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„Ich wollte, sie stritten bis in die Ewigkeit!" rief Hans, sein Liebstes auf Erden noch fester an sich ziehend.

Gretchen war allerdings nur ein Bauermädchen, aber sie hatte durch längeren Aufenthalt in der Stadt nicht nur die geschmackvollen Formen und Manieren junger Damen angenommen, sondern sich auch eine geistige Bildung zu erwerben gewußt, um die sie von mancher Städterin hätte beneidet werden können. Sie „trug ihr reiches blondes Haar, als ob es von einer Friseuse, wenn auch nicht nach dem neuesten Modekupfer, so doch in bescheidener, echtdeutscher Weise, geordnet, und ihr langes grünes Tuchkleid mit dem schwarzen Seidenschürzchen darüber, als ob es in der Stadt gemacht worden wäre. Gretchen sprach und schrieb ein richtiges Deutsch, war mit der neuen Literatur bekannt und spielte Klavier. Diese nicht un­bedeutende Bildung gab ihr Hans gegenüber, der keine städtische Schule besucht hatte, ein gewiffes Uebergewicht, das zuweilen in drolliger, niemals aber in verletzender Weise hervortrat.

Das junge Paar benutzte die wenigen Minuten unbewachten Beisammenseins. Es plauderte, küßte und koste, als ob seine Zu­kunft ein einziger Frühling, und sein Lebenshimmel immer heiter sein würde.

„Hörtest Du nichts?" fragte Hans plötzlich. „Wurde nicht eben an die Fensterläden gestoßen?"

Gretchen lauschte.

„Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!" scherzte sie dann, ihrem Geliebten auch das kleinste Wölkchen von der Stirn zu ver­scheuchen suchend.

Hans aber blieb auf der Hut. Er fühlte sich nicht mehr sicher, sein Gedankengang nahm eine ernstere Richtung an.

„Wie glücklich würden wir sein", rief er, „wenn Dein Vater nicht so feindlich gegen mich gesonnen wäre!"

„O sprich nicht so!" erwiderte Gretchen. „Er haßt Dich nicht, aber sein Stolz, sein Alter--"

„Wollen von dem Possenreißer nun einmal nichts wissen!" fiel Hans ein.

Gretchen hielt ihrem Geliebten die Hand auf den Mund.

„Ist es wahr", fragte sie dann, „daß Du morgen den Fast­nachtsschimmel nicht reiten willst?"

„Was?" rief Hans. „Erzählt man das im Dorf? Woher dies auffallende Gerücht? Wünschest Du vielleicht, daß ich ihn nicht reite?"_____________(Forts. f.)______________________

Vermischtes

— Die „Köln. Ztg." erzählt von einem in Köln geschehenen Mord- und Selbstmordversuch auf öffentlicher Straße. Zwei Handelsreisende, welche in Folge verschiedener Vorkommnisse in bittere Feindschaft gerathen waren, trafen am Freitag Abend gegen 9 Uhr, nachdem der eine, ein baierischer Reserveoffizier, dem anderen früher, und wahrscheinlich erfolglos, ein Pistolenvuell ange­boten hatte, in der Balduinstraße zusammen. Plötzlich wurde ine friedliche Stille des Abends durch mehrere Schüsse gestört. Als ine erschreckten Bewohner der dem Orte der That zunächstgelegenen Häuser herbeikamen, fanden sie den einen Handlungsreisenden durch einen Schuß in den Hinterkops getroffen leblos in seinem Blute liegend. Der Reserveofftcier hatte sich selbst einen Revolverschuß in den Kopf beigebracht. Die Kugel war durch die Stirn eingedrungen; der Todte wurde zur Morgue, der Schwerverletzte nach dem Bür­gerhospital geschafft. Sonntag war der Zustand des Ueberlebenden so bedenklich, daß man sein Ende erwartete.

— Jena, 12. Mai. Vor wenigen Jahren ward eine Kaserne für das hier garnisonirende Füsilier-Bataillon des 94. Jnfant.-Regi-

ments erbaut. Gestern Mittag zwischen 11 und 12 Uhr brach un­ter dem Dach des stattlichen Gebäudes ein Feuer aus, das obwohl sowohl die Mannschaften wie die städtische Feuerwehr alsbald in energischer Weise die Löschungsarbeiten Vornahmen, schnell den gan­zen Dachstuhl verzehrte. Auch sonst war das Gebäude einigermaßen geschädigt, doch konnte Abends die Hälfte der Mannschaften wieder ihre Stuben beziehen, während für zwei Compagnien in der Stadt Massenquartiere beschafft wurden. Sehr erheblich ist wie man hört, der durch die Vernichtung der Bekleidungs- und Ausrüstungsgegen- stände verursachte Schaden; die sämmtlichen Kammern sind mit ihren Beständen verbrannt.

— Wien, 11. Mai. Heute Nacht wurde hier auf eine noch nicht aufgeklärte Weise ein Postbeutel mit einem Inhalt von mindestens 40,000 Fl. declarirterWerthe aus einem vomHaupt­postamt auf die Südbahn dirigirten Postwagen gestohlen. Der­selbe enthielt die gesammte Geldbriefsendung der Centrale, aller Filialen und der Vororte, die auf den heutigen Morgenzügen der Südbahn nach und über Triest, Ungarn und Tirol expedirt werden sollte. Der Abgang des Briefbeutels wurde beim Ausräumen des Postwagens durch den Packmeister constatirt. In der Geschäftswelt erregt dieser Diebstahl großes Aussehen.

Petersburg, 14. Mai. Ein Telegramm des Gouverneurs von Orenburg vom 13. d. Mts. meldet, daß nach dem Brande vom 28. v. Mts., welcher die Hälfte der Stadt vernichtete, am 8. d. Mts. ein neuer Brand ausgebrochen ist, welcher indeß durch das energische Einschreitender Feuerwehrund des Militärs rasch gelöscht wurde. Am 12. d. Mts. begann darauf bei sehr starkem Sturm­wind die Kosakenvorstadt zu brennen; dieselbe ist zur Hälfte niedergebrannt. — Der Militärgouverneur von Uralsk meldet, daß am 11. d. ein bei starkem Sturmwind entstandener Brand einen bedeutenden Theil der Stadt Uralsk ein- äscherte; es ist keine Möglichkeit, dem Feuer Einhalt zu thun; der Brand dauert fort. Ein Telegramm des Gouverneurs von Perm berichtet über den schon ge­meldeten Brand in Jrib, daß derselbe 5 Stunden angehalten habe; der dadurch entstandene Schaden werde auf 210,000 Rbl. geschätzt; die Versicherungssumme beträgt 140,000 Rbl. Die Ursache des Brandes sei einer Unvorsichtigkeit zuzu« schreiben.

LandwirthschaftUches.

— Lupinenfütterung. Daß verdorbenes Futter dem Vieh unter allen Umständen schädlich ist, ist eine bekannte, nicht abzuleugnende Thatsache. Merk­würdigerweise hat sich unter einem großen Theile der Landwirthe der Glauben eingebürgert, daß Lupinenstroh und Lupinenkörner auch dann dem Vieh unschäd­lich seien, wenn sie schimmelig und verdorben sind. Daß dies eine Täuschung, haben im letzten und vorletzten Winter verschiedene Heerdenbesitzer zu ihrem großen Schaden erfahren müssen, indem nach dem Genusse schimmeliger Lupinen die gesammte Schasheerde erkrankte und ein großer Theil davon umstand. Wer sich also vor Schaden bewahren will, beherzige, daß man solchem Vieh, von welchem man noch längere Zeit Nutzen in der Wirthschaft ziehen will, unter keinen Umständen schimmeliges oder sonst verdorbenes Futter reichen dürfe, dem Mastvieh darf man es, aber auch nur in ganz mäßigen Portionen geben.

— Die Eichel als Hühnerfutter. Die gewöhnliche Eichel, im Herbste gesammelt, im Backofen gedörrt und zu Mehl gemahlen, ist, wie ein Landwirth im „Trierischen Landboten" mittheilt, ein vortreffliches Hühnerfutter, da dieses Mehl unbedingt den Eierertrag steigert. Man setzt zu dem Zwecke dem ge­wöhnlichen Futter eine kleine Quantität Eichelmehl zu und reicht das Ganze den Thieren in lauwarmem Zustande. Am besten ist es, zuerst das Eichelmehl mit warmem Wasser zu einen Teige anzurühren, hiervon kleine Brode von der Größe einer Hand zu formen und diese zu trocknen. Beim Gebrauche genügt es, zu dem üblichen Futter für 12 Hühner J5 solchen Brodes beizumischen, das man zu diesem Zwecke in warmem Wasser aufweicht. Sehr gute Dienste leisten nebenbei noch Eierschalen oder ausgekochte und ausgebratene Knochen, die man stampsen und zu dem Futter mischen, oder auch, sobald man Vorrath davon hat, in gestampftem Zustande den Hühnern vorwerfen kann. Hühner, auf diese Weise gefüttert, erhalten stets einen erneuten Drang zum Eierlegen und kann der Ertrag derselben mit jenem bei gewöhnlicher Fütterung gar nicht verglichen werden, da er diesen um ein sehr Wesentliches übersteigt. Die Ab­sonderung der Hähne von den Hühnern hat sich bisher als äußerst vortheilhaft bewährt.

Mit dem 1. Mai er. ist ein Nachtrag XIII. zum Mitteldeutschen Gütertarifheft Nr. 24(29 in Kraft getreten, durch welchen neue Tarifsätze für die Station Romanshorn, Rorschach und Bregenz, sowie abgeänderte Frachtsätze für verschiedene Stationen zur Einführung kommen. Näheres ist bei unseren Expeditionen zu erfahren. (H* 61187) Frankfurt a. M., den 10. Mai 1879.

Königliche

Eisenbahn-Direction.

Bekanntmachung.

Vom 15. Mai d. I. ab werden aus

Hersfeld Stadt abgefertigt werden: a) die 2. Personenpost nach dem Bahnhof 105 Vorm. (zum Anschluß an den Zug 10 Frankfurt aM.-Bebra.)

Anzeigen.

b) die 5. Personenpost nach dem Bahnhöfe 52S Nachm. (zum Anschluß an den Zug 9 Bebra-Frankfurt a.jM.) c) die Personenpost nach Schlitz 620 Uhr

Gußeiserne Iumpen verschiedener Größe und Construction von 30—250 Nm.

Gußeiserne Sänken & Träger in allen. Dimensionen.

in verschiedenen Größen mit und ohne Vorbau, nach Kamselma^cymen Nadeburger System.

^^Ctbcgöpd*, (1-, 2- und 3-spännig) ganz aus Eisen.

Kettenjauchenpumpen.

Gusseiserne Grabkreuze & 6artvnwödel, sowie alle möglichen Gußtheile

nach eingesandten und vorhandenen Modellen, liefert

W. Sexaiier,

Maschinenfabrik & Eisengiesserei, Hersfeld.

Abends.

Hersfeld, am 14. Mai 1879.

Kaiserliches Postamt.