Tagesbegebenheiten.
Aus Hessen-Nassau.
C a s s e l, 28. Juli. In dem Walde in der Nähe von Wahnhausen bei Kragenhof fanden gestern Morgen zwei Kinder beim Seerenpflüden zwei Kindesleichen, eine männliche und eine weibliche, in Lumpen gewickelt und im Gebüsch versteckt. Da man auch bei diesem grausigen Funde ein Verbrechen vermuthet, so ist die behördliche Untersuchung bereits eingeleitet worden. (C. Tbl.)
Fuld a, 26. Juli. Gestern Nachmittag brach in der Eisenb ahnwerkst ä t t e des hiesigen Bahnhofes, und zwar in den Räumlichkeiten, wo der Firniß bereitet wird, auf bis jetzt noch unerklärlich« Weise Feuer aus, doch wurde dasselbe bald wieder gelöscht. Es brannten zwei Kessel aus und wurden die Holzbekleidungen der Wände etwas beschädigt. (H. B.)
Heidelberg, 28. Juli. Herzog Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin ist heute Nachmittag 2^ Uhr hierselbst gestorben. Herzog Wilhelm, der 1827 geborene Bruder des regierenden Herzogs von Mecklenburg Schwerin, der sich im Jahre 1865 mit der Tochter des Prinzen Albrecht von Preußen, der Prinzessin Alexandrine, vermählt hat. Der Verstorbene bekleidete in der preußischen Armee den Rang eines Generals der Kavallerie. Man behauptet, daß seine letzte Krankheit — die sich hauptsächlich aus einem bösartigen Geschwür entwickelt hatte — eine Folge jener Verletzung gewesen sei, die er sich im letzten Kriege zugezogen, als bei der Uebergabe bei Laon ein französischer Kapitän die Citadelle dieser Festung verrätherischer Weise in die Luft sprengte, nachdem bereits die Kapitulationsurkunde unterzeichnet war. Thatsache ist, daß der Prinz längere Zeit an der bei dieser Gelegenheit davon getragenen Wunde zu leiden hatte und daß er sich seither nie wieder ganz gesund gefühlt hat.
Willen a. d. R. Auf der Zeche „Franziska Tiefbau" die in unserer Stadt liegt, ist ein Kohlenstück zu Tage gefördert, welches das colossale Gewicht von 20 Centnern hat. Mit einem Strauß geschmückt, liegt der Block zur Ansicht des Publikums auf dem Zechenplatze und darf mit Recht als eine Seltenheit bezeichnet werden.
— Münden, 25. Juli. (Mord.) Vor einigen Tagen zog man vor der Mühle am Tonzwerder eine männliche Leiche aus dem Wasser, welche als die des seit mehreren Jahren hier wohnenden Arbeiters Sch. aus dem benachbarten Lutternberg erkannt wurde. Aus Veranlassung der Königl. Kronanwaltschast zu Göttingen ist die Leiche gestern wieder ausgegraben und findet heute eine gerichtliche Besichtigung derselben statt. Man vermuthet nämlich, daß an dem ic. Sch. ein Raubmord verübt sei, und daß der Mörder den Leichnam zur Ab- lenkung jeglichen Verdachts den Fluthen der Werra übergeben habe. Sch. war ein harmloser, fleißiger und sehr sparsamer Arbeiter, welcher die Eigenthümlichkeit besaß, sein erspartes Geld stets bei sich zu tragen; so soll er in letzter Zeit mehrmals größere Beträge Geld gezeigt und dadurch vielleicht irgend ein Subject angelockt haben, das Verbrechen zu verüben.
Aus Holstein. Ein entsetzliches Brandunglück ereignete sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli in dem Dorfe Lehmsiek bei Schwabstedt, im Kreise Husum. In der Wohnung des dortigen Besitzers Behrens brach gegen 111 Uhr, wo die Bewohner kni tiefen Schlafe lagen, Feuer aus, welches mit folcher Vehemenz um sich griff, daß nicht nur die Gebäude in Asche gelegt, sondern auch drei Menschenleben ein Opfer der Flammen geworden sind, nämlich der Besitzer Behrens, dessen Sohn von acht Jahren und der alte 79jährige Vater des Besitzers. Die beiden braven Männer haben den Tod bei Rettung der Kinder gefunden und sind ihren Brandwunden erlegen, aber leider ist noch ein jüngeres Kind derart von Brandwunden heimgesucht, daß an dem Auf» kommen desselben auch gezweifelt wird. Leider liegt hier die Vermuthung nahe, daß das Gewese von ruchloser Hand augezündet worden ist, in welchem Falle es hoffentlich gelingen wird, den Schuldigen zu ermitteln.
— Gleiwitz. Ueber einen recht beklagenswerthen Unglücksfall, welcher sich am 19. d. Abends hier ereignete, berichtet der „Wdr." Folgendes: Das etwa 11 Monate alte Töchterchen des Putzkaufmann S. von hier erhielt von dem Dienstmädchen Kirschen, welche das Kind ruhig zum Munde führte. Plötzlich wurde die Kleine unruhig und das Schlimmste, was sich befürchten ließ, trat ein, das Kind hatte eine Kirsche ganz verschluckt, so daß dem armen Wesen die Luftröhre vollständig abgeschloffen war. Es wurde eiligst ärztliche Hülfe requirirt und die Kirsche mittelst eines Instrumentes aus der Luftröhre zwar entfernt, doch die Kleine war schon erstickt. Alle sofort angewandten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
Trieft, 28. Juli. Gestern Abend kam aus der hiesigen Rhede ein sehr heftiger Orkan zum Ausbruch, welcher an den im Hafen befindlichen Schiffen großen Schaden anrichtete und auch mehrere Menfchenleben gekostet hat. Im Ganzen sind 23 Schiffe mehr oder weniger erheblich beschädigt worden, ein österreichisches mit Holzkohlen beladenes Schiff ging zu Grunde.
— In Jserten (Schweiz) ist ein Postbeamter, der bei der letzten Ziehung des Freiburger Prämien-Anleihens das große Loos mit 24,000 Fr. gewonnen hatte, vor Freude wahnsinnig geworden.
— In Nisch ni- A ow g o r od hat vorigen Sonnabend eine große Fcuers- brunst gewüthet. Der Baznr, eine große Anzahl Häuser und Läden sind nieder
gebrannt. Durch das Feuer wurde eine Explosion herbeigeführt, wodurch siebenzehn Menschen ihr Leben verloren.
New-York, 25. Juli. In Memphis erliegen dem gelben Fieber täglich durchschnittlich 5 Personen. Es ist eine Nettungscommission gebildet worden, die Miliz hat den Befehl erhalten, die zurückbleibenden Einwohner zu schützen. Heute ist in New-York eine aus Memphis geflüchtete Person am gelben Fieber gestorben. ,
— Der „Golos" enthält folgende entsetzliche und hoffentlich stark übertriebene Nachrichten, welche angeblich russische Kaufleute, die aus China zurückgekehrt sind, über eine daselbst herrschende Hungersnoth heimgebracht haben, welcher Hunderttausende von Menschen zum Opfer fallen. „In vielen Dörfern und Städten ftarben," so fchreibt das Blatt, „die Leute auf den Straßen unter schrecklichen Convulsionen. Den Verhungernden dienen nicht nur Leichen als Nahrung, sie werfen sich auch auf Lebendige, zerfleischen sie und verschlingen ihr Fleisch. So wurde ein Bettler arretirt, in dessen Bettelsack man die Ueberreste eines Kindes sand. Beim Verhör bekannte er, daß er schon seit längerer Zeit vo n frischem Menschenfleisch gelebt habe, da ihm das Fleisch von Leichen widerstehe. Ein junger Mann bewog seinen Vater, mit ihm die cig ene Braut umzu« bringen. Nach vollbrachter That theilten sie das Fleisch untereinander. In einer Familie tödtete der Vater seinen sechsjährigen Sohn und verzehrte ihn, in einer andern tödtete der Sohn den Vater zu demselben entsetzlichen Zweck. Solche Fälle erzählt man eine Menge. Es giebt Dörfer, in welchen die ganze Einwohnerschaft ausgestorben ist."
Haus- und Landwirthschaft.
— Putzen der Schimmelpserde. Um die gelbe Farbe zu entfernen, welche Schimmel leicht an solchen Stellen erhalten, welche viel mit Mist in Be- rührung kommen, stampft man, wie das „L. C. F. Posen mit theilt, Holzkohle möglichst fein, rührt sie dann mit Wasser an, so daß das Ganze einen Brei bildet, schmiert die gelben Flecke tüchtig ein, läßt sie trocknen, entfernt hierauf das Kohlenpulver mittelst Strohwischen und bearbeitet die Stellen tüchtig mit der Kartätsche. Die Flecken sind entfernt und das Haar erhält seine schöne Farbe.
— Der Schaf mist ist fett und hitzig, und enthält viel Ammonium. Seine Wirkung ist schnell und stark, aber nicht anhaltend. Er eignet sich hauptsächlich für kalten und schweren Thonboden, doch ist er für Gärten aus dem Grunde nicht zu empfehlen, weil er gemeiniglich eine Menge Ungezieserbrut enthält, die nach ihrer Entwickelung unter den Gewächsen schreckliche Verheerungen anzu- richten pflegt.
(Qfner Rakvezy-Bitterwafser.t Das „Dresdner Journal" schreibt : In nicht geringerem Maße als die Heldenthaten des großen ungarischen Freiheitskämpfers hat die nach ihm benannte Osner Bittersalzquelle dazu beigetragen, den Namen Riköczy in der ganzen Welt bekannt zu machen und zu verbleitem Auf dem ganzen Erdenrunde dürfte es heute wenige Städte geben, in welchen nicht von dieser wahrhaft segensvollen, so rasch und sicher wirkenden Heilquelle Gebrauch gemacht würde. Liegt auch der Grund der allgemeinen Beliebtheit dieses Wassers vornehmlich in den herrlichen, bisher von keinem ähnlichen Wasser übertroffenen wirkungsvollen Eigenschaften desselben, so darf noch darüber das Verdienst derjenigen nicht vergessen werden, die durch das richtige Erkennen und Ersassen der hohen Bedeutung dieser Quelle sofort den richtigen Weg einschlugen um an den Segnungen derselben die ganze Menschheit theilhaftig werden zu lassen. Den Gebrüdern Loser, denen dieses Verdienst zuerkannt werden muß, gebührt aber noch außerdem ein Lob dafür, in Ungarn überhaupt den ersten Impuls zu einem großartigen Export von Ofner Bitter- waffer gegeben zu haben. Was speziell das Ritlsczy-Bitterwaffer betrifft, so hat schon in ihrer Sitzung vom 10. Januar 1877 die ungarische Landes- Akademie der Wissenschaften auf Grund einer vom städtischen Chemiker Joh. Molnär Dorgelegteli Analyse es ausgesprochen und durch ein besonderes Werk veröffentlicht, daß die Osner Rtküczy-Bitterquelle als an wirklich heilkräftigen Salzen die reichste und wirksamste aller bisher bekannten Bitterquellen anzuer, kennen sei. So gab Pros. Dr. Charles Tichborne in London in Folge der in England amtlich vorgenommenen Wasser-Analysen am 4. April 1877 in der British medical „Pree* and Circular“ die Erklärung ab, daß er keine andere Quelle kenne, welche einen so großen Reichthum an mineralischen Salzen auf- weise und solche Vorzüge in sich vereinige, wie die Osner Räköczy-Quelle. So hat neuestens in der am 8. Oktober 1878 abgehaltenen Sitzung der medizinischen Akademie in Paris aus Grund einer von Pros. Dr. Hardy vorgcnommencn Analyse Dr. Gubler auf Veranlassung des Prof. Dr. # auwei die Erklärung abgegeben, daß ihm die persönlich gemachten Erfahrungen gestatten den großen Werth des Osner Räkäczywaffers zu konstatiren, nachdem ein Bordeaux-Gläschen desselben eine bessere Wirkung erzielt, als ein großes Glas der übrigen Ofner oder anderen Bitterquellm. Diese Eigenschaft ist gerade bei einem Medikamente, welches für viele Menschen einen unangenehmen Geschmack hat, von unschätzbarem Werthe. Die jüngste Prämiirung der Osner Rtlkzy-Quelle auf der Pariser Weltausstellung — welcher vier Prämiirungen auf anderen Weltausstellungen vorangingen — sowie die kürzlich erhaltene Auszeichnung mit der großen goldenen Medaille, ist somit nicht nur eine neuerliche Bestätigung der Vorzüglichkeit derselben, sie ist zugleich eine Anerkennung für die Eigenthümer der Firma Gebrüder Loser.
Bekanntmachung.
Vom 1. August er. tritt unter Aufhebung des Special - Tarifs für HolztranSporte des Mitteldeutsch - Galizisch - Rumänischen Verbandes vom 1. August 1875 und dessen Nachträgen daS Tarisheft IV. für den Galizisch - Deutschen bezw. Galizisch - Niederländischen Holzverkehr in Kraft, welches birecte Sätze für die Beförderung von Holz rc. zwischen Stationen verschiedener Oesterreich-Ungarischer Bahnen und Stationen des Mitteldeutschen Verbandes inthält.
Anzeigen.
Das Nähere ist bei unseren Verbands- Expeditionen, durch deren Vermittelung auch der Tarif selbst zum Preise von 0,20 M. zu erhalten ist, zu erfahren. (H.61722.)
Frankfurt a. M., den 23. Juli 1879.
Königliche
Eisenbahn-Direclion.
Zum diesseitigen Tarif für die Beförderung von Leichen, Fahrzeugen nun lebenden Thieren vom 15. Mai c. ist der
vom 1. August c. an gültige Nachtrag b herausgegeben. Derselbe betrifft eine Er- Mäßigung der Krahngebühren sowie Fracht- ermäßigung für Vollblut-Mutter-Pferde und für kleines Vieh in Etagewagen.
Nähere Auskunft ertheilen die diesseitigen Güter-Expeditionen durch deren Vermittelung auch Exemplare käuflich bezogen werden können. (H. 61721.)
Frankfurt a. M., den 22. Juli 1879.
Königliche Eisenbahn-Direction.