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den Besuch des Fürsten Milan von Serbien und stattete demselben später einen Gegenbesuch ab. Heute Nachmittag wohnten Se. Majestät der Kaiser mit dem Fürsten Milan der Kaiser-Regatta bei, bei welcher die Frankfurter „Germania" den kaiserlichen Preis errang.

Ems, 5. Juli. Se. Majestät der Kaiser besuchte gestern mit dem Fürsten Milan von Serbien die Vorstellung im Theater. Der Fürst wird nebst Gefolge heute bei Sr. Majestät diniren. Der Kriegsminister v. Kameke wird im Laufe des Tages hier erwartet.

Wien, 5. Juli. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" meldetaus Konstantinopel: Der Sultan erklärte sich speziell auf das Drängen des Kriegsminister und des Ministers des Auswärtigen für die Zu­rückweisung der Berliner Konferenzbeschlüsse. Es soll demnächst in dieser Angelegenheit noch ein Kronrath unter Zuziehung von Ulemas, Generalen und Senatoren stattfinden. Die Antwortnote der Pforte an die Mächte wird kaum vor dem 20. Juli erlassen werden. Unter- deffen wird in der Türkei aus das Eifrigste gerüstet.

Athen, 4. Juli. Die Regierung hat die Armeereserve einbe­rufen.

Athen, 4. Juli. Man sieht hier mit begreiflicher Spannung der Antwort der Pforte auf die in den nächsten Tagen zu über­reichende Kollektivnote derKonferenzmächle entgegen. Die griechische Regierung acceplirt jedenfalls loyal die Konferenzbeschlüsse und wird durchweg eine Haltung einnehmen, die diesen Beschlüssen adäquat ist. Sollten türkischerseits Schwierigkeiten erhoben werden, so wird Griechenland den Rath der Konferenzmächte in Anspruch nehmen und dementsprechend sein weiteres Verfahren einrichten.

Ans Heffen-Nafjau.

— Ein Bauunternehmer, welcher, ohne Bautechniker zu sein, einen

Bau ausführt, ohne einen qualifizirten Sachverständigen bei dem Bau zuzuziehen, macht sich, nach einem Erkenntniß des Reichsge­richts II. Strafsenats, vom 23. April d. I., einer einfachen Fahr­lässigkeit, nicht aber einer solchen Fahrlässigkeit schuldig, zu deren Unterlassung er vermöge seines Gewerbes „besonders" verpflichtet war. Wird durch die Fahrlässigkeit der Tod eines Menschen her­beigeführt, so ist der Unternehmer nur wegen einfacher fahrlässiger Tödtung aus §. 222, Abs. 1 des Straf-Gesetzbuchs zu bestrafen.

Ungedanken, 4. Juli. Unter allgemeiner Betheiligung be­wegte sich heute ein Leichenzug nach dem Wildunger Friedhofe. Es war die Leiche des jugendlichen Maurergesellen Becker aus Wildungen. Letzterer mit noch einem anderen Gesellen Namens Mook, Beide im Dienste des Maurermeisters Honneck, bei dem Neubau des Schmiede­meisters Rothauge dahier beschäftigt, traten zur Mittagsruhestunde in die Werkstätte des rc.Mothauge, wo sich mehrere Flinten befanden, unter denen auch eine kleinere Büchse, welche schon längere Zeit geladen war. Dem Vernehmen nach soll Rothauge zu den beiden Gesellen geäußert haben, daß es ihm nicht möglich sei, aus dieser Büchse die Ladung (Kugel) zu bringen; worauf Mook jene Büchse nahm und sogar mittelst eines Messers sich anstrengte, die Ladung

zu entfernen, auch soll ein frisches Zündhütchen aufgesetzt worden sein; während dem sah Becker in den Lauf. In diesem Augenblick ging die Flinte los und die Kugel drang dem Becker in den Hals. Obgleich sofort ärztliche Hülfe herbei kam, so starb der Verletzte doch nach kaum zehn Stunden. Becker soll ein sehr fleißiger und braver Mensch gewesen sein und er wird darum allgemein bedauert.

— Lehrte. (Furchtbarer Selbstmord) Am 30. Juni, Morgens 8$ Uhr, bemerkte der hiesige Werkführer der Magdeburg- Halberstädter Eisenbahn, daß ein sehr starker, häßlicher Geruch von der im Feuer befindlichen Locomotive „Aller" kam. Der Maschinist der betreffenden Maschine ging darauf zu derselben und fand, daß die Thür offen stand, welche er, nachdem er erst kurz zuvor Kohlen auf das Feuer geworfen hatte, fest zugemacht hatte, er stieg deshalb auf die Maschine, um nachzusehen, kam aber im selben Moment, leichenblaß, heruntergestürzt mit dem Rufe: „Ein Mensch! ein Mensch! ein Mensch liegt in der Feuerkiste!" Sofort wurde, die Sache untersucht und da fand man, daß der Tischler Gottfried Könneke, als Maschinenputzer hier beschäftigt und Vater von sieben theils unversorgten Kindern, mit den Beinen zuerst durch die kleine Feuerungsthür bei acht Atmosphären Dampfdruck in das Feuer ge­krochen war und dort lebendig verbrannt war. Könneke scheint diesen Tod in einem Anfall von Irrsinn gesucht zu haben, da er schon längere Zeit schwermüthig war. Wenn man dedenkt, wie klein die Feuerungslhür einer Locomotive ist, und wie viel Mühe es macht, im kalten Zustande sich durch die Thür zu zwängen, so scheint es fast unbegreiflich, wie ein Mensch es fertig bringen kann, auf solche Art seinen Tod zu suchen. Als Könneke entdeckt wurde, war er be­reits todt. (Hann. Cour.)

Lipp springe, 28. Juni. Bei dem gestrigen Sommerfest. Manöver des hiesigen Kriegervereins entspann sich ein ernster Kampf, wobei die Parteien mit dem Kolben aufeinander losschlugen und theilweise feuerten. Ein junger Mann wurde dabei erschossen.

Halle a. d. Saale, 5. Juli. Auf dem hiesigen Thüringer Bahnhof fand heute wieder ein Zusammenstoß zwischen einem Ran« girzug und einem Güterzug statt. Eine Maschine entgleiste. Der Führer des Güterzuges wurde getödtet.

— (Ein radikales Mittel.) In Teheran, wo keine Ursache zur Theuerung vorliegen, sind gleichwohl in der letzten Zeit die Preise nicht unerheblich gestiegen. Die letzte Ernte war nicht übel, die nächste verspricht ganz ausgezeichnet zu werden, und doch herrscht in Brod und Fleisch eine außerordentliche Theuerung. Um dem Uebelstande abzuhelfen, machte der Prinz-Statthalter Raib-Es-Sallanet einen Rundgang durch den Bazar und ließ den Bäckern und Fleischern, welche ungerechtfertigt hohe Preise verlangten, sofort die Ohrläppchen abschneiden und andere auf mehrere Stunden mit den Ohren an die Ladenthür nageln, worauf alsbald im ganzen Bazar die Preise auf ihr gewöhnliches Niveau herabsanken.

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