Beilage zur Nr. 32 des „Kreisblatts"
Hersfeld, den 21. April 1880.
Bekanntmachung.
Zikontag den 28. April 0.3. sollen aus den Forstorten Lax undHruringS der hiesigen Sladtwaldung nach folgende Hölzer:
I. Schlag Lax.
4 Stück eichen Abschnitte 3—4 m lang und 20—28 cm dick mit 0,62 Festmeler,
1 Rmtr. eichen Nutzholz II. Classe,
7 Stück eilen Abschnitte 4 —11 m lang und 19—25 cm dick mit 1,77 Festmeter,
1 Stück sichten Abschnitt 10 m lang und 15 cm dick mit 0,18 Festmeler, 1 Stück sichten Gerüststange,
1750 Stück buchen Eibsreiser,
103 Rmtr. buchen Scheitholz,
93 Rmtr. buchen Stammprügelholz,
10 Rmtr. eichen und erlen Scheitholz, 7,5 Rmtr. eichen und erlen Stammprügelholz,
7 Rmtr. klefern Scheitholz,
99 Rmtr. kiefern Stammprügelholz, 3140 Wellen buchen Zopfrers,
465 Wellen eichen, birken und erlen Zopfreis,
1 Rmtr. kiefern ger. Erdstockholz und
3 Rmtr. birken Anbruchholz.
II. Schlag Heurings.
4 Stück sichten Abschnitte 82,-16,2 m lang und 15—23 cm dick mit 1,45 Festmeter,
28 Rmtr. kiefern Scheitholz,
140 Rmtr. kiefern Stammprügelholz,
400 Wellen kiefern^Zopfreis,
16 Rmtr. kiefern ger. Erdstockholz und 3 Nmlr. tiefern Anbruchholz öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Verkauf findet von Morgens 9 Uhr ab im hiesigen Rathhaussaale' statt.
Der Untersörster Göbel und der Feld- büter Schäfer werden Kauflustigen auf Verlangen das Holz vor dem Termin vorzeigen.
Hersfeld, am 16. April 1880.
Der Bürgermeister»
I. V.:
Gg. Braun jun.
Ein tüchtiges
Mädchen vom Land wird gegen guten Lohn auf sofort gesucht.
Von wem sagt die Expd. b. Bl.
Tapeten, neueste Muster, unglaublich ' billig; Musterkarten versenden auf , Wunsch franco u. umsonst. Aber nicht
an Tapezierer sondern nur an Privat
leute; da es uns absolut nicht möglich, auf diese unglaublich billigen Preise noch Rabatt bewilligen zu können, Tapezierer aber gewohnt sind hohe Prozente zu genießen.
Bonner Fahnenfabrik Bonn.
Formulare zu
Aktenöogen & Strafverfügungen empfiehlt
L. FunkS Buchdruckerei.
greife der Aackwaaren für die Stadt Hersfeld vom 15. bis 30. April 1880 nach der eigenen Angabe der Bäcker und sonstigen Brod- und Wecke-Verkäufer.
Namen der Bäckermeister und Brodverkäufer.
Rogqenbrod
Wasserwecke
* 4 Pfg.
Grm.
Milch - l brod
4Pf.
Grm.
schwarz 500 Grm.
Psg.
i weiß 500 Grm.
Pfg.
B. Knaufs . . .
12
131
! 60
50
I. Heil ....
12
14
• 60
50
Herm. Spangenberg
12
134
60
50
H. H. Walpert
12
65
55
W. Reinhard
124
14
60
50
Conrad Wille .
12
50
40
Heinrich Fischer .
—
—
60
50
Herm. Hettler Ww.
12
—
60
50
Abraham Bolz
124
—
60
50
Nicol. Huth Ww.
12
14
50
40
Wilhelm Huth . .
12
—
55
50
U. H. Huth . .
12
—
60
40
Adam Spangenberg
12 ।
14
60
50
Heinr. Rehn . .
12
—
60
50
6. W. Hettler
12
—.
60
50
Friedr. Heil . .
12
134
60
40
Hartmann Huth .
12
144
60
50
H. Mausehund Ww.
191. ^2
14-
50
40
Hersfeld, am 15.
April 1880.
Der Bürgermeister
J. V.: Gg Braun jun.
Aohnenßangen
a Schock 4 M. 50 Psg. verkauft
Und. Wölbing.
FWin junger Mann, der in der Forst- cultur bewandert ist, sucht Stelle als Privatjäger. Näheres zu erfahren in der Exped. d. Blattes.
Tagesbegebenheitem
Aus Hefsen-Nasiau.
Oberaula, 18. April. Ein wohlhabender, kinderloser Bauer von hier, Namens Manz, der seine Liegenschaften ohnlängst freiwillig verkauft hatte, um seine alten Tage in Ruhe zu verbringen, ward gestern im Schafstalle erhängt gefunden. Momentaner Lebensüberdruß scheint ihn zum Selbstmorde getrieben zu haben.
Von der Werra. Am 9. d. M. hat sich in dem Dorfe E rsh aus en, auf dem Eichsfelde gelegen, ein Ereigniß zugetragen, wodurch eine Familie in tiefe Trauer versetzt worden ist. Eine dort leider nur zu sehr überhand genommene Unsitte, das Spielen der Kinder und unreifer junger Leute mit Schußwaffen, hat fein Opfer gefordert. Die Kinder des auf Reisen befindlichen Handelsmannes I. Röhrig daselbst, zwei Mädchen im Alter von 13 und 3 Jahren, hatten in augenblicklicher Abwesenheit der Mutter ahnungslos ein in einer offenen Nische der Wohnstube liegendes Terzerol an sich genommen. Unglücklicherweise war dasselbe geladen, ging beim Spielen los und die ganze Ladung drang dem jüngeren Mädchen über dem linken Auge in die Schläfe. Das unglückliche Kind hat unter unsäglichen Schmerzen erst in der Nacht zum 11. April seinen Geist ausgegeben. Die Mutter ist untröstlich. Die Schuld der fahrlässigen Aufbewahrung des Terzerols soll den 18jährigen Bruder treffen, der kurz vorher mit einem Kameraden sich im Schießen belustigt und die Waffe geladen in die bezeichnete Nische gelegt haben soll. — Möchte doch dieser traurige Vorfall eine Mahnung sein, daß alle Eltern resp. Erwachsene, wenn Schußwaffen im Hause sind, dieselben stets unter sicherem Verschluß halten und daß Verkäufer von Pulver und Schießutensilien solche, wie ja auch gesetzlich, nur an Erwachsene verabreichen; es dürfte dann derartigen traurigen Vorfällen am besten gesteuert werden. (C. Tgbl.)
Ueder Skalvrut und Aufzucht junger Skale.
von Dr. Otto Hermes, Director des Berliner Aquarium.
i Sevarat- Abdruck aus dem Circular Nr. 1 des Deutschen Fischerei - Vereins pro 1880.)
Bei Gelegenheit eines kurzen Aufenthaltes in der Nähe von Wittenberge ander Elbe suchte ich mich über die Fischerei-Verhältnisse der dortigen Gegend etwas eingehender zu unterrichten, wobei ich mich der freundlichen Unterstützung des in Fischereiangelegenheiten wohlbewanderten Lehrers Nebert in Bentwisch zu erfreuen hatte. Von diesem hörte ich zu meiner Ueberraschung, daß die Wanderung der jungen Aale in Cumlofen, einem ziemlich bedeutenden, unmittelbar an der Elbe gelegenen Fischerdorfe, von ihm sowohl wie auch von den meisten Fischern dieses Ortes wiederholt und genau beobachtet sei. In der Hoffnung, daß es möglich sein werde, hier eine neue und vielleicht billigere Bezugsquelle für Aalbrut zu eröffnen, als die bisherigen, setzte ich mich mit dem Ortsvorsteher von Eumlosen, Herrn Henning, einem höchst intelligenten
und zuverlässigen Manne, in weitere Verbindung. Dieser bestätigte die von dem Schullehrer Nebert gemachten Mittheilungen und gab mir eine recht anschauliche und interessante Schilderung der Wanderung der Aalbrut. Da derartige Wanderungen der jungen Aale aus der Nord- und Ostsee selten beobachtet und noch seltener beschrieben worden sind — Siebold erwähnt in seinem Werke: „Die Süßwasserfische Deutschlands" nur eine sich auf die Einwanderung von Aalbrut in die Elbe beziehende Beobachtung — so lasse ich Hennings Be. richt hier folgen: „Das Aufsteigen der jungen Aale in der Elbe erfolgt gewöhnlich in der ersten Hälfte des Monat Juni, selten später; es dauert 24 bis 30 Stunden. Die jungen Fischchen, etwa 1 bis 4 Zoll lang, bewegen sich dicht an einander gedrängt in ziemlich raschem Tempo und einen höchst geregelten Zug von etwa 1 bis 2 Meter Breite und 1 Meter Tiefe bildend. Die Beobachtung dieses Zuges bietet hohes Interesse und besonders merkwürdig ist, daß die jungen Aale die größte Ordnung beobachten und weder willkürlich aus ihrer Stellung abweichen, noch die Fährte ihrer Vorschwimmer ändern. So habe ich zum Beispiel gesehen, daß der Zug um die scharf vorspringende Ecke einer Buhne sich fast im Kreise bewegte, während der Weg wesentlich hätte abgekürzt werden können. Das Aufsteigen der Aalbrut erfolgt, wie ich mehrfach beobachtet habe, an schwülen, windstillen Tagen, wo der Strom auf der Oberfläche geglättet ist. Bei kühler und windiger Witterung entzieht sich dieses Schauspiel mehr der Wahrnehmung, doch haben mir alte zuverlässige Fischer versichert, daß das Aufsteigen dann in der Nacht, wenn der Wind nachgelassen, sich durch ein Rauschen im Strom bemerkbar mache."
Auf Grund eingehender Rücksprache mit Herrn Henning wurden nun alle Vorbereitungen getroffen, um die Aalbrut bei ihrem voraussichtlichen Erscheinen im Juni in Massen fangen und unterbringen zu können. Wahrscheinlich in Folge der abnorm kalten und regnerischen Witterung, durch welche sich der Sommer 1879 auszeichnete, ist die Aalbrut in der Niederelbe nicht erschienen. Dahingegen wurden Anfang Mai in den zum Fang ausgesetzten Körben eine Masse größerer Aale, welche schon eine Länge von 20 bis 40 Zentimeter hatten, also ein und zwei Jahre alt sein mochten, gefangen. Von diesen erhielt u, A. der Herr Rittergutsbesitzer Baron von Erxleben auf Selbelang 1000 Stück, welche, in einem Faß transportirt, ohne jeglichen Verlust in den dazu bestimmten Teich gesetzt wurden. Aale von der angegebenen Größe können hier nun in großen Massen gefangen werden und dürste es wohl zweifellos sein, daß diese sich zum Einsetzen in geschlossene Teiche oder Seen zur Aufzucht in jeder Beziehung viel besser eignen, als Aalbrut, die sogenannte montee, welche bisher meist dazu Verwendung gefunden hat. Der Vortheil ist einleuchtend genug. Diese größeren Aale haben die gefährliche Zeit des ersten Wachsthums über, stauben und daher eine größere Widerstandsfähigkeit erhalten, sie wachsen schnell und liefern somit dem Züchter in kurzer Zeit einen heiseren Ertrag. Ich bin überzeugt, daß ein großer Prozentsatz der kleinen, fadenförmigen 5 bis 8 Zentimeter langen Aalbrut beim Einsetzen in die Tiefe verloren geht. Von ihren zahlreichen Feinden werden sie sicherlich als schmackhafte Nahrung eifrig verfolgt und was diesen entgeht, füllt dem Wechsel des Elements und andern widrigen Umständen zum Opfer. Dies hat man bei den größeren Aalen nicht