Tagesbegebenheiten.
Aus Hefsen-Nassau.
□ Hersfeld, 6. Februar. Der 41jährige Weißbinder Johannes Daube von Schenklengsfeld war, wie wir hören in Folge von starkem Branntweingenuß, in der Nacht vom 29. auf den 30 v. M. aus dem Rückwege von Malkomes nach Schenklengsfeld eingeschlafen und hatte bei der herrschenden heftigen Kälte beide unteren Extremitäten erfroren, so daß, als nach eingetretenem Brande die Ueberführung desselben in das hiesige Landkrankenhaus erfolgte, die Amputation beider Unterschenkel nothwendig wurde, welche dem Vernehmen nach am 5. d. M. vorgenommen worden ist. Es ist dieser traurige Fall ein neuer Beleg dafür, wohin das übermäßige Branntweintrinken führt, und beweist ferner, wie thöricht es ist, wenn Leute, um sich bei Wanderungen gegen die Kälte zu schützen, geistige Getränke genießen, anstatt sich mit der erforderlichen warmen Kleidung zu versehen.
□ Hersfeld, 7. Februar. Am 5. d. Mts. Abends 9 Uhr brach in Heringen in vier Scheunen fast zu gleicher Zeit Feuer aus und in zwei anderen Scheunen wurden verbrannte Bunde Stroh aufgefunden. Die vier Scheunen sowie 3 weitere Stallgebäude sind total niedergebrannt. Trotz der Herrschenden strengen Kälte ist es den vereinigten Bemühungen der Feuerwehren von Heringen, Leimbach, Wölsershausen, Wivdershausen und Bengendorf, welche rasch an der Brandstätte eintrafen, gelungen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die hart angrenzenden Wohnhäuser und Scheuern zu retten. Die Kälte war so groß, daß das Wasser in den Schläuchen einsror. Die abgebrannten Gebäude gehören den Bauern Justus Axt und George Wenk und sind in der Generalbrandkasse versichert. Dagegen haben die Eigenthümer leider unterlassen, die am 10. Dezember v. I. abgelaufene Versicherung ihrer Jnventarstücke zu erneuern. Daß Brandstiftung vorliegt, ist unzweifelhaft. Doch hat man bis jetzt auf Niemand Verdacht. Die vom Brand Betroffenen sind wohlhabende Landwirthe, stehen in unbescholtenem Ruf und wissen nicht, daß sie einen Feind hätten, der eines solchen Verbrechens fähig wäre.'
Dem rechtzeitigen energischen Eingreifen der Heringer Feuerwehr und der raschen Hülfe der auswärtigen Löschungsmannschaften ist es zu danken, daß der Ort vor größerem Unglück bewahrt blieb. Es sollen elf Spritzen in Thätigkeit gewesen sein, von denen namentlich die Heringer neue Spritze Vorzügliches leistete. Den wackeren Feuerwehrmannschaften und ihrer umsichtigen Leitung gebührt volle Anerkennung. Möge der ruchlose Brandstifter bald ermittelt werden, und seiner gerechten Strafe nicht entgehen.
△ Hersfeld, 7. Februar. Am 3, d. M. Abends gegen 10 Uhr ist in einem Treibhaus des Gärtners Rudolph dahier in Folge eines schadhaften Feuerkanals Feuer ausgebrochen. Das Feuer hat jedoch glücklicherweise nur eine Holztreppe zerstört und eine Anzahl Gewächse verdorben.
Frankfurt, 2. Februar. Das 8jährige Kind eines in der Münzgasse wohnenden Eisenbahnarbeiters hat sich am 29. v. Mts.
Abends derart verbrannt,', daß es bereits am folgenden Tage an den erhaltenen Wunden verstarb. Man hatte dem Kinde einen mit heißem Wasser gefüllten Wärmekrug in's Bett gegeben; der Stöpsel sprang heraus und es ergoß sich der siedendheiße Inhalt der Flasche über den Körper des Kindes.
Hoffnung.
Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Geberden,
Und streut er Eis und Schnee umher, Es muß doch Frühling werden.
Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor dem Blick der Sonne, Sie wecket doch mit ihrem Licht Einmal die Welt zur Wonne.
Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht, Mir soll darob nicht bangen, Auf leisen Sohlen über Nacht Kommt doch der Lenz gegangen.
Da wacht die Erde grünend auf, Weiß nicht, wie ihr geschehen, Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf Und möchte vor Lust vergehen.
Sie flicht sich blühende Kränze in's Haar Und schmückt sich mit Rosen und Aehren, Und läßt die Brünnlein riefeln klar, Als wären es Freudenzähren.
Drum still! Und wie es frieren mag, D Herz, gib dich zufrieden!
Es ist ein großer Maientag Der ganzen Welt beschieden.
Und wenn dir oft auch bangt und graut, Als sei die Höll' auf Erden, Nur unverzagt auf Gott vertraut! Es muß doch Frühling werden.
Geibel.
Fruchtpreife.
Weizen 100 Kilogr. 2 t M. 75 Pf. bis 22 M. 70 Pf. Roggen 100 Kilogr. 18 M. 75 Pf. bis 19 M. 20 Pf. Gerste 100 Kilogr. 16 M. 45 Pf. bis 17 M. 15 Pf. Hafer 100 Kilogr. 12 M. 35 Pf. bis 13 M. 70 Pf.
Anzeigen.
greife der Aackwaaren
für die Stadt Hersfeld vom 1. bis 15. Februar 1880 nach der eigenen Hingabe der Bäcker und sonstigen Brod- und Wecke-Verkäufer.
Namen der Bäckermeister und Brodverkäufer.
Roggenbrod
Wasserwecke ■ 4 Pfg.
Grm.
Milch- brod 1 4 Pfg.
Grm.
schwarz 500 Grm.
Pfg.
weiß 500 Grm.
Pfg.
B. Knauff . . .
12
134
60
36
J. Heil ....
12
14
60
50
Herm. Spangenberg
12
134
60
50
H. H. Walpert
12
—
55
50
W. Reinhard
121
14
60
40
Hartmann Huth
12
144
60
50
Heinrich Fischer .
—
—
50
40
Herm. Hettler Ww.
12
—
60
50
Abraham Bolz
12
—
54
50
Nicol. Huth Ww.
12
14
50
36
Wilhelm Huth . .
124
—
60
50
U. H. Huth . .
12
—■
50
40
Adam Spangenberg
14
60
50
Heinr. Rehn . .
12
—
60
40
H. W. Hettler
12
—
60
50
Friedr. Heil . .
12
13{
60
40
Conrad Wille
12
——
40
30
H. Mausehund Ww. 12
Hersfeld, am 3. Februar
14
1880.
60
36
»er Bürgermeister
Krause.
Montag den I«. d. Mt». von Morgens 9| Uhr ab
soll in dem Strin'ichen Gasthause dahier das nachstehend verzeichnete Gehölze öffentlich meistbietend versteigert werben, wie:
1) im Schlage Scheid
5 Nadelholzabschnitte mit 2,67 Festmeter und 78 Raummeter Klasternutzholz.
2) im Schlage Großrrück
13 Eichenadschnitte mit 15,65 Festmeter und 8 Raummeter dergl. Nutzscheitholz.
3. im Schlage Strampel
14 Nadelholzabschnttte mit 3,74 Festmeter, 33 Raummeter dergl. Nutzscheitholz und 6 Raummeter Nutzknüppelholz.
4) im Schlage Zaunlied
17 Nadelholzabschnitte mit 4,67 Festmeter, 60 dergl. Stangen I., II. u. III. Classe,
34 Raummeter dergl. Kloben, 6 Raummeter dergl. Stammknüppel, 60 Raummeter dergl. Zopfreis und 11 Raummeter dergl. Stöcke.
Niederaula, am 6. Februar 1880.
Der Oberförster Rausch.
Gesilidt-JicltWchtr
empfiehlt L. Funk.
Donnerstag Den 12. ö. Rk. kommen aus dem 'Distrikt Lindig ca.
740 Stück Kiefern von 10 bis 16 m Länge und 20 bis 40 cm Durchmesser — rot. 270 Festmeter, hierunter ca. 300 Stück Tele- graphen-Stangen, zur öffentlich Meistbietenden Versteigerung. Die Zusammenkunft findet um 9 Uhr in der Schad'schen Gastwirthschaft zu Bosse- rode statt.
Wildeck, den 3. Februar 1880
Der Oberförster
A. Mül l er.
Die Auktion bei den Erben des verstorbenen Schreiners Caspar Langenberg dahier mit
Leinen, Betten, Schränken, Tischen, Stühlen u. sonstigem Haus- und Küchen- geräthe, Schreinerhandwerkszeug u. 1 gute Kelter soll Montag den 8. Februar Morgens 9 Uhr ihren Anfang nehmen.