Für Conrad Krach von hier, l 8 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht worden.
Hersfeld, am 14. Juli 1880.
8220, Der Königliche Landrath.
_____________________________ I. V.: Heeg, Kreissecretair.
Für die Dienstmagd Barbara Elisabeth Goß wann von Rohr- bach, jetzt wohnhaft zu Heenes, 18 Jahre alt, ist um Ertheilung eines Reisepasses zur Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. Hersfeld, am 14. Juli 1880.
8230. Der Königliche Landrath.
__________I. V.: Heeg, Kreissecretair.
Hersfeld, den 13. Juli 1880.
Für Rickchen Apt von Niederaula, 19 Jahre alt, ist um Ertheilung eines Reisepasses nach Nordamerika nachgesucht worden.
8183. Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg, Kreissecretair.
Tagesbegebenheiten.
Ems, 10. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist heute Nachmittag 4 Uhr nach Koblenz abgereist. Auf dem Bahnhöfe waren zur Verabschiedung anwesend Fürst Milan von Serbien, Regierungspräsident v. Wurmb, Badekommissar v. Lepel, Polizeipräsident v. Madai, der russische Gesandte zu Darmstudt, Graf v. Osten-Sacken, die Geistlichkeit und viele distinguirte Kurgäste. Die Abfahrt des Kaisers erfolgte unter enthusiastischen Hochrufen der zahlreich versammelten Bevölkerung.
Koblenz, 10. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag 5£ Uhr wohlbehalten hier eingetroffen und wird bis zum nächsten Dienstag hier verweilen.
Berlin, 12. Juli. Die Villa des Professors Dr. Mommsen in Charlottenburg ist in der Nacht zum Montag ein Raub der Flammen geworden. Die werthvolle Bibliothek des Besitzers soll vernichtet, Professor Dr. Mommjen selbst nicht unerheblich verletzt sein.
Schwerin, 10 Juli. Die „Mecklenb. Zeitung" macht eben durch Anschlag bekannt, daß das beim Postdieb stahl entwendete Geld im Betrage von ca. 100,000 Mark leicht verscharrt im Schloßgarten gefunden ist.
Wien, 12. Juli. Meldung der „Polit. Korresp." aus Athen: Die Vertreter Englands und Frankreichs theilten dem Ministerprä- stdenten Trikupis mit, daß gegenwärtig, also noch vor der Ueber- reichung der Kollectivnote, vertrauliche Verhandlungen der Mächte mit der Pforte stattfinden, um dieselbe zur Annahme der Konferenzbeschlüsse zu bestimmen, und ersuchten demzufolge Trikupis, die Mo- bilisirung der Reserve einige Tage aufzuschieden, um der Pforte keinen Vorwand zur Ablehnung zu liefern. Trikupis erklärte, diesem Verlangen entsprechen zu wollen, ohne jedoch die Vorbereitungen zur Mobilisirung zu suspendiren.
Paris, 10. Juli. Die Deputirtenkammer hat heute die Amnestievorlage in der gestern vom Senate beschlossenen Fassung angenommen. _ m
■ _ Hungersnoth in Kleinasien. Zu den politischen Wirren in Kleinasien gesellt sich noch die gräßlichste Hungersnoth. So wird z. B. aus der Stadt Ward in im nördlichen Mesopotamien an der Grenze von Kurdistan berichtet, daß die Noth obgleich sie dort noch nicht so groß wie in den südlicheren Distrikten ist, die Preise für die nothwendigsten Lebensmittel bereits um das 25—30 fache über die normale Höhe gesteigert hat. Trotz der geleisteten Hülfe, wird die Noth täglich größer, alle Geschäfte und Arbeiten haben aufge- bört. Hunderte von verhungernden Menschen schrieen um Brod, als endlich 17,000 Psd. Mehl ankamen. Man theilte 2z Pfund Brod an jeden Erwachsenen per Woche aus, aber wie lange wird dieser Vorrath reichen, da jedes andere Subsistenzmittel fehlt! — Aus Mosul lauten die Nachrichten nicht minder gräßlich. Korn ist selbst für dreißigfach erhöhten Preis nicht mehr auszutreiben. Die Bevölkerung sucht sich von Baumwollenkernen, Blättern und dem Aas der krepirten Lastthiere zu nähren. Tag und Nacht mer»
den Räubereien unternommen. Die Armen heulen in den Straßen um Hilfe. In den Dörfern um Mosul verschlingt die Bevölkerung Erde; täglich sterben neunzig bis hundert Menschen. Es ist schwer, auch nur annähernd anzugeben, wieviel Menschen, Lastthiere und Vieh dem Hunger bereits zum Opfer gefallen sind. In Mosul bieten zahlreiche Eltern ihre Kinder zum Kauf aus, aber sie finden natürlich keine Käufer. In El-Kash haben die Kurden junge Mädchen für 2 Pfund Sterling verkauft, um sich Weizen anschaffen zu können. Die Leute laufen meilenweit, um auf den Feldern Gras verzehren zu können. Zu diesem Elend gesellen sich noch die Klagen über die schlechte Administration Kleinasiens. Der Gouverneur und die Kadis lassen sich auf die schamloseste Weise bestechen und die Hoffnung auf die Reformen, die man von dem Berliner Vertrage er« wartete ist längst geschwunden. Man hat zwar Kommissionen mit hochtrabenden Titeln von Konstantinopel aus abgesandt, aber von ihrer Wirksamkeit ist keine Spur zu sehen und selbst Baker Pascha, der britisch-türkische Generalinspektor, hat auf feiner Reise in Kleinasien den Eindruck der Machtlosigkeit gegenüber diesen verzweifelten Verhältnissen hinterlassen.
Aus Heffen-Nafiau.
△ Hersfeld, 14, Juli. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr entluden sich mehrere von Süd nach Südwest ziehende schwere Gewitter über unserer Stadt und deren Umgegend, glücklicher Weise ohne erheblichen Schaden anzurichten. Mehrere Male erfolgten kalte Blitzschläge, so unter Anderem in eine der ehrwürdigen Linden auf dem Weerd, von der verschiedene Aeste und große Stücken Rinde abgerissen wurden. Obschon hier einzelne Hagelkörner fielen, ist doch von einem Hagelschlag in den umliegenden Gemeinden bis jetzt nichts bekannt geworden. Dagegen war das wilde Wässerchen wieder aus seinen Ufern getreten und verwandelte das ganze angrenzende ebene Terrain, streckenweise auch den Landweg von Hersfeld nach Reckerode, in einen trüben See. Es ist dies nun schon zum dritten Male im laufenden Jahre, daß die Eigenthümer der angrenzenden Grundstücke durch das Austreten dieses Wassers in mehr oder weniger erheblicher Weise geschädigt werden und wäre eine baldige Ab- hülfe dringend wünschenswerth. Das schon für den normalen Wasserstand wohl kaum hinreichend weite Bachbett ist selbstverständ- lich nicht geeignet, derartige Wassermengen zu fassen und rasch weiter zu befördern, und die für solche Flulh zu engen Durchlässe im Schlippenthal und vor dem Johannesthor können durch Stauung nur dazu beitragen, daß das Uebel vergrößert wird. Für die geschädigten Eigenthümer ist es jedenfalls nicht angenehm, die mit vielen Kosten verknüpften Herstellungen nun schon zweimal durch die Fluth wieder zerstört zu sehen.
— Das Kriegsministerium hat für die in Zukunft alljährlich ein« zuberufenden Ersatzreservisten erster Klasse die betreffenden Ausführungs-Bestimmungen erlassen. Danach liegt es in der Absicht der Militairverwaltung, in möglichst kurzer Zeit den betreffenden Leuten eine möglichst hohe kriegsmäßige Ausbildung zu Theil werden zu lassen, um im Rahmen eines aus vollkommen ausgebildeten Mannschaften bestehenden Truppentheils ihre Funktionen zu erfüllen. Bei der Ausbildung soll daher Alles ausgeschlossen sein, was nicht direkt die Verwendungsfähigkeit im Kriege vorbereitet z. B. Turnen am Geräth,Bayonnetfechten, Parademarsch. Dagegen sollen Schießdienst und Felddienst einen hervorragenden Zweig der Ausbildung abgeben. Die erste Uebung wird eine Dauer von 10 Wochen, die zweite von 4 Wochen, die dritte und vierte von je 14 Tagen haben. Es liegt dabei die Absicht vor, die beiden ersten Uebungen möglichst in zwei aufeinander folgenden Jahren absolviren zu lassen, und das in dieser Zeit Gelernte durch die beiden nächsten Wiederholungskurse auf's Neue in's Gedächtniß zurückzurufen. Die erste Uebung wird im Etatsjahr 1881—82 statt- finden, und zwar voraussichtlich nur bei der Infanterie, den Jägern und der Fußartillerie. Es soll im ersten Jahre eine größere Zahl von Ersatzreseroisten einberufen werden als später. Im Besonderen sollen zu jedem Musketier- und Jägerbataillon je 80, zu jedem Fuß- artillerie-Bataillon je 60 Ersatzreseroisten erster Klasse eingezogen und zu je einer Kompagnie formirt werden.
Zum Verkaufe der beiden Wohnhäuser des verstorbenen Buchbinders Friedrich Impp hier B.-V.-Nr. 363 und 364, 33 qm und 1 a 24 qm, nebst Hintergebäuden und Hofraum am Treppchen hiesiger Stadt, sowie eines Stumpfs Land unter der Clauskirche an der Fuldagasse G. 119' 8 a 35 qm habe ich Termin auf Montag den 26. d. M., Nachmittags S Uhr, in mein Geschäftszimmer bestimmt.
HerSfeld, am 14. Juli 1880.
Münstermann, k. A.
Anzeigen.
^ch bringe hiermit zur öffentlichen Kennt- niß, daß ich dem Heinrich Völker und dessen Ehefrau zu Allendorf die denselben zugehörige diesjährige Sommer- und Winter-Crndte (von letzterer nur der Weizen) abgekauft habe, und von heute an mein Eigenthum ist. Ich warne deshalb Jedermann vor Ankauf oder Pfändung dieser Erndte.
Allendorf, den 13. Juni 1880.
Schmidt,
Bürgermeister.
Eine große Quantität Roggenstroh (Handbrusch) zu verkaufen bei
H. Bätz (Marktplatz) Hersfeld.
Formulare zu
Aktenkogen & Strafverfügungen empfiehlt L. Funkt Buchdrucker«.