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für den

Jireis Herssesd.

Nr. 16. Mittwoch den 25. Februar 1880.'

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

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Kreis Hersseld.

Diejenigen 35 Herren Bürgermeister rc. des Kreises, welche meine Verfügung vom 16. v. Mls. Nr. 482, Kreisblatt Nr. 5, die Impfung pro 1880 betreffend, noch nicht erledigt haben, werden an Erledigung der Sache mit Frist bis zum 3. März c. erinnert.

Hersfeld, am 23. Februar 1880.

482. Der Königliche Landrath.

_________ _ I- V.: Heeg, Kreissekretair.

Heffen-Naff. Landgestüt.

Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich ergebenst, daß die Königl. Beschäler am 27. Februar er. auf Station Hersfeld, am 28. Februar er. auf Station Philippsthal eintreffen werden, und füge ich die Bitte hinzu, dies den Züchtern des dortigen Kreises in amtlicher Form bekannt zu machen.

Der Königliche Landstallmeister (gez.) von der Marwitz. An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.

J.-Nr. 1595.

* *

Wird den Herren Ortsvorständen rc. des Kreises zur alsbaldigen Veröffentlichung in ihren Verwaltungsbezirken mitgetheilt.

Hersfeld, am 23. Februar 1880.

1996. Der Königliche Landrath.

I. V.: Heeg, Kreissekretair.

Berlin Wv 19. Februar 1880. Bekanntmachung. Herabsetzung der Gebühren für Postanweisungen nach Süd-Australien und Queensland.

Die Gebühren für Postanweisungen aus Deutschland nach Süd-Australien und Queensland betragen vom 1. März ab 50 Pfennig für je 20 Mark, mindestens aber 1 Mark.

Kaiserliches General-Postamt. Wiebe.

Tagesbegebenheiten.

Petersburg, 23. Februar. DemRegierungsboten" zufolge hat die bezüglich der Explosion im Winterpalais begonnene Unter­suchung als gewissermaßen positiv ergeben, daß dieses Verbrechen durch eine Person begangen wurde, welche für einen Arbeiter galt. Es ist Grund vorhanden, einen Zusammenhang zwischen dieser Person und einigen bereits vor der Explosion verhafteten Individuen zu vermuthen.

Darmstadt, 22. Februar. DieNeuen Hessischen Volksblät­ter" sind ermächtigt, einen Brief des Prinzen Alexander von Hessen aus Petersburg vonl 18. d. an seine Gemahlin auszugsweise zu veröffentlichen. Nach demselben wurde der Prinz am Bahnhöfe von allen Söhnen des Kaisers Alexander und von dem Fürsten von Bul­garien empfangen und nach dem Winterpalais geleitet. Der Prinz fährt dann fort: Auf der Treppe des Palais erwartete mich der Kaiser. Wir begaben uns durch einen großen Korridor nach seinen Appartements, als plötzlich eine furchtbare Detonation erfolgte. Der Boden hob sich wie durch ein Erdbeben; alle Gasflammen im Korri. dor erloschen und es umgab uns vollständige Finsterniß. Wir nah­men einen entsetzlichen Staub und den Geruch von Pulver oder Dynamit wahr. Man rief uns zu, daß der Kronleuchter in dem

Salon, wo die Tafel für das Familiendiner gedeckt war, herabge­stürzt sei. Ich eilte mit dem Großfürsten Thronfolger und dem Großfürsten Wladimir dorthin, während Graf Adlerberg in der Un­gewißheit, was noch folgen könnte, da man an eine Gasexplosion dachte, den Kaiser zurückhielt. Im Speisesaal angelangt, fanden wir alle Fensterscheiben zerbrochen, die Wände stark beschädigt. Ein erstickender Pulvergeruch machte sich bemerkbar. Es war kein Zweifel mehr, daß unter dem Salon eine Mine gesprungen war. Wegen meiner Ankunft war die Zeit für das Diner um eine halbe Stunde hinausgeschoben worden und so kam es, daß die kaiserliche Familie noch nicht im Speisesaale versammelt war.

Feuilleton.

Mrstiu und Kettlerin.

Erzählung von Vr. Heinrich Penn.

(Fortsetzung)

Fast graute ihm, doch wenn er in's Haus wollte, wußte er die Frau entfernen.

Er trat also entschlossen auf dieselbe zu und berührte ihre Schultern.

Sie zuckte zusammen, dann blickte sie empor.

Du bist es, Aristid?" fragte sie jetzt,ich habe auf Dich ge­wartet."

Er fuhr bei dem Klänge dieser Stimme zusammen.

Dann blickte er dem Weibe in das blaße Gesicht.

Marie!" schrie er und taumelte zurück,was willst Du hier?"

Dich," sagte die Frau ruhig,deshalb habe ich Dich erwartet. Aber Du bist lange geblieben und die Nacht ist bitterkalt."

Er hatte seine Fassung wieder gewonnen.

Was willst Du von mir?" fragte er.

Hülfe," erwiderte sie,ich habe es lange getragen, ich kann nicht mehr. Deshalb komme ich zu Dir, um zu bitten, hörst Du, nicht zu begehren, sondern zu bitten."

Was soll das?" fragte er rauh.Ich habe Dir nichts zu geben."

Ich bitte nicht für mich," fiel sie ihm in die Rede,ich bitte für das Kind."

Damit schlug sie das Tuch auseinander, ein etwa vierjähriges Mädchen kam zum Vorschein, das ruhig am Herzen der Mutter schlummerte.

Wie kannst Du es so weit treiben?" rief Kelephos der arnien Frau zu,bist Du wahnsinnig?"

Kein Wunder, wenn ich's wäre," entgegnete sie sanft und traurig.Was habe ich nicht Alles gelitten und getragen und habe es erduldet, ruhig und ergeben, denn ich sah es an als Sühne für mein Vergehen und in bitterer Reue wollte ich Alles leiden, was mir das Geschick bescheert.

O, es hat mich schwer belastet, so schwer, daß ich oft meinte ich müsse der Last erliegen, ich könne es nicht fernerhin ertragen. Und ich erlag doch nicht, und ich ertrug es doch. Aber jetzt bin ich mit meiner Kraft zu Ende, ich kann nicht mehr. Vor einigen Tagen saß ich Nachts mit meinem Kinde unten an den Pfeilern der Ferdinandsbrücke, um dort die Nacht zuzubringen. Der kleine Engel schlummerte, ich aber, von Frost und Hunger gepeinigt, durchwachte die Nacht in namenloser Qual. Denn ich halte kein Obdach mehr, ich konnte das Geld, welches die Miethsfrau für das elende Bett forderte, nicht zahlen, deßhalb stieß sie mich hinaus in die Nacht.