Von zwei fremden Männern ist auf der Straße von der langen Haide nach Reckerode eine Aufhaltekette angeblich gefunden und an mich abgeliefert worden. Der Eigenthümer kann dieselbe bei mir in Empfang nehmen. Frielingen, den 11. November 1879.
Der Bürgermeister Schmidt.
In Folge Beschlusses Königlicher Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domainen und Forsten zu Cassel vom 1. d. Mts. C. I 12177 konnte dem Exekutionsgehülfen Bieckhardt zu Nie- deraula, die von demselben bis jetzt versehene zweite Executorenstelle als nicht versorgungsberechtigter Militair-Anwärter verliehen werden und ist deshalb diese dem seitherigen Hülfs - Exekutor Stadermann zu Gaffel nach obigem Beschlusse übertragen worden.
rc. Bieckhardt scheidet mit dem 17. d. MlS. aus und hat von diesem Zeitpuncte an keinerlei Geschäfte für die hiesige Kasse mehr zu besorgen, was den Herren Bürgermeistern des hiesigen Bezirkes zur eigenen Kenntnißnahme und zur Veröffentlichung in ihren Gemeinden auf örtsübliche Weise, bekannt gemacht wird.
Hersfeld, den 10. November 1879.
Königliche Steuerkasse. Wiskemann.
1466. Das durch meine Bekanntmachung vom 17ten Januar d. I. (Amtsblatt Nr. 6) erlassene Verbot der vom kommunistischen Ar- beiterbildungsoerein in London herausgegebenen.periodischen Druckschrift: „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Ausschrift „Der Hammer" zur Ausgabe gelangen. Berlin den 4. November 1879.
Der Reichskanzler. J. Vertr.: Eck.
Berlin W., 3. November 1879.
Po st Verbindung mit Australien.
Durch die Dampfer der „Orient Line“ wird zwischen Plymouth und den Australischen Hafenorten Adelaide, Melbourne und Sydney eine in der Regel monatlich einmalige Verbindung unterhalten. Mit diesen Schiffen, deren Abgangszeiten indeß nicht im Voraus festgesetzt sind, können auch Briessendungen, mit Ausschluß von Einschreibsendungen, nach Australien befördert werden, wenn dieselben die Bezeichnung „via Plymouth, by private ship“ tragen. Das Porto für die dem Frantirungszwange unterliegenden Sendungen beträgt für Briefe 60 Pfennig für je 15 Gramm, für Drucksachen und Waarenproben 10 Pfennig für je 50 Gramm, für Waarenproben jedoch mindestens 15 Pfennig.
Kaiserliches General-Postamt. Wiebe.
Tagesbegebenheiten.
Aus Heffen-Naffau.
Cassel, 9. Nov. Ueber das Unglück, das sich am Donnerstag früh 5| Uhr auf der noch im Bau begriffenen Strecke der Cassel - Waldkappeler Bahn zwischen Lichtenau und Helsa ereignet hat, entnehmen wir dem „N. A." folgendes Nähere: Um genannte Zeit fuhr der dortige Schachtmeister mit mehreren Personen — darunter 2, welche eben als Recruten in Cassel zum Militär eintreten wollten — in einer Lowri das ziemlich starke Gefäll der Eisenbahnlinie, ohne zu bremsen, herunter, um desto schneller die jenseitige Höhe zu erreichen. Am Fuße dieser Höhe ist ein Barriere, welche nicht geschloffen war, da der betreffende Wärter erst von 6 Uhr ab Dienst hat. Das Unglück wollte, daß gerade ein Fuhrwerk dieselbe passirte, als die Lowri angesaust kam. Dieselbe zermalmte das Pferd, die Personen stürzten von der Lowri herab, und was sich nun den Augen darbot, kann eine Feder schwer beschreiben. Der Schachtmeister lag zerrissen als Leiche neben dem Wagen, dem einen Recruten waren beide Beine abgefahren, dem anderen die Brust lebensgefährlich gequetscht. Sämmtliche Personen (es sollen 9 sein) lagen todt oder schwer verwundet am Erdboden. Es war ein Bild des Schreckens und des Jammers. Das Unglück hat der Schachtmeister — welcher eine Wittwe und 2 Kinder hinterläßt — verschuldet und er mußte seine Fahrlässigkeit mit dem Tode sühnen. Hätte er nicht vor 6 Uhr und in der Dunkelheit die Fahrt begonnen, dann wäre der Wärter im Dienste und mithin die Barriere geschloffen gewesen. (Tgbl.) t Cassel, 10. Novbr. In der vorigen Nacht brach in Wehl- heiden in der Bureaulocalität des dortigen Postamts Feuer aus. Verursacht war dasselbe durch die Explosion einer Petroleumlampe, bei welcher der klein geschraubte Docht nach Innen gebrannt war und so das Petroleum entzündet hatte. Das Feuer hatte rasch um sich gegriffen, wurde aber bald gelöscht. Der innere Raum des Bureaus war vollständig ungebrannt, die Wände, Thür- und Fensterbalken waren verkohlt, dagegen ist von Postsachen, als Briefen rc. nichts verbrannt. (Tgbl.)
Heldenbergen, 10. Nov. Bei Ausrüsten des zweiten Bogens der Nidderbrücke (Hanau-Friedberger-Bahn) stürzte derselbe und durch die Erderschütterung auch der erste Bogen ein. Sieben oder acht Arbeiter sind todt.
Vil b el, 9. Nov. Das gestern gemeldete Heldenberger Unglück wird durch die Mittheilungen des »Fr. Journ." wie folgt, dargestellt:
Kaum war die Verschaalung aus einem eben vollendeten Bogen entfernt, als derselbe, durch Nachgeben der Wiederlager gelockert, ein- stürzte und durch die aus einer Höhe von 24 Meter herabstürzenden Steine 8 Arbeiter sofort getödtet wurden, der neunte ist heute Nacht seinen Leiden erlegen; 20 andere sind mehr oder minder schwerverletzt; die Verunglückten sind meistentheils verheirathet und sollen die zum Theil mit ihren Kindern auf dem Arm zur Unglücksstätte eilenden Frauen einen herzzerreißenden Anblick dargeboten haben. Von hier ist sofort, nach Bekanntwerden des traurigen Vorfalls, die Staatsanwaltschaft zur Untersuchung an Ort und Stelle abgegangen.
Frankfurt a. M., 9. Nov. Zwischen Frankfurt und Mainz fuhren gestern Abend 7| Uhr bei Bischofsheim zwei Personenzüge ineinander. Drei Personen wurden gelobtet, mehrere andere schwer verwundet. Die „Frankfurter Ztg." meldet darüber Folgendes : Der um 6 Uhr Abends von Frankfurt nach Mainz abfahrende Personen- zug stieß zu der oben angegebenen Stunde mit dem gegen 7^ Uhr aus Mainz abfahrenden Personenzug zusammen. Beide Maschinen wurden beschädigt, ein Personenwagen 2. Classe und 2 Gepäckwagen des Frankfurter Zuges zertrümmert. Drei Menschenleben sind zu beklagen; ein Bremser der Rheinischen Bahn und eine Frau mit Kind (aus Mainz). Fünf oder sieben Schwerverwundete liegen im Wartesaal zu Bischofsheim, wo ihnen Die nöthigste ärztliche Hilfe zu Theil wurde; sämmtliche Verunglückte gehören dem aus Frankfurt abgefahrenen Zuge an. Als Ursache des Unglücks wird falsche Weichenstellung angegeben.
Berlin, 9. Nov. Die neunjährige Tochter eines Gymnasiallehrers ist vor einigen Tagen an einer Vergiftung gestorben, Die dadurch herbeigefühlt wurde, daß das Kind drei Tage vor seinem Tode eine Schere aus der Hand auf den Erdboden fallen ließ. Während des Fallens streifte die Spitze der Scheere den linken Unterschenkel und verursachte eine sehr geringfügige nicht schmerzhafte Verletzung, und erst mehrere Stunden vor dem Tode wurde die eigentliche Krankheit des Kindes ermittelt. Wahrscheinlich war mit der Scheere, kurz bevor sie in die Hände des Mädchens gelangte, ein giftiger Stoff durchschnitten worden, und das an der Spitze der Scheere zurückgebliebene Gift war in die kleine Wunde des Unterschenkels der Verstorbenen sodann eingedrungen.
— Wie vorsichtig man mit Benzin umgehen muß, das zeigt wieder ein von der „Kreuzztg." erzählter Unfall. Eine in Berlin wohnende Frau reinigte den Paletot ihres Sohnes mit Benzin und wollte den Rock nach der Reinigung aufbügeln. Als sie mit dem heißen Eisen die Benzinstellen berührte, entwickelten sich Dämpfe, die sich an dem heißglühenden Eisen entzündeten und den Paletot in Flammen setzten. Die Frau erlitt Brandwunden an den Händen.
München, 5. Nov. Gestern wurde in unserer weltberühmten Erzgießerei das Schwert der „Germanra" für das colossale SiegeS- denkmal am Niederwald nach Schillings Modell gegossen. Vierzehn Centner Erz brodelten im Ofen, wovon ein Theil, nachdem der Zapfen kaum ausgeschlagen war, bis an bie Decke explodirte. Ein wiederholter Krach, als ob zehn Kanonenschüsse auf einmal gelöst würden, trieb die anwesenden Arbeiter auseinander, die außer dem Gießhause zusammenliefen, alle in Angst, das Werk sei mißlungen. Der Director, Ferdinand von Miller jun., wollte das Schwert nicht in zwei Stücken, sondern als ein Ganzes gießen; da aber dasselbe zweiundzwanzig Fuß Länge hält, sollte die Gießgrube zur Aufnahme der Form vertieft werden, als man aus Grundwasser stieß. Jetzt war die seitliche Lage für die Gußform geboten, wobei die Luft nicht sofort sich entbindet; dazu stieß die glühende Klaffe auf die kalten Eisenstangen, welche den Guß binden, damit das Erz beim Abkühlen nicht zu bersten vermochte. Acht Lustöffnungen von einem halben Fuß Durchmesser waren gelassen; durch sie fuhr nun das eherne Gijcht mit furchtbarem Geprassel aus. Es ging schrecklich und doch natürlich zu. Als man heute die Form zerbrach, um die verlorenen Stücke herauszunehmen, siehe, da war, Tank dem Ueberflusse an Metall, das Schwert mit neun Centner» Gewicht im Guß vollkommen gelungen.
Cö tn. „Unsere beiden Domthürme ragen bereits in die Wolken hinein!" bemerkte ein Herr, welcher neulich eine Weile die tiefgehenden Wolken beobachtete und dabei die Wahrnehmung machte, daß die erste Etage der Thurmhelme ab und zu durch eine derselben den Blicken entzogen wurde. Die beiden Steinriesen sind aber auch jetzt schon die höchsten Bauwerke der Erde; sie überragen den 144,20 m hohen Thurm der Nicolaikirche zu Hamburg um etwa 1,50 m. Bei ihrer Vollendung messen sie vom Straßenpflaster des Domklosters ab gerechnet 160 m, vom Fußboden der Kirche ab 157 m Nachstehend sind die Höhen der bedeutendsten Hochbauten zusammenge- stellt: Thürme des Gölner Doms 160, bezw. 157 m, Nicolaithurm zu Hamburg 144,20, Peterskirche zu Rom 143, Müusterlhurm zu Straßburg 142, Cheops-Pyramide 137, Thurm von St. Stephan in Wien 135,30, Thurm von St. Martin zu Landshut 132,50, Münsterthurm zu Freiburg 125, Domthurm zu Antwerpen 123,40, Dom zu Florenz 119, Paulsktrche zu London 111,30, Dachreiter des Gölner Doms 109,80, Domthürme zu Magdeburg 103,60, Thürme der Vollvkirche zu Wien 96, Rathhausthurm zu Berlin 88, Thürme von Notre-Dame zu Paris 71 m (G. Z.)