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^ 88. Sonnabend den 26. October 1878»

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Nachdem der Dr. med. Windemuth dahier seine Thätigkeit als Sachverständiger zur mikroskopischen Untersuchung des Schweine- fleisches auf Trichinen eingestellt hat, wird von jetzt an für

1) Die Schlächterei von Christian Börner und die Straßenaus'm Hanfsack" undunter den Hütten": der Apotheker Dr. Müller, 2) Die Schlächterei von Heinrich Hermann Wolff und die Straße Brüdergasse": der Kreisthierarzt Für er,

3) die Straßenaus'm Neumarkt" und dieRosengasse": der Uhr­macher Ernst Andr« und

4) dieWallengasse": Emilie Sunkel die betreffenden Untersuchungen vornehmen.

Hersfeld, am 24. October 1878.

10754. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

§ei£felD, am 25. October 1878.

Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises werden hierdurch benachrichtigt, daß durch rechtskräftiges Erkenntniß des Königl. Stadtgerichts zu Breslau vom 6. Juli d. J. in der Untersuchungssache wider den Buchhändler uno Buchdruckerer- besitzer Rudolph Großer zu Breslau mit der Freisprechung des An­geklagten auch gleichzeitig Die Beschlagnahme der in deutscher und in polnischer Sprache erschienenen DruckschriftenHäusliche Lesungen" in Wegfall gekommen ist.

10776. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Caffel, den 22. October 1878.

Bei dem Postamte in Elm wird am 23. October d. J. eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.

Der Kaiserliche Ober-Postdireclor. I. B.: zur Linde.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 24. Oktober. Der Chef der Admiralität, General von Stosch, hat dem Kronprinzen über die Frage der Hebung des Großer Kurfürst" einen Bortrag gehalten und demselben die Vor­schläge der Admiralität zur Genehmigung unterbreitet. Unmittelbar nach Allerhöchster Genehmigung werden die Bararbeiten zur Hebung des Kriegsschiffes beginnen, insbesondere ein schon in seinen Grund­linien festgestellter Contract mit einem Privatunternehmer abgeschlos­sen werden.

Koburg. Man hat einen bedeutsamen Schritt gethan, um Die auch hier, wie allerorts mit Recht angefeindeten Wanderlager lahm zu legen. Die städtischen Behörden haben einen Zusatz zum Ortsstatut berathen, welcher die Genehmigung der Regierung erhalten hat, und dessen Ausführung wohl geeignet ist, den Inhabern von Wanderlägern und Auktionen die Lust an ihrem Schwindelgeschäft zu verleiden. Hiernach wird für Die Folge von jedem Wanderlager, außer der Staatsgewerbesteuer auch eine Gemeindegewerbesteuer von 30 -^ pro Woche erhoben, welche Steuer noch um die Hälfte erhöht wird, wenn mehr als 1 Gehülfe in dem betreffenden Wanderlager thätig ist. Für WaarenaukNonen, welche von Fremden oder in deren Auftrag abgehalten werden, beträgt die Steuer pro Tag 15 «f

Aus Hessen-Darmstadt, 22. Oktober. Ein Familien- Drama von der düstersten Färbung hat große Sensation hervor­gerufen. Der grobherzogliche Landgerichtsassessor^Amendt in Langen hat am vorigen Freitag seine Frau, Die an den Folgen einer Blut­vergiftung rettungslos vainiederlag, in Gegenwart der Krankenwär­terin mit den Worten:Ich kann's verantworten", meuchlings er­

schossen. Der Umstand, daß beide Ehegatten in der glücklichsten Ehe lebten und vier Kinder miteinander erzeugt hatten, verleiht dem Falle noch ein erhöhtes Interesse. Nach der Beerdigung der Unglück­lichen wurde Der Thäter unter der Anklage des Mordes verhaftet. Ob nicht eine Störung geistiger Funktionen ihn zu der verhängniß- vollen That getrieben, muß die eingeleitete Untersuchung leisten. Auch könnte die That geschehen sein, um der rettungslos Darnie- derliegenden den furchibaren Todeskampf abzukürzen.

Ärolskn. Die Vermählung des Königs von Holland mit der Prinzessin Emma zu Waldeck-Pyrmont wird bekanntlich im Januar stattfinden. Der Königliche Bräutigam wird Ende dieses Monats den waldecker Hof auf kurze Zeit verlassen, sich dann wieder dorthin begeben und bis zur Hochzeitsfeier- lichkeit in der Nähe seiner jungen Braut verweilen.

Elberfeld, 20. Oct. Der verstorbene Eduard Ringel hat der lutherischen Trinitatiskirche ein Legat von 26,000 M. hinterlassen und außerdem 230,000 M. zu wohlthätigen Zwecken bestimmt, z. B. für die Stadt Lennep zu einem Stiftungsfonbs für wohlthätige Anstalten 100,000 M. Summen von je 20,000 M. empfingen u. a. Gymnasium, Realschule, höhere Töchterschule und Kinder­hospital zu Elberfeld

Wien, 23/Oktober. Meldungen derPolit- Korresp." Aus Konstantinopel: Mittheilungen, welche der Pforte aus Ueskueb, Kustendje und Morokope in Bulgarien, wie aus der Umgegend von Salonichi zugegangen sind, signalisiren eine große Agitation. In Philippopel wird eine Kundgebung gegen die Kommission für Ostrumelien vorbereitet. In Seces in Macedonien sind bereits Un­ruhen vorgekommen. Eine Bande von 2000 wohl bewaffnete Bul­garen griff am 18. b. Krasna an; der Kampf wurde am 19. D. fortgesetzt In den bulgarischen Distrikten von Djuma und Samakof soll gleichfalls alles zur Erhebung bereit sein. Raslik ist von einem Angriff Der Bulgaren bedroht.

S t. Petersburg, 22. October. DerRegierungsbote" ver­öffentlicht folgendes Telegramm des Gouverneurs von Besiarabien, General Schebeko, an den Kaiser aus Ismail vom 21. d. M.: Heute habe ich die Bereinigung von Rumänifch-Befsarabien mit unserm Territorium feierlich proclamirt. Die Zollgrenze ist bis an den Pruth und die Donau vorgeschoben, das Territorium ist uns durch rumänische Delegirte offtciell übergeben worden. Die Freude der Bevölkerung ist grenzenlos. Der Bischof von Kischinew celebrirte einen Gottesdienst, in welchem er deu göttlichen Segen auf Ew. Majestät herabflehte. Alle Stände der Bevölkerung gaben ihre loyalsten Gefühle für Ew. Majestät zu erkennen.

In Paris wurden am letzten Donnerstag einem Juwelier Diamanten und Schmucksachen im Werthe von 150,000 Franks ent­wendet, die Thäter wurden indessen sehr bald von der Polizei er­griffen und ein großer Theil der gestohlenen Juwelen bei ihnen gefunden.

Konstantinopel, 22. Oktober. Dem Vernehmen nach hat der russische Botschafter, Fürst Lobanoff, dem Großvezir wiederholt zu erkennen gegeben, daß die russischen Truppen ihre gegenwärtigen Positionen nicht verlassen würden, bevor nicht für die christlichen Flüchtlinge, welche dem russischen Heere folgen, genügende Vorsorge getroffen sei. Ebenso soll Der Botschafter Dem Großvezier gegenüber wiederholt haben, die russischen Truppen würden vor Unterzeichnung eines definitiven Abkommens mit Der Pforte ihren Rückzug über Adrianopel hinaus nicht fortsetzen. Eingegangene Meldungen signa­lisiren eine allgemeine Bewegung Der russischen Truppen in südlicher Richtung.

Alexandrien, 23. October. Die Ueberschwemmung des Viil hat beträchtlichen Schaden angerichtet, Der auf 500,000 Pfü. Sterl. geschätzt wird; 250 Personen sollen Dabei ums Leben gekommen sein. Die Eisenbahnverbindung ist unterbrochen; Die Einwohner beschul­digen die Regierung, Die nöthigen Borsichtsmagregeln außer Acht gelassen zu haben.