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Hauenen Stühle und Tische sind, und die unterirdischen Festlichkei­ten abgehalten werden, es wäre uns Allen ein Hauptvergnügen, wenn Du uns gestatten wolltest, den Schluß dieses Festes bei Becher­klang und bengalischem Feuer in jener Grotte zu feiern."

„Ach ja! Bitte Herr Gras! Ein köstlicher Gedanke! Bitte! Bitte!" tönte es von einem Dutzend Stimmen.

„Denken Sie sich doch nur Herr Kamerad!" lachte ein Ande­rer, der Hauptmann vonMitterndorf, dessen blitzende Aeuglein und wemgeröthetes Gesicht verriethen, daß er dem Glase schon tüchtig zugesprochen hatte, „Bachanale in unterirdischer Bergeshalle, - Rothfeuer, — noch dazu um Mitternacht, — auf Ehre, ganz wie in der Oper Margarethe, fünfter Akt:

„Bis naht das erste Morgenroth, — Schrum, schrum, schrum,

Ta ra ta, ta ra ta, ta ra ta, — Schau dem Feste zu — u — u.

Wo Zauber sich an Zauber reiht." sang er mit stellenweis überschvappender Stimme und fitzte bann hinzu: „Auf Ehre, keine üble Idee von Pankow, — hätte das kaum hinter ihm gesucht."

Der Graf blickte auf den Direktor und als er gewahrte, daß dieser lächelnd den Kopf neigte, sagte er:

„Kleine Pflicht als Wirth erheischt es, daß ich selbst diesem etwas wunderlichen Einfalle, nichts entgegenietze. Erlauben Sie nur", fuhr er, sich leicht verbeugend fort, „daß ich einige Vorbe­reitungen zu unsrer nächtlichen Bergfahrt treffe. In einer Viertel­stunde soll Alles bereit sein."

Damit winkte er einem der Diener, trat mit ihm zur Seite und ertheilte ihm mit leiser Stimme seine Befehle, während der Direktor mit den Steigern conferirte und zwei Bergleute in das Knappenhaus sandte, um, die erforderliche Anzahl von Grubenlich- tern Herbeizuholen.

Schon nach zehn Minuten waren Letztere wieder zur Stelle, zündeten die mitgebrachten Lichter an und gaben jedem der Herren, welche die Fahrt mitmachen wollten, eines davon in die Hand. Darauf ordnete der Direktor den Zug. Voran gingen die Steiger, dann folgten abwechselnd Herren und Damen, worunter auch Kurt und Helene, und den Schluß machten der Direktor, zwei Bergleute und — Türk, der sich ebenfalls der Partie angeschlosten hatte. Bald war das jenseitige Thalgehänge mit seinen Gesteinshalden, erklommen und zwischen den Schienen der Förderstrecke dahrnschreitend, gelangte die Gesellschaft kurz darauf an dem Eingang des Stollens, wo zwei Diener des Grasen gerade damit fertig geword en waren einen „Hund" mit zahlreichen Wein- und Champagnerflaschen zu beladen.

Einer der Bergleute hing dann sein Grubenlicht davor und schob ihn in den Stollen hinein und im Gänsemarsch folgte die lange Reihe der Herrschaften hinterher.

„Herr Direktor", flüsterte da Einer der Bergleute, „wollen wir denn das Vieh wirklich mit hineinnehmen. Sie wissen doch, ein Hund in der Grube —*

„Bringt nichts Gutes", fiel ihm lächelnd der Angeredete ins Wort, «diesmal kann ich Euch nicht helfen, — laßt ihn nur ruhig hinter uns hertrotten, — ich bürge Euch dafür, daß kein Unglück geschehen wird. Daß Euch doch der Aberglaube so schwer auszu- treiben ist!" setzte er kopfschüttelnd hinzu. (Forts, f.)

Vermischtes

München, 4. Oct. Die„Schwäb. Chr." berichtet, daß gestern auf einer in der Nähe von Kufstein abgehaltenen Jagd, bei der mehrere dem höheren Adel ungehörige Herren anwesend waren, einer derselben — der Freiherr v. Leoprechting — durch einen unglück­lichen Schuß getödtet wurde.

Vereint in den Tod. Bei der Station Blichen (an der Berlin-Hamburger Bahn) fand man am 4. October die Leichen zweier Mädchen, Schwestern, in dem kleinen Bache Steinau. Nach den vor­gefundenen Papieren hatten die Unglücklichen, zwei Näherinnen aus Berlin, welche mit Nahrungssorgen zu sümpfen hatten, den schreck­lichen Entschluß zum Selbstmorde gefaßt. Sie hatten sich mit den Handgelenken zusammengebunden und den Tod gesucht und gefunden.

Posen, 7. Oct. Der „Pos. Ztg." wird aus Strelno geschrieben: Ein schreckliches Unglück hat sich heut gegen 111 Uhr Vormittags in unserer Stadt zugetragen. Die Decke der Synagoge stürzte herab, während gerade der Tempel, des Festgottesdienstes wegen, mit Andächtigen gefüllt war Circa 30 Personen, zum Theil Frauen und unter diesen einzelne in gesegneten Umständen, wurden mehr oder minder schwer verletzt. Ein Handlungscommis wurde durch die herabfallenden Trümmer so stark getroffen, daß er mit theilweise zerschmettertem Kopfe und von Blut überströmt in hoffnungslosem Zustande fortgeschafft werden mußte und nach wenigen Stunden verstorben ist. Der Frau des Kaufmanns 8., einer Dame aus einer der angesehensten Familien — wurde durch Herab- allende Deckentheile das Rückgrat gebrochen, ein Fischhändler M. erhielt eine lese Wunde an der Stirne k. Viele im Innern der Synagoge anwesend,

Personen sprangen zu den in Manneshöhe befindlichen Fenstern hinaus, wobei sich die Meisten durch Glassplitter, einige nicht unerheblich, an Gesicht und Händen verletzten. Herzzerreißende Scenen spielten sich ab, als die ächzenden, schwer Verletzten aus dem Tempel getragen und auf dem Vorplätze von den Ihrigen, die sie kurz vorher gesund verlassen hatten, in so entsetzlichem Zu­stande in Empfang genommen wurden. Ob Jemandem und eventuell wem die Schuld an diesem Unglücksfalle zur Last zu legen sein wird, hat bis jetzt nicht constatirt werden können.

— Aus Baden, 6. October. Eine Verhandlung vor dem Constanzer Schwurgericht hat in den letzten Tagen wieder in einen wahren Abgrund sittlicher Verworfenheit hineinschauen lassen. Bierbrauer Wetzel von Vermatingen und Schreiner Ortlieb von dort waren wegen Brandstiftung und Mord ange­klagt. Wetzel ist verschuldet, häufig betrunken und roh und machte auch bei seiner Verhaftung einen Selbstmordversuch. Am 1. Juli 1877 brannte sein Wohnhaus mit den Nebengebäuden ab, während er in Ulm war, sein Hausknecht kam in den Flammen um's Leben. Von Wetzel durch Geschenke und Ver­sprechungen angestiftet, hatte Ortlieb das Haus angezündet, das hoch versichert war. Im Februar d. I. starb Wetzel's Ehefrau an Gift, das er durch Ortlieb hatte kommen lassen, und gerade wollte Wetzel im Juni b. I. wieder heirathen als er verhaftet wurde. Die Verhandlungen gingen unter großem Zudrang des Publikums vor sich und endeten damit, daß jeder der Beiden wegen Brandstiftung zu 15 Jahren Zuchthaus und wegen Ermordung Jeder zur Todesstrafe mittelst Enthauptung verurtheilt wurde.

Rotterdam, 7. October. Vor einigen Tagen bemüßigte sich ein zehnjähriger Knabe, ein Schaf, weiches auf einer von der Chaussee durch einen Graben getrennten Wiese weidete, durch Steinwerfen rc. zu verjagen und zu quälen. Das Schaf wurde hierdurch so in Wuth gebracht, daß es über den Graben setzte und dem Knaben so energisch zu Leibe ging, daß derselbe in eine geradezu lebensgefähr- liebe Lage kam, aus welcher er, höchst übel zugerichtet, von zufällig Vorübergehenden noch zeitig gerettet wurde; mit vieler Mühe gelang es einigen Männern, das wüthende Thier von dem Gegenstände seiner gerechten Zornesausbrüche zurückzuhalten und wieder auf die Wiese zu bringen. Als der Junge den folgenden Tag wieder an der Wiese vorbeiging, wurde das Thier ihn kaum gewahr, als eS auch schon über den Graben setzte und mit erneuter Wuth seinen Bedränger anfiel, denselben gegen eine Hecke andrückte und erst wieder auf Zuspringen mehrerer Personen zurückgetrieben werden konnte. Blutend und heulend suchte der geschundene Thierquäler das Weite.

Pest, 7. Oct. Im neuen jüdischen Tempel, wo sich anläßlich des Versöhnungstages eine ungemein große Menschenmenge einge­funden hatte, ereignete sich ein trauriger Zwischenfall. Nach dem Gebete für Verstorbene entstand plötzlich ein blinder Feuerlärm, wo­durch eine gräßliche Verwirrung hervorgerufen wurde. Alles stürzte dem Aasgange zu, namentlich die Frauen auf der Galerie erhoben Geschrei und drängten hinaus. Bei dieser Gelegenheit brach das Treppengeländer, und mehrere Personen stürzten in den unteren Raum. Der Gottesdienst mußte unterbrochen werden. — Vor dem Tempel war eine große Menge angesammelt. Bisher sind fünf schwere Verwundungen bekannt, durchgehends Frauen. Eine alte Frau brach beide Füße. Zwei Verwundete wurden in's Spital' transportirt; die erwähnte alte Frau liegt im Tempelhof. Die an- wesenden Aerzte hatten alle Hände voll zu thun mit den ohnmäch­tigen Frauen, deren eine große Anzahl vorhanden war. Nachmit­tags wurde der Gottesdienst wieder ausgenommen. Die Verwirrung entstand durch das Rufen einiger jungen Leute, man möge die Thü­ren öffnen. Dieser Ruf wurde auf der Galerie mißverstanden und für Feuerlärm gehalten, darauf stürzte Alles hinaus, und so ent­stand der Unglücksfall.

London, 8. October. Ein Angestellter derLiverpooler Zweig­anstalt der Bank von England ist mit einer Anzahl von Banknoten im Werthe von ungefähr 15,000 Pfd. St. auf- und davongegangen.

— Die älteste Frau in Wien. In Wien starb die Private Anna Suda. Die Verstorbene ist am 29. März 1767 geboren und Halle daher das außerordentlich seltene Alter von 1 H£ Jahren erreicht. Anna Suda, welche aus Torowitz in Böhmen gebürtig ist, wurde wiederholt zu den Fußwaschungen zugelaffen. In den letzten zwei Jahren war sie vollständig erblindet und auch aller geistigen Kräfte verlustig gegangen. Sie wohnte bei ihrem Sohne, dem Hausknechte bei einer Wiener Firma, der bis zur letzten Stunde seine Sohnespflicht an seiner alten Mutter erfüllt hatte.

Ein fettes Amt. AIs ein fettes Amt hat sich das des Bankerott-Registrators in Chicago erwiesen, der in der Woche vor dem Erlöschen des Bundes-Bankerott-Gesetzes täglich 15,000 DoU., am letzten Tage, 31. August c., sogar 20,000 Doll. Gebühren ein­gestrichen hat, die für jede Anmeldung 50 Doll betrugen.

— (A us der Kinderstube.) „Liebe Mama," fragte ein Kind, „was ist denn eigentlich ein Engel?" „Ein Engel, mein Schatz — nun, daß ist so ein kleines Bübchen wie Du, das Flügel hat und fliegen kann." Der Kleine schüttelte ungläubig den Lockenkopf. „Du zweifelst?" „Ich begreife nur nicht," fährt das wißbegierige Bübchen fort, „warum der Papa unsere Gouvernante mein süßer Engel nennt, die kann doch nicht fliegen." „O ja," entgegnete die resolute Mutter, „Du wirst bald sehen, wie die zum Hause hinausfliegt."