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Sonnabend den 29. November
1879.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark yro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hers seid.
Hersfeld, am 26. November 1879.
Die Ortspolizeivermaltungen und die Königlichen Gendarmen des Kreises werden benachrichtigt, daß nach einer Entscheidung der Königlichen Regierung zu Cassel vom 17. November d. I., A. II. Nr. 11545, die Bestimmung im §. 1 der Bauordnung vom 1. Januar 1875 in Betreff der Einfriedigungen an der Straße sich auf sämmtliche Ortsstraßen und nicht blos auf Staatsstraßen und Landwege bezieht.
12738.Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 26. November 1879.
Mit Ostern 1880 beginnt in der ständischen Taubstummen- Anstalt zu Homberg ein neuer Lehrcursus. Die Eltern und Erzieher derjenigen taubstummen Kinder, welche in den Jahren 1871 und 1872 geboren find, we-den darauf aufmerksam gemacht, daß Dieselben behufs Ermöglichung der Aufnahme in die genannte Anstalt spätestens bis zum l. Februar k. I. bei dem Anstaltsvorsteher zur Anmeldung kommen müssen. In Fällen bescheinigter Armuth ist die unentgeltliche Aufnahme der Kinder bezw. die Uebernahme eines entsprechenden Theiles der Erziehungs- und VerpflegungSkosten Seitens der Anstalt nicht als ausgeschlossen zu betrachten.
In Betreff der Einreichung der Aufnahme-Gesuche verweise ich auf die Bekanntmachung des Herrn Landes-Direclors vom 26 Juni 1878 (cfr. meine Mittheilung vom 29. ej. Nr. 6344 Kreisblatt Nr. 53).
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden veranlaßt, die Eltern rc. der in Ihren Gemeinden etwa vorhandenen aufnahmefähigen taubstummen Kinder auf Vorstehendes noch besonders aufmerksam zu machen.
l2453._________Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 27?Rovember 1879~
Die in Folge dringender Anträge verschiedener belheiligten Gemeinden des hiesigen Kreises gepflogenen Verhandlungen haben endlich dahin geführt, daß vom I. Dezember d. I. ab im Anschlüsse an das zwischen Hersfeld und Fnedewalv bestehende, zuPostzwecken benutzte Privat-Personensuhrmerk eine Postverbindung zwischen Friedewald und Vacha mittelst Privat-Personenfuhrwerks eingerichtet worden ist.
Diese Einrichtung ist jedoch vorläufig nur als eine versuchsweise anzusehen, und wird nach Ulittbeilung der Kaiserlichen Ober-Post-Direction zu Cassel der dein betreffenden Fuhr-lluterneh- mer für die Mitbeförderung der Postsachen zugebilligte Veigütungs- betrag von 1500 Mark jährlich die äußerste Grenze bilden, bis zu welcher die Postverwaltung für die Kosten einzutreten geneigt ist.
Es würde daher dieWieoeraufhebung der Verbindung in Frage kommen müssen, wenn der Unternehmer etwa aus Anlaß eines ungenügenden Ertrages des Fuhrwerks später mit Mehrforderungen hervortreten sollte und die beteiligten Gemeinden für solchen Fall sich nicht dazu verstehen würden, den Mehrbetrag aus eigenen Mitteln zu decken.
Dre belheiligten Gemeinden werden daher schon jetzt hieraus hingewiesen.
Die gleichzeitig von mir wegen Verlegung des Postcourses Gerstung en-Vacha in das Werrathal gepflogenen Verhandlungen haben bis jetzt leider zu einem endgültigen Resultate noch nicht führen können, da dieser halb zunächst die Instandsetzung verschiedener Landwege
sich als nothwendig erwiesen hat und die betreffenden Kosten-Anschläge von der Bauverwaltung noch nicht gefertigt sind.
12682. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 29. November 1879.
Die Herren Standesbeamten des Kreises werden angewiesen, die Standes-Haupt- und Neben-Register für das Jahr 1880 durch einen schriftlich bevollmächtigten zuverlässigen Boten bis zum 15. Dezember d. I. hier abholen zu lassen.
Da voraussichtlich der in Ihren Händen befindliche Vorrath an Reserve-Formularen zum Nachhesten in die Standes-Register noch für das Jahr 1880 ausreichen wird, so werden dieses Mal keine bezüglichen Formulare mitgetheilt. Sollte dennoch ein Bedarf ein- treten, so können die betreffenden Formulare rechtzeitig vom Landraths- amt bezogen werden.
Denjenigen Herren Standesbeamten, welche in Folge meines Ausschreibeus vom 19. Juni b. J. Nr. 7164 (Kreisblatt Nr. 50) um Mittheilung von Formularen zu RegisterauSzügen nachgesucht haben, habe id) das betreffende Quantum pro 1880 den Standes- registern beigefügt.
12998. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
1521. Das durch meine Bekanntmachung vom I7ten Januar 1879 (Reichs- Anzeiger Nr. 15) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiterbildungs- veretn in London herausgegebenen periodischen Druckschrist: „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Das Volksgericht" zur Ausgabe gelangen. Berlin den 24. November 1879.
Der Reichskanzler. J. Vertr.: Eck.
1523. Aus Grund der §§. 11 u. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingesähr« llchen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. October 1878 ist die Druckschrift:
„Culturgeschichrliche Betrachtungen über die indische Mythologie von Carl Frohme Hanau 1879, Verlag von Math. Daßbach," von der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten worden. Cassel den 20. November 1879.
Königliche Reg ierung, Abth. des Innern.
Tagesbegebenheiten.
Aus Hessen-Nassau.
* Zuverlässigen Nachrichien zufolge sind die den Einwanderern in ben vereinigten Staaten von Nordamerika sich darbielenden Aussichten in Folge der fast in allen Erwerbszweigen gedrückten Geschäftsverhält- Nisse im Allgemeinen noch äußerst ungünstig, welches alle Diejenigen beachten und beherzigen mögen, bei denen die Auswanderungslust sich etwa regt.
Volkmarsen, 24. November. Ein Unfall, der sich in einer hiesigen Familie ereignete und von den schlimmsten Folgen hätte begleitet sein können, möge als Warnung vor Unachtsamkeit hier milgetheilt werden. Ein Dienstmädchen hatte eine mit Wasser gefüllte und fest verschraubte, kupferne Wärmflasche in den Ofen gesetzt, dieselbe zu erwärmen. Das Wasser fing an zu kochen, die darin sich entwickelnden Wasservämpse explodirten und sprengten mit solcher Vehemenz die Flasche in Stücke, daß der Ofen, zum Theil in Stücke zersprungen, unter furchtbarem Donnern und Krachen auseinanderfiel. Nuß und Rauch erfüllten das Zimmer und zwei vor dem Ofen sitzende Mädchen wurden vom umherspritzenden, fiehenben Wasser, eine am Arme leicht, die andere aber im Gesicht schwer verbrannt. — Die übrigen Insassen kamen mit einem vom Ruß geschwärzten Gesichte und dem bloßen Schrecken davon. (Tbl.)
— Harzger ode, 23. November. Gestern Nachmittag halb 3 Uhr explodirte, der „M. Z." zufolge, die dem Herrn Herm. Eisfeld gehörige, im Selkethale nahe der Silberhütte belegene Pulvermühle. Der Zimmermann