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Beilage zur Nr. 57 des „Kreisblatts"

Hersfeld, den 17. Juli 1880.

Bresla u, 14. Juli. Nach den hiesigen Zeitungen zugegange­nen Berichten hat in der Nacht vom Montag zum Dienstag in der Umgegend von Lauban, Greiffenberg, Flinsberg und Friedeberg ein abermals niedergegangener Wolkenbruch sehr großen Schaden ange­richtet. Der Eisenbahndamm bei Greiffenberg ist in einer Länge von 100 Metern zerstört, der Post- und Güterverkehr ist unterbrochen.

Trier, 14. Juni. Bei der gestern Äbend in der Nähe des Bahnhofes Kyllburg stattgehabten Entgleisung eines Eisenbahnzuges hat der Zugführer seinen Tod gefunden. Von den übrigen auf dem Zuge befindlichen Personen wurde Niemand beschädigt.

Wien, 14 Juli. Meldungen der „Polit. Korresp." Aus Konstantinopel: Grrüchtweise verlautet, daß Saufet Pascha zum Ministerpräsidenten und Musurus Pascha zum Minister des Aus­wärtigen ernannt werden solle. — Aus Belgrad: Der deutsche Kaiser hat dem Fürsten Milan das Großkreuz des Rothen Adler- Ordens verliehen.

London, 15. Juli. In einer Kohlengrube bei Risca unweit Newport (Grasschait Monmouth) fand heute Morgen in Folge Ent­zündung schlagender Wetter eine heftige Explosion statt, die Zahl der ums Leben gekommenen Grubenarbeiter wird auf 119 geschätzt.

London, 16. Juli. Das Grubenunglück bei Newport (Wales) kostete I l9 Menschenleben und 70 Pferde. Das Bergwerk produzirt von einer prachtvollen schwarzen „Sleamcoal" täglich tausend Tonnen. Die Tiefe des Schachtes beträgt 280 Fuß; circa 800 Bergleute sind bei dem Werke beschäftigt. Ungefähr vor 20 Jahren passirte daselbst ein ähnliches Unglück, welches 150 Menschenleben kostete. Diesmal meldete noch um zehn Uhr Nachts der Wächter, Alles sei in bester Ordnung, worauf die Bergleute einfuhren. Allein 20 Mi­nuten nach 1 Uhr hörte man den Schlag, oben stieg Rauch auf, sofort die Explosion der Gase anzeigend. Da der Ventilator und Auszug zertrümmert, konnten Rettungsleute erst um 8 Uhr früh einfahren. Der Direktor und !7 Bergleute fuhren ein und kämpften mit schrecklichen Hindernissen sich durch Gas und Trümmer. Sie blieben bis 2 Uhr Mittags unten, dann fuhren sie auf und meldeten die traurige Nachricht, daß alle 119 todt. Ein Bergmann fuhr 2 Minuten vor der Explosion ein und wurde getödtet, zwei andere fuhren eine Minute vorher nach oben und waren gerettet.

Paris, 13. Juli. Die Kammer hat heute einen Credit von 9 fühlt Frcs. für die Eisenbahn von Dakar nach St. Louis am Senegal bewilligt.

Paris, 14. Juli. Die Revue nach der Fahnenübergabe ver­lief in größter Ordnung unter andauerndem Enthusiasmus und wurde auch während der Festlichkeiten am Nachmittage und Abends die Ruhe nirgends gestört. Bolksmassen durchzogen die Straßen, fröhlich die Marseillaise und andere patriotische Lieder singend. Auf öffent­lichen Plätzen waren Tanzbelustigungen und Illuminationen aus's Glänzendste arrangirt. Gambetta besuchte Nachmittags zu Wagen mehrere innere Stadttheile, überall mit Ovationen empfangen. Bei der Revue sind in Folge der Hitze gegen l 2 Soldaten vom Sonnen­stich betroffen. Von sonstigen Unfällen ist im Laufe des Tages nichts bekannt geworden.

Paris, 14. Juli. Der „Agence Havas" wird aus Ragusa über einen Zusammenstoß der Albanesen und Montenegriner bei Tust gemeldet: Die Libanesen griffen die Positionen der Monte­negriner bei Golubowska in der Nähe von Tust an; die Montene­griner mußten sich zurückziehen und ließen einige Todte auf dem Platze. Der Fürst von Montenegro hat besohlen, möglichst Defen­sive zu beobachten.

Athen, 14. Juli. .Den Vorstellungen der Vertreter Englands und Frankreichs, der Pforte keinen Vorwand zur Ablehnung der Konserenzbeschlüffe durch ein vorzeitiges Vorgehen zu liefern, haben sich auch die Vertreter der anderen Mächte angefchloffen. Die Ver­sicherungen der griechischen Regierung sind beruhigende._____________

Aus Hessen-Nassau.

_ Der Verein zur Beförderung des Garten-, Obst- und Wein­baues im Regierungsbezirk Kassel hat folgenden Nachtrag zum Programm der zur Feier des 25jährigen Bestehens des Vereins vom >7. bis 22. September 1880 daselbst statifindenden Ausstellung erlassen: D Ehrenpreis des Herrn Grasen von Hardenberg zu Hardenberg bei Aorten — ein silberner Taselaus- <nii — ; für die schönste und reichhaltigste Gruppe dekorativer Kalthauspflanzen, einschließlich 12 Orangen mit Früchten in Töpfen. 2) Ehrenpreis des Garten- bauvereins für Hamburg, Altona und Unigegend — eine große goldene Medaille im Werth von 120 M. —: zur Prämtirung einer hervorragenden Leistung aus der Ausstellung. 3) Ehrenpreis der Stadt Kastei ein silberner Vokal : für das beste, reichhaltigste und richtig benannte Gemüse-Sortiment. 4) Ehren­preis des Herrn Fabrikanten Keerl — ein eleganter Blumentisch : für eine vollständige Kollektion zweckmäßigster Gartenwerkzeuge für Prwaigartenbesitzcr.

5) Ehrenpreis des landwirthschaftlichen Lentralvereins ein silberner Pokal

für eine vorzügliche Leistung auf der Ausstellung. 6) Ehrenpreis des Kasseler Gärtnervereins: zwei Preise zu je 10 M.: a. für eine Gruppe blühender Topfrosen von wenigstens 25 Stück und b. für eine Gruppe blühender Tuberosen von mindestens 25 Stück in Töpfen; ein Preis zu 5 M.: für das geschmack­vollste von einem hiesigen Gehülfen gebundene Bouquet. 7) Zwei Ehrenpreise aus dem Apotheker Gläßner'schen Legat — 60 M. und 40 M. —: für die beiden ausgezeichnetsten Leistungen auf der Ausstellung von bedürftigen Gärtner- lehrlingen. Zur Aussetzung von weiteren Preisen wird freundlichst eingeladen. Kassel, den 4. Juli 1880. Der Vorstand des Vereins: Dr. M ö h l.

— Französische Zehn-Francsstücke sind in letzter Zeit hin und wieder im Verkehr bemerkt worden, welche mit den deutschen Zehn- Markstücken leicht verwechselt werden können. Da aber bei den französischen Münzen pro Stück zwei Mark verloren werden, so ist gegen die Annahme derselben zu warnen und das Publikum darauf aufmerksam zu machen, solche nicht anzunehmen und genau bei der Annahme von Goldmünzen darauf zu achten, ob es deutsche oder französische sind.

Kassel, 16. Juli. Eine zahlreiche Bürgerversammlung erklärte sich für die Bewilligung von 400,000 Mark städtischen Beitrages zur Schiffburmachung der Fulda. (B. T.)

Kassel, 12. Juli. Gestern Abend gegen 11 Uhr hat sich in einem Bierlokal in der Obersten Gaffe ein junger Kaufmann, der Sohn eines hiesigen geachteten Beamten, erschossen. Einem un­verbürgten Gerücht zufolge soll der hoffnungsvolle Mann das be» millerdenSwerthe Opfer eines amerikanischen Duells geworden sein.

Wrexen, 11. Juli. Zur Verfolgung der beiden berüchtigten Wilderer Hagemeyer und Hib beln ist nunmehr auch in unserem Orte selbst eine Abtheilung der 7. Jäger einquartiert worden. Wenn man auch trotz der umfangreichsten und geschicktesten Vorkehrungen und Streifzüge eine sichere Spur von den beiden Mördern der Fßrster Gieß und Steinstäter nicht ermittelt hat, so sind verschiedene Anzeigen beobachtet worden, welche dafür sprechen, daß dieselben sich noch in den großen Forsten der Umgebung aushalten. Uebrigens soll, wie man neuerdings hört, binnen Kurzem das ganze 7. Jägerbataillon von Bückeburg in der hiesigen Gegend eintreffen, um die Verfolgung mit mehr Nachdruck ausüben zu können. (H. M)

— Aus Gelsenkirchen schreibt man der „Ess. V.Z.": Ein Fall ganz eigenthümlicher und seltener Art trug sich hier in der Nähe von Uekendorf zu. Ein Bürger aus Wattenscheid, welcher im Begriff war, die Brautfuhre seiner nach Altenessen verheiratheten Tochter dorthin zu begleiten, machte sich unterwegs an dem mit Möbeln und Haushaltungsgegenständen recht voll bepackten Wagen zu schaffen und versuchte darauf seine Pfeife in Brand zu fetzen, worauf er das noch brennende Zündhölzchen unvorsichtig inS Stroh warf, welches überall bei der Verpackung reichlich mit zu Hilfe ge­nommen war. Das Stroh fing Feuer, eine ungefüllte Spiritusflasche explodirte — und sämmtliche Möbel standen, ohne daß an Löschung zu denken war, sehr bald in hellen Flammen. Der Wagen mußte umgekippt werden, und man zog kurze Zeit darauf mit leerem Wagen nach Wattenscheid zurück, die total zerstörten Möbel einstweilen im Chauffeegraben zurücklaffend.

— (Eine neue Insel.) Nachrichten von den Azoren zufolge haben auf der Insel St. George Erderschütterungen stattgefunden, welche die Bildung einer anderen kleinen Insel von ca. 18,000 Quadrat-Ellen in einer Entfernung von 600 Ellen vom Gestade zur Folge halten.

Feuilleton.

Die HLraut des Derörechers.

Von Thekla Seuberlich.

(Fortsetzung.)

Anton nickte. „Freilich ist sie das! Seit gestern scheint sie von der Erde verschlungen zu sein. Doch wann und wo hast Du sie gesehen d"

„Gestern bei hereinbrechender Dämmerung, als ich durch den Park ging. Ich achtete im Vorbeigehen nicht sonderlich auf sie, doch fiel mir die dunkle Kleidung ^md ein gewisses scheues Wesen auf. Sie schiert auf Jemand vorn Schlosse zu warten und lauschte gespannt nach dem Hauptwege hin. Auf wen sie gewartet hat und wohin sie dann gegangen ist, weiß ich nicht."

„Darauf aber kommt es ja gerade an! Ich kann doch nicht meine Zeche und Hafer und Heu für die Pferde und schließlich noch das Fahrgeld aus meiner Tasche bezahlend"

„Das ist freilich eine verdrießliche Geschichte," bemerkte der Schäfer, während er sich hinter dem Ohr kratzte. „Doch wie wäre