für den
Ki ci$ fferssetd.
Nr. 45.Sonnabend den 5. Juni 1880.
Dafi „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei i>en Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige 3e0e oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Bei der, dem Plane gemäß, heute vor Notar und Zeugen statt« gefundenen TOften Senen-Ziehung des vormals kurhessischen, bet dem Bankhause M. A. von Rothschild und Söhne zu Frankfurt a. M. ausgenommenen Skaats-Lotterie-Anlehns vom Jahre 1845 sind folgende 80 Serien-Nummern gezogen worden:
189 216 346 367 589 816 912 1020 1160 1212 1294 1356 1371 1374 1527 1533 1568 1656 1761 1959 1982 2079 2169 2278 2325 2412 2883 2974 3036 3187 3188 3231 3271
3331 3378 3395 3418 3450 3457 3518 3593 3653 3684 3745
3749 3930 4002 4117 4262 4361 4366 4423 4464 4741 4753 4799 4851 4904 5063 5094 5115 5265 5296 5469 5541 5574 5715 5832 5876 5878 5882 5896 5907 5970 5985 6047 6051 6093 6112 6595.
Wir bringen solches hierdurch zur öffentlichen Kenntniß.
Lasset, den 1. Juni 1880.
Königliches Regierungs-Präsidium. von Brauchitsch.
Kreis Hersfelv.
Hersfeld, den 5. Juni 1880.
Zur Vermeidung fernerer unnölhiger Belästigungen der König« lichen Staatsanwaltschaft mache ich die Ortspotizeibehörden des Kreises hierdurch nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß, wie das auch schon in der durch die Nr. 69 des Amtsblattes von 1879 veröffentlichte Ministerial-Jnstruction vom 15. September 1879 gesagt ist, als die Staatsanwaltschaft, an welche die Akten gemäß § 454 der Strafproceßordnung vom t. Februar 1877 zu übersenden sind, der betreffende Amtsanwalt anzusehen ist.
6421. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 5. Juni 1880
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises haben mir bis spätestens zum 12. d. Mts. zu berichten, wie viel Gemeinde-Umlagen (Simpeln) für das Etatsjahr 1880 81 zur Bestreitung der Communat-Ausgaben (einschließlich der Kosten für Schul- und Kirchenzwecke sowie für sonstige öffentliche Zwecke) voraussichtlich zu erheben sein werden, und speciell wozu diese Umlagen verwandt werden sollen.
Sollte der fragliche Bericht bis zum 12. d. Mts. nicht hier eingegangen sein, so würde ich mich veranlaßt sehen, denselben durch Strafboten sofort abholen zu lassen.
6245. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 3^unt 1880.
Die Königlichen Standesämter des Kreises erinnere ich hiermit an Erledigung meiner Verfügung vom 20. Juni 1878 aä Nr. 6079 (Kreisblatt Nr. 50) betreffend die Anzeige des Bedarfs an Formularen zu Registerauszügen pro 1881 bis zum 12. d. Mts.
6239. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Der Müller Conrad Kohl Haas zu Unter neurode istals Bürgermeister dieser Gemeinde auf 8 Jahre bestätigt und eidlich verpflichtet worden. ____________________________________________
Berlin W„ 31. Mai 1880.
Ermäßigung des Gebührentarifs im telegraphischen Verkehr mit Großbritannien und Irland.
Vom 1. Juni 1880 ab kommt bei den Deutschen Telegraphenan- stakten für die bei denselben aufgegebenen, nach Großbritannien
und Irland bestimmten gewöhnlichen Telegramme eine Grundtaxe von Mark 0,40 und eine Worttaxe von Mark 0,20 zur Erhebung.
Der Staatssecretair des Reichs-Postamts. Stephan.
418. Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das von der sozialdemokratischen Genossen- schasts-Buchdruckerei „Freiheit" zu London, Court Road, Pcrey-Street 22, gedruckte Flugblatt, in klein Oktav, 8 Seiten umfassend, enthaltend einen Artikel mit der Ueberschrift „Die revolutionäre Sozialdemokratie, welchem sich einige Bemerkungen über den Ursprung dieses Artikels, sowie über die Bezugsquelle der in London erscheinenden Zeitung „Freiheit" und der Flugblätter anschließen, nach 8. 11 des gedachten Gesetzes Seitens der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten worden ist. Berlin den 26. Mai 1880.
Königliches Polizei-Präsidium, von Madai.
Tagesbegebenheiten.
Aus Hefsen-Nastau.
Cajsel 1. Juni. Der hiesige Woll markt beginnt am 28. Juni und dauert 3 Tage. Die zum Einlagern in die Räume des Meßgebäudes bestimmte Wolle kann jedoch schon vom 24. Juni an zugeführt werden.
Cajsel, 3.Juni. Den ersten Hauptgewinn derCasselerPferdemarktlotterie hat ein Zimmerkellner im H«Rel König von Preußen gewonnen, während ein Zweispänner zwei Kellnern im Pensionshause zu Wllhelmshöhe zufiel. (M.)
Volkmarsen, 1. Juni. Heute verbreitete sich das Gerücht von einem schrecklichen Ereigniß, das im Walde bei Wildbadessen, Kreises Marburg, Station der Westfälischen Bahn, von grausam ruchlosen Händen verübt worden ist. Der Oberförster des Gutsbesitzers Herr» v. Frede war mit seinem Eleven heute früh 5 Uhr in den Wald gegangen. Um 10 Uhr wurden beide als Leichen im Walde gefunden und von dem Auffinder auf einem Karren, den derselbe, um Holz zu holen, mit sich führte, zum Entsetzen der Angehörigen in's Dorf gebracht. Die That soll von Wilddieben verübt worden sein. Dem Oberförster, der leider eine Frau mit fünf Kindern hinterläßt, war die rechte Hand, jedenfalls indem Moment, als er auf die Schurken anlegte, durchschossen; ein zweiter Schuß traf ihn ins Bein und ein dritter, der ihm den Todesstoß gab, hatte ihm das Herz durchbohrt. Sein Begleiter war mit einem Schuß in die Brust niedergestreckt. Gendarmerie und Polizisten sind in voller Thätigkeit. Möge es ihnen gelingen, der Verbrecher habhaft zu werden (C. Tgbl.)
Schmalkalden. 3. Juni. Obschon die Zeitungen oft von den verschiedenen Unglücksfällen, die durch den leichtsinnigen Gebrauch der Schießwaffen so häufig entstehen, berichtet und ihre warnende Stimme gegen denselben erhoben haben, so muh man sich wundern, daß dennoch dergleichen Unglücksfälle vorkommen. So kam in diesen Tagen in Brotterode ein recht trauriger Fall vor. Der Sohn einer geachteten Familie vergnügte sich im Garten durch Schießen mit einem Tesching. Seine Schwester will ihn zum Mittagessen rufen und mit den Worten: „Soll ich nach Dir schießen?" zielt er unvorsichtiger Weise nach derselben. Der Schuß geht los und die Kugel sitzt der Unglücklichen in der Brust Möge es den Bemühungen der Aerzte gelingen, die Verwundete, an deren Auskommen noch gezweifelt wird, am Leben zu erhalten. (Tgpst.)
Von der Rhön. Im Lause des Winters wurde in einem Rhöndorfe ein junger Bursche beim lustigen Schneeballwerfen von einem Eisstücke so un« glücklich am Kopfe getroffen, daß er von der Stunde an zu kränkeln anfing. Vor einiger Zeit trat eine Gehirnentzündung hinzu, die einen tödtlichen Ausgang nahm. Eine Seitens der Staatsanwaltschaft «»geordnete Scction ergab eine Beschädigung des oberen Schläfenbeines. Ein Splitter desselben war in das Gehirn gedrungen und hat so den Tod herbeigesührl. Hoffentlich wird dieser traurige Ausgang für manchen Werflustigen ein nachhaltiges Warnungs« Jetten sein.
Feuilleton.
Die Zäraut des Derörechers.
Von Thekla Seuberlich.
(Fortsetzung.)
Die Paare ordneten sich zu einem neuen Tanze: auch Renata