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AreisMmatt

für Den

.Kreis ^erssesö.

JV 93. Mittwoch den 19. November 1839.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 16. Nov. Der Großsürst-Thconfolger von Rußland und Gemahlin sind heute Vormittag 9| Uhr hier eingetroffen, auf dem Bahnhöfe vom Botschafter v. Oudril, dem Stadtcommandanten und Polizeipräsidenten empfangen worden und im königlichen Wagen nach dem russischen Botschasts-Hotel gefahren. Der Großfürst hatte sich jeden oificiellen Empfang verbeten und empfängt auch die zum Ehrendienst befohlenen Personen erst im Botschaftshotel.

Berlin, 16. Nov. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland und Gemahlin erhielten 12 Uhr den Besuch des Kaisers, der hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und ves Prinzen August von Württemberg. Der Kaiser trug russische Uniform. Das KronprinzUche Paar stattete hierauf dem Kaiser und den anderen hohen Herrschaften seine Gegenbesuche ab. Der Großfürst trug den Schwarzen übler Orben und die Uniform seines preußischen Ulanen-Regiments. Um 5 Uhr findet bei dem Kaiser Diener statt, an welchem die Prinzen und Prinzessinnen des könig­lichen Hauses, das Großfürstenpaar mit Gefolge, der russische Bot­schafter, der dänische Gesandte, der Picepräsident des Slaatsministe- riums Graf Stolberg und der Botschafter in Petersburg v. Schweinitz theilnahmen.

Pegli, 16. November. Der König und der Prinz Amadeus nebst Gefolge trafen heute Nachmittag 3^ Uhr hier ein, wurden auf dem Bahnhöfe, wo auch der Präfect von Genua und der hiesige Syndikus zum Empfang erschienen waren, von dem Kronprinzen des deutschen Reichs auf das Herzlichste begrüßt und begaben sich sodann zu Fuß mit dem Kronprinzen nach dessen Absteigequartier. Auf dem Wege dahin wurden die hohen Herrschaften von der zahl­reich versammelten Bevölkerung mit enthusiastischen Kundgebungen begrüßt. Der Bahnhof und die Häuser der Stadt waren mit italienischen und deutschen Fahnen, sowie mit Blumen und Guirlan­den festlich geschmückt. Aus Der Umgebung von Pegli und aus Genua waren zahlreiche Fremde hier eingetroffen. Der König und Prinz Amadeus nahmen in der kronprinzlichen Wohnung ein Dejeuner ein und kehrten, von dem Kronprinzen zum Bahnhof begleitet gegen 5 Uhr unter unausgesetzten enthustanischen Kunogebungen der Be­völkerung nach Genua zurück. Dem Kronprinzen, welcher sich von dem Könige und dem Prinzen Amadeus auf das Herzlichste ver­abschiedete, brächte die Bevölkerung bei der Rückkehr nach seiner Wohnung in freudigen Zurufen und unter den Klängen der preußischen Volkshymne ihre Huldigung dar.

Aus Hessen-Naffau.

Nesselröden, 12. November. Der Lehrer Möller aus Mar- kershausen ging vergangenen Sonnabend Abend, von Herleshausen kommend, nach Hause und wurde zwischen den i Stunde von eman- Der entfernt liegenden Dörfern Nesselröden und MarkerShausen von einem Unbekannten Überfällen und mit gewaltigen Schlägen derart tractirt, daß er bewußtlos in den der Chaussee entlang führenden Graben stürzte. Als sich der Schwerverletzte später Hülflos ein Stück Weges fortgearbeitet hatte, kam glücklicherweise zufällig ein Maurer des Wegs, welcher ihn nach Hause schaffte. M. hatte schreckliche Wunden am Kopfe erhalten. Der Thäler ist bis jetzt noch nicht entdeckt, jedoch hofft man demselben aus die Spur zu kommen. (Tgbl.)

Hanau, 11. November. Gestern Morgen reifte ein .hiesiger Bürger mit dem ersten Zuge nach Frankfurt. Gegen 10 Uhr erhielt dessen Frau eine Depesche folgenden Inhalts:Schicke nur sofort 250 Mark in diegoldene Luft" hierher." Darauf läßt dieselbe

sofort diesen Betrag per Post absenden. Wie der Mann Nachmit­tags nach Hause kommt, ausnahmsweise schon mit dem 3-Uhr-Zuge, stellt sich heraus, daß er weder um Geld telegraphier, noch solches erhalten hat. Die sofortige telegraphische Benachrichtigung der Post und Polizei in Frankfurt ermöglichte es gerade noch, daß mit dem Geldbriefträger auch gleich ein geheimer Polizeibeamter dergoldenen Lust" einen Besuch abstatten konnte. Seiner waren dieSchwindler" nicht zu Hause und können wir auch zur Stunde noch nicht sagen, ob sie später erwischt worden sind. (H. Ztg.)

Hanau, 14. Novbr. Bei der Hanauer Polizei-Behörde wurde am 10. d. M. zur Anzeige gebracht, daß einem Wirthe aus Langen- diebach, der einen Geldbetrag von 4000 Mark in Hanau erhoben haben soll, solcher auf dem Wege durch den Lamboi-Wald von räuberischer Hand abgenommen worden sei. Alsbald angestellle Nachforschungen nach dem angeblichen Straßenräuber sind jedoch bis jetzt ohne Erfolg geblieben. (F. Z.)

Als bestes Mittel, Petroleum zu löschen, wurde jüngst in den Zeitungen Milch empfohlen. Jetzt schreibt man auS Ilmenau: Bei einem dieser Tage durch Zerbrechen einer Petroleum­lampe entstandenen Brande hat sich das empfohlene Mittel ausge­zeichnet bewährt. Alle andere Versuche das entstandene Feuer zu löschen, blieben erfolglos, die Milch aber erwies sich als ein ^ent­schieden sicher und sofort wirksames Mittel. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, manches Unglück zu verhüten.

Zur Warnung für die Hausfrauen schreibt die Frankfurter Pc." vom 13. d.: Gestern hat unsere Marktpolizei wieder eine Entdeckung gemacht, die für unsere Hausfrauen nicht uninteressant sein Dürfte. Mehrere Bauersleute hatten nämlich ge­schlachtete Gänse auf den hiesigen Markt gebracht, die sich durch ihr hübsches Aussehen vor vielen anderen merklich auszeichneten. Bei dem näheren Betrachten derselben wurde jedoch bemerkt, daß diesel­ben nicht allein in Folge ihres Fleisches 2c. so hübsch rund waren, sondern daß auch die Luft einen großen Theil dazu beitrug. Denn als die innerhalb des Halses fest zugebundene Gurgel ausgeschnitten wurde, pfiff Die Luft vollständig aus derselben heraus und die Gans konnte man dann in ihrem natürlichen Zustande, ähnlich einem zu- fammengeflappten Blasebalg, im Gegensatz zu dem früheren, sehen. Da den betreffenden Verkäufern bemerkt wurde, daß sie bei einem derartigen Verfahren eventuell wegen Betrugs mit dem Strafgesetz in Conflict gerathen können, so werden sie wohl das Aufblasen der Gänse unterlassen, trotzdem wollen wir aber doch den Käufern immer­hin Vorsicht anempfehlen.

Bochum, 15. 'November. Gestern Abend gegen 6^ Uhr explovirte auf Dem Bochumer Verein ein Dampfkessel des Schienen­walzwerkes. Die Eisentheile des Kessels wurden bis auf 300 Fuß weit geschleudert, das Dach des Gebäudes zerrissen, Mauern stürzten ein. Leider sind drei Arbeiter umgekommen; Die Leiche des einen war durch das Dach über 100 Schritt weit fortgeschleudert und wurde erst heute Morgen in Der Dachrinne in einer Höhe von 50 Fuß aufgesunden. Durch Die siedenden Dämpfe des Kessels, welcher in Drei Theile zersprang, sowie durch Die umhergeschleuderten und Herabstürzenven Trümmer des Daches und der Mauern wurden ferner mehrere Arbeiter mehr oder minber erheblich verletzt.

Der belgische Postdampfer Nederland, Capitän Stokes, der Red Star Linie begegnete auf seiner Reise von Philadelphia nach Antwerpen am 31. Octobec dem auf der Reise von Bibao nach New York begriffenen Dampfer Guitubay, welcher schwer havarirt, unterzugehen drohte. Die Mannschaft oes Guitubay, 31 Mann, wurde vom Nederland in Booten gerettet und nach Antwer­pen gebracht, das Schiff selbst aber rettungslos verlassen.