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schöne Mädchen an seinem Herzen. Von Wonne durchbebt, preßte er sie fest an sich und flüsterte ihr zu: „Bella, ich liebe Dich heiß. Wie wunderbar schön bist Du in diesem Augenblick."

Bella, fast gänzlich der Wirklichkeit entrückt, gewahrte Nichts mehr von dem, was um sie her vorging: so blieb ihr denn auch unbemerkt, daß sich ihrer Mutter ein Schwindel bemächtigte. Die bejahrte Dame wurde plötzlich ohnmächtig; noch lehnte sie sich rasch mit Arm und Hand auf den Bord des Kahnes, dabei verlor sie aber das Gleichgewicht, und ehe Jemand rettend auf sie zueilen konnte, stürzte sie mit einem bewußtlosen Angstschrei in das Meer.

Signor di Turiello sprang ihr sofort nach, und während An­tonio mit großer Mühe den Kahn wieder emporrichtete, hob der junge Mann die besinnungslose Frau in die Höhe und legte sie in die Arme der geängstigten Tochter.

Antonio zündete in der Grotte ein Feuer von Reisig an, um die Kleider zu trocknen, doch Frau Hartwig bedurfte zu sehr der Luft und des Sonnenlichtes, weshalb man sich beeilte, das offene Meer wieder zu erreichen, und pfeilschnell trieb das Boot nun, von einem leichten Abendwind begünstigt, nach Sorrent zurück. Nach glücklicher Landung führte der Signor Die sehr ermattete Frau Hartwig die Felsentreppe hinauf, und diese drückte ihrem Lebens­retter dankbar und warm, aber stumm die Hand. Als derselbe darauf auch Bella's Hand ergreifen wollte, wandle sich diese erschrocken ab, denn ihr Vater stand an der Thür, doch als dieser sie ganz unbeachtet ließ und seine Gattin in das Haus führte, streckte sie rasch dem Signor ihre Hand entgegen, widerstrebte auch nicht, als dieser sie leidenschaftlich an sein Herz zog und mit Innigkeit küßte.

Lautlos schieden sie von einander. Bella zog sich in ihr Schlaf­gemach zurück und überließ sich ihren Gedanken. Die Erinnerung an diese erste Umarmung durchschauerte sie mit Wonne, und in die­sem seligen Zustande senkte sich endlich der Schlaf aus ihre Lider und umgauketle ihre Phantasie mit süßen Traumgebilden. (F. f.)

1. „Bildung gibt Macht."

(Schluß.)

Auch ich kann ja nur die harmonische Bildung des ganzen Menschen als die rechte Bildung gelten lassen, und ich gebe gern zu, daß die Förderung des sittlichen Charakters, der ja durch die Religion seine schönste Weihe erhält, im Hause wie in der Schule ungleich mehr gepflegt werden muß, als dies seither geschehen ist. Wenn auch der Altmeister Göthe nicht mit Unrecht sagt: „Es bildet der Charakter sich im Strom der Welt," so will mich doch bedünken, daß es nicht wohlgethan ist, die junge Welt, zumal die Lehrlinge, von denen oben die Rede war, „dem Strome der Welt" zur Charakterbildung allzusehr zu überlassen. Freilich gibt es kein allgemeines Recept für harmonische Bildung der Einzelwesen. Schon ein alter braver Schulmeiner hat gemeint: „Man kann verlangen, daß die Seele Die Fühlhörner ausstrecke, die sie hat, aber man kann nicht verlangen, daß sie mehr ausstrecke, als sie hat." Es gilt also, der Eigenthümlichkeit der Einzelnen Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, daß die Einzelnen die richtige innere Harmonie, das innere Gleichgewicht für ihre besonderen Anlagen finden, das ist das Ziel der wahren Menschenbildung, die eben im höchsten Sinne mit der Religion zusammenfällt. Die schönsten Früchte harmonischer Bildung: innerer Frieden, und treue Pflichterfüllung im Einzelnen und im Kleinsten reifen ja nur im Lichte der Weltanschauung, welche in der Welt nicht das Spiel des blinden Zufalls sieht, sondern das Walten einer unsichtbaren Macht, die Alles zu ihren Zielen zu leiten und selbst das Böse zum Besten zu wenden weiß.

Solch' einer Bildung, wie Du sie im Auge hast, will ich gern das Wort reden, und nun darf ich auch die harten Worte zurücknehmen, die ich vorhin gegen die Volksbildung überhaupt geredet habe. Ich sehe die Sache jetzt auch von der andern Seite an. Freilich Du wirst mit Deinen Ansichten von Bil­dung vor den Augen der falschen Lichtfreunde, die Dich vielmehr als einen „Verdummungspreviger" kennzeichnen werden, wenig Gnade finden. Können sie es Dir doch nimmermehr vergessen, daß Du neulich einem der Ihrigen, welcher seine Rede mit dem Satze: „Bildung macht frei" unter donnerndem Beifall schloß, zu Gemüthe führtest, daß die Freiheit aber nicht blos Rechte, sondern auch Pflichten in sich schließe, daß, je größer die Freiheit sei, um so strenger auch die Selbstzucht sein müsse, und daß ein gutes Gewissen ungleich mehr werth sei als alles Wissen, — goldene Worte, mit denen Du schon da­mals keinen Beifall geerndtet hast.

Ich würde mir ja selber untreu werden, wenn ich durch Volksgunst mich in meinen Grundsätzen beirren ließe, ich halte es darin mit dem Dichterwort:

„Richt auf Menschenherzen laß uns bauen.

Richt auf Herrengnad' und Volkesgunst;

Eh' will ich mein Korn in's Wasser bauen Und mein Haus in gold'nen Wolkendunst."

Und darum werde ich nicht müde werden, denjenigen Vereinen, in welchen ächte Menschenbildung und veredelnde Geselligkeit ihre Stätte finden, treu zu bleiben, trotz der Lauheit der Einen und der bitteren Feindschaft der Anderen. Man erkennt nachgerade immer mehr an, wie solche Vereine, in denen verschiedene Stände, verschiedene deutsche Stämme und verschiedene Konfessionen vertreten sind, als ein doppelter Segen sich erweisen in Zeiten, wo Besonderheiten der Stämme und der Glaubensgemeinschaften auf Kosten der mit so schweren Opfern errungenen nationalen Einheit sich geltend zu machen suchen. Da thut eine auf patriotischer und sittlich-religiöser Grundlage ruhende, gemeinsame Volks­bildung doppelt noth, welche jene Gegensätze ebenso, wie die Parteien im socialen Klafsenkrieg redlich zu versöhnen trachtet. Solcher Bildung, welche für die Autorität der Staatsgewalt, wie Preußens Könige sie von jeher verstanden haben, keineswegs ein Hemmniß, sondern, zumal in schweren Zeiten, eine recht wirksame Stütze ist, aus vollem Herzen ein aufrichtiges Glückauf! Sie allein darf gegenüber der hohlen Halbbildung, die nur Hochmuth gibt, getrost das Wort an der Stirn tragen: Bildung gibt Macht!

Vermischtes

Münden, 16. Januar. Gestern versuchte hier ein Dienst" Mädchen das Kind seiner Herrschaft zu vergiften, indem es Kupfer­wasser zwischen die Milch, welche für das Kind bestimmt war, mischte. Es stellte sich während des Genuffes Erbrechen bei dem Kinde ein und ließ der Vater, Herr S., die Milch untersuchen, wobei sich obi­ges Resultat herausstellte. Das Kind ist gerettet, die Verbrecherin in Haft genommen.

— Gestörte Jagd. Aus Düren in cher Rheinprovinz, den 13. Januar berichtet man: Mehrere Jäger begaben sich verflossenen Sonnabend nach dem wollersheimer Buschs.jzur-Jagd auf wilde Schweine. Diese Jagd wurde indeß durch ein höchst beklagenswer- lhes Ereigniß gestört. Ein auf ein wildes Schwein abgegebener Schuß eines der Jagdgenossen traf unglücklicher Weise den beige» ordneten Bürgermeister Reuther und zwar derart, daß er sofort hin- sank und seinen Geist aufgab.

Wo'rms, 17. Jan. Heute Vormittag fand eine Frau in dem Magen einer Gans, welche sie erst vor einigen Tagen gekauft hatte, ein Zehnmarkstück.

München. Ein hiesiger Kaufmann wurde wegen Spielkarten- Stempelhinterziehung in eine Geldstrafe von 1200 M. verurtheilt

Freib urg i. Br., 14. Jan. Das Kreisgericht verurtheilte einen Bierbrauer, welcher aus Neid über die starke Concurrenz eines Collegeii in das in der Zubereitung begriffene Bier desselben eine beträchtliche Quantität Viehsalz einschmuggeln ließ, wodurch Dasselbe ungenießbar wurde, zu 1| Jahren Gefängniß.

Frei bürg, 13, Jan. In der Nacht auf Sonntag hat die leidige Ofen­klappe hier wieder einmal ihr Opfer gefordert. Samstag Abend legte sich die in den vierziger Jahren stehende Frau Lutz von hier mit ihrem Mädchen schlafen Im Ofen brannte das Steinkohlenfeuer noch, als die Klappe geschlossen wurde. Gestern früh wurde die Thür gewaltsam geöffnet und man fand die Frau, welche in der Nähe des Ofens schlief, im Bett todt vor. Das Mädchen athmete noch, war aber ohne Besinnung und wurde ins Krankenhaus gebracht. Man hofft auf Dessen Genesung.

GneseN, 7. Januar. Heute um 10 Uhr Vormittags wurde Feuerlärm geschlagen und das Hirsch'sche Haus in Der Bromberger- straße als Brandstelle bezeichnet. In einem Zimmer dieses Hauses wohnte ein Ächuhmachergeselle, der außerhalb Beschäftigung hatte; auch seine Frau war ihrem Geschäfte als Aufwärterin nachgegangen und hatte ihre drei Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen im Alter von 5, 3 und 1 Jahr, noch schlafend im Bette zurückgelassen. Ver­muthlich haben Die Kleinen später mit Streichhölzchen gespielt und auf diese Weise das Bett angesteckt. Eins der Kinder war fast gänzlich verkohlt, während Die beiden anderen in dem dichten Rauch erstickt waren und nur mit leichten Brandwunden bedeckt am Boden liegend vorgefunden worden sind.

Z erb st. Kürzlich fand auf einem benachbarten Territorium eine Treibjagd statt, zu welcher im Ganzen zehn Jäger ausgegangen waren. Das Ergebniß war jedoch ein den Erwartungen wenig ent« sprechendes. Geschossen wurden ein Hase, angeschossen Drei Treiber. Zum Ueberflusse war auch noch ein Gendarm so frei, die Nimrode nach den Jagdkarten zu fragen, wobei es sich herausstellte, daß nicht weniger als fünf legitimationslos in Die freie Natur geknallt hatten.

— (Eine theure Cigarre.) Der junge Kaufmann L. in München hatte einen Termin vor Gericht und trat vor Den Richter mit einer brennenden Cigarre. Der Richter, ein Assessor, sagt nur mit einem Bück aus Die Cigarre: Sie kommen noch nicht daran. — L. geht hinaus auf den Gang, wartet eine Zeit lang und fragt dann Den Assessor: Nun, komme ich immer noch nicht Daran? Der Assessor antwortet: Ich wollte Ihnen nur Zeit lassen, Ihre Cigarre auszurauchen; Sie können jetzt daran kommen, ich muß Ihnen aber sagen, daß es eine Unverschämtheit ist, mit brennender Cigarre vor Gericht zu erscheinen. — L.: So? wenn Sie mir das sagen, so finde ich dies gleichfalls unverschämt. — Das war eine Beamtenbeleidigung, die ihre 3 Wochen Gefäng­niß eintrug. Von Rechtswegen!

F ü r H ü h n c r z ü ch t e r. In Amerika hat man die Entdeckung gemacht, daß Die Hühner sehr begierig nach Cayennepfeffer sind und Darauf selbst im Winter fleißig Eier legen. Unter Cayennepfeffer versteht man die gepulverten Schalen der Frucht vom spanischen Pfeffer, Der in unsern Gärten häufig als Zierpflanze angebaut wird. Die amerikanischen Hühnerzüchter geben jetzt ge­wöhnlich für ein Dutzend Hühner alle 2—3 Tage einen kleinen Theelöffel voll gut vertheilt unter Das Futter. Die Wirkung soll sehr befriedigend sein. Na­mentlich soll das Mittel Die Hühner zum zeitigen Eierlegen im Winter anregen. Da Der spanische Pfeffer offenbar als ein Reizmittel wirkt, so Darf man selbst­verständlich die Anwendung desselben nicht übertreiben. — Ein ähnliches Reiz- mittel ist der Same Der gemeinen großen Brennnessel Der, unter das Futter gegeben ebenfalls das Eierlegen der Hühner im Winter befördert.

— Jn einem Alter von 108 Jahren starb kürzlich in Dem Dorfe Rudow, Teltow'schen Kreises, Die Schwiegermutter des Milchpächters Schulz, nachdem sie bis kurz vor ihrem Tode sich noch unausgesetzt mit Spinnen und anderen häuslichen Arbeiten beschäftigt hatte. Die Tochter Der Verstorbenen, eine Frau Schulz erfreut sich bereits des respectablen Alters von 88 Jahren und dabei der besten Rüstigkeit.

Ein kühner E i sen b a h n r a u b ist dieser Tage in Mexico, zwischen Den Städten Puebla und Veracruz vollführt worden. Etwa ein Dutzend Bri- ganten nahmen in einem Waggon Dritter Klasse hinter Dem Gepäckwagen, in welchem sich 28,000 Pfd. Sterl. befanden, Platz, koppelten dann, als Der Zug in Fahrt war, die Hinteren W. ggons los und zwangen den Locomotivführer weiterzufahren bis zu einer Stelle, wo 25 berittene Männer aufgestellt waren und Halt geboten. Alsdann wurde das Geld auf Maulthiere geschafft, und der Zug, von dessen Personal ein Mann getödtet, ein anderer schwer verletzt war, seinem Schisssal überlassen.