Weise ausgetreten; von 21 rasch hinter einander erkrankten Soldaten ist einer der Krankheit schon nach 2 Tagen erlegen. Von den Militärbehörden wurden sofort Maßregeln getroffen, um der Weiterver- breitung entgegen zu treten
Worms, 2. Jan. Heute Nachmittags $2 Uhr explodirt e mit furchtbarer Detonation der Dampfkessel in der Dampsmühle von Baruch und Schönseld. Das Kesselhaus flog in die Luft, der große Kessel selbst wurde eine Strecke fort quer über den Lrebenauer Weg geschleudert und Hunderte von Schritte in der Umgegend bezeugen Steine und Gebälk die Vehemenz der schrecklichen Explosion. Leider hat das Unglück auch Menschenleben gekostet; sieben Arbeiter waren durch das Geröll und Gebälk verschüttet, aber der sofortigen Hülfe gelang es, sämmtliche Heranszuschaffen.
Gernshelm, 1. Jan. Dieser Tage hoben hiesige Schiffer im Rheine einige Salm im Gewichte von 27 Pfd. gefangen.
London, 3. Jan. „Standard" meldet aus Jsmid vom 2. d.: Durch Bersten einer 38-Tonnen-Kanone an Bord des Kriegsschiffes „Thunderer" wurden 7 Personen getödtet, 40 verwundet und der Thurm zerstört.
Frankreich. In der im Ornedepartement belegenen Gemeinde La Chapelle Mönche ist vor einigen Tagen ein entsetzliches Unglück passirt. Zweiundfünfzig Kinder, welche eben aus der Schule gekommen waren, hatten sich auf einem in der Nähe des Fleckens belegenen Teiche eine Schlidderbahn eingerichtet und tummelten sich lustig auf der glatten Fläche umher, als plötzlich die Ersdecke unter ihren Füßen brach. Achtundmerzig Kinder ertranken und nur vier blieben am Leben, die sich auf das Eis nicht hinaufgewagt hatten.
Aus Hessen-Nassau.
Aus dem Kreise Homberg, 3. Jan. Am Sylvesterabend kam durch unsern Orl ein Mann in so dürftigem Auszuge, daß er von der Schuljugend verfolgt und von Vielen für betrunken gehalten wurde. Als derselbe darauf ein Unterkommen für die Nacht gesucht und in der Kreivewolssichen Gastwirthschaft auf einem Strshbund im Pferdestall gefunden hatte, erbarmten sich seiner einige Gäste und kauften dem schließlich für geisteskrank gehaltenen Ankömmling das nöthigste Kleidungsstück, nämlich eine Hose. Am 2. Januar nun wurde dieser Unglückliche, welcher als seine Heimath Kesselstadt bei Hanau genannt, auf dem Fußwege, der von der Homberg-Zie- genhainer Straße nach Wermsivig führt, todt aufgefunden. Eine starke Verletzung am Kopfe giebt der Vermuthung Raum, daß ihm von fremder Hand die tödtliche Wunde beigebracht worden. (C.Tp.)
Asterode, Kr. Z., ö.Jan. Hier wurde heute ein dreijähriger Knabe — Sohn des Einwohners Wilhelm Schier von hier — welcher auf höchst traurige Weise um's Leben gekommen, beerdigt. Der Kleine hatte am Abend des 2. d. Mts. mit andern Kindern in der Wohnstube seiner Eltern gespielt und war hierbei rückwärts auf einen Topf voll heißen Wassers gefallen. Hierdurch hatte das Kino sich derartige Brandwunden zugezogen, daß es am nächsten Morgen, den 3. d. M., nach schrecklichem Leiden den Geist aufgab. (C. Tp.)
Hofgeismar, 3. Januar. Aus Salden wird der „H. Z." geschrieben: In der Schlacht bei St. Privat wurde der hiesige Ackermann Georg Sostmann, damals im Garde-Regiment Kaiser Alexander dienend, durch einen Schuß am Kopf lebensgefährlich verwundet. Obgleich ihm in Leipzig später die Kugel herausgeschnitten worden war, so heilte die Wunde nicht und mußte dieselbe fortwährend ärztlich behandelt werden. Jetzt am 29. December, also nach acht Jahren, hat die fortwährend stattfindende Eiterung ein Stück Blei von 7 Gramm aus der Wunde herausgefördert und scheint der bisher stets vorhandene heftige Kopfschmerz des Invaliden Sostmann ein Ende gefunden zu haben.
Marburg, 3 Januar. Wie man hört, soll heute Vor- mittag gelegentlich eines Treibjagens in Wehrda ein Schütze den andern Schützen mit dessen eigenem Gewehr mittelst eines Schusses durch's Herz unabsichtlich getödtet haben. (M. TbI.)
Hanau, 3, Januar. Gestern Abend wurde an dem Uebergang der Friedberger Bahn über die Chaussee nach dem sogenannten Pop- penwäldchen vermuthlich von einem Wilddieb auf den Herrn Förster Stecher, der sich unbewaffnet auf seinen Reviergang begeben hatte, geschossen. Die Kugel traf den Förster am Bein, prallte jedoch an den Stiefelschäften ab.
Hanau, 2. Jan. Nach dem „Mzr. Tbl." ist in dem benachbarten Seligenstadt in dem Braunkohlenbergwerke Amalia Mitscher- lich ein versteintes Menschen-Scelel, dessen Alter sich auf Jahrtausende belaufen dürfte, aufgefunden worden. Das Scelet ist fast in allen Theilen noch vollständig erhalten.
Frankfurt, 4. Jan. In den Weinbergen Sachsenhausens, wo in Folge der Einführung französischer Reben die Reblaus sich gezeigt hat, ist eben eine große Anzahl Arbeiter, unter Aussicht der Commission, mit der gründlichen Vernichtung dieser Parasiten beschäftigte. Nicht allein, daß die Erde mehrere Fuß tief ausgehoben ist, wird dieselbe auch reichlich mit Petroleum getränkt und einem gründlichen Läuterungs-Proceß durch das Feuer unterzogen. Hoffentlich ist der Erfolg sicher.
Halle Maaß.
Novelle von E l i s e Kraut.
(Fortsetzung).
„Wer bewohnt die Balkon-Zimmer der ersten Stockes?"
„Der Banquier Hartwig mit seiner Familie," lautete die Antwort.
Stephan stutzte, forschte aber nun auch genau nach den einzelnen Gliedern derselben, dann befahl er, ihm das Frühstück nach seinem Zimmer zu bringen. Als dies geschah, sagte der Kellner:
„Herr Johnson ist schon eine Weile fortgegangen, er beauftragte mich, Ihnen zu sagen, daß er Sie dort auf jenem Felsen erwarten wolle," er bezeichnete die Richtung.
„Schon gut," murmelte Stephan, er war verstimmt über das unerwünschte Zusammentreffen mit der Familie Hartwig, welchen Umstand Johnson ihm bislang verschwiegen hatte. Wir müssen schleunigst wieder abreffen," dachte er, „Gotthold darf Bella nicht wiedersehen." Wadjfinnenb wodurch er diesen Wunsch motiviren könne, begab er sich aus den Weg, um seinen Freund aufzusuchen. Schon stand er oben auf dem Gipfel des Felsens, wo er ihn erwar- ten sollte ohne den Gesuchten indeß gefunden zu haben. Er genoß eine Weile die freie Aussicht auf den See und seine reizenden Umgebungen, als ihn plötzlich ein leichter Schreckensschrei aus seinem Sinnen erweckte. Rasch wandle er sich nach der Richtung von woher der Ausruf herkam und da gewahrte er ein junges Mädchen, das von dem nahen Vorsprung des Felsens in die Tiefe hinabgestürzt war. Er hielt dasselbe für unrettbar verloren. Glücklicherweiseblieb aber das hellfarbene Kleid an dem zackigen Ast eines Baumes hängen, wodurch die Füße wieder Boden gewannen. Die Begleiterin des jungen Mädchens, eine ältere Dame, stieß, als sie die lebensgefährliche Lage ihrer Schutzbefohlenen erkannte, ein lautes Angstgeschrei aus. Stephan rief der letzteren zu, sich festzuhalten und ihn zu er« warten, der Silberton eines frischen Gelächters gab ihm Antwort und mit der Gewandheit einer Gemse sah man das junge Mädchen in demselben Augenblick auch schon wieder den steilen Felsen hinan- kleitern und dabei sogar noch einige hübsche Feldblumen abpflücken. Ihrem Ziele nahe, ergriff sie die dargereichte Hand, des sie bewundernden Jünglings, der ihr nun den letzten Aufsprung erleichterte. Oben angekommen, schaute sie mit ihren heiteren blauen Augen dem jungen Mann lächelnd ins besorgte Antlitz und mit der Frage: „Irre ich mich nicht, so haben wir uns heute früh schon einmal begrüßt?" zog sie ihre zierliche Hand aus der seinen, indem sie, sich leicht verbeugend, noch hinzufügte:
„Freundlichen Dank für Ihren gütigen Beistand!" Jetzt aber floß aus dem Munde der älteren Dame ein Schwall von Vorwürfen über die leichtsinnige Art womit die niedliche Bergelfe, um einiger Blumen willen, ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Diese warf das blonde Lockenköpfchen trotzig zurück und sah lächelnd nachdem jungen Mann hinüber, der sich jetzt zu ihr wendend, bemerkte:
„In der That, gnädiges Fräulein, Sie schwebten in großer Gefahr."
„Das darf ich wohl nicht bestreiten," entgegnete die Jungfrau, „aber an eine Gefahr denke ich niemals, ich vertraue blindlings meinem Schutzgeist."
„Der Ihr Vertrauen so eben auch völlig gerechtfertigt hat," entgegnete Stephan.
„Aber Erna!" unterbrach die Dame diese Unterhaltung, „ich meine, es sei hohe Zeit zu Bella zurückzukehren."
„Ich bin bereit," rief jene, „sobald dieser Herr uns die Freundlichkeit erwiesen, zu sagen, wem ich Dank für den geleisteten Beistand in Lebensgefahr schulde."
„Auf Ihren Dank, mein Fräulein habe ich leider gar keinen Anspruch, Sie bedurften ja meiner Hülfe nicht. Indeß komme ich Ihrem Wunsche nur zu gerne nach;" bei den letzten Worten überreichte er feine Karte. Erna dankte und indem sie nun auch ihres Vaters Namen nannte, fragte sie zugleich, ob Mr. Stephan Blount etwa der künftige Hofmeister ihrer Brüder sei?
Nach der bejahenden Antwort gab man der Freude über diese angenehme Begegnung so beredten Ausdruck, daß die mit einem kleinen Kunstwerk beschäftigte, einsam im Schatten eines kleinen Gesträuches zurückgebliebene Bella gänzlich vergessen wurde. Der angeknüpfte Unterhaltungsfaden spann sich weiter fort und allen Drei Betheiligten schwand die Zeit sehr rasch.
Bella entbehrte inzwischen keineswegs die Gesellschaft ihrer Begleiterinnen, welche sie verlassen, um noch einiges Material für ihre, im Aufbaue begriffene kleine Felsengrotte herbeizuholen. Sie selbst hatte dieselben zuin fortgehen veranlaßt, da sie Gotthold in ihrer Nähe bemerkt zu haben glaubte. Kaum befand sie sich allein als derselbe in der That vor ihr erschien.
„Verzeihung, gnädiges Fräulein," bat er, „wenn ich es wage, Ihr Alleinsein zu stören."
Bella reichte ihm die Hand „Ich heiße Sie .herzlich willkommen und freue mich Sie wiederzusehen." Die Wärme ihres Blickes bestätigte die Aufrichtigkeit dieser Worte.
Gotthold trat näher und betrachtete sie eine Weile schweigend, worauf er in herzlichem Tone fortfuhr: