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Berlin W., 16. Juli 1880.

Postaus träge im Verkehr mit Frankreich.

Vom 1. August ab sind Postaufträge nach Frankreich und Algerien zulässig. Die Einziehung von Geldern im Wege des Postauftrags kann bis zum Betrage von 500 Franken erfolgen. Der einzuziehende Betrag ist auf dem Formular zum Auftrage in Franken und Centimen anzugeben. Postauftragsbriefe nach Frankreich rc. müssen frankirt werden und kosten an Porto 20 Pfennig ohne Rücksicht auf das Gewicht. Der vom Adressaten eingezogene Betrag wird dem Absender, nach Abzug der Postanweisungstaxe und der.Einziehungs-Gebühr von 10 Pf. für je 20 Mark, jedoch im Meistbetrage von 40 Pfennig, mittels Post­anweisung zugestellt. Die Aufnahme von Wechselprotesten wird im Verkehr mit Frankreich postseitig nicht vermittelt. Ueber die näheren Bestimmungen ertheilen die Postanstalten auf Befragen Auskunft.

Der Staatssecretair des Reichs-Postamts. Stephan.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 22. Juli. Das „Berl. Tagebl. schreibt: Eintausend Monate ist heute unser Kaiser alt. Eintausend Monate! Einer unserer patriotischen Abonnenten aus Danzig war so freundlich, uns auf diesen Gedenktag aufmerksam zu machen, der wohl manchem unserer Leser überraschend kommen wird. Sind wir doch gewöhnt, das Menschenleben nach Jahren und nicht nach Monaten oder Tagen zu zählen. Eintausend Monate! Fürwahr eine Zahl, die uns mit Ehrfurcht und Freude jetzt gerade erfüllt, wo aus dem Badeleben des allverehrten Monarchen uns die Kunde geworden ist, daß der hohe Herr sich frischer und kräftiger als je fühlt. Eintausend Mo­nate! Ein selten erreichtes Alter. Noch seltener bei einem Fürsten, der, wie Kaiser Wilhelm, mit ewig gleicher Hingabe sich seinen Ne- gentenpflichten widmet. Wird der heutige Tag auch nicht als Fest begangen, so wird er doch in dem Herzen jedes Patrioten wahre Festesfreude hervorrufen.

Wien, 21. Juli. Wie der „Presse" aus Korsu gemeldet wird, nimmt die von Agenten geschürte Bewegung unter den Mohameda- nern und Libanesen Prevesa'S gegen die Abtretung an Griechenland täglich zu. Die türkischen Behörden verhalten sich völlig apathisch. — Ein Brief der „Neuen freien Presse" auS Ragusa bestätigt, daß die Montenegriner und nicht die Albanesen am 12. d. M. die An­greifer waren.

Paris, 21. Juli. Das Journal „Armee francaise" bestätigt, daß sich der General Thomassin mit einer Anzahl französischer Of­fiziere aller Waffengattungen nach Griechenland begeben werde.

London, 21. Juli. Die „Times" will wissender österreichische Botschafter in Konstantinopel, Baron Callice, sei angewiesen, die Pforte zu informiren, daß die österreichische Regierung entschlossen sei, auf der vollständigen Ausführung der Empfehlungen der Berliner Conferenz betreffs der türkisch griechischen Grenze und der Stipulationen des Berliner Vertrages bezüglich Montenegro's zu bestehen. Der Botschafter solle gleichzeitig erklären, Oesterreich erachte es als uner­läßlich, daß die Bestimmungen des Berliner Vertrags auf beiden Seiten erfüllt würden, betreffenden Orts möge er daher auf Erfüllung der Verpflichtungen dringen, die man türkischerseits übernommen habe, und die eine Sicherstellung türkischer Interessen involvirlen.

London, 19. Juli. Nach hier eingegangenem Telegramm hat gestern in Manila ein heftiges Erdbeben stattgefunden. Der Palast des Gouverneurs und viele andere Gebäude sollen zerstört worden sein, doch liegen noch keine genauen Nachrichten darüber vor.

London, 20. Juli. Für den Prinzen Louis Napoleon soll dem Vernehmen nach nunmehr ein Denkmal in der St. Georgscapelle in Windsor errichtet werden.

Konstantinopel, 20. Juli. Aus Philippopel wird gemeldet: Der Mörder der Frau Skobeleff war ein in rumelischen Diensten stehender russischer Lieutenant, Namens Uzatis, welcher die Frau Skobeleff auf ihren Ausflügen begleitet hatte. Die Ergreifung des Mörders erfolgte in der Schlucht Dermendere; daß derselbe sich ent­leibte, als er sich ergriffen sah, ist bereits gemeldet. Die wegen Verdachts der Theilnahme an dem Verbrechen verhafteten Personen, vier an der Zahl, sind Kroaten. Die Frau Skobeleff hatte Schmuck­sachen in beträchtlichem Werthe mit sich geführt.

London, 23. Juli. Der „Daily Telegraph" meldet aus Konstantinopel, auf beste Autorität könne er versichern, daß die Pforte es ablehne, die Entscheidungen der Berliner Konferenz anzunehmen. Die bezügliche Note werde dies ziemlich deutlich ausdrücken.

— Dienstag den 13. d. war der heißeste Tag dieses Sommers in Nord-Amerika, indem in zahlreichen Ortschaften längs der atlantischen Küste, sowie auch in Chicago das Quecksilber über 100 Grad Fahrenheit (38 Grad C.) stieg. 20 Todesfälle durch Sonnenstich werden aus verschiedenen Städten gemeldet. Am 15. war daS Wetter kühler.

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Am Sonnabend den 24. Juli wird zum Besuche des V. Deutschen Turnfestes ein Extrazug (von Thüringen kommend) nach Frankfurt gefahren, zu welchem Billets für Hin- und Rückreise zum einfachen Preise der gewöhnlichen Personen- züge berechnet, und zwar auf den Stationen Bebra (Abgang 2 Uhr 20 Mi­nuten Nachmittags), Fulda (Abgang 3 Uhr 55 Minuten), Elm (Abgang 5 Uhr 1 Mi­nute), ausgegeben werden. Die Gültig­keitsdauer der Billets beträgt bei Bebra 20 und bei Fulda und Elm 10 Tage. Auf jedes Billet werden 15 kg Freigepäck be­willigt. Den Reisenden von Seitenlinien bezw. von solchen Stationen, auf denen der Extrazug nicht anhält, werden bis zur be­treffenden Station Retour-Billets ausge- händigt. Diese Retourbillets erhalten durch einen handschriftlichen Vermerk derjenigen Billet-Expeditionen, welche das Extrazug-Billet ausgibt, dieselbe Gültigkeit wie das Extrazug-Billet selbst. ‘ Bei der Rückfahrt haben die Extrazug- Billets nur zu den gewöhnlichen Personen- zügen Gültigkeit und müssen vor der Rück­reise bei der Billet-Expedition in Frankfurt Westbahnhof zur nochmaligen Abstempelung vorgezeigt werden. Bei Benutzung eines Schnellzuges muß das tarifmäßige Zuschlag-

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billet gezahlt werden.

Frankfurt a. M., den 19. Juli 1880.

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