niß einer Ueberschwemmung aufkommen. Da plötzlich, binnen 5 Minuten, brachen die Fluten über die Ufer, von den Berglehnen stürzten Wasserwogen tobend in die Straßen der Stadt und in wenigen Minuten steht Seidenberg unter Wasser. Die Erscheinung war so plötzlich, daß Menschen und Tiere sich kaum zu retten vermochten. In die obersten Stockwerke flüchteten sich die Unglücklichen, ihr Hab und Gut dem furchtbaren Elemente überlaffend. Wer sich nicht eiligst flüchtete, fand seinen Tod in den Wogen. So ereilte das Schicksal eine Töpfersfrau mit ihren zwei Kindern, einem Mädchen von 15 und einem Knaben von 10 Jahren; ein wegen seines hohen Alters etwas schwerfälliger Mann verunglückte ebenfalls. Das Toben wurde wiederholt unterbrochen durch das ängstliche Brüllen des Viehes, bis auch das übertäubt wurde durch das Zusammenstürzen der Häuser und Stallungen. Wo das Wasser feine Kraft vergeblich erprobte, da übten die mitgeführten Balken und Eisengiller ihre entsetzliche Wirkung. Die Angst der Unglücklichen um das eigene Leben ward noch durch das vor ihren Augen sich vollziehende Unglück Anderer gesteigert. Hier stieg das Waffer bis in den zweiten Stock, zerdrückte die Fenster und kam brausend, Tische, Stühle und Betten mit sich führend, zum Giebel wieder hinaus; dort wurde im wahren Sinne des Wortes ein Haus in zwei Teile zerlegt; hier schwamm eine Wiege mit einem weinenden Kinde, bis das kleine Bettchen zu einem Totenbette ward, dort rangen Kühe, Ziegen, Pferde mit ihren letzten Kräften gegen die Wassermassen, bis auch sie in dem Gischt verschwanden. So lobte und heulte das entfesselte Element bis gegen Abend, da erst legte sich die Gewalt, das Wasser begann zu fallen. Am Dienstag Vormittag waren die Straßen frei, aber welches entsetzliche Schauspiel stellte sich den Blicken dar! ES war ein Bild des schrecklichsten Elends, das manchem Beschauer eine Thräne des Mitleids entlockte. Die Straßen im Süd-Westen der Stadt sind vollständig unfahrbar, an vielen Stellen selbst für den Fußgänger nicht zu passiren; 6 bis 10 Fuß tiefe Löcher befinden sich in ihnen, Steine und Schlamm sind zu hemmenden Wällen aufgeworfen, an der Häuserfront hin sind tiefe Gräben geriffen, sodaß man nur über provisorische Brücken in diejenigen Häuser gelangen kann, welche nicht eingestürzt oder baufällig geworden sind. In den Wohnungen sieht es fast noch trüber aus. Der Fußboden ist mehrere Fuß hoch mit Schlamm und Sand bedeckt, das Hausgerät zum Teil zertrümmert, das erhaltene verdorben, Betten und Matratzen vollständig durchweicht, Spiegel und Fenster eingedrückt. Die Gärten sind vollständig verschwunden, Bäume und Sträucher entwurzelt, die Umzäunungen weggeschwemmt. Am grausigsten zeigt sich der zur Villa des jFabrikbesitzers Franz von der Firma Müller u. Comp. gehörige Garten. Dre mehrere Fuß starke steinerne Mauer mit dem schönen eisernen Gitter ist vernichtet, die Eisenstäbe sind wie Halme geknickt und die blühenden Beete und Rasenplätze durch eine Sanddecke zur Unkenntlichkeit gebracht. Der Villa gegenüber sucht eine unglückliche Familie unter den Trümmern ihres Hauses die Reste ihrer Habe; ihr ganzes Vermögen, eine Ersparnis von mehreren hundert Thalern, ist vergraben. Ueberall dasselbe Bild, ganz besonders aber in der Neugaffe und am Mühl« plan. Mehr als 10 Häuser sind hier eingestürzt, ebenso viele unbewohnbar geworden. Zu den letzten gehört auch das königl. preußische Steueramt, welches den Verlust wertvoller Acten zu beklagen hat. Am^härlesten jedoch sind entschieden die Fabrikbesitzer Mau betroffen; der ihnen zugefügte Schaden soll sich aus wenigstens 60,000 M. belaufen. Abgesehen von dem Verlust an Farbhölzern, Chemicalien, Kohlen u. s. w., sind ihnen viele hundert Stücke Tuche so verschlammt, daß sie zur Reinigung nach Görlitz und in böhmische Nachbarorte geschickt werden müssen. Noch furchtbarer als Seidenberg sind Berna und Küpper heimgesucht. Die Verwüstungen entziehen sich der Beschreibung; fast kein Haus ist verschont, die meisten liegen in Trümmern oder drohen einzustürzen. Bis jetzt sind in Berna 16 und in Küpper 8 Leichen gesunden, während noch 7 Personen vermißt werden. Das Elend besonders in den letztgenannten Orten ist entsetzlich.
Demselben Blatte wird aus Nieder-Linda, Kreis Lauban, geschriben: Urplötzlich gegen £1 Uhr mittags kamen so große Wasser- massen gewälzt, daß binnen wenigen Minuten der sonst so harmlose Bach überlief, die Dorfstraße und die am Bache liegenden Gärten und Siedet meterhoch überschwemmt wurden. Viele Häuser schwebten in größter Gefahr, andere sind von den Fluten zusammengerissen oder Teile von ihnen weggeschwemmt. 9 Menschenleben sind zu beklagen und viele Ziegen, Schweine, Hühner fanden ihren Tod. Die meisten Brücken sind weggerissen oder stark beschädigt, die Dorfstraße ist für Fuhrwerk nicht zu passiren. An manchen Stellen ist das alte Flußbett verschüttet und hat sich beim Handelsgärtner Schubert durch den Garten ein neues Bett gewühlt Die Gärten sind nun mit Sand und Steinen überschüttet, in anderen sind tiefe Löcher gerissen. In der Heidersdorfer Schule, welche ganz von Wasser umgeben war, mußten die Kinder, deren Angstgeschrei kaum zu stillen war, aus zwei Classen in die Oberstube genommen werden, In der Schule zu Ober-Linda haben die Kinder von früh 7 bis nachmittags 3 Uhr verweilen müssen. Der Schaden ist gar nicht
auszusagen, auf viele Jahre hinaus wird es nicht möglich sein, die verwüsteten Siedet und Gärten fruchttragend zu machen, gar nicht zu denken der Möbel, Wagen, Betten und Kleider, Gartenzäune, Bienenstöcke, Obstbäume, des Holzes und Reisigs, welches fortgeschwemmt wurde. Fünf Stunden dauerte er, ehe das Wasser zu sinken anfing. Auch heute ist der Bach noch ziemlich gefüllt, der in Ober-Linda in der Nähe des Urberges entspringt. Die Aufregung ist ergreifend und viele Fremde aus verschont gebliebenen Orten durchziehen heute scharenweise die Stätten der Verwüstung.
Die Schülerverbindungen»
Der in kurzem Auszuge schon mitgeteilte Erlaß des Cultu s m inist e r« an die königlichen Provincial-Schulcollegien über das Unwesen der Schülerverbindungen lautet wie folgt:
Das Unwesen der Schülerverbindungen in den oberen Classen der höheren Lehranstalten hat während der letzten Jahre die Lehrerkollegien und die königlichen Aufsichtsbehörden in zunehmender Häufigkeit zur Verhängung der schwersten Schulstrafen genötigt, welche in den Lebensgang der davon betroffenen Schüler und in die darauf gerichteten Absichten ihrer Eltern auf das empfindlichste ein» greifen mußten. Der Entschiedenheit des Borgehens ist neben weit verbreiteter Zustimmung tadelnde Kritik in den Organen der Oeffentlichkeit nicht erspart worden. Einzelne Stimmen haben versucht, die Schülerverbindungen als natürliche Reaction gegen übertriebene Strenge Bet Schulordnungen zu rechtfertigen uno für deren Entstehung den Schulen selbst die Schuld zuzuschreiben; von anderer Seite hört man die Mahnung, man solle die kindische Nachahmung studentischer Bräuche ihrer Lächerlichkeit überlassen und ihr nicht durch die Strenge der Verfolgung einen unverdienten Wert beilegen. Jene Beschuldigung der Schulen kann nur aus mangelhafter Kenntnis der thatsächlich an den höheren Schulen eingehaltenen Grundsätze der Disciplin erklärt werden; die gesamten Vorgänge aber als ein gleichgültiges Spiel jugendlichen UebermutS gering zu schätzen, wird durch die Natur der constatirten Thatsachen unmöglich gemacht, vor denen es pflichtwidrig wäre, die Augen verschließen zu wollen. Denn als gemeinsamer Charakter der bestraften Schülerverbindungen hat sich erwiesen die Gewöhnung an einen übermäßigen Genuß geistiger Getränke, welcher, auch wenn er in Ausnahmesällen ohne Täuschung der Eltern über den Zweck der Ausgaben ermöglicht wird, jedenfalls der körperlichen Gesundheit nachteilig ist, jedes edlere geistige Interesse lähmt, ja, selbst die Fähigkeit zum ernstlichen Arbeiten aushebt. Die Unterhaltungen in den Trinkgelagen sind in manchen Fällen nachweisbar, da man sie der schriftlichen Auszeichnung wert erachtet hat, in den Schmutz gemeiner Unsittlichkeit herabgesunken. Die Entfremdung gegen die wissenschaftlichen und sittlichen Ziele der Schule führt zu der Bemühung um alle Mittel der Täuschung in den für häusliche Arbeiten gestellten Aufgaben, manche Verbindungen sichern hierzu überdies ihren Mitgliedern die Benutzung ihrer Täuschungsbtbliothek. Selbstverständlich ist der Erfolg svicher Täuschung nur ein vorübergehender; die längste Dauer bei Ausenthalts in den oberen Classen, das Doppelte und Dreifache der normalen Zeit, findet sich vornehmlich bei eifrigen Verbindungsmitgliedern, die in der Erfüllung ihrer angeblichen VerbindungSpflichten die Fähigkeiten zum Arbeiten verloren haben. Gemeinsam ist ferner den bestraften Schulverbindungen die Bestimmung, daß in Sachen der Verbindung den Mitgliedern gegenüber bet Schule die Lüge zur Ehrenpflicht gemacht wird. An die Stelle der Achtung vor der sittlichen Ordnung der Schule und der natürlichen Anhänglichkeit der Schüler an die Lehrer wird die grundsätzliche Mißachtung der Schulordnung und die pietätlose Frechheit gegen die Lehrer gesetzt. Der Terrorismus, welchen die Vereinsmitglieder gegen die übrigen Schüler ausüben, erschwert es diesen, sich der sittlichen Vergiftung zu entziehen; durch enge Verbindung untereinander breiten die Vereine ihr Netz möglichst weit über verschiedene nahe und ferne Lehranstalten aus.
Die bezeichneten Charakterzüge sind, wenn auch nicht jeder derselben in jedem einzelnen Falle ausdrücklich nachgewiesen ist, doch sämtlich in betrübender Evidenz als thatsächlich constatirt. (Schluß folgt.)
— D er Tag von Bel le-All i a nce (18. Juni) ruft folgende Episode aus dieser Schlacht in Erinnerung: Der „Marschall Vorwärts" war bekanntlich ein leidenschaftlicher Tabaksraucher. Zog er ins Feld, so nahm er eine große Kiste »oll holländischer Thonpfeifen mit, die er der Obhut eines „Piepen- meisters" anvertraute. Beim Eintreffen Blüchers auf dem Schlachtfelde hatte eben der zeitige „Piepenmcister" Christian Hennemann dem Helden die brennende Pfeife gereicht, als plötzlich eine Kanonenkugel dicht neben diesem einschlug. Beim Ausbäumen des Pferdes zerbrach das thönerne Instrument. „Stoppe mich eine neue," sagte Blücher aufgeregt zu seinem Diener, „brenne sie mich an und warte hier einen Ogenblick, ick will blos mal die französischen Jrobians weg« jagen." Spracht und mit „Vorwärts, meine Jungens!" stürmte er auf den Feind. Aber Stunde auf Stunde verrann, immer heftiger wurde der Kamps, der Marschall kam nicht. Es war bereits dunkel geworben, als er sich mit Wellington, dem Befehlshaber der Engländer, der Stelle näherte, die er vordem verlassen. „Donner noch mal," rief Blücher, „da steht ja mein Christian Hennemann; Kerl, wie siehst Du aus und was machst Du hier?" Lächelnd erwiderte dieser: „Eine Pfeife nach der anderen haben mir die verfl .... Franzosen vom Maule weggeschossen, eine blaue „Bohne" hat mir ein Stück Fleisch vom Kopfe weggerissen und die eine Faust wird wohl auch zu mT..... gehen. Und," fetzte er hinzu, indem er die dampfende Pfeife dem Sieger reichte, „das ist die letzte, die ich habe." „Es ist wahr, Hennemann," sagte Blücher und nahm mit sichtlichen Behagen einen tüchtigen Zug aus der Pfeife, „ich habe Dir lange warten lassen, aber siehst Du, die Kerls wollten nicht gleich loosen." Mit stiller Verwunderung hörte Wellington dieser Unterhaltung zu, sah bald aus den Feldmarschall, bald auf den „Piepenmeister," bald aus die am Boden verstreuten Kugeln und Baumäste, die deutlich genug bezeugten, daß dieser Punkt einer der gefährlichsten Posten während der Schlacht gewesen war. Die Wunden des braven Dieners erwiesen sich als sehr bedeutend, die eine Hand war vollständig zerschmettert und doch hatte er Stand gehalten, ein echter, zäher Preuße, treu dem Befehle seines geliebten Herrn
K r u ch 1 p r e i f e.
Weizen 100 Kilogr. 23 M. 50 Pf. bis 24 M. 30 Pf. Roggen 100 Kilogr. 21 M. 25 Pf. bis 21 M. 10 Pf. Gerste 100 Kilogr- 14 M. — Pf. bis - M. - Pf. Hafer 100 Kilogr. 13 M. 70 Pf. bis 15 M. 35 Pf.