Kreis
für den
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^F 34» Sonnabend den 26. April L8^S
Da» „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis befleißen bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pf,. berechnet.
Amtliches.
Mit Bezugnahme aus unsere Veröffentlichung vom 30. August 1876 (Amtsblatt Nr. 43 Seite 233) machen wir daraus aufmerksam, daß im Verlage des hiesigen reformirten Waisenhauses erschienen ist:
„Erstes Nachtragsheft zu Seelig's Polizei-Verordnungen, enthaltend die bis zum Schlüsse des Jahres 1878 für den Regierungsbezirk Cassel ergangenen Polizeibestimmungen."
Dasselbe enthält nicht nur die im Amtsblatt publicirten Polizei-Verordnungen, sondern auch die in den Kreisblättern publicirten lokalpolizeilichen Bestimmungen. Cassel den 8. April 1879.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Kreis Hersfeld.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden rc' des Kreises haben mir bei etwaiger Gründung von Privat- Sparkassen innerhalb ihres Verwaltungsbezirks alsbald Bericht zu erstatten und eine Nachweisung nach dem vorgeschriebenen, im Amtsblatt pro 1878 Seite 379 und 380 abgedruckten Formular einzureichen.
Hersfeld, am 23. April 1879.
4960. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Die Herren Bürgermeister zu
Heenes, Kalkobes, Oberhaun, Reilos, Kleba, Bengendorf, Gethsemane, Leimbach, Lengers, Dünkelrode, Hilmes, Röhrigshof, Ransbach und Wüstfeld
werden hierdurch unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 12. November v. J. Nr. 11384 (Kreisblatt Nr. 92) erinnert, noch bis spätestens zum 1. Mai d. I. die Neuwahl des Ausschuffes vornehmen zu lassen, wobei ich die genaueste Beachtung der in meiner Verfügung vom 20. December v. I. Nr. 12759, (Kreisblatt Nr. 102) gemachten Bemerkungen erwarte.
Hersfeld, am 24. April 1879.
5102. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
625, Das durch meine Bekanntmachung vom 17ten Januar d. I. (Amtsbl. Nr. 6. 19. 27. u. 30) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiter- BildungSverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Die Nemesis" zur Ausgabe gelangen.
Berlin den 19. April 1879.
Der Reichskanzler. In Vertr.: Hofmann.
'Berlin W„ 23 April 1879.
PostanweisungSverkehr mit Niederland und Niederländisch-Ostindien.
Vom 1. Mai ab kommt bei Postanweisungen nach Niederland und den Niederländischen Besitzungen in Ostindien das Umrechnungs-Verhältniß von 100 Gulden Niederländisch gleich 170 Mark in Anwendung. ____________________Kaiserliches General-Postamt. Wicbc. ____ Cassel, den 23. April 1879.
Bei dem Postamte in Rosenthal wird am 24. d. Mts. eine Telegraphen-Anstalt mit Fernsprechbetrieb in Wirksamkeit treten.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector Vahl.
Tagesbegebenheiten.
Aus HeffemNaffau.
* HerSfeld, 25. April. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, erfreut sich die aus Anlaß der goldenen Hochzeit unseres Erlauchten Kaiserpaares Seitens des Comites deS Jnvaliden- dank „zum Besten militärischer Hülftbedürftiger" ins Leben gerufene Lotterie überall der besten Ausnahme. Das Ergebniß derselben soll am Tage der goldenen Hochzeit dem Kaiserlichen Jubelpaare als
Festgabe zu Füßen gelegt werden. Den General-Vertrieb der Loose ä 3 Mail besorgt der Jnvalidendank, Berlin W. Markgrafenstr. 5la und vergütet gegen Einsendung des Betrages auf 12 Loose ein Freiloos, auf 100 Loose 10 Freiloose; auch werden von demselben Agenturen bestellt. Die Genehmigung zur Ausspielung der Lotterie ist ertheilt für die ganze Preußische Monarchie sowie für die andern Deutschen Staaten.
Cassel, 24. April. Heute Nachmittag wurde der 6jährige Sohn des Handschuhmachers Ritter Heimel dahier in der oberen Königsstraße von einem Möbelwagen übersahren und fand sofort seinen Tod. Der Knabe hatte sich während des Fahrens heimlich unter den Wagen gemacht und in das Schiff gelegt, in der Königsstraße angekommen, wollte er sich auf dieselbe Weise ent» fernen und wurde dabei von einem Rade erfaßt, welches ihm über den Kopf und Hals hinwegging, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.
Marburg, 23 April. Gestern Abend |1O Uhr verschied in der hiesigen Klinik nach kurzem Krankenlager hochbetagt der frühere Kunstreiter und Circns- Director Herr Götz. Der Verstorbene, in seiner Jugend ein flotter Bursche unserer Hochschule, hatte sich, nachdem bei der Belagerung von Paris im Jahr 1870 sein Circus nebst Pferden in Verlust gerathen war, hierher in seine Vaterstadt zurückgezogen. Sein Leben war ein viel bewegtes, möge ihm die Erde leicht sein. (TbI.)
Melsungen, 23. April. Soeben erfahre ich, daß ein Hülfswörter beim Landesgestüt in Melsungen gestern von einem der Hengste so unglücklich auf da« Rückgrat geschlagen wurde, daß der Tod sofort eintrat* — Der betreffende Knecht im Marstall zu Melsungen war ein sehr ordentlicher Mensch aus Elfershausen und hinterläßt eine Frau mit 3 Kindern. (Tgpst.)
Morles (Kr. Hünfeld), 23. April. Am Montag, den 21. d., brach Mittags 12 Uhr dahier Feuer aus, das bei günstigem Winde dem Schmied und Bauer Fladung eine Scheune, zwei Nebengebäude, Schmiede und Pferdestall und dem Gelderheber Möller Wohnhaus und Scheune total in Asche legte. Beide Abgebrannten waren mit ihren Mobilien gering versichert. Möglich, daß von der Schmiede aus, in welcher des Morgens bis 11 Uhr gearbeitet worden, Funken auf unerklärliche Weise das Unglück herbeigeführt haben. (Tgpst.)
Feuilleton.
Die Geschwister.
Von C. Schütze.
(Fortsetzung.)
Die feierliche Beisetzung der Leiche der Varoneß in der Gruft ihrer Ahnen hatte stattgefunden und die zahlreichen Trauergäste das Schloß verlassen.
Der Baron war im Schlöffe zurückgeblieben, um hier einen Ueberblick über die Erbschaft zu gewinnen, denn alle Dokumente und die größeren Geldpapiere befanden sich hier ausbewahrt, da die Ba- roueß nur das für ihre Person Nothwendige nntzunehmen pflegte, wenn sie im Winter ihr Haus in Berlin bezog.
Es waren vierzehn Tage vergangen und die Schloßuhr halte so eben die elfte Stunde in der Nacht angezeigt. In dem Wohnzimmer der verstorbenen Baroneß, einem mit dunklen Eichenholze getäfelten düsteren Gemache saß der Baron vor dem geöffneten Schreibtische, auf welchem eine Anzahl von Papieren und Dokumenten ausgebreitet war, unter denen er unruhig wühlte und ordnete.
Die Stirn des Barons schien von Sorgen umwölkt, sein Auge war unruhig und seine Miene verrieth Ungeduld und Verdruß. Aergerlich sprang er endlich auf unv ging, das Haupt gesenkt, mit heftigen Schritten im Zimmer auf und nieder.
„Meine Schwester muß bei ihrem Leben den größten Theil ihres Vermögens weggegeben haben oder sie ist bestohlen worden", murmelte er. „Aber wem kann sie das Geld zugewendet haben, oder wer ist der Dieb? Verdammt! was ich hier gefunden, wird gerade hinreichen, meine Schulden zu bezahlen und was dann? Und deshalb bin ich zum Betrüger geworden, vielleicht zum Mörser!"