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Auf Grund des §. 11 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Be­strebungen der Sozialdemokratie öoin 21, Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die als Programm der Sozialisti­schen Arbeiterpartei Deutschlands erschienene, mit einem Aufruf an die Arbeiter Deutschlands versehene Druckschrift von dem verantwortlichen Herausgeber C. Derossi und gedruckt in der Genossenschafts-Buchdructerei in Hamburg, durch die unterzeichnete Landespolizeibehörde unter heutigem Datum verboten ist.

Hamburg den 5. November 1878.

Die Polizeibehörde. Senator Kunhardt.

Die neuen Coupons Serie XVIII Nr. 1 bis 8 zu den Staatsschuldscheinen, Serie VII Nr. 1 bis 8 zu den Niederschlefisch-Märkischen Eisenbnhn-Priori. tätsactien Serie I und II und Serie VII Nr. 1 bis 8 zu den Münster-Hammer Eisenbahn-Stammactien nebst Talons werden vom 14. November d. I. ab von der Controle der Staatspapiere hier, Oranienstraße 93 unten rechts, Vor­mittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der Kassenrevisionstage, ausgereicht werden.

Die Coupons können bei der Controle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs-Hauptkasfen, die Bezirks-Hauptkassen in Hannover, Lüne- burg und Osnabrück oder die Kreiskasse in Frankfurt a. M. bezogen werden.

Wer das Erstere wünscht, hat die Talons vom 24. Januar, 3. Juni, bezw. 27. Oktober 1874 mit einem Verzeichnisse, zu welchem Formulare bei der ge­dachten Controle und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte unentgeltlich zu haben sind, bei der Controle persönlich oder durch einen Beauftragten abzugeben

Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß nur einfach, dagegen von denen, welche eine Bescheinigung über die Abgabe der Talons verlangen, doppelt vorzulegen. In letzterem Falle wird das eine Verzeichniß mit einer Empfangsbescheinigung versehen sofort zurückgegeben. Die Marke oder Bescheinigung ist beim Empfange der neuen Coupons wieder abzugeben.

In Schriftwechsel kann die Controle der St aatspap icre sich mit den innerhalb der Monarchie wohnenden Inhabern der Talons nicht ein lassen.

Wer die Coupons durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat an dieselbe die alten Talons mit einem doppelten Verzeichnisse einzu- reichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bei Auslieferung der neuen Coupons wieder abzugeben.

Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den genannten Provinzialkassen und bei den von den Königlichen Regierungen rc. in den Amtsblättern zu be­zeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.

Des Einreichers der Staatsschuldscheine oder Aktien bedarf es zur Er­langung der neuen Coupons nur dann, wenn die Talons abhanden gekommen sind, und es sind in diesem Falle die Documente an die Controle oer Staats­papiere oder an die zunächst gelegene Provinzialkasse mittelst besonderer Eingabe einzureichen.

Berlin den 30. Oktober 1878.

Haupt-Verw altung der Staatsschulden.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken ver­öffentlicht, daß die Formulare zu den Verzeichnissen über die Behuss Empfang- nahme der neuen Zinscoupons einzureichenden Talons bei der Königl. Re- gierungs-Hauptkasse hierselbst und sämmtlichen Steuerkassen unseres Bezirks unentgeltlich zu haben sind.

Cassel den 5. November 1878. Königliche Regierung.

Tagesbegebenheiten.

Wiesbaden, 18. November. Se. Majestät der Kaiser machte Heftern nach einem Besuche in der Stadt Nachmittags eine Spazier­fahrt in die Umgegend, wobei Allerhöchstderselbe während längerer Zeit zu Fuß promenirte. Abends besuchte Se. Majestät das Theater.

Darmstadt, 17. Nov. Das Haus des Großherzogs wird von schwerem Unglück heimgesucht; fast die ganze FamiUe liegt schwer krank an der Diphtheritis darnieder und des Großherzogs kleines, vierjähriges Töchterchen, die kleine Prinzessin Marie, ist gestern be­reits diesem Leiden erlegen.

Darmstadt, 18. November. Nach dem heute früh um 9 Uhr ausgegebenen Bulletin ist der Großherzog andauernd fieberfrei; die örtlichen Anschwellungen sind zurückgegangen, die diphlheritischen Auflagerungen etwas verkleinern Der Erbherzog ist ebenfalls fieber­frei, die Membranen haben sich auf der rechten Seite grösstenteils abgestoßen; sie bedecken noch das Zäpfchen und die linke Mandel in größerer Ausdehnung; die Drüsenanschwellungen sind seit vorgestern ständig zurückgegangen. Die Prinzessin Irene ist fieberfrei, es sind nur noch geringe Anschwellungen vorhanden. Die Prinzessinnen Victoria und Alix sind als genesen zu betrachten. Prof. Oertel aus München ist zur Consultation hierher berufen worden. — Das Be- gräbniß der verstorbenen Prinzessin Marie findet heute Nachmittag um 5 Uhr im Mausoleum auf der Rosenhöhe in aller Stille statt.

Weimar, 13. November. In dem Städtchen Ostheim, das bekanntlich im Mai d. I. von einer großen Feuersbrunst heimgesucht wurde, ist in dieser Nacht wieder großes Feuer ausgebrochen; es sind drei Scheunen und drei Hintergebäude abgebrannt

Neapel, 17. November. Das Königspaar ist Nachmittags 2$ Uhr hier eingetroffen und wurde enthusiastisch empfangen. Beim Passiren der Straße Carbonara stürzte sich ein Individuum mit dem Dolchmesser auf den König und brächte demselben eine Hautwunde am linken Arm bei. Der Ministerpräsident Kairoly erhielt eine leichte Wunde am linken Oberschenkel. Der König führte einen Säbelhieb auf den Kopf des Mörders. Kairoly ergriff denselben an den Haaren. Ein Kürassierkapltän verwundete den Mörder eben­

falls und übergab ihn der Wache. Die Königin und der Prinz von Neapel, mit dem König in demselben Wagen sitzend, zeigten große Ruhe und Fassung. Die Bevölkerung begleitete den König bis zum Palast unter unaufhörlichen Jubelrufen. Der Mörder heißt Johann Pasamente. Er gehört seiner Angabe nach keiner Verbindung an, wolle aber keine Könige.

— Unmittelbar nach dem Attentate begab sich eine gegen 60,000 Personen zählende Volksmasse vor den königlichen Palast und richtete enthusiastische Ovationen an den König, welcher zu wiederholten Malen aus dem Balkon erschien. Die Stadt war festlich illuminirt.

Rom, 18. November, Mittags. Officielles Telegramm. Die Wunde Sr. Majestät des Königs ist eine ganz oberflächliche Schramme, die Verletzung des Ministerpräsidenten Kairoly ist eine leichte, die in wenigen Tagen geheilt sein kann.

Berlin, 18. November. Der Kaiser und das Kronprinzenpaar und die übrigen Prinzen bekundeten dem Könige von Italien ihre herzlichste Freude an dem Fehlschlagen des Attentats. Der Pariser Korrespondent der „Nationalzeitung" telegraphirt, daß der Honig von Italien vorher vor dem bevorstehenden Attentate gewarnt sei.

Furtwangen, 10. November. Während des ganzen gestrigen Tages wüthete hier ein Schneesturm, wie er wohl selten noch vor­gekommen ist. In Folge dessen ist .die Straße Furtwangen-Triberg unpassirbar. Der Schnee liegt an vielen Stellen 8—10 Fuß hoch. DiefNachmittags nach Triberg abgegangene Personenpost ist zwischen hier und Escheck im Schnee stecken geblieben. Der Postillon rettete sich mit den Pferden nach Escheck; der Postillonschlitten blieb die Nacht über im Freien, bewacht vom Straßenpersonale. Heute in der Frühe ist nun Hilfsmannschaft abgegangen, um den Schlitten wieder flott und die Straße frei zu machen. In den Straßen Furt- wangens selbst liegt der Schnee in einer Höhe von durchweg 2-3 Fuß.

Tibcrüberschwcmmung. Aus Rom, 16. November, Nachts, wird telegraphirt: „Die Tiber ist in fortwährendem Steigen begriffen; die Ueber- schwemmung verursacht bedeutenden Schaden, insbesondere auf dem Lande, wo weite Strecken unter Wasser stehen Einige Leichen sind .ans Land geschwemmt worden. Ueberall werden Comitvs zur Unterstützung der von der Ueber- schwemmung Betroffenen gebildet." Ein zweites, beruhigenderes Telegramm vom 17. November lautet: „Trotz des Regens in der Nacht ist die Tiber be­deutend gefallen und scheint eine weitere Gefahr beseitigt zu sein."

Aus Hesferr-Naffau.

Kassel, 18. November. Auf dem Rangirbahnhofe zuRothen- Ditmolb wurde im Geleise liegend heule Morgen die Leiche eines in den mittleren Jahren stehenden Mannes aufgefunden, welchem der Kopf vollständig vom Rumpfe getrennt war. Man vermuthet, daß hrer ein Selbstmord vorliegt.

Rodenberg, 16. November. In unserem benachbarten Walde fand sich in der Nähe eines Dachsbaues, an einem von dem Jagd­pächter B. sehr ott betretenen Wege, eine mit Kugeln, Rehposten und gehacktem Blei vollpfropfter Flinten lauf an der Erde befestigt, versteckt und so gerichtet, daß die geringste Berührung der mit dem Geschütz in Verbindung gebrachten Zündschnur die volle Entladung desselben auf den Ankommenden zur Folge haben mußte. Jagdpächter B., auf den es höchst wahrscheinlich abgesehen war, betrat auch in Gesellschaft eines Anderen die gefährliche Stelle, dieser Letztere, zufällig voranschreitend, berührt die Zündschnur, das Zünd­hütchen jedoch versagt, und so mißlingt der möroerische Anschlag, man findet auch die Mordwaffe. Möchte es gelingen, den Nichts- würdigen zu entdecken und an ihm durch harte Bestrafung ein Exempel zu statuiren. (Tagespost)

Feuilleton.

Unter der Erde.

Grubenerzählung von Louis Rosenthal.

(Fortsetzung.)

„Aber mir Balzer, — mir hättest Du's wirklich auch schon früher mittheilen dürfen."

„Nein, — auch Dir nicht. Wirst schon sehen, daß ich meine Gründe dazu hatte."

„Sag' mal Balzer", nahm Robert nach einiger Zeit wieder das Wort, „woher weißt Du denn, daß dies ein römischer Stollen ist?"

„Das will ich Dir sagen", erwiderte Balzer, „als ich damals zum ersten Male die weiter hinten liegenden Baue betrat, fand ich mehrere flache Grubenlampen aus gebranntem Thon, worin lateini­sche Worte und Ziffern standen. Ich verkaufte sie an denselben Gelehrten, von dem ich Dir schon erzählt habe, dem Krystallsexen, — und der sagte, daß sie aus den Römerzeiten stammten. Daß die alten Spitzbuben wirklich hier gehaust haben, unterliegt keinem Zweifel: all die Löcher, Pingen, Halden, die man oben am Erzberg unter dem Schutt und Gesträuch findet, rühren von ihnen her, ebenso die vielen Scherbenhaufen, Ziegelsteine und Münzen und schau hier", setzte er hinzu, indem er liehen blieb und mit der Blende die Wände des Stollens beleuchtete, „auf den ersten Blick bemerkt man, daß das zu einer Zeit gemacht ist, wo Pulver noch ein unbekanntes Ding war, — nirgends zeigt sich die Spur eines