetenhause im hiesigen Bezirke vielfach lautgewordene Besorgniß, daß nach dem Inkrafttreten ves Gesetzes das Betreten von Feld und Wald namentlich des Letzteren zu Zwecken der Erholung und des Vergnügens dem Publikum verwehrt sein werde, ent» behrt der Begründung. Der Zweck und Die Bedeutung des Gesetzes ist lediglich darauf gerichtet, den Feldern und Forsten einen kräftigen Schutz zu gewähren und der Nichtachtung des Eigenthums daran in wirksamer Weise entgegen zu treten. Eine zwecklose unnöthige Be- tästigung der Bevölkerung Hat zu keiner Zeit in Absicht der Staats- regierung gelegen. Die Königlichen Forstbeamten sind daher angewiesen worden, die Bestimmungen des Gesetzes insbesondere des §. 9, wonach der, welcher ohne Befugniß auf einem fremden Grundstücke sich befindet und der Aufforderung des Berechtigten zur Entfernung keine Folge leistet, mit Strafe bedroht, nicht zur Belästigung des Publikums anzuwenden, sondern von denselben nur da Gebrauch zu machen, wo die Umstände die Annahme eines unerlaubten Zweckes rechtfertigen, oder wo das Betreten des Waldes zum Nachtheile desselben und der darin lebenden Thiere gereicht oder mit Störung der Ruhe und Ordnung verbunden ist.
Zum Sammeln von Beeren, Pilzen und Kräutern in den Staats- waldungen ist bisher das Lösen von Erlaubnißscheinen nicht erforderlich gewesen, auch hat sich seither ein Bedürfniß, die Verpflichtung zum Lösen solcher Scheine, sei es gegen Entgelt oder unentgeltlich, im Wege der Polizei-Verordnung einzuführen, nicht herausgestellt. Es soll dies auch in Zukunft nicht geschehen, wenn nicht etwa beim Sammeln von Beeren u. s. w. vorsallende Unordnungen dies im Interesse des Waldes nothwendig machen.
Sie wollen Vorstehendes sofort im Kreisblatt bekannt machen und dafür sorgen, daß es auch sonst thunlichst zur allgemeinen Kenntniß gelangt, auch von den Feldhütern und Gemeindeforstbeamten danach verfahren wird.
Königliche Regierung.
J. V.: Mittler.
An sämmtliche Königliche Landräthe und Bezirks-Amtmänner.
C. II. W. 0. 13132.
v * *
Hersfeld, den 27. Juli 1880.
Vorstehender Erlaß der Königlichen Regierung wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht. Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten zugleich hierdurch den Auftrag, denselben in Ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise öffentlich bekannt machen zu lassen, und die Feldhüter und Gemeindeforstbeamten mit entsprechender Anweisung zu versehen.
8911. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Für
Metzger Johannes Miehling zu Hersfeld, 28Jahre alt, und Heinrich Götz zu Heenes, 14 Jahre alt, ist um Entlastung aus dem Unterthanenverbande, und für
Anna Barbara Schäfer von Solms, 14 Jahre alt, ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
Hersfeld, am 28. Juli 1880.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Die vom Unterzeichneten am 20. Januar 1880 erlassene und im Kreisblatt Nr. 16 veröffentlichte Polizei-Verordnung wegen Her- bergierung von Fremden in der Gemeinde Schenklengsfeld, wird hiermit wieder zurückgenommen.
Schenklengsfeld, den 24. Juli 1880.
Der Bürgermeister Wolf.
~ Berlin W. 21. Juli 1880.
Postkarten mit Antwort in Verkehr mit Oesterreich-Ungarn.
Vom 1. August ab sind Postkarten mit Antwort auch im Verkehr mit Oesterreich-Ungarn zulässig. Es finden in der Richtung nach Oesterreich.Ungarn dieselben Formulare und dieselbe Taxe Anwendung, wie bei Postkarten im innern deutschen Verkehr. Mit Postkarten aus Oesterreich-Ungarn eingehende Antwortkarten dürfen nur zu Antworten entweder nach Oesterreich, oder nach Ungarn verwendet werden, je nachdem die Freimarke, mit welcher sie versehen sind, (2 Lr.) eine Oesterreichische oder eine Ungarische ist.
Der Staatssecretair des Reichs-Postamts. Stephan.
Tagesbegebenheiten.
Gastein, 25. Juli. Se. Majestät der Kaiser setzte gestern und heute die Cur fort. Nach dem Bade nahm Se. Majestät die regelmäßigen Vorträge entgegen, machte sodann eine Promenade und später eine Ausfahrt. Heute Vormittag wohnte Se. Majestät dem von dem Hofprediger Trommel abgehaltenen Gottesdienst in der evangelischen Capelle bei.
Berlin, 26. Juli. Fürst Bismark ist mit seiner Gemahlin und dem Grafen Wilhelm Bismark heute Vormittag 8| Uhr nach Kissingen abgereist.
Bern, 26. Juli. Auf dem Vieler See ist gestern Abend im Sturm der Dampfer „Schwalbe" versunken. Von 17 auf dem Dampfer befindlichen Personen, worunter 7 Ehepaare, wurden nur 2 Männer gerettet.
— Die Antwortnote der Pforte auf die europäische Kollektivnote bezüglich der griechischen Grenze ist also am Sonnabend erfolgt. Wie das „Berl. Tagebl." meldet, entwickelt die türkische Antwort, daß die von der Berliner Konferenz vorgeschlagene Eeffion an Griechenland weit über die Vorschläge hinausgehe, welcher Herr Waddington auf dem Berliner Kongresse gemacht habe. Ferner ist in der Note ausgeführt, daß die Mächte, laut dem Berliner Frieden, bloß das Recht der Mediation in der griechisch-türkischen Grenzfrage besitzen, nicht aber befugt seien, absolut die Grenze zu bestimmen. Die Pforte könne diese Grenze, wie sie die Mächte fixrrt, nicht annehmen, doch wolle sie, falls Janina, Larissa und Metzowo türkisch blieben, auf weitere Unterhandlungen eingehen. So der Inhalt der Note. Der Sultan soll, als ihm kürzlich die Karte der von der europäischen Konferenz festgesetzten Grenzveränderungen vorgelegt wurde, ausgerufen haben: „Unmöglich!" Die kriegerischen Vorbereitungen dauern fort. Die albanischen Gebiete sind voll türkischer Soldaten.
— Der Pariser „Rappel" will von einem Briefe wissen, den vor etwa acht Tagen die Königin von England an den Sultan gerichtet und worin sie denselben unter Bezugnahme auf die ihm während