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KreisMblatt

für den

Jtreis ßerssi.

JV 63 Mittwoch den 6. August 1879»

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Berlin W., 30. Juli. 1879.

Postkarten mit Antwort im Verkehr des Weltpostvereins.

Die Nieverländischen Kolonien sind denjenigen Länvern beigetreten, nach welchen Weltpostkarten mit Antwort abgesendet werden können. Derartige Karten sind nunmehr verwendbar für Mittheilungen nach Belgien, Frantreich, Helgoland, Italien, Luxemburg, Niederland und den Niederländischen Kolonien, Norwegen, Portugal, Rumänien, der Schweiz, Spanien und der Argentinischen Republik.

Kaiserliches General-Postamt. W i e b e.

Tagesbegebenheiten.

Gast ein, 2. August. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm ist in Folge der regelmäßigen Bäder sichtlich gekräftigt und bewegt sich täglich rüstiger. Se. Majestät bmirte heute mit den Herren seines Gefolges. Nachmittags machte Se. Majestät eine längere Ausfahrt.

3. August. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm wohnte heute in der evangelischen Kapelle der Predigt des Hofpredigers Fromme! aus Berlin bei.

Die Ankunft des Kaisers von Oesterreich hierselbst wird am 10. b. M. erwartet.

Metz, 30. Juli. Der Tag der Ankunft des Kaisers in Metz ist nunmehr endgültig auf den 24. September festgesetzt worden. Se. Majestät der Kaiser wird die Truppen der 16. Division, welche während des Kaisermanövers die hiesige Besatzung bilden werden, vor ihrem Abrücken in ihre Garnisonen in der Parade sehen. Die Anordnungen für die Parade müssen dahin getroffen werden, daß dieselbe Nachmittags 3 Uhr beendet sein kann. Zur 16. Division gehören die Rheinischen Infanterie-Regimenter Nr. 29, 30, 69 und 70, das Rheinische Jägerbataillon Nr. 8, das Westfälische Dragoner­regiment Nr. 7 und das Rheinische Husarenregiment Nr. 9.

Schwerin i. Mecklbrg., 2. August. Unter Glockengeläute fand heut Nachmittags drei Uhr die Beisetzung der Leiche des Herzogs Wilhelm von Mecklenburg statt. Der prachtvolle, mit Purpur-Sammet ausgeschlagene, reich vergoldete Sarg war mit Kränzen überschüttet und mit Generalsinsignien bedeckt. Der Sarkophag stand vor dem Altar der herrlichen Schloßkirche aufgebaut. Der Großherzog führte die Großherzogin Mutter, Prinz Karl von Preußen war als Stell­vertreter des Kaisers erschienen, er führte die Großherzogin; der Erbgroßherzog führte die Wittwe nebst der Prinzessin Charlotte. Anwesend waren Fürst Windischgrätz, die Herzöge Paul und Johann Albrecht, die Prinzen Moritz Altenburg und Günther Schwarzburg. Der Hauptmann von Pfuhlstein vertrat den deutschen Kronprinzen. Der Oberhofprediger Iahn hielt die Leichenrede. Die Großherzogin- Mutter kniete erschüttert nieder und küßte unter Schluchzen oen Sarg. Es war ein herzzerreißender Moment. Zwölf Offiziere trugen so­dann den Sarg zur Gruft. Ein endloser Trauerzug setzte sich durch die tausendköpfige Volksmenge nach dem Dome in Bewegung. Die Straßen und Schaufenster der Stadt waren prachtvoll mit Trauer- Emblemen dekorirt und beflaggt.

Colberg, 1. August. Am 24. Juli, Nachmittags, fand das eigenthümliche Phänomen statt, daß es bei 14 Grad Celsius und starkem Regen mit Wind zugleich schneite.

Aus Schwelm, 1. August, wird gemeldet: Ein entsetzliches Ereigniß, welches gestern Morgen entoeckt wurde, hat unsere Stadt in die größte Aufregung versetzt. Zwei Knaben, im Alter von 13 und 16 Jahren, deren Eltern im vorigen Jahre gestorben sind und die seit der Zeit bei ihrem Großvater wohnten, fand man gestern Morgen in ihrem Schlafzimmer als schauerlich verstümmelte Leichen. Aus den von den Knaben hinterlassenen Auszeichnungen ergab sich, daß hier ein Mord und Selbstmord vorlag. Beide hatten geschrie­

ben, daß sie die Sehnsucht nach ihren verstorbenen Eltern in's Jen­seits getrieben; sie hatten über ihre Kleider, Bücher rc. Verfügung getroffen, dagegen nicht über ihr von den Vormündern verwaltetes bedeutendes Vermögen. Nach gegenseitiger Abrede hatte der ältere Knabe dem jüngeren mit einem mächtigen Hammer die Hirnschale zerschmettert, so daß das Gehirn überall umhergespritzt war. Nach dieser Unthat hatte der Mörder selbst Gift genommen, sich dann mit einem Nasirmesser die Pulsader der linken Hand durchschnitten, sich einen Strick um den Hals gelegt und eine Revolverkugel durch die Stirn geschaffen! Der Großvater der Knaben, welcher dieselben stets mit der größten Liebe und Zuneigung behandelt haben soll, war während der Unthat auf einer Geschäftsreise abwesend. Mädchen und Hausknecht hatte der älteste Knabe am Abend der That (30. Juli) ausgeschickt, und so wurde das räthselhafte Verbrechen erst gestern Morgen, als die Haushälterin die Schlaszimmer verschlossen fand und durch einen Schlaffer öffnen ließ, entdeckt.

Nürnberg. Unter den Paffagieren des Mittagszuges vom 31. Juli der Pegnitzthalbahn befand sich der hiesige Apotheker Dr. Klemann, welcher sich nach Pottenstein beheben wollte, woselbst auf der dem genannten Herren gehörigen Burg am Sonnabend und Sonntag eine Festlichkeit stuttfinven sollte. _ Dr. Kleemann führte in einem Handkoffer Feuerwerksmaterial. mit sich, das für das Fest be­stimmt war. Bei Hohenstadt explodirte der Koffer; der Waggon geriet!) in Brand, der Besitzer des Koffers erlitt am Arm Brandwun­den, drei andere Reisende wurden schwerverletzt und zwei von ihnen liegen in Eschenbach darnieder. Von einem Mitreisenden wird der K. Z." über den Unfall noch folgendes Nähere mitgetheilt:Etwa fünf Minuten vor Hohenstadt explodirte Kleemann's Koffer. Der ganze Wagen wurde im Nu ein Raub der Flammen. Nachdem der Zug zum Stehen gebracht, brannte der Wagen, der sofort losge­koppelt wurde, bis auf die Eisentheile nieder; in demselben (3. Klaffe) waren nur neun Reisende, keine Frauen und keine Kinder; von be­sagten neun Personen wurde eine durch entsetzliche Brandwunden getödtet (?), die anderen mehr oder weniger schwer verletzt, theils durch Brandwunden, theils durch Arm- und Beinbrüche, welche sie beim Herausjpcingen erhielten. Wäre die Katastrophe einige Augen­blicke später im Tunnel, passirt, so wären besagte neun Personen lebendig verbrannt; der unglückliche Urheber ist gleichfalls schwer verletzt durch starke Brandwunden an Gesicht und Händen und durch einen Beinbruch." Auf Grund der gepflogenen neuesten Erhebungen wird Folgendes mitgetheilt: Verletzt wurden im Ganzen sieben Personen, davon fünf derart leicht, daß vier ihre Rerse in der Rich­tung nach Hof sortieren, einer mit dem Abendzug nach Nürnberg zurückkehren konnte; einer mußte im Hotel zu Eschenbach zur Pflege untergebracht werden. Ein weiterer Reisender, welcher in Folge des Vorkommnisses« das Coupe öffnete und hinaussprang, brach den rechten Oberarm und liegt zur Pflege im Pfarrhaufe zu Eschenbach. Die Brandwunden sind so, daß sie in wenigen Wochen geheilt sein werden; nur zwei Personen werden längere Zeit zur Wiederher- Nellung nöthig haben, und derjenige Reisende, welcher aus dem Coupe sprang, wird zur Heilung seines Armbruchs einige Monate brauchen. Der Brand trat aller Wahrscheinlichkeit nach ein durch Explosion von Feuerwerkskörpern, welche als Handgepäck von einem Paffagier mitgenommen wurden. Es war sofort ärztliche Hülfe am Platze. Untersuchung ist im Gange, und es geschahen die erforder­lichen Constatirungen noch am selben Abend durch eine an Ort und Stelle eingetcoffene Commission des königlichen Landgerichts Hers­druck. Der oben gemeldete Todesfall ist sonst noch nicht bestätigt.

Fürlh, 29. Juli. Heute wollte sich eine dem Aussehen nach dem Arbeiterstanve ungehörige Person in der Nähe der Ueberfahrt nach Stadelhof von dem um 8 Uhr 19 Minuten nach Bamberg