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theile ich im weiteren Verfolge meiner Verfügung vom 14. August pr. Nr. 9293, Kreisblatt Nr. 66, mit, daß ich denselben die festgestell- ten Verzeichniffe des Pferde- und Rindviehbestandes zusenden werde.

Dieselben haben für die Erhebung der für das Jahr 1880 zu zahlenden Steuerbeträge von:

a) für jedes Pferd 20 Pfennig,

b) für jedes Stück Rindvieh 2x5 = 10 Pfennig durch die Gemeindegelderheber alsbald zu sorgen und die Ablie­ferung des Hauptbetrags bis zum 15. k. MtS. an die ständische Schatzkasse in Sasse’, nach Abzug von 2 ß Erhebegebühren, mittels des bereits zugesandten AblieferungSscheineS, welcher genau nach dem Verzeichnisse des Viehbestandes auszufüllen ist, zu bewirken. Selbstverständlich ist das schon erwähnte Verzeichnis des Pferde- und Rindviehbestandes von den Herren Bürgermeistern zurückzu- behalten.

958. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Tagesbegebenheiten.

AuS Heffen-Naffau.

D Hersfeld, 28. Januar. Nach der neuesten, am 3. Novem­ber v. I. stattgehabten Zählung sind im Kreise Hersfeld 1846 Pferde und Fohlen, 13882 Stück Rindvieh (Ochsen, Bullen, Kühe, Rinder und Kälber) vorhanden, wovon auf die Stadt Hersfeld 164 Pferde und Fohlen und 553 Stück Rindvieh entfallen.

Eschwege, 25. Januar. Der Schneider Fey, welcher milder Familie seines Schwiegersohnes, des Maurers Wilhelm Melhe zu Röhrda, zusammenwohnt, ist wegen versuchter Vergiftung des letzteren und besten Ehefrau in Untersuchung gezogen und verhaftet worden. Der Familie Methe wollte am 18. d. M., Abend-, der Kaffee nicht schmecken und bei näherer Untersuchung ergab sich, daß sich eine Menge Köpfchen von Streichhölzchen in dem Satze befanden, auch sind später in der Stube des rc. Fey, zwischen Lumpen und Stroh eine größere Anzahl Streichhölzchen, an welchen die Köpfe abge­brochen waren, aufgefunden woroen. Fey lebte mit seinem Schwieger­söhne und seiner Tochter in stetem Unfrieden. (Krdl.)

Feuilleton.

Jürflin und Bettlerin.

Erzählung von Vr. Heinrich Penn,

(Fortsetzung.)

„Wechsel!" rief Stanislaus, „Du hast Wechsel auf mich?"

„Auf Sie," entgegnete Kelephos, „ich habe sie getauft und heut sind die Papiere fällig."

„Wie viel beträgt die Summe?" fragte Radziwill, während es sonderbar über sein Antlitz zuckte.

„Zehntausend Rubel," lautete die Antwort.

Der Fürst sank wie von einem Blitzschläge getroffen hin.

Er schuldete seinem Todfeinde zehntausend Rubel, — und das Geld, welches er zum Bezahlen seiner Schulden nach Wien gesandt halte, — war weg — verloren oder gestohlen.

Als man Stanislaus aushob — blickte er stier um sich und verfiel in Tobsucht.

Der nächste Morgen fand den Unglücklichen in der Irrenanstalt. Er sollte dieselbe nicht mehr verlassen.

Das Geld aber blieb auf eine unerklärliche Weise verschwunden — Niemand wußte, wohin es gekommen.

IX. Wer sich selbst nicht auf giebt, ist nicht verloren.

Der Morgen dämmerte auf, da wurde es lebendig in jener ärmlichen Herberge, wo Gruber ein Nachtlager gefunden hatte.

Der Pförtner schritt von Bett zu Bett und weckte die Schlafenden.

„Es ist Zeit", sagte er zu Jedem und Viele blickten traurig auf und sagten seufzend: „Schon!"

Auch Gruber sagte eS.

„Ich glaube wohl, daß Euch der Schlaf zu kurz schien", ertönte jetzt eine Stimme neben ihm, „Ihr seid spät gekommen."

Gruber wandle sich an den Sprechenden und sah einen Mann vor sich, der ungefähr in seinem Alter stand. Das Gesicht war bleich, die Kleidung fadenscheinig.

Aber waS an letzterer sichtbar — Schnitt und Stoff — wies sich elegant, fein. Der ganze Mann machte den Eindruck eines dereinst wohlhabend gewesenen und nun herabgekommenen Menschen.

„Ja", sagte Gruber, „ich kam spät, eS war Mitternacht."

„Und man ließ Euch ein?" bemerkte der Andere, „Ihr seid ein Glückskind."

„Mehr als dies", sprach Gruber mit einem dankbaren Blick zum Himmel, „man ließ mich ein ohne Geld."

Der Andere sah verwundert auf den Mann.

„Ei der tausend!" tief er, „welche plötzliche Umwandlung mit dem Cerberus dieses traurigen Aufenthalts! Er ist doch wahrlich sonst keiner von den Weichherzigen."

Gruber war in Gedanken versunken, er dachte an sein Weib — an seine Kinder.

Er sprang aus und schritt durch's Zimmer.

„Wenn sie doch schlecht wäre?"

Er sagte es halblaut, so daß der Andere es hörte.

„Wenn Sie es aber nicht ist?" fragte dieser.

Gruber sah auf/

„Bon wem sprecht Ihr?" forschte er.

„Fragt Euch selbst, Ihr müßt es wissen", lautete die Antwort, denn Ihr spracht soeben davon."

,,Jch sprach von meinem Weibe, Herr."

„Ah, von Eurem Weibe?" meinte sein Genoste, „Ihr möchtet wissen, ob sie schlecht ist. Geht, Ihr glaubt es ja selbst nicht."

„Wenn sie es aber wäre?" fragte er zürnend.

„Habt Ihr Beweise davon?" forschte der Andere.

„Nein", entgegnete Gruber schüchtern.

„Und Ihr wollt urtheilen ohne dieselben — blos nach dem Schein? Wahnsinnige Menschen, welche dies thun."

Er sagte es traurig, fast schmerzlich berührt, — dann blickte er düster nieder.

Nach einiger Zeit erhob er daS Auge wieder.

„Wir müssen jetzt fort", sagte er zu dem Manne, „wohin gehl's?

„Wohin?" Gruber sagte es schmerzlich, wußte er's denn?

Wieder war er in dumpfes Hinbrüten versunken, wieder über­kam ihm das entsetzliche Gefühl des Alleinseins.

„O, wenn ich sie nur hätte!" rief er schmerzlich, „sie, mein Weib und meine Kinder!"

Der Andere blickte mit Interesse auf ihn.

„Ja, sagt mir", forschte er nun, „habt Ihr sie denn verloren?"

_ „Verloren", seufzte Gruber, „und daS Glück dazu und die Hoffnung!"

„Die Hoffnung auch?" meinte der Andere, „nicht doch, Mann, der Mensch hofft so lange er lebt!"

„Dann muß er also sterben, wenn er auf gehört hat zu hoffen?" warf der Unglückliche ein.

„Nein", entgegnete der Genoste Gruber's bestimmt, „wer sucht, der findet, warum suchet Ihr nicht?"

„Habe ich's nicht gethan?" seuszte Jener. „BiS Mitternacht suchte ich gestern, vom frühesten Morgen an, wo ich daS graue Haus verlassen."

Sein Zimmergenoste horchte auf.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

— Die oftmals gerügte Unsitte, Spazierstöcke oder Regenschirme wagerecht unter dem Arme z u tragen, hat, der „Voss. Ztg." zufolge, in Berlin am 17. d. M. wiederum zu einem beklagenswertheu Unfall geführt. Die achtzehnjährige Friseuse Agnes N. passirte die Oranieuburger Straße, während vor ihr ein junger Mann, wie später festgestellt wurde, der Tafeldecker Julius N., seinen Regenschirm in der beschriebenen Weise tragend, einher- ging. Das junge Mädchen, welches an Kurzsichtigkeit leidet und schnellen Schrittes daherkam, lief in dem Augenblick, als N., weil gerade ein Wagen aus der Posthalterei herausfuhr, vor dem Hause Nr. 70 plötzlich stehen blieb, so unglücklich mit dem rechten Auge in die Schirmsprtze, daß dasselbe sofort auslief. Mit einem grellen Auf- schr« sank die Verunglückte bewußtlos nieder. Sie wurde in eine Droschke gebracht, um nach dem nächsten Polizeibureau in der Großen Hamburger Straße gefahren zu werden. Der Veranlaster des Unglücks­falles mußte behufs Feststellung seiner Persönlichkeit dorthin folgen.

— Berlingsen (bei Soest). Ein entsetzliches Unglück hat sich hier zugetragen. Die Tochter des Oeconomen TiggeS kochte Milchsuppe und rührte, nach der „K. Volksztg.", statt des Mehles Bleiweiß an, welches zur Bereitung von Farbe in größeren Quantitäten auf dem Lande vorräthig gehalten wird. Sämmtliche sieben Personen, welche von der verhängnißvollen Milchsuppe ge- geffen hatten, erkrankten in der Nacht unter all den schrecklichen Spmptomen einer Vergiftung. Der Oeconom selbst ist in der Nacht vom 17. zum 18. d. gestorben. Wahrscheinlich fordert daS unglück­liche Versehen der Tochter noch weitere Opfer.

St. Goarshausen, 24. Januar. Am Donnerstag ist her Rhein an der Loreley abermals zugefroren und die Eismasten stehen nunmehr geschloffen bis Saub. Heute Nachmittag versuchte man an der Loreley wiederholt das Eis durch Dynamitpatronen zu sprengen, um es dadurch in Bewegung zu bringen; aber alle derartigen Be­mühungen waren bisher ohne Erfolg. ,

London, 22. Jan. Ein furchtbares Unglück ereignete sich gestern in der Kohlenzeche Fairlady zu Apedale, zwischen Newcastle- under-Lyne und Coewe durch eine Explosion schlagender Wetter.