Einzelbild herunterladen
 

schast bietet Spritze so lange zur Unthätigkeit gezwungen, bis das Mundstück von Altlotheim herbeigeholt war. (Fr. K.)

Gaffel, 16. Juli. Heute Mitttag 1| Uhr wurde in der Fulda unterhalb des Prinzeßgartens die Leiche eines unbekannten, mit grauem Anzüge und neuen Stiefeln bekleideten, etwa 40 Jahre alten Mannes gelandet, welcher einige Tage im Wasser gelegen haben kann. Wahrscheinlich liegt hier ein Selbst­mord vor. (®- Tgbl.)

Fr a n kf u rt a. M., 14. Juli. (Raub in o rd.) Heute Morgen gegen 10 Uhr drang das Gerücht durch die Stadt, daß ein Geldpostbote ermordet und beraubt worden sei. Wir erfahren über den Fall Folgendes: Zwei Arbeiter, die sich Müller und Meyer nannten, waren in einer Logirwirthschaft in der Bendergasse eingekehrt. Meyer sandte an Müller einen kleinen Geldbetrag per Postanweisung. Als heute Vormittag der Pogbote Tafel, wohnhaft in Niederrad, in ihrem Zimmer erschien, um das Geld auszuzahlen, fielen beide über den Beamten her. Der eine schlug ihm mit einem wohl zu diesem Zwecke ange­kauften neuen Beil mehrmals auf den Kopf, so daß er Hilfe rufend zu Boden sank. Sein Ruf war gehört worden. Es eilten mehrere Leute herbei, doch ge- laug es den Burschen, unter Zurücklassung ihrer Mützen, zu entfliehen. Bis heute Abend sind sie noch nicht ergriffen. Der Postbote hat mehrere Kopf­wunden davon getragen und ist schwer verletzt in das Heiliggeist-Hospital ge­bracht worden; an feinem Aufkommen wird gezweifelt. Es soll den Raub­mördern gelungen fein, einen kleinen Geldbetrag zu erbeuten. Die umfassendsten Anordnungen behufs Verfolgung derselben sind veranlaßt worden.

Frankfurt a. M., 16. Juli. Zum Attentat auf den Geldbries­träger wird weiter berichtet, daß eine angestrengte Razzia auf die beiden Raubmörder stattgefunden hat, und daß der eine derselben auch vorgestern, d. 16. d, eingebracht worden ist. Es ist derjenige, der unter dem Namen Müller- dort auftrat, ein lgjähriger schlanker Bursche mit Hellen Augen, dem eben ein leichter Flaum aus der Oberlippe zu keimen beginnt. Er heißt Albert Hilsenbeck, ist Graveur und aus Stuttgart gebürtig. Nach feiner ver­brecherischen That hat er sich zwei Tage im Stadtwalde ohne Nahrung aufge­halten; erst heute Mittag (16.) erhielt er von Kindern aus Niederrad unreife Aepfel, die er verzehrte. Die Kleinen sprachen über die Begegnung mit ihm im Walde, worauf eine Streifenach ihm ins Werk gesetzt und er festgenommen wurde.

Koblenz, 17. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heule früh 8£ Uhr mittelst Extrazuges im besten Wohlsein nach Mainau abge- retst. Ihre Majestät die Kaiserin begleitete Se. Majestät zum Bahn- Hose, wo sich die Spitzen der Behörden und ein sehr zahlreiches Publicum zur Begrüßung des Kaisers eingefunden hatten.

Konstanz, 17. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heute Abend 8| Uhr mittelst Extrazuges hier eingetroffen und von dem Gcoß- Herzog und von der Großherzogin, sowie von den Spitzen der Be­hörden am Bahnhof empfangen worden. Nach nur kurzem Aufenthalte erfolgte die Weiterfahrt zu Wagen nach der Insel Mainau. Bon der zahlreich versammelten Volksmenge wurde der Kaiser bei der Ankunft und bei der Abfahrt enthusiastisch begrüßt.

Kissingen, 16. Juli. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist heute Abend hier eingetroffen.

— Einem der schrecklichsten Feinde der Menschheit, der Diph- therilis, rücken die Aerzte näher auf den Leid. Die Gesellschaft deutscher Aerzte in Berlin, an ihrer Spitze der berühmte Dr. von Langendeck, hat eine Preisaufgabe ausgeschrieben: „Ueber das Wesen der Diphtheritis und die aus der Erkenntniß derselben sich ergebenden Folgen für die Behandlung dieser Krankheit." Die beste Lösung dieser Frage wird durch einen Preis von 2000 Mark belohnt, einen Preis, welchen die Kaiserin Augusta ausgesetzt hat. Die Hauptbedingung ist, daß wichtige neue Thatsachen über das Wesen und die Natur dieser Krankheit, namentlich aber die Art ihrer Berbreilung und über Die Mittel zur Verhinderung derselben beigebracht werden. Die Ertheilung des Preises erfolgt auf dem Chirurgencongreß im April 1881.

— Die deutschen Fürsten hatten, wie s. Z. gemeldet wurde, die Absicht, dem Kaiser aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit eine Huldigung damit darzubringen, daß auf dem Opernplatze zwischen dem Opernhause und dem Palais eine Gedenksäule sich erheben sollte. Es waren hierzu bereits mancherlei Vorkehrungen getroffen und die Ausführung des Planes bereits einge« leitet. Nachdem sich indessen jetzt mehrfach Schwierigkeiten herausgestellt, so­wohl in Bezug auf den Platz, als bezüglich des Denkmals selber, ist, wie die „Tribüne" hört, von der Idee Abstand genommen und beschlossen worden, die aufgebrachte Summe, im Betrage von ca. 75,000 Mark, für wohlthätige Zwecke dem Kaiser zur Verfügung zu stellen.

— Heiligenbeil, 15. Juli. Ueber einen seltenen Unglücksfall berichtet man von hier dem „Br. Krsbl.": Am vorletzten Sonnabend wurde Frau Rittergutsbesitzer R. mit Familie von hiesigen Bahnhöfe mit eigenem Fuhrwerk abgeholr. Auf dem Wege zu ihrer Besitzung wurde das Fuhrwerk von einem Bienenschwarm Überfällen. Die Bienen fielen namentlich über die Pferde her, so daß ein Pserv auf der Stelle todt war, das andere aber zum benachbarten Gutsbesitzer B. zur thierärztlichen Behandlung gegeben werden mußte. Der Kutscher, welcher gleichfalls erheblich verletzt wurde, befindet sich im hiesigen städtischen Krankenhause. Die Familie ist nur durch schleuniges Schließen der Wagenfenster vor schlimmeren Verletzungen bewahrt worden.

Bückeburg, 16. Juli. Im Lippeschen Dorfe Ellerburg a. d. Weser hat ein der Tollheit verfallener Hund vor etwa acht Tagen verschiedene Stück Rind­vieh gebissen, von denen eines ebenfalls als der Tollwuth verdächtig erklärt, ein anderes aber schon geschlachtet worden ist. Von dem Fleisch dieses letzteren haben mehr als 300 Menschen gegessen. Man befürchtet daher den Ausbruch einer gefährlichen Krankheit und alle Aerzte der ganzen Gegend sind mit auf. merksamen Beobachtungen beschäftigt, um größerem Unglück vorzubeugen.

London, 17. Juli. Die hiesige Militaizeitung meldet, in unterrichteten militärischen Kreisen zirculire das Gerücht, Lieutenant Curry sei vom Kriegsgericht jum Tode verurthestt worden.

Ne w - Orle ans, 19. Juli. Die hier und in anderen Städten der Süd­

staaten den aus Memphis kommenden Personen gegenüber angeordnete Quaran, taine ist wieder aufgehoben worden.

Ncwyork, 11. Juli. In Bodia (Kalifornien) flog heute ein Pulver- Magazin in die Luft, wodurch 80 Personen gelobtet und 40 verletzt wurden.

Feuilleton.

Der Schutzgeist.

Erzählung von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

„Sie werden freilich sehr hoch steigen müssen, denn wir wohnen im dritten Stock", sagte Bogislava etwas verlegen.

Tellwitz würde an der Seite dieser blendenden Schönheit ohne Bedenken den MontBlanc erstiegen haben und er sprach auch gleich diesen kühnen Gedanken aus. „Papa mag Niemand über sich ha­ben", entgegnete die Polin und in dein hellen Gaslicht des Hausflurs konnte Benno bemerken, daß ihr schönes Antlitz förmlich strahlte. Seine schwärmerische Antwort schien sie sehr angenehm überrascht zu haben.

„Weil er zu stolz ist", wagte jetzt Benno sogar zu witzeln und sie nahm selbst diesen Versuch sehr wohlwollend auf denn sie erwi­derte lächelnd: „Ei, wie geistreich! aber es geschieht nur, um unge­störter zu wohnen, nicht wahr, Papa?"

Der Major war vorangegangen; ob er das Gespräch der Beiden vollständig gehört, blieb sehr zweifelhaft, dennoch bestätigte er ohne weiteres Bedenken die Frage seiner Tochter. Bogislava zog die Klingel, ein Dienstmädchen öffnete und flüsterte ihr leise ein paar Worte zu. Ueber das Antlitz der Polin schien eine düstere Wolke zu fliegen und etwas verstimmt wandle sie sich an ihren Gast: „Ich hoffte, wir würden noch ein Stündchen allein verplaudern können, aber ein alter Freund meines Vaters hat sich bereits eingefunden, zum Glück ein sehr angenehmer Gesellschafter und so denke ich, daß wir trotzallbem einen vergnügten Abend haben werden."

„O, durch Ihre Gegenwart würde mir auch der langweiligste Mensch erträglich", versicherte Benno sogleich.

„Sie werden noch dazu ein sehr liebenswürdiges, hübsches Mädchen kennen lernen, meine gute Cousine Adelhaid", bemerkte Fräulein von Simanofski.

Tellwitz zuckte statt aller Antwort nur mit den Achseln und warf einen Blick glühender Bewunderung auf ihr edelgeformtes Antlitz^ um ihr zum Verständniß zu bringen, daß für ihn keine an­dere Schönheit mehr vorhanden sei, als diejenige, die eben vor seinen trunkenen Augen stehe.

Ein triumphirendes Lächeln spielte um die blühenden Lippen Bogislava's. „Folgen Sie meinem Papa in den Salon, ich will mich nur ein wenig umkleiden", sagte sie leise und war dann schon verschwunden.

Das Dienstmädchen hatte schon dem fremden Herrn den Ueber» zieher abgenommen und jetzt war auch bereits der Major angelangt, und an seiner Seite durchwanderte Tellwitz mehrere sehr elegant eingerichtete Zimmer, bis sie endlich in einen kleinen Salon anlang- ten, der in seiner prächtigen Ausstattung und ungewöhnlich Hellen Beleuchtung, einen höchst freundlichen Anblick bot.

„Ah, das ist ja eine angenehme Ueberraschung!" rief der Major und reichte dem alten Herrn, der sich's in seinem Lehnsessel bereits bequem gemacht hatte, Die Hand entgegen. „Guten Abend, Adelhaid", nickte er zugleich einem jungen Mädchen zu, oas mit einem Buch in der Hand am Tische saß und augenblicklich aufstand, um den Major in ziemlich demüthig gedrückter Haltung zu begrüßen.

„Darf ich die Herrschaften einander vorstellen?" fragte Herr von Simanofski und ohne eine Antwort abzuwarten, setzte er hinzu: „Herr Oberst-Lieutenant von Haverfeldt, meine Nichte Fräulein Adelhaid von Tauers, — Herr Tellwitz."

Dem Oberst-Lieutenant sah man auf den ersten Blick den alten Haudegen an. Das scharf geschnittene von Wind und Wetter stark gebräunte Gesicht verrieth deutlich, daß es manchem Sturm getrotzt haben mochte. Ein mächtiger Knebelbart gab dem alten Herrn ein noch martialischeres Aussehen. Im Widerspruch zu seiner äußeren Erscheinung war das Benehmen des Herrn von Haverfeldt äußerst liebenswürdig und zuvorkommend. Während der Major den alten Soldaten nicht verleugnen konnte, erinnerte der Oberst-Lieutenant mit keinem Wort, mit keiner Geberbe an seine frühere Laufbahn; er schien vielmehr bestrebt zu sein, das Schroffe, ja Abstoßende fei» ner Persönlichkeit, durch um so größere Aitigkeit vergessen zu machen. Bald mußte Herr von Haverfeldt den Gast seines alten Freunde- in ein lebhaftes Gespräch zu verwickeln und er entfaltete dabei eine Vielseitigkeit des Wissens, der Benno seine aufrichtige Bewunderung nicht versagen konnte. Der Major begnügte sich einige scherzhafte Redensarten mit einzuwerfen und seine Nichte verhielt sich völlig stumm.

Adelhaid konnte höchstens achtzehn Jahre zählen und war in der That eine äußerst liebliche Erscheinung. Jetzt kam schon Bogis« lava und wie nun die beiden .jungen Mädchen einen Augenblick neben einander standen, trat der ungeheure Gegensatz zwischen den