mehr zu befürchten ; sie wissen schon den Nachstellungen ihrer Feinde zu entgehen und ihre Nahrung zu finden. Der Verlust kann daher bei der bekannten Lebensfähigkeit derselben kaum ein nennenswerther sein. Dazu kommt, daß sich die Versendung selbst aus größere Entfernungen ohne Schwierigkeit bewerkstelligen läßt.
Ein- und zweijährige Haie lasten sich in Lasier leicht und ohne Verlust transportiren. Zwar kann man sie auch auf weite Strecken trocken in feuchten Moos oder Gras verschicken, doch halte ich diese Methode der Versendung für eine unnatürlich und daher verwerfliche. Der größere Verlust an Schleim, den diese zur Rolge hat, beeinträchtigt die Lebenskraft der Aale. Sicher ist, daß der Aal in einem Element, dem Lasier, bester ausgehoben ist, als aus ihm entfernt. Die großen Händler Berlins erhalten und versenden die meisten Aale in mit Wasser so weit angesüllten Holzgesäßen, meist Tonnen, daß sich oben noch ein Luftraum befindet. Durch die Bewegung des Wassers wird demselben wieder die ihm durch die Fische entzogene Lust zugeführt. Gewöhnlich rechnet man 1 Ctr Aale auf 4 Etr. Master, bei kühler Temperatur kann man auch 1$ Ctr. hineinthun. Je mehr Lasier im Verhältniß zu den Fischen desto vortheilhafter für diese. Aber der Preis für die größeren Aale, wird man mir einwenden, ist ein Hinderniß für die Zwecke der Aufzucht. Mit Nichten; denn gerade das Gegentheil ist der Fall. Freilich ist der Preis für die ein- bis zweijährigen Aale erheblich höher, als der der montee, aber ich glaube behaupten zu können, daß er mit Rücksicht auf die großen Vortheile für die Be- wlrthjchastung der Teiche und des oben erwähnten UmstandeS sich verhält- nißinähig viel billiger stellt
1000 Aale der montee, 5 bis 8 Zentimeter lange Fischchen, werden mit 7 biS 10 Mark bezahlt. Ihr Gewicht ist äußerst gering, es beträgt nach Angabe des verrn Ingenieur Brüstow nur 300 Gramm. 1000 ein- bis zweijährige Aale wiegen indessen 50 bis 60 Pfund, also 80 bis 100 Mal so viel, während der Preis nur das 3 bis S^fache benagt. Mit 30 Mark können 1000 Stück dieser größeren Aale in Berlin verkauft werden. Darum empfiehlt sich das Einsetzen der jungen Brut nur an solchen Crten, wo der Preis derselben sehr gering ist oder größere Aale nicht zu erhalten sind. In Cumlofen sind alle Anstalten getrosten, um bei etwa eingehenden Bestellungen größere Masten dieser »ak zu fangen und sicher sind dieselben auch an anderen Crten, so namentlich in dem ganzen Gebiet der niederen Elbe massenhaft zu haben.
Bestellungen Hierauf nimmt unter Einsendung des Preises das Berliner Aquarium entgegen, von wo aus die Versendung geschieht Der Preis für 1000 Stück Aale wird loro Berliner Aquarium erd. Kracht und Verpackungskosten mit 30 Mark berechnet; auch werden geringere Quantitäten auf Wunsch abgegeben. Dir Gefäße zum Versand giebt das genannte Institut leihweise her, nur wollen die Empfänger dieselben umgehend kostenfrei zurücksenden. Kür den Fall, daß größere Bestellungen gemacht werden sollten, läßt sich der Preis wahrscheinlich noch ermäßigen. Das Berliner Aquarium hat nicht die Absicht, sich dabei einen Vortheil zu »erschaffen: es will als gemeinnütziges Institut lediglich den allgemeinen Interessen dienen und sollte sich ein Gewinn ergeben, so wird derselbe dem Deutschen Fischerei-Verein und somit wieder den allgemeinen Interessen der Fischerei zu Gute kommen.
.jürllm unö Pelllerm.
Erzählung von Vr- Heinrich Penn.
»Schluß.,
Emil gelangte bald zur genauen Kenntnis der Perhältnisse und GeschästSgebahlung des Griechen — in jeder unheilvollen Stunde erschien er vor ihm.
Der Elende sollte nicht zur Ruhe kommen, immer das Phantom seiner Schuld sehen in den schwarzen Stunden seiner Lebens. So gelangte der Marchese auch zur Kenntnis des betrügerischen Plan-, den der Grieche au-führen wollte. —
An dem Tage, an welchem Kelepho- zum mehrjährigen schweren Kerker verurtheilt wurde — verließ Mane geheilt da- allgemeine Krankenhaus.
Ein Wagen erwartete sie und brächte die schwergeprüfte Frau in die Wohnung Emil'-. Ihr kleine- LiSchen, sauber gekleidet, flog ihr entgegen.
Welch ein rührende- Wiedersehen zwischen Mutter und K»no!
Welch ein Vusjapchzen, Küssen, Herzen und Drücken! Welch Lachen und Weinen, aber ein Weinen der Lust, Thränen und Freude!
Emil stand abseits, daS Haupt ernst gesenkt und sah aus die Gruppe.
Da erblickte ihn Mane, stürzte auf ihn zu und mit Ltschen warf sie sich vor dem einst so schwer gekränkten Gatten auf tue Kniee.
»Perzeihung, Emil," schluchzte sie, „lag mich Deine Kniee um- fassen, zu Deinen Füßen um Erbarmen flehen für ein unglückliche-, sündige- Werb! verstoße uns nicht, großmüthiger Mann, sei er« darmungSvoll gegen eine arme Mutter — gegen ein arme- Kind, daß keinen Pater mehr hat.
Er hob sie auf.
»Es hat einen Pater," sagte er ernst, »ich bin es, Marie."
Und er war es, ein treuer braver Pater und LiSchen blieb ein braves, dankbare- Kind.
Mane hatte dulden und entbehren gelernt in der Schule des Leben-, sie war gebessert im Kampfe mit dem Unglück, entsündiget durch schwere Buße und tiefe Reue. --- — — — — —
Und wieder war e- an einem Morgen wie damals, als Agathe, die Frau GruderS mit ihren Kindern im LtefanSdom getuieet und gebetet.
Und wieder lag eine Mutter mit ihrem Kinde andächtig vor dem Bilde der »Mutter GotteS" und betete inbrünstig. Thränen rollten über die Wangen von Mutter und Kind und es waren diesmal nicht brennende, salzige Tropfen des Leide-, e- waren die labenden Perlen des Himmel- — Thränen der Freude, denn die
hier kniete warMane, die Frau Emil'S und das Kind das kleine LiSchen.
Und wieder wie damals nahte eine stolze, elegante Frau mit langsamen Schritten dem Beistuhle, wollte erst vorübergeben, als sie 1/doch zufällig neu Blick auf die Betende warf, zuckte sie plötzlich zusammen, eine jähe Rothe überflammte uhr eben so stolzes Gesicht und mit dem gedämpften Rufe: „Marie!" eilte sie aus die Frau Emil'S zu.
Diese hatte beim Klänge der Stimme erstaunt aufgeblickt, jetzt erkannte sie die Frau und leise erhebend lispelte sie: «Mutter!"
In demselben Augenblicke trat ein Mann hinter dem Pfeiler, der ihn bisher verdeckt hatte, hervor und trat zwischen Mutter und Tochter.
»Wen suchen Sie hier, Frau Baronin?" sagte er kalt, „was wollen Sie bei dieser Frau?"
Damit wies er auf Marie.
»Emil," sagte die stolze Dame und reichte ihm die Hand hin, „ich habe bereits von Ihrer edlen That gehört. — Sie haben die Unglückliche wieder bei sich ausgenommen."
Emil wies die dargebotene Hand zurück.
»Ö# deshalb diese Herablassung," sagte er bitter, „doch haben Sie Unrecht, Baronin, wenn Sie die Frau hier eine Unglückliche nennen. Sprich, Marie, bist Du unglücklich?"
Die Frau ergriff seine Hand.
»Nein, Emil," sagte sie innig, »ich bin glücklich und das danke ich Dir."
»Sie haben es gehört," wandle sich der Mann wieder an die Baronin, »und nun überlassen Sie uns unserm Schicksale, be» flecken Sie Ihren Stammbaum nicht ferner durch Gemeinschast mit unS."
»Emil," bat die Frau schmerzlich, »wollen Sie also doch unver« söhnlich bleiben?"
»Unveriöhnlich? Sie irren," entgegnete der Mann, »habe ich mich nicht au-gejöhnt mit Marie? Aber wir, Frau Baronin, wir passen nicht mehr zu einander und deßhalb lassen Sie uns verschiedene Wege wandeln. Ohnedies ist der heutige Besuch in diesem Raume einem pietätvollen Abschieds von dieser Stätte, von Wien überhaupt gewidmet. Wir verlassen in einigen Tagen Oesterreich für immer und ziehen nach Italien. Dort auf einem Gute bei Mailand, wo uns Niemand näher kennt, wo Niemand das entsetzliche Geheimniß ahnt, das uns einst getrennt, dort wollen wir in Frieden und Ruhe uns und dem Kurve leben, Damit nicht eines Tages, durch fremden Hochmuth oder faliche Freunde Hermirch genährt und geschult, wieder jene Flamme über unsern Hävptern zusammen schlagen. Sie sind also für immer von unS befreit und nichts trübt mehr den Glanz Ihres Wappens, kein Lorwurf stört.Sie in Ihrer fashionablen, prunkenden Lebensweise. Lassen Sie uns daher —"
Und wollen Sie mir mein Kind vorenthalten?" fragte die Frau fast leidenschaftlich.
Da flammte ein dunkle- Feuer aus den Augen des Mannes wie ein zürnender Genius erhob er das Haupt und rief:
»Sie haben Ihr Kind verleugnet und in das Elend gestoßen, sich feiner entäußert, als es unglücklich war, und eine Mutter, welche dies thut, hat aufzehört Mutter zu sein, hat kein Recht mehr auf das Kind! Die- mein letztes Won. Und nun laß uns gehen Marie!"
Er verließ mit feiner Frau, die noch einen schmeizlichen, letzten Blick auf die Mutter warf, den Ort.
Die Baronin aber beugte daS Haupt und flüsterte leise und zerknirscht:
»Meine Schuld meine eigene Schuld!"
In Italien begannen die Beide ein neues Leben, ein Leben des Friedens, der Pergessenheit. Sie lebten der Erziehung ihrer kleinen Tochter.
Gruber fand eine bescheidene Existenz und lebte ein glückliches und zufriedene- Leben an der Seite Agathen- und in der Mitte feiner Kinder.
Joseph verließ mit feinem Pater Wien und nahm eine Pfarre an, die man dem würdigen Priester angeboten hatte.
Der beste Sohn dem alten Lorenz gegenüber, — war er der treuefie Pater seiner Gemeinde, einer jener edlen, von echt christlichem Geiste erfüllten Priester.
Und bevor er mit dem Pater Wien verließ, gingen sie noch einmal hinaus auf den Marzer Fliedhos und schmückten da- Grab der Fürstin Rabziwill mit Blumen Dann schieden sie.
Seit jener Stunde jedoch ist das Grad verwahrlost, keine Blüthenkelche duften auf dem Hügel, darunter sie ruht, die einst doch selbst die schönste Blume gewesen.
Ein einfacher Stein steht zu Häupten des Grabe«, aber er trägt nicht einmal den Namen der unglücklichen Frau, welche dort schlummert.
So ruht sie namenlos die »schöne Anna von der Landstraße." Als Fürstin gelebt, als Bettlerin gestorben. —
Die Prophezeiung des »tollen Lenz" war in Erfüllung gegangen. —___ _________________________
Ktdaciwv Druck und Vertag von Ludwig Funk'« Buchdrucker« (Gebr. gunt) in Hertfeld.