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nun unglücklicherweise unter die Räder des letzteren zu liegen kam, welche ihm über beide Oberschenkel hinweggingen. Da der Wagen mit schweren Steinen beladen war, sind die Verletzungen des ver­unglückten jungen Mannes sehr schwere. (g. Tgdl.)

Spangenberg, 15. April. Der in Pfiefe, einem ungefähr erne Stunde von hier entfernten Dorfe, wohnhafte Bauer Wollen- Haupt hatte nach dem Tode seiner ersten Frau, welche ihm einen Knaben hinterließ, wieder geheirathet. Seine zweite Frau war dem Kinde, welches sehr schwächlicher Natur gewesen sein soll, eine Stief, Mutter im wahren Sinne des Wortes, sie vernachlässigte dasselbe gänzlich. Die Lehrer konnten den Knaben in die Schule nicht auf- nehmen, und mit der Zeit wurde derselbe von Niemanden mehr ge­sehen. Die Eltern hatten das arme Kind, statt es zu pflegen, in eine Bodenkammer geschlossen und ihm hier, wenn es schriej etwas Nahrung gereicht. Den verflossenen kalten Winter hat der Knabe, der jetzt 13 Jahre alt ist, ebenfalls in der Bodenkammer auf einem elenden Strohsack zugebracht, in den er bei der Kälte hineingekrochen war. Der Knabe, welcher in dem Behälter in seinem Kothe aufge­funden wurde, ist so erfroren, daß ihm jetzt die Füße stückweise ab­fallen, auch ist er jetzt durch die Vernachlässigung erblindet. Gestern waren der Landrath, der Kreisphysicus und der Staatsanwalt in Pfiefe und es wird nun wohl zur Untersuchung kommen. (C. Tgbl.)

Feuilleton. ”

jürstin unö KeUlerm.

Erzählung von vr. Heinrich Penn.

(Fortsetzung)

War nicht die Möglichkeit vorhanden, daß sich ein Stein beim Sprunge losgelöst habe und in das Wasser gerollt sei, wodurch jenes Geräusch das alle täuschte, hervorgebracht wurde?

Die Möglichkeit, daß der Feind nicht in die Fluth gestürzt sei, schien dem Verfolger stets wahrscheinlicher. Und wenn er sich nicht im Wasser befindet, so kalkulirte Emil — wo ist er dann?

Die Antwort war leicht gefunden.

„Dann steckt er noch immer unter der Brücke -, sagte Emil leise zu sich, „und ist dies der Fall, braucht man diese nur zu überwachen, und den Morgen zu erwarten. Befindet der Elende sich wirklich da unten, so wird er wohl vor Anbruch desselben sein Versteck verlassen müssen." —

Emil postirte sich daher links von der Brücke an eine Stelle, wo er jedes ungewöhnliche Geräusch hören und jedes lebende Wesen, das sich längst des Flusses bewegen sollte, sehen mußte.

Er selbst verhielt sich vollkommen ruhig, alle seine Sinne auf jene des Gehörs und Gesichtes konzentrirend.

So stand der Mann und wachte — eine Viertelstunde nach der andern ging vorüber. Frost durchrieselte ihn, er hüllte sich fester in seinen Rock und harrte.

Der Wind sauste durch die Bäume des Glacis, daß sie rauschten und ihre Kronen neigten, — jetzt aber, zwei Stunden waren vorüber, — schlug plötzlich ein Geräusch an sein Ohr, das nicht vom Rauschen der Baumwipfel stammte.

Emil hielt den Athem an und lauschte — das Geräusch kam gerade unter der Brücke herauf.

Horch, jetzt war es, als ob ein lebendes Wesen durch tiefen Schlamm watete.

Es zuckte über das Gesicht des Lauschers. „Sollte ich doch Recht behalten?" flüsterte er. Das Geräusch zog sich nach rechts.

Lautlos glitt der Verfolger an der Brücke vorüber und blickte mit scharfen Blicken hinab.

Eine menschlicheGestalt tauchte plötzlich aus dem tiefen Dunkel

unter der Brücke und schritt langsam und vorsichtig längs des Ufers dahin.

Emil aber überlief es schauerig.

„Er ist's", sagte er bestimmt, „ich hatte mich nicht getäuscht." — Er schlich leise zwischen den Bäumen dahin, und je weiter der Mann dort unten kam, desto weiter folgte ihm der Rächer hier oben

Plötzlich blieb der Mann stehen, auch Emil that dasselbe.

Der Flüchtling verließ den Rand der Wien, nachdem er einen spähenden Blick ringsum geworfen, und stieg dann behutsam den steilen Uferrand empor.

Noch einmal sah er sich um, noch einmal horchte er in die Runde, dann wollte er sich mit raschen Schritten entfernen.

Emil jedoch trat ihm entgegen.

„Halt!" rief er laut, „Du hast deine Rolle ausgespielt, Schurke.

Du bist in meinen Händen". —

Damit griff er ihn mit der mächtigen Rechten an der Brust, während ihm die Linke drohend den Lauf eines Revolvers entgegenhielt.

Kelephos knickte zusammen, - er war jetzt unrettbar verloren, gefangen durch Emil.

Es giebt noch eine Vergeltung auf Erden!

XVIII.

Einige Wochen waren vergangen, da erhielt Emil eines Tages folgenden Brief:

„Hochgeborner Herr:

Unvorhergesehene Zwischenfälle waren Ursache, daß Ihre Ange­legenheit so lange in der Schwebe blieb. Dafür habe ich das Vergnügen, Ihnen jetzt eine günstigere Nachricht entbieten zu können. Ihre Familie ist durch die Gnade des Monarchen amnestirt, die konsiszirten Güter wieder freigegeben. Empfangen Sie meinen herzlichsten Glückwunsch.

Sektionschef Z.

Der Brief trug die Adresse: An den hochgebornen Herrn Marchese von Tuarko.

Dieser Marchese Tuarko war also Emil, der Mann aus der Männerherberge.

Wir haben ihn zum Ansange unserer Geschichte verlassen, als er verwundet auf dem Krankenlager ruhte und ihn soeben das süße Geständniß der Liebe Mariens beglückte.

AIs Tuarko genesen war, warb er um die Baronesse, die stolze Mutter derselben hatte jedoch weitgehende Pläne mit dem schönen Mädchen und versagte ihm ihre Hand.

Da ging Marie, rasch und ohne Ueberlegung handelnd, wie sie war — zu Tuarko und sagte:

„Hier bin ich, und gehe nicht mehr von Dir."

Am selben Tage reisten die Liebenden nach Italien ab und der alte Geistliche, welcher Emil erzogen hatte, traute sie.

Durch die Vermittelung fremder Personen wurde eine Verei­nigung zwischen der Mutter und dem jungen Ehepaare erzielt, so daß Marie ihr Vermögen bekam, aber die stolze Dame verbot ihr für immer das elterliche Haus.

Da kam das Jahr Achtundvierzig, Emil verlor sein Vermögen. Aber mehr als dieses, wie wir bereits vernahmen, verlor er auch die geliebte Frau und irrte nun in der Fremde herum, um dort Betäubung, Vergessenheit zu finden.

Er fand sie nicht, feine unglückliche Liebe war der Dämon seines Lebens. So kam er nach Jahren wieder nach Wien zurück, ein Bettler!

Zu stolz, bei BekannteipHilfe zu suchen, gerieth er immer mehr in Noth, so legte er Nachts sein Haupt auf dem dürftigen Pfühl der Männerherberge. Bei Tage verfolgte er mit eiserner Energie den Plan, sich und Marie an Kelephos zu rächen, denn er hatte erfahren, daß sich derselbe von ihr und dem Kinde losgesagt, Beide verstoßen habe. (Schluß folgt.)

Todes-Anzeige.

Heute Morgen verschied sanft nach schwerem Leiden unser innigstgeliebter Gatte,Vater, Schwieger- und Großvater, Bruder und Schwager der Kaufmann Conrad Besing in noch nicht vollendetem 61. Lebens­jahre, was wir tiefbetrübt allen seinen Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme hiermit anzeigen. Hersfeld, am 17. April 1880.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Die Beerdigung (Folgeleiche) findet Montag den 19. April Nachmittags 4 Uhr statt.

Anzeigen.

Versteigerung.

Am nächsten

Dienstag den 20. April er.

Bormittags 10 Uhr läßt der Gutsbesitzer Heinrich Hoss- bach zu Hof Weißenborn 155 Stück Kümmel

Viehmarkt zu Hünseld

Donnerstag den 22. April' c.

gegen baare Zahlung durch Unt erzeichneten versteigern.

Friedewald, den 12. April 1880.

Der Gerichtsvollzieher

_______Geller. _

Aoßnenstanqen

ä Schock 4 M. 50 Pfg. verkauft

Rnd. Wölbing.