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wenn der jungen Dame Unannehmlichkeiten daraus erwüchsen."

„Ich werde schweigen", sagte der Doctor mit gezwungenem Lächeln, während er an der Brille rückte, „schon die Rücksicht aus mich selbst gebietet mir das. Ist es Dir angenehm, wenn wir das Souper aus nächsten Sonntag festsetzen?"

„Du willst schon gehen?" fragte Otto überrascht.

„Ich habe noch einen Krankenbesuch zu machen."

„Und ich muß auch noch einmal in meinem Bureau nach­sehen", fügte der Bauführer hinzu, während er sich ebenfalls erhob; also am nächsten Sonntag, Abends acht Uhr im „Anker," wenn es Dir Recht ist!"

„Einverstanden!" nickte Otto, einen scherzenden Ton an­nehmend, „bis dahin habt Ihr hoffentlich den kleinen Aerger über­wunden."

„Aerger?" erwiderte der Doctor achselzuckend. „Richt das Souper ärgert uns, sondern Dein unverschämtes Glück!"

Damit verließen die Beiden den Garten, und schon in der nächsten Minute gab der Affeffor sich ganz den süßen Träumen hin, die seine Seele durchzogen.

III.

Der Kuß, mit dem Frieda dem Assessor gedankt hatte, war doch nicht so ganz unbemerkt geblieben.

Frieda hatte leider die Dame nicht gesehen, die in dem Augen­blick, in dem sie dem jungen Herrn den wohlverdienten Lohn gab, an ihr vorüberrauschte.

Diese Dame war die Gattin eines Seifensieders, sie verkehrte mit den ersten Kreisen der Gesellschaft und man wußte allgemein, daß sie eine böse Zunge hatte.

Das Unglück wollte ferner, daß Madame sich auf dem Wege zu einer Freundin befand, die gerade heute große Gesellschaft gab, — eine Stunde später war die Chronik der kleinen Stadt um ein aufregendes Ereigniß reicher.

Die Thatsache, daß Fräulein Frieda Kübel den jungen, erst seit einigen Tagen hier wohnenden Affeffor auf öffentlicher Prome­nade geküßt hatte, gab zu den seltsamsten, unsinnigsten Vermu­thungen Anlaß.

Verwandt waren die Beiden nicht miteinander, die Frau Ge- richtsdireclor kannte die Familienverhältniffe des Assessors ganz genau, auch konnte keine der anwesenden Damen sich erinnern, daß Fräulein Kübel jemals dieses jungen Herrn Erwähnung ge­than halte.

Was also lag dem höchst auffallenden Ereigniß zu Grunde? Hatten die Beiden schon früher, an einem anderen Orte einander kennen gelernt?"

Waren sie mit einander verlobt?

Ja, wer den Damen nur sofort diese Frage hätte beantwor­ten können!

Die Gatten und Väter wurden noch an demselben Abend mit diesen Fragen bestürmt, sie mußten sich verpflichten, die Lösung des dunklen Räthsels zu suchen, man begnügte sich jetzt nicht mehr mit scherzhasten Bemerkungen, die liebe Neugier verlangte Befriedigung, und über eine so ernste Sache durfte man nicht leichtfertig hln- weggehen.

War der Affeffor Hagen ein Don Juan und Fräulein Kübel möglicherweise — aber nein, das wollten die Damen jetzt noch nicht glauben, der Ehre des jungen Mädchens wollten sie nicht zu nahe treten. Es war vielleicht ein ganz unschuldiges Verhältniß — indessen, man konnte nicht wissen!

Am nächsten Abend beschäftigte man sich im Kasino fast nur mit jenem verhängnisvollen Kuß.

Schritt der Assessor an einem Tisch vorbei, so steckte man die Köpfe zusammen, ließ er sich irgendwo nieder, so verstummte das Gespräch, und man ärgerte sich noch ganz besonders darüber, daß ihn bteS zu ergötzen schien und er jeder etwas verfänglichen Frage geschickt auswich.

Fragte man ihn, ob er mit dem Rechnungsrath Kübel ver­wandt sei, so antwortete er, es sei möglich, und pries man ihm gegenüber die Schönheit und Liebenswürdigkeit Frieda's, so erwi­derte er lakonisch, er sinde keine Veranlassung, die Wahrheit dieser Versicherung zu bezweifeln.

Und doch mußte er selbst sehr genau wissen, weßhalb man diese Frage an ihn richtete!

Gewiß wußte er's der Doctor hatte ihm Alles brühwarm be­richtet, aber er war nicht gesonnen, die Neugier zu befriedigen-

Das alberne Geschwätz ärgerte und amüsirte ihn zugleich, er begriff nicht, wie man das harmlose unschuldige Ereigniß so gewal- tig aufbauschen konnte, und er wartete nur darauf, daß man eine direkte Frage an ihn richten werde, um dem Frager eine Antwort zu geben, die Hand und Fuß hatte und nicht mißverstanden wer­den konnte.

Zu einer solchen Frage fand Niemand den Muth, das ent­schiedene Auftreten des Assessors flößte Allen Respekt ein, da ließ sich besser mit dem alten Rechnungsrath reden, der schon eher Spaß verstand und nicht so leicht einen Scherz übel nahm.

Der alte Herr besuchte das Kasino nur am Sonnabend Abend, bis dahin mußte man warten, in seiner Wohnung durfte man ihn mit solcher unziemlicher Neugier nicht Überfällen, das konnte eben nur auf neutralem Boden geschehen.

Und an diesem Sonnabend erfuhr auch Frieda die Gerüchte, die über sie in Umlauf waren.

Madame Stein, die Gemahlin des Seifensieders, hatte fest be­schlossen, die erste, günstige Gelegenheit zu benutzen, um sich volle Gewißheit zu verschaffen, und eine zufällige Begegnung mit Frieda bot ihr an jenem Abend diese ungeduldig ersehnte Gelegenheit.

„Ihre Anspielungen auf „die heimliche Verlobung" waren nicht mißzuverstehen, Madame Stein ließ das Mädchen auch nicht in Zweifel darüber, daß in den gesellschaftlichen Kreisen die Veröffent­lichung dieser Verlobung bald und mit Sicherheit erwartet werde, da man sonst für ein „gewisses Ereigniß" auf der Promenade keine Erklärung finden könne.

Frieda hielt es für rathsam, zu schweigen, sie kannte die böse Zunge dieser Dame, die in der Kunst, eine harmlose Antwort zu verdrehen und aus der Mücke einen Elephant zu machen, sehr erfahren war.

Sie war empört über die scheinbar freundschaftlichen, in Wirk­lichkeit aber boshaften Bemerkungen, sie wußte, daß wenn diese Dame sich mit ihr beschäftigte, auch die ganze Stadt es that, sie durfte jetzt dem Vater das Vorgefallene nicht länger verschweigen, sie bereute schon, ihm nicht sofort Mittheilung davon gemacht zu haben.

An diesem Abend sah sie den Vater nicht wieder, sie mußte bis zum nächsten Morgen warten, und als sie nun nach dem Früh­stück mit ihrer Handarbeit ihm gegenüber saß, fand sie nicht den Muth dazu.

Er war heute sehr spät aufgestanden, einsilbig und wie es schien, verstimmt, die Pfeife wollte nicht brennen, und die Zeitung, die er sonst vom ersten bis zum letzten Buchstaben durchzustudiren pflegte, hatte auch kein Interesse für ihn. (Forts, f.)

Vermischtes.

Heppenheim, 23. Oct. Gestern hat die allgemeine Weinlese hier be­gonnen. Nur in den bevorzugten Lagen dürfte Qualität etwas befriedigen. 28—30 Mark dürfte wohl als Durchschnittspreis für die Ohm rauhen Most zu betrachten sein

Frankfurt, 25. Oct. In der Baustraße fiel gestern Morgen an einem Neubau ein Zuber mit Baumaterial einem an der Stelle beschäftigten Ar­beiter auf den Kopf und schlug ihn todt.

Wiesbaden, 23. Oct. Die diesjährige Weinernte auf dem Neroberge fällt so schlecht aus, daß der größte hiesige Weinbergbesitzer nächst der Domäne, Herr C. Christmann, gar nicht lesen läßt. Es dürfte dieses seit 50 Jahren nicht vorgekommen sein.

Berlin, 18. Oct. Ein Fall von Blutvergiftung, der zur größten Vor­sicht mahnt, hat einem rüstigen Manne das Leben gekostet. Der Eisenbahnbe- amte B. hatte sich vor etwa 8 Tagen eine Blase an den Fuß gelaufen und nahm eine Stopfnadel mit einem rothen Faden Wolle, den er durch die Blase zog. Schon am nächsten Morgen hatte sich an dem Fuße eine Geschwulst eingestellt, die trotz der herbeigeeilten ärztlichen Hilfe im steten Zunehmen blieb. Nach wenigen Tagen constatirte der Arzt eine Blutvergiftung, herbeigeführt durch die in der rothen Wolle vermuthlich enthalten gewesenen Farbstoffe. Aller ärztlichen Bemühungen ungeachtet starb der Unglückliche am Dienstag unter den gräßlichsten Schmerzen.

— Aus dem g o I d a p e r Kreise wird unterm 21. geschrieben: Wir haben hier fußhohen Schnee auf Wegen und Feldern; es ist stürmisch und vollständiger Winter. — Im benachbarten Kreise Darkehmen ist der Schlitten bereits im Gange.

— Aus der fiskalischen Steinkohlengrube „König" bei Neunkirchen sind drei Bergleute durch Explosion von Dynamit ums Leben gekommen,

Delitzsch, 27. Oktober. Die Schauerkunde eines Doppel- morves durchdringt heute unsere Stadt. Gegen 4 Uhr Morgens ertönte Feuerlärm, es brannte in dem Hause des Kaufmanns I. S. Schumann, hier in der Breiten Straße. Hilfe war bald zur Hand und es gelang unter der Leitung des Branddirektor Schulze, der einer der Ersten zur Stelle, binnen Kurzem den Brand zu löschen. Betroffen war der Laden und das ganz ent­fernt davon liegende Schlafzimmer des Schumann. Als das Betreten des Schlafzimmers ermöglicht war, bot sich den Eintretenden ein schauerlicher An­blick. Schumann, ein angesehener älterer Herr, und seine Tochter lagen in ihren Betten ermordet, Ersterer, mit eingeschlagenem Schädel, Letztere mit klaffender Wunde an der Stirn und Hand, beide Leichen in den halbverbrannten Betten fast geröstet. Am Boden des Zimmers fand man ihres Inhaltes be­raubte Brieftaschen und Geldbehälter, auch in dem Laden überall Spuren flüchtigen Raubes. Um die Spuren der Unthat zu verwischen, hatte der Mörder das im Laden befindliche Petroleum auf den Ladentisch und andere Gegenstände, sowie aus die Betten der Erschlagenen gegossen dann Betten sowohl als Laden­tisch rc. angezündet und sich hieraus entfernt Schneller Entdeckung ist es zu danken, daß die Absicht vereitelt und weiteres Unheil verhütet worden ist, denn in den Laden- und Lagerräumen des Schumann befanden sich große Quantitäten leicht brennbarer Stoffe — als Spiritus, Firniß rc.; das Pulver war durch die Umsicht des Branddirektors sofort aus dem Laden entfernt worden. Von dem Mörder ist zur Zeit leider keine Spur vorhanden; möge es der Thätigkeit der Behörden gelingen den Uebelthäter ausfindig zu machen und seiner Strafe entgegen zu führen.

Elderseld. Der hiesige Cigarren-Abschnitt-Sammel-Verein wird zu Weihnachten nicht allein wieder 100 Kinder durch Geschenke erfreuen, sondern auch, da er sich in der glücklichen Lage dazu be­findet, 100 Kinder vollständig kleiden können.