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Banquier Hartwig unterbrach seine Zimmerpromenade, strich dem lieblichen Mädchen die Wangen und sagte freundlich:

„Ich habe durchaus nichts gegen Deine Mondscheinschwärme­reien einzuwenden, Erna, einer so frischen, kerngesunden Natur, wie der Deinen, schaden sie nicht, Bella und Fräulein Emma mögen Dich auch gern begleiten, meine liebe Frau und meinen Hugo möchte ich aber bitten, bei mir zu bleiben, ich habe mit Beiden über wich­tige Dinge zu reden."

Bon gre, mal gre, Onkelchen, rief Erna fröhlich, „ich füge mich," warf dann ihrer Tante ein Kußhändchen zu, umschlang Bella's Taille und zog sie jubelnd mit sich hmaus auf den Balkon. Fräulein Emma folgte ihnen.

Fest umschlungen schauten die beiden Mädchen hinab auf den regungslosen See, hinaus in die herrliche Nacht. Die Seiten der Berge waren in tiefes dunkles Schwarz getaucht und ihre Umrisse zeichneten sich scharf ab von dem Himmel, der in jenem rathselhaften, lichtlosen Glänze schwamm, wie er den Aufgang des Mondes eine Weile vorher zu verkündigen, dem Untergänge der Sonne zu fol­gen pflegt.

„O still doch, Erna! still!" bat plötzlich Bella hastig und dringend. „Hörst Du denn nicht den Gesang in der Ferne?" In spannender Erwartung beugte sie sich aufmerksam horchend weit über das Ge­länder und je Heller und vernehmlicher die schönen, reinen Töne eines jugendlich kräftigen Tenors in ihr Ohr drangen, je mehr ver­klärte sich ihr Antlitz. Jetzt vernahm auch Erna die Klänge einer schönen männlichen Stimme und dem Beispiel Bella's folgend, strengte nun auch sie sich an, um die Vorgänge auf dem Wasser zu erspähen.

Vom oberen See kam ein Kahn geschwommen. Außer dem Lenker des Nachens saßen zwei junge Männer darin, wovon der Eine die fröhlichen lieber ertönen ließ, die der Andere nur leise summend begleitete. Der Kahn kam näher, der Gesang wurde ver­nehmlicher. Mit wachsender Ungeduld harrte Bella die Ankunft desselben, die Ahnung eines von ihr ersehnten Glückes war in ihr aufgestiegen, sie hoffte aus eine Begegnung mit dem von ihr ah­nungslos geliebten Sänger Johnson. Der Wirth und die Wirthin traten vor die Hausthür, sie hofften auf neue Gäste und als nun endlich der Kahn landete, erfüllten sich ihre Erwartungen. Leicht und elastisch sprangen beide Insassen an das Ufer und während der eine dieser Jünglinge dem Nachenführer seinen Lohn reichte, unterhandelte der andere mit dem Hotelbesitzer, wobei sein, vom Monde beglänztes Antlitz, voll dem Balkon zugewenvet war. „Ja, er ist's!" jubelte es in Bella's Innern und kaum vermochte sie das Pochen ihres Herzens zu bewältigen.

Als Erna durch eine Unterredung mit Fräulein Emma in An­spruch genommen, ihre Cousine für einige Augenblicke unbeachtet ließ, konnte sie dem Verlangen nicht widerstehen, dem Sänger ein Zeichen ihrer Gegenwart zu geben. Glücklich über die gemachte Entdeckung, erwiderte Gotthold den Gruß und zog sich alsbald zurück, um sich und seinem Freunde im selben Hotel eine Wohnung zu sichern. ,

Während die jungen Mädchen auf dem Balkon ihren romanti­schen Einbildungen nachhingen, verstrickten sich die drei im Salon Zurückgebliebenen in eine ernste Berathung. Nachdem die Mädchen den Salon verlassen hatten, reichte Banquier Hartwig seiner Ge­mahlin einen Brief mit den Worten:

„Aus diesem Schreiben wirst Du ersehen, liebe Frau, daß Graf Palensky und sein Sohn uns mit Ungeduld in Neapel erwar­ten. Des Letzteren Urlaub ist nur von kurzer Dauer, da er aber entschieden sich erst dann um Bella's Hand bewerben will, wenn er sich von der Möglichkeit einer gegenseitigen Liebe überzeugt hat, so muffen wir uns beeilen, den jungen Leuten Gelegenheit zu geben, sich kennen zu lernen. Die Heirath zu beschleunigen ist mein Dringen» der Wunsch, sie ist, wie Dir bekannt, eine längst zwischen uns Vätern

fest beschlossene Sache. Bist Du nun damit einverstanden, wenn wir unsere Abreise von hier auf übermorgen festsetzen?" Frau Hartwig las den ihr überreichten Brief, worauf sie sagte:

„Gegen die Abreise habe ich nichts einzuwenden, gegen das Heirathsprojekt muß ich jedoch meine früheren Bedenken wiederholen und nur wenn Bella mit freudigem Herzen bereit ist, diese Verbin­dung einzugehen, werde ich meine Zustimmung geben, sie im ent­gegengesetzten Falle, aber beharrlich verweigern. Bella ist noch viel zu jung und unerfahren, um sich in dem Joche einer aus Berechnung zusammengeschmiedeten Ehe fügen zu können, ihre noch so kindischen und überspannten Wünsche und Hoffnungen fliegen bis an den Himmel hinan und würde sie einer etwaigen Enttäuschung jetzt noch erliegen und wahrscheinlich für immer unglücklich werden. (F. f.)

Vermischtes

Eine unverhoffte Weihnachtsbescheerung — so be­richtet man aus Frankfurt a. M. — wurde einem braven armen hiesigen Arbeiter zu Theil. Vor Jahren entzweite sich derselbe aus's Heftigste mit seiner Schwester. Die Geschwister trennten sich und die Letztere zog ihrer Herzensneigung folgend nach Frankreich. Nie­mand wußte, wo sie sich aufhielt. Die Familie hielt sie für ver­schollen. Dieselbe ist nun in Paris ohne Leibeserben gestorben und bat ihrem Bruder, da sie kein Testament machte, ein Baarvermögen von 120,000 Frs. hinterlassen. Vorgestern traf der betreffende Agent hier ein, ermittelte den Aufenthalt der Erben und erhob auf dem Standesamt die betreffende Papiere.

— Der folgende entsetzliche Unglücksfall wird aus Deutsch-Otz (Anoun-le-Tische) der „Diedenh. Zeitung" berichtet: Der Minenarbeiter Jean Frangois Petit war seit etwa Anfang des Monats December im Besitze einer größeren Menge Dynamitpatronen, welche er bei den ihm obliegenden Sprengungen in den Erzberg­werken nach Bedarf verwendete und die er unbegreiflicher Weise in seiner Wohnstube aufbewahrte. Am letzten Freitag nun, früh gegen 4 Uhr, wie er eben zu seiner Arbeit gehen wollte, und sich drei der an diesem Tage benötigten Patronen bereits auf den Tisch zurecht gelegt hatte, entstand plötzlich — wie, ist bis jetzt noch nicht aufge­klärt - eine furchtbare Explosion, deren Folgen schreckliche waren. Nicht nur, daß die Decke und der Boden des Zimmers zersprengt, Thüre und Ofen förmlich zerrissen, sämmtliche Möbel und Fenster in tausend Stücken zerschlagen wurden, grauenhafter noch war der Anblick, den die im Zimmer Anwesenden, der obengenannte Petit und seine ihm erst vor 4 Monaten angetraute 19jährige Frau dar- boten. Dem ersteren war die linse Hand abgerissen, das Gesicht mit unzähligen Brandwunden bedeckt und beide Augen geborsten; der Frau war der linke Vorderarm abgerissen, das rechte Auge ge» borsten und außerdem unzählige Brandwunden im Gesicht, linken Oberarm und auf der Brust. Das Leben der beiden auf ihre ganze Lebenszeit verstümmelten Unglücklichen dürste erhalten bleiben.

Der alte Moses. In San Francisco kann man in diesen Tagen den größten Baum der neuen Welt sehen, so berichtet die „Alta." Der Baum heißt „der alte Moses" und wurde im Jahre 1874 durch den Naturforscher Knowes am Ufer eines Flusses, 75 englische Meilen von Vrsalika, entdeckt. Der Baum hat einen Um­fang von 100 Fuß und sein Alter wird von den Gelehrten auf 4800 Jahre geschätzt. 64 Pferde waren nöthig zum Transport des Stammes.

Eeinnerungstage im Januar

Am i. Januar 1814 ging Blücher über den Rhein. Am 2. Januar 1861 starb Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen. Am 11. Januar 1826 starb der Dichter Friedrich von Schlegel. Am 12. Januar >746 wurde der Reformator des Erziehungswescus, Joh. Heinr. Pestalozzi, geboren.

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