Die von den Bundesregierungen oder Eisenbahnverwaltungen erlassenen AuSführungs - Bestimmungen sind dem Reichs - Eisenbahn-Amt mitzutheilen.
Berlin, den 13. Juli 1879.
Der Reichskanzler, v. Bismarck.
Beim Herannahen der Zeit, in welcher Dreschmaschinen in vermehrtem Umfange Anwendung finden, machen wir zu Verhütung von Unglücksfällen bte Besitzer solcher und ähnlicher landwirthschast- sicher Maschinen auf strengste Beachtung der Vorschriften unserer Polizei-Verordnungen vom 5. Juli 1875 (Amtsblatt S. 194) und vom 28. Februar 1877 (Amtsblatt S. 82) hiermit aufmerksam.
Die Unglückssälle beim Betriebe der gedachten Maschinen treten der Regel nach deshalb ein, weil das an den Maschinen befindliche Trieb- und Räderwerk, namentlich auch die Welle, nicht mit einer, ausreichenden Schutz gewährenden Eindeckung versehen ist, so daß die mit der Bedienung beauftragten Personen, zumal die mit weiter Bekleidung versehenen Frauenspersonen, nicht selten der Gefahr verfallen, von dem rasch sich drehenden Triebwerke erfaßt und dergestalt herumgeschleudert zu werden, daß durch Körperverletzung der Tod nur zu oft eintritt. Wie viel auch die mit der Gewöhnung an die Maschinenarbeit sich leicht einfindende Unvorsichtigkeit des Arbeitspersonals zu solchen Unglücksfällen beitragen mag, so müssen doch die Besitzer der Maschinen in den meisten Fällen für die Folgen verantwortlich gemacht und wegen ihrer Fahrlässigkeit bei dem Gebrauch der Maschinen zur Bestrafung herangezogen werden. Wir fordern dieselben deshalb aus, für die Herstellung eines möglichst gefahrlosen Betriebes solcher Maschinen Sorge zu tragen, insbesondere das an denselben befindliche Trieb- und Räderwerk, namentlich auch die Welle, beim Gebrauche mit einer geeigneten Eindeckung zu versehen.
Cassel, den 27. August 1879.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Kreis Hers seid.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welchen in den nächsten Tagen die Entscheidungen der Königlichen Regierung zu Gaffel auf die erhobenen G ebäud esteue r- Rekla mation en zugehen werden, haben diese Entscheidungen alsbald den betreffenden Reklamanten auszuhändigen und die den Entscheidungen beigefügten, von den Reklamanten zu unterschreibenden bezw. vom Ortsvorstand zu visirenden Empfangsbescheinigungen schleunigst an mich zurückzufenden.
Hersfeld, am 9. September 1879.
Der Ausführungs-Commiffar für die Gebäudesteuer-Veranlagung für den Kreis Hersfeld:
10185. Freiherr von Broich, Königlicher Landrath.
Unter dem Rindvieh des Peter He ß dahier ist die Lungenseuche ausgebrochen.
Holzheim, den 6. September 1879.
Der Bürgermeister Eidam.
Tagesbegebenheiten.
Aus Hefsen-Naffau»
* Hersfeld, 10. September. Der heutige Viehmarkt war mit 730 Stück Rindvieh und 137 Schweine beschickt.
Cassel, 8. September. In einem Hause am Ständeplatze ereignete sich gestern Abend gegen $8 Uhr ein schrecklicher Vorfall. Eine dort wohnende Frau, welche schon feit einem halben Jahre bettlägrig ist, griff nach einem auf dem Tische vor ihrem Bette stehenden Glas Wasser und warf dabei das daneben befindliche Stearinlicht um, welches unglücklicherweise auf die Bettdecke fiel und dieselbe sofort in Flammen setzte. Die beklagenswerlhe Kranke konnte sich nicht helfen und sie fand in wenigen Mrnuten durch den Rauch und die Flammen ein schreckliches Ende. Als nach ca. fünf Minuten Leute in das Zimmer kamen, fanden sie dieselbe entseelt, mit Brandwunden auf der Brust und im Gesicht, aus ihrem Schmer- zenslager liegen, das nun so schnell ihr Todtenbett geworden war.
Eschwege, 3.Sept. Die vor Kurzem von ihrem mörderischen Ehemanne durch einen Schuß schwer verwundete Frau Freitag von hier ist an ihrer Wunde gestern im hiesigen Landkrankenhause gestorben. (C. Tgbl.)
Eschwege, 8. Sept. Heute Nacht 1 Uhr brach ein großer Brand in dem benachbarten Grebendorf aus. Bis jetzt liegend Gebände in Asche und das Feuer wüthet noch weiter. Die Entstehungsursache ist noch nicht bekannt.
H an au, 4. September. Ein hiesiger Einwohner, welcher kürzlich nach Frankfurt verzogen ist, hat das seltene Glück gehabt, mit 2 österreichischen Loosen 2 Treffer und zwar im Betrage von 200,000 österr. Gulden und 20,000 österr. Gulden zu machen. (C. Tgbl.)
Melsungen, 6. Sept. Gestern Mittag um 4 Uhr machten Kinder in einer Scheuer in Mörshausen, eine Stunde von hier, Feuer an, um sich Aepfel zu braten. Die Folge davon war, daß die Scheuer in Brand gerieth, das Feuer griff rasch um sich und
es brannten fünf Wohnhäuser und wohl eben so viel Oeconomie- gebäude nieder.
— In Langenfeld bei Mühlheim a. RH. wurde durch eine Mähmaschine ein beklagenswerthes Unglück herbeigeführt. Ein 15jähriges Mädchen, welches daselbst auf einem Gute als Tagelöhnerin beschäftigt war, kam der Maschine so nahe, daß ihm von derselben beide Füße nahezu abgeschnitten wurden.
Köln. (Unsinnige Wette.) Einen enormen Appetit nach Eiern entwickelte am Sonnabend in der Bier-Restauration Esser auf der Brellenstraße ein Kölner, indem er sich verpflichtete, drei Dutzend Eier an einem und demselben Abend zu vertilgen. Er ging die Wette ein und gewann dieselbe. Vorerst ließ er die Eier hart sieden, dann schnitt er sie in L-cheibchen und briet sie reichlich in Butter. Ruch 10 Uhr setzte er sich zu Tisch und begann das Mahl, das er innerhalb ca. 3 Stunden beendigte. Dazu aß er einige Schnitten Brot und trank 8 Gläser Rum und 6 Gläser Bier. Ob der Wunsch der Augenzeugen: „Wohl bekomm's" und „gute Rächt" für den Eier-Eßhelven in Erfüllung gegangen, war bis gestern Abend noch nicht zu ermitteln . (Elbf. Ztg.)
Mainz, 6. Sept. Vor einiger Zeit bezog ein hiesiger Geschäftsmann, welcher mit einer zahlreichen Familie gesegnet ist, eine neue Wohnung. Die Familie war kaum einige Wochen in dem neuen Zimmer eingezogen, als plötzlich ein Kind nach dem andern zu Bett liegen muhten, auch die Eltern fühlten sich unwohl, besonders empfanden die Knaben eine große Mattigkeit in den Gliedern, der Appetit ging merklich zurück und eine fahle Blässe bedeckte die sonst frischen Wangen der Leute. Dem herbeigerufenen Arzte waren anfänglich diese Krankheitserscheinungen ganz auffällig, bis sich demselben die Ueberzeugung aufdrängte, bah hier ein Vergiftungsfall vorliege. Ein Stück der Tapete des Schlafzimmers der Familie wurde an der Wand losgelöst und chemisch untersucht, wodurch es sich herausstellte, daß die Tapete einen merklichen Zusatz von Arsenik enthielt. Die gisthaltige Wandbekleidung wurde entfernt und von dieser Stunde an trat eine merkliche Besserung in dem Gesundheitszustand der Familie ein. Gegen den Lieferanten der Tapete ist von Seiten der Staatsbehörde eine Untersuchung ein geleitet.
— Wie die „Neust. Ztg." berichtet, hat es am 1. September, Morgens zwischen 6 und 6; Uhr, im sogenannten „großen Felde" bei Neustadt (in Holstein) geschneit.
Feuilleton.
Aus Tob unö Leben.
Humoreske von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Jetzt ist es entschieden", sagte er, nach Athem ringend, „ein» mal mußte Die Bombe platzen, und je eher das geschah, desto besser für uns Alle!"
„Was ist geschehen?" fragte ich bestürzt.
„Es ist zu einer Erklärung zwischen uns gekommen", erwiderte er, während er mit dem Taschentuch Die nasse Stirne trocknete, „ich wollte Dich nun bitten, das Weitere zu übernehmen. Rindvieh hat er mich genannt, Du wirst zugeben, daß ich das nicht auf mir sitzen lassen kann —"
„Aber wie ist das gekommen?"
„Genau weiß ich vas selbst nicht mehr, ich wollte Emilie besuchen, er kam aus dem Zimmer meiner Schwiegermutter, da war meine Geduld zu Ende. Erklärung wollte er nur nicht geben, ich verlangte von ihm, daß er abreifen sollte, da gab denn ein Wort das andere, und schließlich warf er mir Die Beleidigung in's Gesicht."
„Du wirst sie ihm nicht schuldig geblieben fein?" sagte ich.
„Ich konnte auf dieses Wort nichts erwidern, er soll mir Genugthuung dafür geben."
„Du willst ihn fordern?"
„Ja, und ich hoffe, Du wirst als Sekundant das übernehmen. Die Damen dürfen nichts davon erfahren, die Aufregung würde meine Schwiegermutter tödten, und Emilie das mir nie vergessen. Auf Tod und Leben, hörst Du? Pistolen, fünf Schritte Distance —"
„Der Geforderte hat den ersten Schuß", bemerkte ich trocken.
Albert sah mich einige Secunden starr an, er hatte daran in seiner Aufregung noch nicht gedacht.
«Na, dann zehn Schritte", erwiderte er langsam, „natürlich mit Vorrücken."
„Trifft Deine erste Kugel nicht, so kann er Dir die Waffe auf die Brust setzen!"
„Ach was, ich war immer ein guter Schütze."
„Und was dann? Entweder Du wirst todtgeschoffen oder schwer verwundet, oder Du mußt morgen noch die Flucht ergreifen. In die Heimath wirst Du nicht zurückkehren dürfen —"
„Emilie wird mir in's Ausland folgen, ich kann dort eine Filiale unseres Geschäfts begründen", unterbrach er mich mit wachsender Erregung, während er in meinem Zimmer mit großen Schritten auf und abmanoerte. „Er würde triumphiren, wenn ich dieses Wort geduldig einsteckte, Emilie müßte mich verachten — sag' was Du willst, das Duell ist unvermeidlich geworden."
Ich wußte nicht, worüber ich mich ärgern sollte, über die Fri-