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Kreis Hersfetd.N""

^Hersfeld, den 2. Mai 1879.

D L Wie ich mich bei meinen Kreisbereisungen überzeugte, wird das in Folge meiner Verfügung vom 29. Mai 1877 Nr. 5746, Kreis­blatt Nr. 43, für alle Gemeinden des Kreises in je 3 Exemplaren beschaffte Straffen-Reinigungs-Regulativ vom 14. November 1828, was das dadurch verbotene Abfliehen der Mistjauche auf die Wege anlangt, noch immer nicht in genügender Weise beach­tet resp, befolgt.

Ich bringe daher diese Bestimmung hierdurch nachdrücklichst in Erinnerung und bemerke gleichzeitig, daß ich, bei etwa weiter von mir vorgefundenen Contraventionen, nach Lage der Umstände den betreffenden Ortspolizei-Beamten gleich in Ordnungsstrase nehmen werde.

Die Gendarmerie, welche sich dies gleichzeitig zur besonderen Nachachlung dienen zu lassen hat, ist selbstredend auch hierin zu thun verpflichtet, was ihr Amt erfordert und erwarte ich eventuell von derselben die sofortige Anzeige über einen säumigen Ortspolizei- Beamten.

5421. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Tagesbegebenheiten.

Au- Heffen-Nassau.

Wolfhagen, 29. April. Heute Nachmitlag gegen 3 Uhr brach in dem Hause des Sattlers M. dahier plötzlich Feuer aus, welches mit solcher Schnellig- feit um sich griff, daß in kurzer Zeit der ganze Dachstuhl des Hauses in hellen Flammen stand. Die Rettungsmannschaft war, wie immer, schnell zur Stelle, um durch energisches Eingreifen einem weitern Umsichgreifen des Elementes Einhalt zu thun. Es gelang ihr auch, durch Niederreißen des Gebäudes das Feuer bis gegen 8 Uhr Abends auf feinen Herd zu beschränken. — Leicht hätte bei dieser Gelegenheit ein Unglück passiren können, indem ein aus dem brennenden Hause beschäftigter Handwerker mit dem niederstürzenven Gebälk in die Tiefe geschleudert wurde; glücklicherweise kam derselbe mit dem Schreck davon. Ueber die Entstehung deS Brandes verlauten Gerüchte, die zur Zeit noch der Be- gründung entbehren. Nur so viel sei bemerkt, daß der Besitzer des Hauses kurz vor Ausbruch des Feuers seine Wohnung verlassen hatte, um sich auf die Reise nach Marburg zu begeben. (S. Tgbl.)

Fulda, 29. April. Gestern Abend constituirte sich in einer im Austrage eines Beiläufigen Comitss vom Herrn Oberbürgermeister Rang einberufenen Versammlung von Gartenfreunden ein Gartenbauverein. (C. Tgbl.)

Hanau, 29. April. Am Sonnabend brannte es in Mittelbuchen. Ein dortiger Einwohner ist in Folge dessen wegen Verdachts der Brandstiftung ge­sanglich eingezogen worden. — Gestern Mittag gegen 1 Uhr brannte in Groß- Anheim der Dachstuhl eines Hauses nieder. — Die Person, welche vor einigen Tagen in der Mühle zu Somborn einen schweren Einbruchsdiebstahl verübte, ist hier verhaftet worden. (H. Z.)

Borken, 28. April. Am 25. d. M., Morgens 4 Uhr war die Ehefrau des GastwirthS L. zu Kerstenhausen ausgestanden, um, wie gewöhnlich, ihre häuslichen Arbeiten zu verrichten. Eine Stunde später stand auch der alte, stets friedliche Gatte auf. Da er kein Feuer zur Bereitung des Frühstücks angefacht fand, ward er um feine schon längere Zeit leidende und doch stet«

rührige Gattinn besorgt, -suchte mit£ herbeigerufener Hülfe nach derselben und fand endlich die 79jährige Ehehälfte auf dem Aborte sitzen, wo sie sich mit einem Rasirmesser den Hals abgeschnitten hatte. Die Ursache dieser grausen That kann nur Geistesstörung sein. (Tpst.)

Dillenburg, 26. April. Die Frau des hiesigen Kreisboten, welche längere Zeit über Unwohlsein klagte, verlor beim Erbrechen einen lebenden, fingerlangen Salamander (Molch), gewiß eine Naturseltenheit. Jedenfalls ist das Thierchen im minimalen Zustande mit Trinkwasser verschluckt worden und im Magen zu etwas weiterer Ausbildung gekommen. (Tpst.)

$ Gadebusch. Der älteste Sohn des Grasen von Schulenburg, ein junger Mann von 18 Jahren, ging mit seinem etwa gleich alten Freunde, den Baron v. M., und dem Gutsjäger in der Nähe von Bobitz auf die Schnepfenjagd. Beim Ueberspringen eines Grabens entlud sich das Gewehr des Barons, an dem die Versicherung nicht vorgeschoben war, und die ganze Ladung drang in den Rücken des jungen Grafen, der in 4 Minuten eine Leiche war. Die Verzweiflung des Barons war so schrecklich, daß der Jäger nur mit Mühe ihn von einer verzweifelten That zurückhalten konnte.

Petersburg, 30. April. Ein Telegramm des Gouverneurs von Orenburg an den Minister deS Innern, aus Orenburg vom 28. d., Abends 11^ Uhr, meldet: Bei starkem Sturmwind bremst die Stadt Orenburg von 10 Uhr Morgens an; es ist keine Möglichkeit vorhanden, die brennenden Stadttheile zu retten. Das Feuer verbreitet sich rasch, das Unglück ist schrecklich. — Ei» weiteres Telegramm vom 29. d. M. 8 Uhr 40 Min. Morgens besagt: Der Brand dauerte bei starkem Sturmwind den ganzen gestrigen Tag und die ganze Nacht hindurch fort. Heute brennen noch einzelne Häuser auf der gesammten Brandstätte. Der Sturm hat aufgehört. Das Feuer hat eine Kirche beschädigt. Niedergebrannt sind zwei Kirchen, der Bezirksstab, die Artillerickaserne, die Stadtduma, die Jngenieurverwaltung, der Kaufhos, die Telegraphcnstation, das Lchrinstitut, der Kameralhof, der Controllhof, das Kreiskriegsgericht und die besten Stadttheile. Die Krongelder und die meisten Aktenstücke sind gerettet. Der von der Bevölkerung erlittene Schaden ist enorm. Bisher sind drei ver­brannte Leichen aufgesunden worden; mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ohne Obdach und ohne Nahrungsmittel. Die durch die Feuersbrunst Be­schädigten werden in Baracken hinter der Stadtlinie und in dem Sommerlokale des Gymnasiums untergebracht. Um Zusendung von Brot und Lebensmitteln ist der Gouverneur von Samara telegraphisch ersucht worden, auch in den be­nachbarten Ortschaften wurden Anordnungen zur^Herbeischaffung von^, Lebens» Mitteln getroffen. Aus Samara treffen heute Abtheilungen der dortigen Feuer­wehr hier ein. Es wird die Bildung eines Unterstützungscomitös beabsichtigt, die Masse der Nothleidenden ist jedoch so groß, daß die am Orte vorhandenen Hilfsmittel bei Weiten unzureichend sein dürften. Der Gouverneur ersucht den Minister um schleunige Unterstützung durch Geldmittel. Mährend der Feuers­brunst sind keinerlei Ausschreitungen vorgekommen. Unter den zu Schaden ge­kommenen Personen befinden sich s> hr viele Beamte. Der Minister des Innern hat vorläufig 10 000 Rubel angewiesen.

Petersburg, 1. Mai. Ein Telegramm des Gouverneurs von Orenburg vom 30. April meldet: Das Unterstützungscomitv hat seine Thätigkeit be­gonnen, da Nahrungsmittel aus Samara eingetroffen sind. Der Brand ist durch Unvorsichtigkeit verursacht worden. Nach genaueren Feststellungen sind niedergebrannt 949 Häuser, 2 Kirchen, 4 Mühlen, 292 Laden nebst Lagern von Theer- und Kohlenbuden, Bazare von Fleischwaaren, Gemüse, Bau- und Brenn­holz, außerdem das Töchtcrgymnasium, das Progymnasium, der Klub, das Armenhaus, das Polizeigebäude und die Kammer des Friedensrichters. Nach einem Telegramme aus Livadia von 30. April hat der Kaiser seinerseits 10,000 Rubel nach Orenburg zum Zweck der Unterstützung der Nothleidenden senden lassen.

Anzeigen.

Die Lieferung von

230 Stück behauenen Distvjcts- fteinen

für die Oberförsterei Hotenbnrg- Ost soll öffentlich an den Wenigstfordeln- den vergeben werden.

Termin hierzu ____

den 9. Mai

Nachmittags 8 Uhr im Gasthause zum Engel dahier. Bedingungen können in dem Büreau des Unterzeichneten eingesehen werden. Rotenburg, den 30. April 1879.

Der königliche D6erför|ter

I. L.

Koepp, Forstkand.

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Eduard Krach.

Atttps? in den Gießen ist zu verkaufen.«oder zu verpachten. Näheres bei

B. Kirechner.

Worddeutsche

Kaget-Werftcherungs-HeseKschaft.

Die Neider und Feinde dieser Gesellschaft, welche es verstand in der kurzen Zeit ihres Bestehens alle Concurrenz-Gesellschaften um ein Bedeutendes zu überflügeln, können es nicht lassen, wie in jedem Jahr, so jetzt wiederum durch Zeitungsannoncen aller Art, sowohl in Hoch- als niederdeutscher Mundart, sie zu schmähen und zu verläumden Bald sind es die von ihr erhobenen Nachschüffe, welche in Hunderten von Blättern genannt werden, und wobei man natürlich verschweigt, daß die Beiträge incl. der Nachschüff e erheblich niedriger waren, als bei andern Gesellschaften, insbesondere bei den Actiengesellschaften, bald werden die Verwaltungskosten zum Gegenstand gänzlich unmotivir- ter Angriffe gemacht, obschon wir wiederholt den Nachweis geführt, daß wir billiger ver­walten, als andere, namentlich die Actien-Gesellschaften. Da Alles nichts geholfen, so versucht man in neuester Zeit unsere VersicherungS-Bedingungen in hämischster Weise zu kritisiren, indem man hauptsächlich die von der letzten General-Versammlung beschloffenen Abänderungen als etwas ganz absonderliches tadelt.

Nach dem Sprichwort: „Viel Feind, viel Ehr" können wir alle derartigen Angriffe nur mit Freude begrüßen; sie haben bisher stets dazu gedient, die Aufmerksamkeit der Landwirthe auf uns zu lenken, und uns neue Mitglieder zuzuführen. Wir sind unsern Neidern daher dankbar, daß sie es auch jetzt an Bemühungen, UNS zu nü^en, nicht fehlen lasten und würden uns jeder Erwiederung enthalten, wenn die Kritik unserer Ver- sicherungSbedingungen nicht eine kurze Beleuchtung erforderte. Zum großen Aerger ihrer Feinde stets bemüht, ihre Einrichtungen zum Vortheil ihrer Mitglieder zu verbessern — denn nur diesen nutzen sie, nicht fremden Actionairen — hat die Gesellschaft im vorigen Herbst durch eine aus Mitgliedern bestehende Commission Abänderungsvorschläge ihres Statuts und der Versicherungsbevingun^en ansarbeiten lasten,