S Ungedanken, 3. Nov. Bei dem gestern hier stattgehabten Krrchweihfest kam es zu einer argen Schlägerei. Die Veranlassung dazu soll gewesen sein, daß die Burschen aus dem Orte von den Auswärtigen Eintrittsgelder forderten, was man sich nicht wollte gefallen lassen. Die Musik spielte zum Tanz im zweiten Stock des Weber'schen Hauses. Die Eingangsthüre wurde geschlossen und die Schlägerei ging los, wobei die Messer gebraucht wurden. Die Frauen rc. flüchteten sich auf den Speicher, Andere schrieen zum Fenster hinaus um Hülfe und verlangten Leitern zur Befreiung. Bald war Alles im Dorfe vor dem Hause versammelt und die Thüre wurde mit Gewalt geöffnet. Bis Hülfe heibeikam, waren mehrere Personen mit Messerstichen arg zugerichtet. Auch soll eine Frau darunter gewesen sein. (C. Tgbl.)
Trarbach a. Mosel. In der Nacht vom 1. zum 2. November brannte, wie man der „Post" schreibt, ein großer Theil des gegen« Überliegenden großen Dorfes Traben nieder. Das Feuer kam inmitten des Ortes aus, wo derselbe aus ganz engen und winkligen Gassen bestand und die uralten Häuser sämmtlich von Holz-Fachwerk waren. In drei Stunden waren ca. 60 Häuser in Asche gelegt und etwa 120 Familien obdachlos; eben werden von Neuem Freiwillige zu- sammengetrommelt, da sich der fortglimmende Brand noch einiger Kellereien zu bemächtigen droht. Während die Paläste der großen Weinfirmen längs der Mosel verschont geblieben sind, hat der Schaden ausschließlich kleine Winzer betroffen, welche um so härter durch das Brandunglück heimgesucht worden sind, da die Weinernte dieses wie der vergangenen Jahre ganz ausgefallen ist und die Leute schon zu beträchtlichem Theile verschuldet waren.
Eupen. Von einem entsetzlichen Unglück wurde, wie die Aachener Zeitung berichtet, am 30. v. M. eine hiesige angesehene Familie betroffen. Beim Abendessen kamen Krammetsvögel auf den Tisch, und da für die aus sechs Personen bestehende Familie nur elf Vögel vorhanden waren, so theilten sich schließlich die beiden älteren Töchter in einen Vogel, indem jede eine Hälfte verzehrte. Zwar wurde von beiden ein außergewöhnlich bitterer Geschmack bemerkt und dies auch geäußert, dieser Umstand jedoch zu vielem Wachholder zugeschrieben. Nach etwa zwanzig Minuten, während welcher Zeit man sich unterhielt und die beiden Damen sich mit Handarbeiten beschäftigten, bemerkte die eine derselben, daß sie sich nicht vom Stuhle erheben konnte, während die andere im selben Augenblicke über ein eigenthümliches Gefühl im Kopse klagte. Jetzt traten in steigender Reihenfolge die Symptome einer schweren Vergiftung ein, namentlich Beklemmungen, Krämpse und Lähmungserscheinungen. Möglichst rasch beschaffte lauwarme Milch, warmes Wasser und von den zwei herbeigerufenen Aerzten verordnete starke Brechmittel hatten nur bei der älteren Tochter Erfolg, während bei der jüngeren die Lähmung schon zu weit vorgeschritten gewesen sein muß, so daß eine Reaktion nicht ein- trat und das arme Mädchen nach kaum einer halben Stunde, seit Beginn der ersten Vergiftungserscheinung, in einem Krampfanfall verschied. Die ältere Tochter war erst nach Verlauf von fünf bis sechs Stunden außer Lebensgefahr. — Die Symptome deuten auf eine Strychninvergistung und haftet der einzig mögliche Verdacht an dem getheilten Krammetsvogel. Dieser Vogel muß ein sogenannter „Fuchsvogel," das ist ein zur Vergiftung von Füchsen mit Strychnin präparirter Vogel gewesen sein. Thatsächlich werden mit Strychnin vergiftete Vögel im Winter in den Wald gelegt, um Raubwild zu vergiften, und vieler« seits hört man, daß auch Krammetsvogelsänger sich solcher bedienen und vergiftete Vögel sogar an geeigneten Punkten in der Nähe ihrer ausgehängten Reihe von Schlingen hinlegen oder in die Schlingen hängen, damit der Fuchs welcher sonst der ganzen Reihe eingefangener Vögel verderblich werden kann, möglichst bald vergiftet ist. Die dem Vogel künstlich ins Innere gebrachte Dosis Strychnin ist so stark, daß der Fuchs nicht weit damit läuft. Der Schlingensteller kennt natürlich seine giftigen Vögel, doch denkbar ist es wohl, daß ihm ein Irrthum passiven kann, da die giftigen Vögel so aussehen müssen, wie die anderen frisch gefangenen, um den Fuchs damit zu täuschen. Dazu kommt noch die Fäulniß verhindernde Eigenschaft des Strychnins, wodurch der vergiftete Vogel sich länger frisch erhält und ein Irrthum begünstigt wird. Ost kommt es vor, daß ein Wilddieb sich der Beute bemächtigt, und da er die vergifteten Vögel nicht kennt, so ist es leicht möglich, daß er diese mit ab« nimmt oder auflieft, und mit den gesunden dem Händler verkauft. Wie leicht ein schreckliches Unglück auf diese Weise herbeigeführt werden kann, ist einleuchtend, und es ist nur zu verwundern, daß es nicht häufiger vorkommt.
Feuilleton.
Jürftin unö ■Bedienn.
Erzählung von Vr. Heinrich Penn.
I. Ein Maskenball beim Fürsten Metternich.
Der Wind pfiff durch die Baumwipfel des Parkes und schüttelte die Schneemassen von den Bäumen.
Und am Himmel zerriß er die Wolken, daß sie in abenteuer« liegen Formen über den tiefblauen Grund flogen.
Der Mond schien nun die Nitzen hindurch auf die verschneiten Wege der Anlagen, welche das Palais Metternich am Nennweg in Wien von mehreren Seiten wie ein Saumgürtel umfäumten.
Die sanften silberfarbigen Mondstrahlen kontrastirten eigenthümlich mit dem grellen röthlichen Lichte, welches Hunderte von Kerzen ans den Fenstern des Palais auf die vereinsamten Gänge und Alleen dort unten warfen.
Oesterreichs gewaltiger Minister gab eines jener glänzenden Feste, deren Arrangement der damals vielgenannte Thealerdirektor Carl
mit dem ausgesuchtesten Raffinement und einer überaus üppigen Erfindungsgabe besorgte. Und was in der Residenz durch Geist, Rang und Reichthum an der Spitze der Gesellschaft stand, war in den blendend erleuchteten, mit verschwenderischem Luxus dekorirten Sälen versammelt.
Die Baumkronen des Parkes seufzten im Winde und stöhnten unter der schweren Last der Schneemassen. Sonst war es schweigsam daselbst und nur ein brechender Ast, der Sturz einer kleinen Schneelawine von den Bäumen unterbrach die Stille.
Doch horch, gegen die Hintertreppe des Palais zu wurde es jetzt lebendig, Thüren wurden geöffnet und Stimmen laut, die, wenn auch gedämpft, von heftiger Erregung Zeugniß gaben.
Ein schmaler Lichtstreifen fiel blitzartig auf den flimmernden Schnee, verschwand jedoch sogleich wieder.
„Weg mit der Laterne", befahl eine rauhe Stimme, „das Licht könnte uns verrathen, der Mond scheint hell genug." —
Der Mann, an welchen diese Worte gerichtet waren, nickte stumm mit dem Kopfe. Das Licht erlosch.
In diesem Augenblicke schritten zwei Personen die Treppe, welche in den Park führte, eilig hinab.
Zwei hohe, kräftige Gestalten, von jener Haltung, wie sie den Kavalieren eigenthümlich ist, aber sonderbar genug kostümirt, die eine als Arlequin, die andere als Pierrot.
Es war also ein pikantes, hocharistokratisches Maskenfest, welches heute im Palais Metternich gefeiert wurde.
Unter den jener Treppe zunächst stehenden Bäumen blieb der erste Mann stehen.
„Sollen wir noch weiter gehen?" fragte er. —
„Wozu?" antwortete der Zweite. —
„Dann hier." —
„Wie es Ihnen beliebt." —
Sie stellten sich einander gegenüber.
„Sind Sie bereit?" fragte der Erste. —
„Ich bin's" —
In diesem Augenblicke blitzten zwei Klingen im Mondstrahle und prallten klirrend aneinander.
Ein Duell! Vom luftigen BaUfeste ging es zum blutigsten Ernste, der Pierrot kämpfte mit dem — Arlequin auf Tod und Leben!
Und oben jauchzte die Musik, drehten sich die Paare im früh- lichen Tanze, schallte das Gelächter der Gäste beim schäumenden Champagner und dem berühmten Johannisberger des Fürsten Clemens Metternich.
Unten im einsamen Parke aber flammten zwei haßerfüllte Menschenherzen zorneswild auf, zerstampften die Füße der Kämpfenden den Schnee, neigten sich die Kronen der alten Bäume verwundert über die Kämpfenden, denn sie waren nur gewohnt, Scenen der Freude und Lust zu überschatten, das zärtliche Geflüster zweier Liebenden zu belauschen.
Jetzt gerieth der Pierrot in eine Schneetiefe, er wankte.
Im Augenblicke bemerkte sein Gegner den Vortheil.
„Sie sind in meiner Hand, Marchese!" rief er und sein Degen fuhr tief in die Brust des Feindes. —
Ein Blutstrahl sprang aus der Wunde.
Die Waffe entglitt der Hand des Getroffenen, er wankte.
Jetzt fiel er mit dem Ausrufe: „Arme Marie!" zu Boden. — „Kümmern Sie sich lieber um Ihr Leben!" rief der Arlequin, „Indeß ich habe mich gerächt." —
Damit eilte er davon.
Im Schnee aber, ein Sterbender lag der todtwunde Pierrot.
Das rothe Herzblut strömte über das weiße faltige Kleid.
Die Leichendlässe des Gesichtes bildete einen entsetzlichen Kontrast zu dem tollen, possenhaften Kostüm.
Und der Mond barg traurig fein Antlitz unter einer dichten Wolke und vom Himmel begannen die Schneeflocken herabzuwirbeln, erst fein und spärlich, aber immer dichter und voller, und fielen auf den Mann, der wie leblos da lag - weich, doch kalt gebettet — und kühlte die brennende Glut der Wunde und deckten das todt- bleiche Antlitz mir einem Schleier, gewebt aus glitzernden Krystallen.
(Fortsetzung folgt.)
Erfahrungen in der Nindviehzucht.
Von Schlosser — Kleinensee.
Im Allgemeinen kann man die bestehenden Rinderracen in zwei nach ihren äußeren und inneren Grundzügen von einander verschiedene Gruppen theilen: das Gebirgs- und das Niederungsvieh. Jenes wird hauptsächlich repräsentirt durch die Schweizer, dieses durch die Holländer Race. An diese beiden schließen sich je nach Maßgabe der Bodenformationen mehr oder weniger verwandte Un» terabtheilungen an. Die Kunst des Menschen hat sie oft mit einander vereinigt, um die hervorragenden Eigenschaften beider mit einander zu verbinden. Da das Schweizervieh auf den Alpen stets berg- auswärtsschreitend sich seine Nahrung sucht, so hat es nicht nöthig, sich sehr zu bücken, sein Hintertheil steht tiefer, als der übrige