er eine bessere Erziehung genossen hatte, und manchmal, wenn er sich lichterer Stunden erfreute, oder durch einen Zufall angeregt wurde, schwang sich sein Geigenspiel zu einer Virtuosität empor, daß man Dasselbe geradezu hervorragend nennen konnte.
Man wußte nichts Gewisses über das Vorleben des Mannes, sondern munkelte nur Mancherlei Darüber. Aber Lenz war ein überall gerne gesehener Gast, denn wenn man seine Schrullen und Eigenheiten übersah, konnte man sich an seinen Schwanken und feinem Geigenspiel weidlich ergötzen. Doch spielte er dieses Instrument nur des Abends, wenn er damit auf's Geradewohl in ein beliebiges Gasthaus trat, um sich ein Abendessen zu verdienen. Namentlich häufig kam er „zum blauen Stern," einem damals beliebten Gast- Hause in der Slerugasse, wo die meisten Hochzeiten auf der Landstraße gefeiert wurden, und fand er zu jedem solchen Feste, wenn selbes auch noch so vornehm war, ungehindert Zutritt.
Eigenthümlich bei dem Manne war jedoch die Bemerkung, daß er keinen Tag vorübergeben ließ, ohne ein paarmal im Nestaurallons- lokale der italienischen Garde vorzusprechen, und doch war es keine angenehme Erinnerung, bie sich an diesen Ort oder vielmehr an,die Personen, welche dort hanticten, knüpfen mußte, denn man sah den Alten nie so verstört und ungeberdig als ebendaselbst. Jedes seiner Worte war da ein Spott, jeder Ausspruch ein Sarkasmus, und wer den tollen Hlufifaaten recht genau beobachtet hätte, würde die befremdende Bemerkung gemacht haben, daß es gerade Die von aller Welt umworbene und von allen Männern, jung oder alt, gefeierte Anna war, der er am schroffsten begegnete und deren Anblick geradezu geistesstörend auf den Alten zu wirken schien.
Allerdings war auch der Umstand nicht minder auffallend, daß trotz des sichtbaren Widerwillens, welchen Die Nähe des Alten Anna einflößte, dieselbe doch nicht den -Muth zu haben schien, den lästigen Musikanten aus dem Lokale entfernen zu lassen, was ihr doch gewiß leicht gefallen wäre.
So trieb Lenz sein Wesen ungestört weiter, namentlich des Abends, denn über Tags pflegte er mit einem Leierkasten von Haus zu Haus zu ziehen, um sich damit seinen kärglichen Lebensunterhalt zu verdienen.
Spät Abends kehrte er dann in seine elende Wohnung zurück, aber man irrt sich, wenn man glaubt, daß er dort auSruhte bis zum Morgen. Viele Nächte mälzte er sich schlaflos auf seiner Schütte Stroh und netzte dieselbe mit seinen Thränen.
Und nur eine Klage war's die in solchen traurigen Nächten herzerschütternd den schlichten Raum durchtönte: „Josef, mein armer Sohn!" (Forts, f.)
Aufruf und Bitte!
Das aus rauher unfruchtbarer Hochebene im Kreise Hünfeld, (Regierungs- bez. Cassel) gelegene Dorf Langenschwarz mit etwa 1000 Einwohnern
b'etet zur Zeit das Bild eines fast der Beschreibung spottenden Nothstände« Aermlich sind die Verhältnisse dort stets, da die Mehrzahl der Einwohner auch in besseren Zeiten hinter dem Webstuhle eine nur wenig lohnende Beschäftigung findet und der Rest unter Aufbietung aller Kräfte sich vergeblich bemüht, dem unwirklichen Boden mehr als den notdürftigsten Ertrag abzugewinnen. In normalen Jahren schlagen sich die armen Leute redlich durch. Vor der äußersten Noth bewahrt sie der Ertrag der auf den geringen Ländereien hauptsächlich gebauten Kartoffeln. Aber in diesem Jahr sind die letzteren vollständig miß. rathen und die wenigen eingeheimstcn zumal noch in Folge der anhaltenden ganz ungewöhnlichen Winterkälte in den ungenügenden Kellerräumen erfroren. Dazu kommt, daß die Webstühle bei mangelnden Bestellungen fast alle still stehen. Und konnte sonst ein nicht geringer Theil der männlichen Bevölkerung einem regelmäßigen Verdienst als Waldarbeiter nachgehen, so ist in diesem Winter auch diese Beschäftigung weggefallen. Denn die Natur hat den Wald verschlossen. Frierend und hungernd — gar manche Familie hat schon Tagelang kein Stück Brod mehr im Haus gehabt — sieht die Mehrzahl der Ein- wohner verzweiflungsvoll den nächsten Tagen entgegen, ob sie Hilfe brinaen werden.
Zur Linderung dieser Noth hat das unterzeichnete Comite bereits eine Suppenanstalt ins Leben gerufen, durch welche ermöglicht werden soll, daß jede nothleidende Familie täglich eine hinreichende Portion warme Suppe und eine entsprechende Quantität Brod erhält. Aber es handelt sich um die tägliche voraussichtlich bis zum Frühjahr andauernde Speisung von ungefähr 100 Familien mit ca. 500 Köpfen. Dazu gehören Mittel, reichliche Mittel, welche aus der nächsten an sich ärmlichen Umgegend, zumal in einem Winter, wie der diesjährige, nicht beschafft werden können. Deßhalb richten wir an alle Menschenfreunde auch weiter hin die dringende Bitte uns schleunigst zu Hilfe kommen zu wollen. Es fehlt an Allein. Hauptsächlich erwünscht sind neben Geld: Kleider, Hülsenfrüchte und sonstige für die Suppenanstalt verwendbare Naturalien. Und mögen alle edlen Geber eingedenk sein des Satzes, daß doppelt gibt, wer rasch gibt! Alle Sendungen bitten wir an den Herrn Steuerempfänger Munk in Burghaun (Station der Frankfurt- Bebraer Bahn) zu adressiren und bemerken schließlich noch, daß wir Arbeits- austräge für die armen Weber, deren Geschicklichkeit in der Herstellung von Bildzeug und Damast anerkannt ist, besonders gern entgegennehmen würden.
Hünfeld, Burghaun und Langenschwarz, am22. Dezember 1878.
Da« Comite;
Fliedner, Landrath zu Hünfeld, Gunke», Amtsgerichtsrath i
«ehr, Oberförster zu Burghaun,
Munk, Steuerempfänger '
Mulzer, evangelischer Pfarrer ( ... Q4
«»über, katholischer Geistlicher f zu - angenschwarz.
Weizen 100 Kilogr. 22 M. 50 Pf. bis 23 M. 08 Pf. Roggen 100 Kliogr. 18 M. 55 Pf. bis 19 M. 40 Pf. Gerste 100 Kilogr. 18 M. — Pf. bis — M. — Pf. Hafer 100 Äilogr. 13 M. — Pf.——' bis 14 M. - Pf.
Der heutigen Nummer d. B» liegt für die Herren jvrt»v»r> stände der hiefigen Greise» das Sachregister pro 1879 bei
Zum diesseitigen Local-Gütertarif ist der vom 1. Januar 1880 ab gültige Nachtrag 14 herausgegeben. Derselbe enthält 1. Zusatzbestimmungen zu §§. 47 und 53 des Betriebs-Reglements und Aenderungen bezw. Ergänzungen 6er allgemeinen Tarif- vorschriften nebst Güter-Klassification und 2. Nollgebühren-Taxen für Nordbausen und Sangerhausen. Die Bestimmungen und Aenderungen bezw. Ergänzungen «ub 1 finden auf alle nach dem deutschen Resorm- fpstem bestehenden Directen bezw.Verbands- Verkehre, an welchen Die Diesseitige Verwaltung beteiligt ist, Anwendung.
Unsere sämmtlichen Eüterexpeditionen können nähere Auskunft ertheilen, auch können durch deren Vermittelung Exemplare dieses NachtragS a 10 Psg. bezogen werden. Frankfurt a. M., ben 20. Dezember 1879.
Königliches
Eisenbahn-Direction.
Mein großes Lager von reingehalteiien Weissweinen, Ungar- & Smyrna-WeiV
sowie mein Depot in franz. Roth weinen
von J. W. Ahles Lohn in Hannover halte angelegentlichst empfohlen. r
//. Schwärzet.
Anzeigen.
Landwirthschastlichtt Kttisvercin Hers selb.
Zur AtlSschußsitzung auf
Montag den 12. Januar 1880 Nachmittags 3 Uhr lade ich die Herren Vereinsgenossen hiermit ergebenst in das Landsiedelidje Gasthaus nach Oberlengsfeld ein. Wilhelmshof, den 29. Dezember 1879.
Der Ausschußvorsteher:
F. Oldenburg.
Tagesordnung:
1) Geschäftliches
2) Vertrag des Herrn Geometer Hüfer
Mais und Maisschrot,
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Ph. Mayfärth & Co., Maschinenfabrik, Frankfurt
über die Vortheile bei der Verkoppelung.
3) Berathung über die Errichtung von Konsumvereinen.
4) Bericht über Die Sitzungen des CongreffeS deutscher Landwirthe im Februar 1879.
Gesangbücher
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