stand sich vorfindet. Nachdem sämmtliche Saugschläuche angeschraubt sind, werden sie senkrecht in das Wasser herabgelassen und durch Pumpen die Saug- sähigkeit der Spritze constatirt.
Bei dieser Probe muß die Spritze noch einen gut geschlossenen Strahl abgeben, Fehler in den Schläuchen werden sofort erkennbar sein.
B. Die Luftp robe wird ausgeführt:
a. mittelst des Manometers.
Alan bringt das Manometer mittelst einer s. g. Verkoppelungsschraube an dem Ausgang der Spritze an, pumpt darauf bei geöffnetem Saugschlauche so lange bis sich die Ventile in Folge des inneren Druckes nicht mehr öffnen. Bei diesem Stand muß das Manometer 2 kg pro 1 qcm zeigen und dars innerhalb eines Zeitraums von zwei Minuten höchyeus 1 kg zurückgehen.
b. ohne Manometer.
Man schließt den Ausgang der Spritze und pumpt so lange, bis die Ventile nicht mehr schlagen. Bleiben die Druckhebel alsvann horizontal stehen und läßt sich keinerlei Zischen im Innern der Spritze vernehmen, so ist die Spritze in allen Theilen dicht. Wird nach zwei Minuten der Ausgang wieder geöffnet, so muß die Luft mit knallendem Geräusch entweichen.
C. Die Wasserprobe wird ausgeführt:
a. mittelst des Manometers.
Man schraubt das Manometer an den Ausgang der Spritze und zieht durch den Saugschlauch so lange Wasser ein, bis das Manometer einen Druck von 10 kg pro 1 qcm zeigt. Innerhalb zwei Minuten darf der Zeiger nicht unter 8 kg zurückgehen.
b. ohne Manometer.
Man schließt die Ausgänge und läßt so lange Wasser einpumpen bis die Spritze seststeht, wobei undichte Stellen durch Vordringen von Waffertheilchen sich nicht zeigen dürfen.
§ 5. Die Leistungsfähigkeit der Spritze, insbesondere ob dieselbe in bestimmter Zeit eine genügende Waffermenge fördert, ob der Strahl ununterbrochen gleichförmig und dicht ist und auf genügende Entfernung sich noch wirksam zeigt, muß besonders sestgestellt werden.
AIs Anhalt für die Beurtheilung dient folgende Norm:
Beträgt der Cylinder-Durchmesser 10 cm und hat die Spritze 24 cm Hubhöhe, so ist der Cubikinhalt des Cylinder r 2 L oder 5. 5. 3,14 78,5.
24 — 1884 ccm. Dieser mit der Anzahl der Cylinder (2) und der in jeder Minute zu machenden Zahl der Dovpelhube (55) multiplicirt, ergiebt als Wasser- lieferung pro Minute 1884. 2. 55 207,240 ccm - 207,24 Lit. in der Minute.
Um die Waffermenge genau controliren zu können, darf nur aus einer geaichten Bütte gesaugt oder in dieselbe gepumpt werden.
Die Wasserlieferung soll
a. bei einem Cylinder-Durchmesser von 100 mm - 160 Lit. aus 26 m Wurfweite,
b. bei einem Cylinder-Durchmesser von 115 mm 220 Lit. auf 28 m Wurfweite,
c. bei einem Cylinder-Durchmesser von 130 mm 280 Lit. aus 30 m Wurfweite,
d. bei einem Cylinder-Durchmesser von 145 mm — 350 Lit. auf 33 m Wurfweite,
betragen. Hierbei sind stets 55 Doppelhube in der Minute, sowie die Verwendung eines nicht über 2 m langen Schlauchstücks angenommen. Die Wurfweite ist vom Mundstück bis zum Ende des Strahles zu messen.
Bei anderen Cylinder-Durchmessern müssen die Leistungen den vorstehenden proportional sein und darf die wirkliche Wafferlieferung nicht weniger als 95g der berechneten betragen. Casfel am 20. Mai 1879.
Königliche Regierung, Abth. des Innern,
Hersfeld, den 1. Dezember 1879.
Der Erlaß der Polizeiverordnung betreffend die Untersuchung des Schweinefleisches aus Trichinen hat, wie bekannt geworden, mehrfach zu der irrthümlichen Auffassung geführt, als sei davurch die polizeiliche Anordnung vom l4.Juli 1853betreffend die Besichtigung des zum Weitaus geschlachteten Viehes bezüglich der Schweine außer Anwendung gekommen.
Ich nehme hieraus Veranlassung, die Herren Ortsvorstände des Kreises anzuweisen, die gedachte, nachstehend *) abgedruckte Anordnung in Ihren Gemeinden durch wiederholte öffentliche Bekanntmachung in Erinnerung bringen zu lassen, und strenge darauf zu halten, daß die beregte Vorschrift in allen Fällen, wo Vieh zum Verkauf geschlachtet wird, Beachtung findet, namentlich auch dann, wenn z. B. Wirthe Schweine schlachten, um Fleisch oder Wurst davon an ihre Gäste zu verabreichen.
10602. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
*) Vieh darf ohne vorhergegangene Besichtigung desselben durch die Schätzer und Marktmelfter beziv. die Vlehbeschuuer nicht zum Verkaufe des Fleisches gebracht werden bei £ bis 5 Thaler Strafe.
Hersfeld, am 14. Juli 1853.
Kurfürstliches Landrathsamt Aufsarth.
Der seitherige Bürgermeister Wilhelm Großcurth zu Unter- Haun ist auf weitere acht Jahre als Bürgermeister dieser Gemeinde bestätigt und verpflichtet worden. ___
Gesunden: ein Krug mit Fett (Wagenschmier). Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.
1538. Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der in Form eines Flugblattes mit dem Titel „Ein Wort an die Armen" in London herausgegebene Separalabdruck von den in der am 15. November 1879 erschienenen Nummer der zu London herausgegebe
nen periodischen Druckschrift „Freiheit" enthaltenen Artikeln „Hungertyphus", „Vernichtet die Infamie" und „Es lebe die Ordnung", welchem sich eine Empfehlung der „Freiheit" «»schließt, nach §. 11 des gedachten Gesetz s durch die unterzeichnete Landespolizeibehörde verboten ist
Berlin den 22. November 1879.
Königliches Polizei-Präsidium, von Madai.
Tagesbegebeuheiten.
Chemnitz, 2. Dez. Das „Chemnitzer Tageblatt" meldet: Gestern Abend ist im zweiten Zwickauer Brückenbergschachle die Beleg,nannschaft durchschlagende Wetter verunglückt. Man befürchtet, daß 70 bis 80 Menschen den Tod gefunden haben. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange.
— Ein offizielles Telegramm aus Dresden, 3. Dezember, meldet: Das Grubenunglück in Zwickau erfolgte bei einer Belegschaft von 150 Mann, von welchen nur gegen 70 gerettet find. Bis gestern Nachmittag 4 Uhr waren 5 Leichen zu Tage gefördert mürben, die Unbrauchbarkeit des zweiten Fördergerüstes verhinderte eine weitere Rettung; verunglückt sind auch beide Steiger. Die Leute arbeiteten in einer Tiefe von 660 Meter.
— Der Stadtrath zu Zwickau erläßt einen Aufruf zur Linderung der Noth der ihrer Ernährer beraubten Familien. Dem hiesigen „Tagebl." tele- graphirt man vom 3.: Grauenhaft ist das Unglück, bei dem 88 kräftige Bergleute, die kaum angefahren waren, um den Ihrigen den kargen Unterhalt zu verdienen, den Tod fanden. Händeringend rekognvsziren die Angehörigen die bis jetzt zu Tage geförderten 55 in langen Reihen hingestreckten Leichen. Der betroffene Schacht von 1000 Ellen Tiefe mit vier Flötzen steht mit dem ersten und vierten Schacht derselben Gesellschaft in Verbindung. Sämmtliche Arbeiter des untersten Flötzes, wo die Explosion stattfand, kamen ums Leben. Die Arbeiter der oberen Flötze wollten sich nach dem vierten Schachte retten, erreichten diesen aber nur theilweise, während die anderen von dem Gase cingeholt wurden. Steiger Weber mit acht Bergleuten eilte durch den vierten Schacht zu Hülfe, wurde aber mit seinen braven Begleitern erstickt auf der Verbindung aufge'. funden. Verbrannt und verstümmelt wurden die jetzt zu Tage geförderten Todten circa 15 Meter von ihren Arbeitsorten entfernt, wohin sie von der Gewalt des Druckes geschleudert, aufgesunden. Die traurige Arbeit der Leicheu- förderung wird heute Abend beendet sein und morgen soll die Beerdigung der aus 89 angewachsenen Verunglückten in Trupps von 6 Mann nach den Kirchhöfen der betreffenden Wohnorte stattfinden. Der Schacht ist unverletzt, so daß die Kohlenförderung sofort wieder beginnen kann.
Moskau, 2. Dez. Gestern Abend, als sich der Kaiser bereits hier in Moskau besand, verunglückte ein noch unterwegs befindlicher zweiter kaiserlicher Zug durch eine Explosion, wobei ein Bagagewagen in die Luft gesprengt wurde und 7 Waggons entgleisten. Personen sind nicht verletzt worden. — Das Haus, aus welchem die Mine geführt worden war, ist entdeckt.
Kitte der Vögtein im Winter.
Sobald in harter Winterszeit Zur Erde wirbeln weiße Flocken, Sind alle Spatzen Bettelleut' Und zwitschern: „Gebt uns ein Paar Brocken!" Der bunte Fink gar kläglich piebt: „Ist Niemand, der mir Futter gibt?
Geschäftig hüpft im kahlen Strauch
Von Zweig zu Zweig die flinke Meise;
Die munt’re Kleine hungert auch Und pfeift bekümmert ihre Weise: „Die Würmer sind jetzt alle weg, „O, gebt mir Armen Fleisch und Speck!"
Den Ammern ist der Tisch verschneit, Und leer ist ihie Speisekammer;
Das gelbe Völkchen hungrig schreit: „O, habt ein Herz für unsern Jammer! Der böse Winter kaum beginnt Und keines mehr ein Körnchen find't!"
Kurz, die gesammte Vogelschaar, Sie klagt: „Kern Bäcker will uns borgen; D'rum helft! Ihr seht ja die Gefahr! Verscheucht auch unsre Nahrungssorgen; Streut Futter aus zur Winterszeit, Wir bitten, habt Barmherzigkeit!"
Und wenn die Gärten wieder blüb'n, Dann werden wir uns dankbar zeigen, Und unser Lied im Waldesgrün Soll tönen Euch von allen Zweigen; Wir tilgen jedes Raupennest, Wenn man uns jetzt nicht darben läßt!
K. B. Ohrenberg.
Fruchtpreise.
Weizen 100 Kilogr. 22 M. 15 Ps. bis 22 M. 90 Pf. Roggen 100 Kilogr. 17 M. 50 Pf. bis 18 M. 75 Pf. Gerste 100 Kilogr. 16 M. 90 Pf. bis 18 M. 10 Ps. Hafer 100 Kilogr. 13 M-— Pf. bis 14 M. - Pf.