betrifft, so überlaßt ihn mir, denn auch ich habe ein Geschäft mit ihm abzuthun. Auf Wiedersehen heute Abend."
Die Männer trennten sich, während Gruber langsam das Zimmer verließ, eilte der Andere mit elastischen Schritten die Treppe hinab.
X. Wiederfinden.
Agathe, die Frau Gruber's, war, wie wir gehört haben, auf einer der Bänke des Paradiesgarlens als obdachlos aufgegriffen worden. Dieselbe Nacht konnte sie noch in der Polizeiwachstube zubringen, am anderen Morgen war sie wieder auf Die Straße gewiesen.
Was sollte sie thun, wohin sollte sie sich wenden? Damals gab es noch kein Asylhaus, wo die Unglücklichen heutzutage einen Pfuhl finden, um das müde Haupt hinzulegen.
Was blieb der Aermsten übrig, als wieder einen Ort im Freien zu suchen und dort zu übernachten.
Aus dem Glacis fand sie ihn, sie stieg mit ihren Kindern in den Stadtgraben hinab und unter einem der Uebergänge drängten sich die Armen zusammen, erwärmten einander mit ihren Körpern, und Gott hatte ein Erbarmen und ließ sie nid)t zu Grunde gehen.
Und am Morgen nahm Agathe ihre Kinder und ging in den Stefansdom. Dort nahmen sie in einem Kirchenstuhle Platz und schmiegten sich fest an einander..
Die Kinder entschlummerten bald und die Frau betete zur Gottesmutter um Kraft und Stärke.
Das kleinste Kind, das 'ja, wie wir missen, krank war, zuckte oft krampfhaft im Schlafe zusammen, und so oft dies geschah, füllten sich die Augen der Mutter mit Thränen und ein schwerer Seufzer hob ihre Brust.
Bon allen armen Weibern ist eine Mutter die ärmste, — und doch ist von allen Weibern die Mutter das reichste.--
So suchte Agathe mit ihren Kindern eine Zufluchtsstätte im Stefansvome und fand dieselbe. Sie war die Einzige nicht, welche es that.
Namentlich während der Mittagszeit sieht man in den Kirchen- stühlen, besonders dort, wo es am buntelften ist, oft das blasse leidende Gesicht einer Frau, das krankhaft fahle Antlitz eines bruit- kranken, schlecht gekleideten Mannes, das noch frische Gesicht eines jungen Mädchens, aber mit vom Weinen gerötbelen Augen, nicht weil davon den alten Mann, zitternd vor Kälte, Hunger und Schwäche, ein Leben elend beschließend, das vielleicht glänzend begonnen hatte.
Sie suchen hier Erholung vor Müdigkeit, wohl auch ein bischen Schlaf und der Schlaf eines Unglücklichen entheiligt ja nicht die Stätte der ewigen Liebe.
Andere suchen Trost für das wunde Herz, Erhebung aus der Tiefe des Jammers, Linderung für den Schmerz der Seele.
Dann knien sie wohl hin und erheben die Hände inbrünstig zum Gebete.
Dort vor einer Kapelle, kniete einer dieser Trostbedürftigen.
Ein hoher Mann, aber das Haupt gesenkt, eine stolze Gestalt, aber das Knie gebeugt, nicht unglücklich allein, auch arm, man sah dies deutlich an seiner fadenscheinigen, abgetragenen Kleidung.
Jetzt erhob er sich und wandte sich zum Gehen, da erkennen wir ihn — es ist der Schlafgenosse Gruber's.
Sein Weg führt ihn an dem Kirchstuhle vorüber, in welchem Agathe mit ihren Kindern saß.
Der Mann wollte vorbeischreiten, da streifte sein Auge die Gruppe.
Er blieb stehen und warf einen Blick voll Theilnahme auf das junge schöne Weib, auf die armen Kinder.
„Das ist eine Unglückliche", sagte er, „keine Bettlerin, wie es jene Weiber am Eingänge der Kirche sind, die sich mit erborgten Kindern aufstellen, um das Mitleid der Passanten wach zu rufen, jene Professionsbettler, welche die armen Kinder mit halberfrorenen Händchen und Füßchen erbarmungslos auf dem kalten Steinpflaster knien lassen und mit Püffen und Schlägen traktiren, wenn die
armen Würmchen hungernd nach Brod rufen. Hier ist wirkliches Elend, bittere Noth. Eine arme Mutter! Wer im strengsten Winter in einem Kirchenstuhle des Stefansdomes so lagert, wie jene Frau dort mit den drei armen Kindern, — hat kein schützendes Obdach, kein Geld für Brod. Und ich kann nicht helfen — bin selbst mittellos — mein Palais ist die elende Kreuzerherberge. O, welch' eine Qual, so mittellos zu sein bei fremden Elend! Doch halt, welch' ein Ge- danke erfaßt mich? Vielleicht kann ich doch helfen. Ich würde eher verhungern, bevor ich meinen besten Freund um ein Almosen an« spreche — aber jetzt weg mit dem thörichten Stolze, — ich will betteln für Jene dort." (Forts, f.)
Ueber richtige Einrichtung und Behandlung von Honigstöcken, Vortrag auf der Wiesbadener Generalversammlung, gehalten von Pfarrer Endres.
(Schluß.)
F. Was nun die sogenannte diamantene Regel anlangt und die Anwendung des Hanemann'schen Weiselkäfigs, so will ich dazu noch Folgendes bemerken. Allerdings soll in der Zeit der Haupttracht durch Einsperrung der Königin auf circa 14 Tage der Honigertrag bedeutend gesteigert werden. In Straßburg berichtete Beichtvater Kneipp von N. N. sogar von Bienenstöcken mit Krainer Race, daß dadurch die Stöcke voll Honig geworden seien. Bei Anwendung der diamantenen Regel sind die Lehrmeister der Bienenzucht verschiedener Ansicht. Dathe und Berlepsch sperrten früher die Königin ein, aber seit 56 nicht mehr, sondern entweiseln, ja Dzierzon der Erfinder der Regel hält nach den Straßburger Berichten nicht viel davon, weil man die Brut anderweitig verhindern könne. Huber und andere empfahlen die Einsperrung Ich habe nur 2 Versuche der Art gemacht und keinen besonderen Unterschied in den Stöcken mit eingesperrten und nicht eingesperrten Königinnen gefunden. Da in diesem Jahre bei mir ein Stock, der sich in der Hauvttrachtzeit eine junge Königin erzog, durch besonderen Honigreichthum auszeichnet, so möchte vielleicht eine völlige Entweiselung des Stocks mit alter über 2 Jahre alten Königinnen noch vor der Einsperrung in einen gewöhnlichen Käfig den Vorzug haben, da man außerdem noch den Vortheil hätte eine junge Königin zu be> kommen. Die Herrn, welche in dieser Hinsicht Versuche gemacht, werden besonders gebeten, ihre Erfahrungen mittheilen zu wollen. — Sperrt man die Königin in einen gewöhnlichen Käfig, so muß der Käfig mit der Königin nicht auf den Boden der Beute gestellt werden, sondern mitten in das Brutnest. Sonst setzen die Bienen gewiß Weiselzellen an, das geschieht auch manchmal nach Huber, wenn die Königin im Brutnest gefangen gehalten wird und man muß deßhalb den 8. oder 9. Tag nachsehen, alle Weiselzellen zerstören, sonst wird die Königin, wenn sie frei gegeben wird, abgestochen. - Durch Anwendung der diamantenen Regel mit dem Hanemann'schen Käfig hat man ein Abstechen nicht zu befürchten weil die Arbeitsbienen darin zur Königin gelangen und in unmittelbaren Verkehr mit ihr treten, sogar darin bauen uub die Königin Eier legt. Nach Gühler lockt man durch eine so eingeschlossene Königin auf leichteste Weise seine Bienen in den Honigraum und die Aussätze der Lagerstöcke. Ja während der Gefangenschaft der Königin kann man alle Schiede in Lagern und Ständern ganz entfernen. In Straßburg haben Dathe, Dzierzon und Hilbert die diamantene Regel nur bei Stöcken empfohlen, welche im Herbst cassirt werden sollen, weil bei längerem Einsperren der Königin die Fruchtbarkeit Noth leide, nur ausgemergelte, abgeschaffte alte Trachtbienen zurückblieben, der Stock im Winter durch Adsterben der alten Bienen Schaden nehme und im Frühjahr der kraftlosen Bienen wegen sich nicht recht entwickeln könne. — Fehlen im Herbst junge Bienen, so ist dies allerdings ein großer Nachtheil, indeß kann man da leicht helfen, wenn man sich von anderen Ständen von gewöhnlichen Korbimkern die Bienen schenken läßt oder kaust, welche sie nach ihrer Methode doch abschivefeln, das ist die leichteste und nützlichste Weise im Herbst seine Dzierzonstöcke zu verstärken und mit jungen Bienen zu versehen. —
6. Zum Schluß erwähne ich noch, daß die Stöcke mit italienischen Köm- ginnen oder Halbitaliener sich durch Honigreichlhum auszeichnen. Hr. Schenk in Nastätten, Hr. Dr. Hildenbrand in St. Goarshausen haben mit mir diese Wahrnehmung gemacht. Die Kosten des Ankaufs der Königinnen werden gewöhnlich schon im ersten Jahr reichlich ersetzt — Die Königinnen der cyprischen Race sollen denselben Vorzug haben und im Herbst noch . volkreichere Stöcke haben als die Italiener. Aus eigener Erfahrung kann ich davon nichts sagen. — Noch die Bemerkung, daß alle Regeln uns nicht zum Honig verhelfen, wenn die Bienenweide schlecht ist und die Honigquellen in der Schöpfung nicht fließen. Nach meinem Vortrag bitte ich die verehrten Herrn, das Milgetheilte zu ergänzen oder zu berichtigen, damit das Thema allseitig besprochen wird.
Fruchtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 22 M. 15 Pf. bis 22 M. 70 Pf. Roggen 100 Kilogr. 18 M. 75 Pf. bis 19 M. 60 Pf. Gerste 100 Kilogr. 16 M. 45 Pf. bis 17 M. 15 Pf. Hafer lOOKliogr. 12 M. 35Pf. bis 13 M. 70 Pf.
Anzeigen.
Königliches Gymnasium.
Das neue Schuljahr beginnt Donnerstag den 8. April, an welchem Tage morgens 8 Uhr die Aufnahmeprüfung im Gymnasial - Gebäude stattfindet. Anmeldungen nimmt der Unterzeichnete entgegen; denselben sind belustigen die Zeugnisse über Kenntnisse und Betragen, der Geburtsschein, der Impf- bezw. Wiederimpfschein.
HerSfeld, am 31. Januar 1880.
Der Uömgtiche Zymnasiat-DireKtor Dr. Duden.
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