„Hat Jemand von Euch eine Unbekannte bemerkt?"
Die Diener, an welche diese Frage gerichtet, verneinten einstimmig.
„Was wollen Sie also hier? Entfernen Sie sich sofort und versuchen Sie nicht noch einmal eine ähnliche Belästigung, sonst werde ich nachdrücklich mein Hausrecht wahren."
Anton, des Kronenwirths Kutscher, ließ sich trotz der drohenden Rede nicht einschüchtern. Seine Stellung stand auf dem Spiele. Und er hatte daheim Weib und Kind!
„Nichts für ungut, gnädiger Herr, ich dachte aber, daß gerade Sie mir über meinen Fahrgast Auskunft geben könnten, wenn sie nur die Gnade haben wollten. Besinnen Sie sich nur, gestern Abend hat der Kronenwirthsbube, der Seppel, einen Brief an Sie von der Madame gebracht; der könnte vielleicht Aufschluß geben. Wenn ich nur erst mein Geld habe, dann geht mich alles Uebrige nichts an."
Kuno wandle sich bei dieser Erwiderung des Kutschers rasch ab. Ein Paar Mal versuchte er zu sprechen, doch versagte ihm die Zunge den Dienst. Er griff rasch in die Tasche nach seiner Börse, zog aber die Hand leer wieder zurück und streckte dieselbe wie abwehrend gegen den fremden Kutscher. „Jener Brief, den ich erhielt, giebt durchaus keinen Anhalt über das, was Sie zu wissen wünschen," stieß er rauh und mit einem ungewöhnlichen vibrirenden Klang in der Stimme hervor. „Und nun gehen Sie!
Währenddem halte sich Renata unter dem Beistande ihres Kammermädchens wieder erholt, doch fühlte sie sich so angegriffen, daß sie dringend nach der Ruhe und der Einsamkeit ihres Zimmers verlangte. Ihr Gatte ließ sich nach ihrem Weggange eine Flasche schweren Weines und Cigarren bringen und zog sich auf die küble Veranda zurück. Es kam Alles anders, als wie er es sich gedacht hatte! Der schwere Burgunder verscheuchte bald alles Unbehagen und versetzte ihn allgemach in die rosigste Stimmung. „Sie war nun sein, sein Weib und unauflöslich au ihn gebunden!" Das waren seine letzten Gedanken, als das schlafende Haupt auf die Brust sank.
Anton verließ kopfschüttelnd und mit ärgerlichen Geberden das Schloß. Im Begriff, um eine Ecke des weitläuftigen Gebäudes zu biegen, rannte er, da er grübelnd zu Boden sah und nicht des Weges
achtete, ziemlich unsanft mit einem Mann zusammen. Es war Rein- hold, der Schäfer des Gutes. Der ärgerliche -Ausruf der Beiden blieb ihnen, als sie sich näher betrachteten, in der Kehle stecken; statt beffen riefen sie laut und freudig ihre beiderseitigen Namen und schüttelten sich kräftig die Hände. Zwei alte Jugendfreunde waren hier unverhofft zusammengetroffen. Nach der Ursache seines Hierseins gefragt, erzählte Anton von dem Aergerniß, das -ihn betroffen und von den Unannehmlichkeiten, die seiner bei der Rückkehr warteten, denn sein Herr habe ihm die fremde Dame ganz besonders auf die Seele gebunden. Der Schäfer stutzte. Eine Dame in schwarzer Kleidung, Mittelgröße, schlank, den Kopf etwas zur Seite geneigt, schwarz verschleiert? (F. f.)j
— Zeitz, 26. Juni. (Unglücksfall mit der Drahtseilbahn.) In der Stadt Zeitz befindet sich seit einigen Jahren eine vom Bahnmeister Tretrop erbaute Drahtseilbahn, welche, zur Personen- und Fuhrwerksbeförderung eingerichtet, die Unter- und Oberstadt verbindet. Heute Nachmittag in der fünften Stunde, so wird dem „B. B.-C." geschrieben, war die Bahn im Betriebe; ein mit Personen besetzter Wagen ist eben oben am Wendischen Thore angekommen, als plötzlich das Betriebsserl reißt und der Wagen von der Höhe den Wendischen Berg wieder hmabsaust, dabei gleichzeitig den ihm von unten herauf entgegenkommenden Wagen mitnehmend. Viele Personen sind verunglückt, auch der Bahnbesitzer Tretrop befindet sich unter denselben.
— (Zur Warnung.) In Prag ist am vergangenen Sonntag eine junge Frau wieder einmal entsetzlich verbrannt, sodaß sie ins Spital gebracht werden mußte, weil es einem unbedachten Raucher gefallen hat, den Rest einer brennenden Cigarette auf die Straße zu werfen.
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