Einzelbild herunterladen
 

Er vernachlässigte seine Gattin, die mit ihren Kindern glänzende Appartements bezogen hatte, auf die schonungsloseste Weise, ja blieb wochenlange dieser Wohnung ferne und trieb sich während dieser Zeit mit Zechkumpanen herum.

So gestaltete sich das Leben der Fürstin immer trauriger, und das Gesicht des „tollen Lenz", der häufig vor dem Hause erschien und die Drehorgel spielte, wurde immer höhnischer, immer schaden­froher.

Es verging fast kein Tag, wo Lenz nicht des Abends, nachdem er das Haus, welches Anna bewohnte, umschlichen und den Gängen Radziwill's nachgespürt hatte, — bei Kelephos eintrat, und aus dem geheimen, eifrigen Gespräche der Beiden sah man wohl, daß sie sich mit einem Plane trugen, welcher dem Hause Radziwill's nicht günstig sein konnte, da der Grieche häufig zwischen den Zähnen murmelte: „Ich habe geschworen, mich zu rächen, und ich werde mich rächen." Die Berkaussangelegenheit in der Heimath des Fürsten war endlich bis zum Abschlüsse gediehen und Stanislaus begab sich selbst nach einem kurzen flüchtigen Abschied von seiner Gemahlin und den Kindern nach Rußland.

Die Reise sollte verhängnißvoll für ihn wie für seine Gattin werden. (Forts, f.)

Vermischtes

— Einen Akt umfangreicher Wohlthätigkeit hat der Fabrikbesitzer Pulver- macher in Bromberg ausgeübt. Derselbe hat einen ganzen Monat hindurch allein aus seine Kosten 226 Arme gespeist.

— In der Nähe von Rhein (Ostpreußen) ertranken am Sonntag 8 Personen in dem Spirding. Die Ertrunkenen befanden sich mit noch zwei anderen Personen, die gerettet wurden, aus einem Schlitten, welcher aus der Eisdecke einbrach und versank.

— In Hamburg ist (der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge) ein Konnte in Bildung begriffen, welches beabsichtigt, im Jahre 1882 eine zweite internationale landwirthschastliche Ausstellung — die erste fand im Jahre 1863 statt — zu verunstalten, bei welcher das Hauptaugenmerk auf die Pferdezucht und Vieh­zucht gerichtet werden soll, ohne jedoch die anderen Zweige der Landwirthschast und der Hilfsindustrie derselben auszuschließen

Mannheim, 12. Jan. Die drei Inhaber der hiesigen Firma Gebr. Sander Nachfolger wurden vom Schöffengericht wegen Fälschung von Nahrungs- Mitteln (Gewürzen rc) zu der höchsten zulässigen Strafe, nämlich zu je 150 Mk. Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurtheilt.

— Gin neues Eisenbahnunglück wird aus England gemeldet. Bei Platt's Bridge aus der Lancashire- und Aorkshire-Eisenbahn rannte am 15. Abends ein von Liverpool kommender Schnellzug gegen einen durch falsche Weichenstellung auf dem nämlichen Geleise befindlichen, in entgegengesetzter Richtung fahrenden Personenzug. Der Zusammenstoß war gewaltig. Mehrere Wagen wurden vollständig zertrümmert, Lokomotivführer, Heizer und Schaffner des liverpooler Zuges (somit drei Personen) getödtet, 30 Paffagiere mehr oder

minder schwer verletzt. Vier von den Reisenden find inzwischen bereits ihren Wunden erlegen

— (Ein se ltener Fall.) In Bruchsal (Großherzogthum Baden) wurde neulich einem weiblichen Dienstboten, dessen Treue und Anhänglichkeit wohl einzig in seiner Art sein dürfte, eine ehrenvolle öffentliche Anerkennung zu Theil. Die Betheiligte ist bereits 93 Jahre alt und seit ihrem 13. Lebensjahre mithin volle 80 Jahre hindurch, im Dienste einer und derselben Familie gewesen

Madrid, 15. Jan. In der Provinz Albaceta hat ein Bergsturz da» Dorf Alcala bei Jucar zerstört. Fünfzig Familien sind obdachlos, viele Menschen wurden verletzt aus den Trümmern hervorgezogen und mehrere sind ums Leben gekommen.

— Das Jahr 1 880 ist dadurch ausgezeichnet, daß es einen Februar mit 5 Sonntagen hat, ein Fall, der in jedem Jahrhundert nur 3, höchstens 4 Mal vorkommt, in diesem nicht wieder. In unserem halben Jahrtausend findet er überhaupt nur in 16 Jahren statt: 1512, 1540, 1568, 1604, 1 632 1660, 1688, 1728, 1756, 1784, 1824, 1852, 1880, 1920, 1948, 1976, während er in den ersten 1500 Jahren unserer Zeitrechnung, unter dem julianischen Kalender, von 28 bis 1484 alle 28 Jahre, also 53 Mal, eingetreten ist. Die 5 Februarsonntage haben wir ja schon ein Mal, die Aelteren zwei Mal erlebt und Mancher wird sie noch erleben.

Lan-wirt-fchaft.

— Ein Fehler bei der S alzfütter ung. Die üble Gewohnheit, das für das Vieh bestimmte Salz auf den Boden des Gefäßes zu streuen, aus welchem das Rindvieh sein Getränk zu sich genommen hat, ist sehr verbreitet. Man will damit bezwecken, daß das Vieh rein ausleckt; allein man bedenkt nicht, daß durch dieses Verfahren der Durst der Thiere erst gereizt wird, wenn man ihn befriedigt glaubt, denn das Salz wirkt bekanntlich austrocknend auf die Zunge, den Gaumen rc ein. Wenn man, wie es häufig geschieht, den neuen Durst sofort durch Darreichung von Wasser zu befriedigen sucht, so nehmen die Thiere mehr Flüssigkeiten in sich auf, als gut ist; denn sie verlieren dann (was namentlich bei jungen Thieren sehr zu beachten ist) ihre schöne Gestalt, indem sie sackig oder bauchig werden, und überdies wird die Verdauung dadurch sehr geschwächt. Wenn man aber den durch die unpraktische Verabreichung des Salzes erzeugten Durst nicht befriedigt, so ist dieses eine Thierquälerei, die sich bitter rächt. Wiederholt ausgeführte Versuche haben stets das Resultat ergeben, daß Kühe von einer bestimmten Futtermenge mehr Milch erzeugen, wenn man das Salz mit dem Trockenfutter vor der Tränke verabreichte, als wenn das Salz als Lecke in das Trinkgesäß gegeben wurde.

Fruchtpreise.

Weizen 100 Kilogr. 21 M. 95 Pf. bis 22 M. 60 Pf. Roggen 100 Kilogr. 18 M. 35 Pf. bis 19 M. 40M. Gerste 100 Kilogr. 17 M. 85 Pf. bis — M. — Pf. Hafer 100 Kilogr. I2M. 70 Pf. bis 13 M. 35 Pf.

Lchisttn ach richten !

New - Aork, 15. Januar. Dampfer Rhynland der Red Star Line von Antwerpen angekommen.

Anzeigen.

greife der Aackwaaren

für die Stadt Hersfeld vom 15. bis 31. Januar 1880 nach der eigenen Angabe der Bäcker und sonstigen Brod- und Wecke-Verkäufer.

Namen der Bäckermeister und Brodverkäufer.

Roggenbrod schwarz! weiß 500 ! 500 Grm. : Grm.

Wasser­wecke

• 4 Psg-

Milch- brod *

4 Pfg.

Psg-

Pfg.

Grm .

Grm.

B. Knauff . . .

12

13

60

40

I. Heil ....

12

14

60

50

Herm. Spangenberg

12

13

60

50

H. H. Walpert .

12

—

55

50

W. Reinhard

12

13

60

40

G. H. Huth Ww.

12

144

60

50

Heinrich Fischer .

—

—-

60

40

Herm. HettlerWw.

12

—

60

50

Abraham Bolz

12

—

o4

50

Nicol. Huth Ww.

12

14

50

36

Wilhelm Huth . .

12

—

50

45

U. H. Huth . .

12

—

50

40

Adam Spangenberg

12

131

60

50

Heinr. Rehn . .

12

—

60

40

H. W. Hettler

12

—

60

45

Friedr. Heil . .

12

13

60 1

40

Conrad Wille

12

—*

50

40

H. Maufehund Ww.

114

124

60

50

Hersfeld, am 16. Januar 1880.

»er Bürgermeister

Krause.

^TXer Unterzeichnete kaufte von dem Hein« rich Barth ir und dessen Ehefrau zu Kathus bie denselben gehörige Roggen-, Hafer- und Kartoffel« ndte. Ich warne daher vor Ankauf oder Pfändung derselben

bei Meivung der Herausgabe an mich ohne Entschädigung von meiner Seite.

Kalhus den 2. Januar 1880.

Daniel Paul.

Donnerstag den 29* Januar er* von Vormittags 11 Uhr ab

sollen in der Gastwirthschaft des Herrn Reße zu Bebra folgende Hölzer aus der Overfölsterei Meckbachöffentlich meist« bietend verkauft werden.

In den Districten HagelSberg a. = 5,50 Raum. Kiefern Stammknüppel und 13,50 Hundert Wellen dergl. Reis 111. Classe, Veldkopf d. 17 Stück Fichtenstangen I. Classe, 88 Stück dergl. 11. Classe, 545 Stück dergl. III. Classe, 9,75 Hundert dergl IV. Classe, 21,85 Hundert dergl. V. Classe, 19,30 Hundert dergl. VI. Classe, 23,20 ^Hundert dergl. VII. und VIII. Classe.

Hersfeld, den 17. Januar 1880.

Der Oberförster Jassoy.

Dr. Pattison’s

Oichtwatte.

bestes Heilmittel gegen Gicht und Rheumatismen aller Art, als: Gesichts-, Brust-, Hals- und Zahnschmerzen, Kopf-, Hand- und Fußglcht, Gliederreißen, Rücken- und Lenoenweh.

In Packeten zu 1 M. und halben zu 60 Pf. bei

H. Schwärzet in Hersfeld.

| Das Bankhaus

Sachs L8s.is Frankfurt a.M.

I empfiehlt sich zum

Ankauf, Verkauf u. Umtausch aller Gattungen

Staatspapiere, Prioritäten, Actien, Anlehensloose etc., sowie zur sorgfältigen Ausführung aller

Börsen- Auftröge „per Cassa“ und „auf Zeit“ zu Tagescoursen, (auch gegen Deponirung einer Caution in Baarem oder Werthpapieren).

Einlösung von Coupons ohne Abzug, resp, genau zum Tagescourse (schon 14 Tage vor Verfall.)

Besorgung neuer Couponsbogen gratis.

ßaarvorschüsseaufWertpapiere

auf beliebige Dauer zu soliden Bedingungen.

Auskunft in allen Börsenangelegenheiten unentgeltlich.

Bis im Monat August d. J. liegen bei der Lyceums-Renterei zu Basdorf größere und kleinere Kapitalien zum verzinslichen Aus­leihen gegen fichere Hypothek in­ländischer Grundstücke bereit.