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xeren Gästen vorüber in die Wand, ohne irgend Jemanden zu treffen, und man kam mit einem Schrecken davon, indeß der Schuß arge Spuren zurückiieß. (C. TM.)

Feuilleton.

Halle JRuaß.

Novelle von Eli>e Kraut.

(Fortsetzung).

Mein heißgeliebter Gotthold. Der junge Graf von Polensky Halte wegen Ablauf seines Urlaubs Neapel bei unserer Ankunft schon verlassen, er wird aber nach einigen Wochen hierher zurück­kehren, um einen schon geflochtenen Korb von mir in Empfang zu nehmen. Diese Thatsache steht fest, die Verzögerung ihrer Ausfüh­rung stellt aber meine Geduld auf eine harte Probe, denn meine Sehnsucht nach Dir, mein Geliebter, mehrt sich mit jedem Tage. Am Lago-Maggiore mit Deinem Freunde Stephan mindestens von Dir reden zn können, wollte mir nicht gelingen, der seltsame Mensch brach jedesmal das Gespräch ab, wenn ich nur Deinen Namen nannte. Wenn ich auch dem allgemeinen Urtheile über ihn, daß er ein interessanter und liebenswürdiger junger Mann ist, gern bei- pflichte, so mißfällt mir doch an ihm die vorzugsweise praktische Richtung seines Verstandes und Gemüthes. Meine liebe Cousine Erna scheint sich seiner besonderen Gunst zu erfreuen, aber seine Herzensthür hält er dabei doch sehr sorgfältig verschlossen, und ist beständig, wie gegen sich selbst, so auch gegen alle Andere auf der Hut. Aber unter einer so strengen und kühlen Philosophie verlieren ja alle leuchtenden Farben der Welt ihre Kraft und ihren Schmelz. Wer Menschen und Dinge nur durch solche Gläser beobachtet, für den muß ja eist allgemeines Verblaffen, eine Art Dämmerung ein­treten, in welcher ich den Lebensweg nicht durchwandern möchte. Ich liebe das Licht und die Wärme wie sie Dir inne wohnt, mein Gotthold, darum sehnt sich auch mein Herz so sehr einmal wieder an dem Deinem ruhen zu können. O welch' ein wonnevoller Ge­danke mein Geliebter, hier mit Dir unter den Orangendüften von Sorrent, den schönen Traum vom seligen Glück unserer Liebe un­getrübt fortträumen zu können. O wie öde wäre doch das Leben ohne die Göttergabe der Liebe! Hoffen wir, daß ich bald in die Lage versetzt werde, an Dich, mein Gotthold den Ruf ergehen lassen zu können: Eile in die Arme Deiner Dich helßliebenden Bella."

Gotthold den dieses Schreiben freundlichst überraschte, zögerte keinen Augenblick, um dasselbe zu beantworten, denn ungeachtet aller Warnungen und Borstellungen Stephans, der für die Sache seines Freundes einen schlimmen Ausgang befürchtete, dachte er nur an das Glück das seiner an der Seite der schönen Bella erwartete.

Stephan ist in der That ein Pendant murmelte er vor sich hin er steht an der Quelle und verschmachtet, nur um konsequent sein Prinzip der Mäßigung und Selbstbeherrschung durchzuführen. Welche Thorheit!"

Frau Hartwig, die sich zu schwach fühlte, um ihre Bella auf all ihren Spaziergängen selbst begleiten zu können, hatte die Tochter ihrer Hauswirthin, Annunziata, zu ihrer Begleiterin auf ihren frühen Morgenwanderungen, für welche Bella eine große Vorliebe zeigte, erwählt. Um dabei keinem Lauscherauge aufzufallen, trugen die beiden jungen Mädchen einen Bauernrock in welchem es sich auch leichter auf den Klippenstegen klettern ließ.

Eines Morgens stiegen die beiden Mädchen den mühsamen Weg zum Bergkamm hinan, von woraus man die Scylla erblickte. Ohne der Müdigkeit zu achten wanderte Bella und Annunziata unter Lachen und Scherzen, Singen und Kränze winden immer weiter, sie waren diesen Morgen so heiter, daß sie die Heimkehr ganz und gar vergaßen. Endlich mußten sie sich doch losreißen und jede von ihnen mit einem großen, aus Rosen und Myrten geflochtenen Kranze am Arme, traten sie die Rückkehr an. Sie mochten schon eine gute Strecke gegangen sein als sie plötzlich gleich­zeitig erschrocken zurückiuhren. Auf dem Rasen unter einer Platane lag schlafend ein ihnen unbekannter, seltsam gekleideter Mann.

Ein verwegener Caladreser-Hut war ihm vom Kopse gefallen, die knapp anliegenden braunledernen Gamaschen über den Knieen zugeknöpft. Unter einer schwarzen Sammeljacke mit Silberknöpfen und Stickereien, die offen stand, trug er ein feines Hemd, worauf eine brillantene Tuchnadel steckte.

Ist das ein Hirte oder ein Räuber?" fragte Bellona zitternd.

Annunziata lächelte.Ei behüte", flüsterte sie,wer sollte wohl einem Huten eine Brillantnadel schenken, und wie sollte ein Räuber zu einem so stattlichen Aussehen kommen? Das wird ein Fremder sein. Sieh nur, wie hübsch er ist!"

Ja, wahrlich, sie hat Recht", dachte Bellona.

Anunziata hielt Bellona fest am Arme.Du kannst einen Kiesel auf ihn werfen", sagte sie leise,und er wacht doch nicht auf, so fest scheint sein Schlaf zu sein. Wir können ihn ganz dreist ansehen."

Laß uns lieber fortgehen, Annunziata!"

Gleich, gleich! Aber Du zitterst ja, Bellona! So ängstige Dich doch nicht, es ist gewiß kein Räuber. So sieh doch nur den funkelnden Stein! Ach, wie purpurroth Du bist! Höre, dem solltest Du Deinen Kranz schenken."

O Annunziata, keinen Scherz! Fort!"

Wie er sich wundern wird, wenn er aufmacht! Nur zum Spaß, Bellona?" Bei diesen Worten versetzte sie Bellona's Hand einen schelmischen Stoß und der Kranz war fort von deren Arm. Im nächsten Augenblick ruhte er auf des Schläfers Stirn und jetzt richtete sich dieser in die Höhe. Die Mädchen entflohen wie Gazellen über den Hügel, aber der Mann ihnen nach, seine Tritte rauschten durch das Gestrüpp, jede Sekunde kam er näher; Bella fühlte es wie Blei in den Füßen, sie fürchtete niederzusinken und mußte einen Augenblick unter einem Lorbeerbaum ausruhen, um Athem zu schöpfen. Auch ihr Verfolger blieb stehen und blickte fragend in das geängstigte Antlitz Bella's. Hatte er ihren bittenden Blick, sie nicht weiter zu verfolgen, verstanden? Er regte sich ja nicht. Eine Weile stand er regungslos da, und diesen Moment benutzten die beiden Mädchen, um rasch zu verschwinden. Bella trat athemlos bei ihrer Mutter ein und erzählte derselben das Geschehene mit hochklopfender Brust.

Frau Hartwig lächelte über den Kinderstreich.Ich hoffe, der - Fremde wird die Sache auch nur als solchen auffassen, und, wenn er ein Gentleman ist, Dich bei einer späteren Begegnung in Deiner % anderen Kleidung nicht wiedererkennen."

Aber Signor di Turiello, so hieß der Unbekannte, hatte unter dem Lorbeerbaum gar zu tief in Bella's Augen geblickt, er erkannte sie wohl wieder, und es war durchaus nicht zufällig, daß er den beiden Damen fortan täglich begegnete. Doch erst nach mehreren Tagen lüftete er vor ihnen grüßend den Hut und nun fand er auch bald Gelegenheit, sich den Damen zu nähern. Die Unterhaltungen fielen sehr interessant aus, sie wurden wiederholt und mit jedem Tage länger ausgedehnt. Bald schien beiden Theilen schon etwas zu fehlen, wenn irgend ein ungünstiger Umstand ihre Begegnung verhinderte. Sie unternahmen gemeinsame Wafferparthien und eines Tages erlaubte sich Signor di Turiello in der Form geselliger Höflichkeit den Damen seinen Besuch abzustatten. Seine Aufnahme ließ Nichts zu wünschen übrig, denn selbst Frau Hartwig freute sich der Anregungen und angenehmen Zerstreuungen, welche ihnen dieser Umgang bot. (Forts, folgt.)

1.Bildung gibt Macht." (Fortsetzung.)

Ist es nicht ein Jammer, zu sehen, wie die von Luther geschaffene prächtige _ Schriftsprache damals wieder zu verkümmern drohte unter den Händen gelehrter weltlicher Verskünstler und der geistlichen spitzfindigen Schreiber aus dem Nach­wüchse vonunseres Herrgotts Kanzlei" deren Redewendungen einem durch den langen Krieg verwilderten, unwissenden armen Volke böhmische Dörfer waren? Jede Wissenschaft hat nun einmal den Drang, wenn sie einen ge­wissen Höhepunkt erreicht hat, ihre unbestreitbaren Ergebnisse zu einem Ge­meingute zu machen und der Menge zu Gute kommen zu lassen. Und so lange sie sich darauf beschränkt, nur an den wirklichen, nicht an den einge­bildeten und zweifelhaften Geisteseroberungen das Volk theilnehmen zu lassen, wollen wir, anstatt zu klagen, uns vielmehr freuen, daß das Volksleben neue Bindemittel gewonnen hat, und daß trotz aller Verschiedenheit des Berufes, des Talentes, des Vermögens doch der Mensch dem Menschen immer näher rückt.

Zugegeben, daß diese Art von Ueberbildung oder richtiger Verallgemeine­rung der Bildung nicht so schlimm wäre, so wirst Du doch gewiß diejenige Ueberbildung nicht in Schutz nehmen wollen, die aus das Gewissen als auf einen veralteten Standpunkt vornehm herabsieht und nur das Talent, die VerstandeS- anlagen des Menschen pflegt auf Kosten des Charakters. Solche Bildung gibt wohl auch Macht, nämlich die Macht, sich Reichthum und Lebensgenüsse zu ver­schaffen, aber sie verleiht nicht die Macht, ihren Eigner selbst glücklich zu machen, geschweige denn Andere. Ja sie wird geradezu zu einer Macht des Fluches, welche den Einzelnen, wie ganze Völker in's Verderhen stürzt, indem sie abge­feimte Schurken oder überspannte Weltverbesserlingibildet."

Auf diesem Punkte weiß ich mich vollständig mit Dir eins, wenn auch anfangs unsere Wege weit auseinander zu gehen drohten. Auch mir gilt ein Quentchen gutes Herz mehr als ein Centner Verstand, und bei der Schätzung eines Menschen lege ich mehr Werth darauf, wie es mit ihm unter der linken Westentasche bestellt ist, als darauf, wie es in seinem Kopfe aussieht. Ebenso wie das Sonnenlicht uns nichts helfen würde, wenn es blos leuchtete und nicht zugleich wärmte, so kann uns eine Bildung nichts nützen, welche den Kopf er­leuchtet, aber das Herz nicht erwärmt. Soll die Bildung wirklich Macht geben, dann muß sie zugleich ächte Herzensbildung sein, und ich lege deßhalb auch auf die Pflege des herzerquickenden Volksgesanges außerordentlichen Werth. Im Mittelpunkte der Herzensbildung steht aber die Liebe, welche uns sehen läßt nicht auf das, was uns eigen ist, sondern auf das, was des Anderen ist. Solche opferfreudige, hingebende Liebe vermag wahre Wunder zu wirken, zumal in den heißen Kämpfen der Gegenwart. Und ebenso vermag sie allein die Wunden zu heilen, an denen unsere jetzige bürgerliche Gesellschaft krankt. Solche Liebe schärst das Auge für die wirklichen Nothstände tm unvollkommenen ; Menschenleben, sie läßt uns in der großen Masse der Social-Demokraten nur Verirrte erkennen, und sie nimmt bereitwillig einen Theil der Schuld, unter der wir Alle leiden, auf die eiqenen Schultern. Sie vergißt nie, daß die Ar­muth ihre besonderen sittlichen Versuchungen hat, wie der Reichthum, und daß es eben so gut schlechte Reiche gibt, wie schlechte Arme; daß die hartherzige Selbstsucht eines Reichen ebenso verdammenswerth ist, wie der giftige Neid und die bösen Gelüste eines Armen. Auch begnügt sie sich nicht mit Worten, sondern legt selbst mit Hand an, wenn es gilt, offenbare Schäden durch ge­meinnützige Werke zu heilen oder zu lindern und die natürliche Ungleichheit unter den Menschen, mit welcher die sociale unzertrennlich verbunden ist, mit